Aussichtslos: Café Villa Weitsicht geschlossen
Einst war der „Tempel“ ein beliebtes Ausflugsziel und auch als Jugendherberge zog er viele Menschen an. Hier wurde gesungen, getanzt, gelacht und die tolle Aussicht über die Stadt genossen.
Nach der Wiedervereinigung kam das Aus für die Jugendherberge und damit auch der Verfall des Gebäudes. Während ringsum Bungalows und Finnhütten schnell verschwanden, kamen die Abrissbagger für das markante Hauptgebäude neben dem Wasserturm erst 2018. Doch schon 2019 stand ein neues Gebäude in altem Antlitz – nicht rekonstruiert, aber doch akzeptiert, denn es ist nahe am historischen Vorbild und schön anzusehen.
Die Doberaner kamen wieder auf ihren Tempelberg und sie feierten auch wieder. Unten gab es eine Gaststätte, oben einen Saal zum Feiern mit tollem Ausblick und sonst im Gebäude noch eine Wohnung und ein Frisiersalon, in dem die Inhaberin Daniela Härtel selbst die Schere schwingt. Ihr verdanken die Doberaner die Wiederbelebung dieses schönen Standorts.
Allerdings währte die Freude nicht lange. Die erste Betreiberin der Gaststätte kam von Hohenfelde nach Bad Doberan und vergrößerte sich vom Backshop zum Café. Auch altersbedingt war dem von Anfang an eine Ablaufzeit gesetzt, sodass sehr bald ein neuer Betreiber kam – wieder aus Hohenfelde, wie übrigens auch Dani Härtel, weshalb das nicht verwundern mag. Jetzt wurde aus dem Café und Café-Restaurant und die Erfolgsgeschichte weitergeschrieben.
Wie aber so oft, zerstörte die Corona-Pandemie das große Glück. Davon erholte sich die Gastronomie nicht, sodass bald ein neuer Betreiber gesucht, aber nicht gefunden wurde. 2024 schien diese Krise dann überwunden: Mit einem Soft Opening eröffnete das Café-Restaurant neu und als Besonderheit arbeiteten nun Menschen mit Handicap auf dem Tempelberg. Hier sollten Behinderte eine Chance kriegen – sollte Inklusion gelebt werden.
Am Konzept wäre das sicherlich nicht gescheitert, aber seit Corona jagt eine Krise die nächste und wer nicht direkt dort ist, wo die Touristen und Einheimischen täglich sind, hat es mit Gastronomie doppelt schwer. Die Umgebung des Tempelberges war früher schon für sich ein beliebtes Naherholungsgebiet, zu der aber von den Einheimischen nur noch die Alten Bezug haben. Es kamen zu wenig, es wurde zu wenig verdient bei immer weiter steigenden Ausgaben und Preiserhöhungen würden das nicht besser machen. Also musste die Betreiberin einen Schlussstrich ziehen.
Am 26. Juli öffnete das Café-Restaurant Villa Weitsicht ein letztes Mal. Ganz weg ist die Lokation jedoch nicht: Die Veranstaltungen laufen weiter – im September Musik mit Andreas Pasternack, im Oktober eine Lesung mit Dr. Ulrich Hammer. Das soll auch so bleiben und private und geschäftliche Veranstaltungen können auch weiterhin gebucht werden. Denn der Ort mit Weitsicht ist auch eine beliebte Hochzeitslocation geworden. Was natürlich auch bleibt, ist der Salon Villa Weitsicht, also das Frisör- und Kosmetikstudio von Dani Härtel.
Infos zur Buchung des Saals: https://www.cafe-villaweitsicht.de/
