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Machbarkeitsstudie: Vorerst kein Schwimmbad für Bad Doberan

Ein Schwimmbad für Bad Doberan – das ist ein lang gehegter Traum vieler Doberaner und Gäste. Mehrmals schien die Erfüllung dieses Traumes zum Greifen nah: Erstmals in den Neunzigern, als auf dem Kammerhof ein Ferienpark nach dem Format der CenterParks entstehen sollte. Der kam nicht und das Ferienpark-Projekt wurde zur größten Pleite der Stadt. Neue Hoffnung entfachte, als das alte Moorbad einen neuen Eigentümer fand. Doch auch dieses Vorhaben wird nie verwirklicht werden und somit kein Schwimmbad entstehen. In Heiligendamm gibt es zwar Entwürfe für ein Thalassozentrum, aber dort ohnehin mit einer Perspektive von Jahrzehnten.

Also wollte die Stadt es selbst versuchen und hatte ganz konkrete Ideen. In Bergen auf Rügen gibt es seit Oktober 2024 ein Sport-Schwimmbad,  das rund 14 Millionen Euro kostete. Davon hat die Stadt rund 6,5 Millionen gefördert bekommen und den Rest aus eigenen Mitteln und einem Kredit finanziert. Den Betrieb übernimmt eine Tochterfirma der Bergener Wohnungsbaugesellschaft als gemeinnützige GmbH (gGmbH).

Das sah man auch im Rathaus Bad Doberans als gute Idee an. Immerhin brauchen die Rettungsschwimmer und die Schulen eine Schwimmhalle und müssen immer nach Rostock fahren. Allein für den Transport zum Schwimmunterricht bezahlt die Stadt jedes Jahr 30.000 Euro. Und das geht nicht nur Bad Doberan so, sondern auch den Gemeinden im umliegenden Amtsgebiet. Gemeinsam eine Schwimmhalle errichten für Schulschwimmen, für die Wasserwacht und für Vereine und Einheimische – nur zum Schwimmen, ohne Wellness, SPA und Spaßbad und ohne Angebote für Touristen – das sollte doch machbar sein.

Ob es machbar ist, musste man jedoch prüfen lassen. Also wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Die braucht man auch, wenn man Fördermittel beantragt. Im Rathaus hatte man schon im Vorfeld viel geprüft und konnte darum so viel zur Studie beisteuern, dass selbst hier Kosten gespart werden konnten. Denn die Stadt hatte schon einen Wunsch-Standort gefunden – auf dem Thünenhof unweit des Klärwerks des ZvK. Der Zweckverband würde sogar eine günstigere Energieversorgung gewährleisten können und weil man ihn mit dabei haben will, hat man schon im Vorfeld gemeinsam geschaut, was alles möglich ist.

 

Aus der Machbarkeitsstudie

Beauftragt mit der Studie wurden die PROFUND Consult aus Hamburg und CONSTRADA Ingenieur-Gesellschaft aus Hamburg. Zur Machbarkeitsstudie gehören eine Standortanalyse, eine Einzugsgebietsanalyse, eine Wettbewerbsanalyse, eine Besucherprognose sowie eine Variantendefinition und Angaben zu den Investitionskosten, zum Zeitplan, der Wirtschaftlichkeit und auch der Betriebsmodelle und möglicher Fördermittel.

Der Standort wurde als gut befunden. Zwar gibt es hier keine Freizeitprägung, aber dafür viel Naturraum und die Möglichkeit einer sichtschützenden grünen Einfriedung. Nutzungskonflikte sind zwischen Feuerwehr, Klärwerk und Tierheim nicht zu erwarten, Synergien hingegen würden sich durch das Klärwerk bei der Energieversorgung ergeben. Die Innenstadt hätte keine Vorteile, aber auch keine Nachteile. Ein Nachteil der Alleinlage wäre jedoch, dass nicht nur für Umland-Schulen, sondern auch die Doberaner Schulen selbst Busverkehr organisiert werden müsste. Dafür braucht man das ohnehin kommunale Grundstück nicht erst kaufen und hat sogar genug Platz für Parkplätze und eine Bushaltebucht. Sogar spätere Erweiterungen wären möglich.

Beim Einzugsgebiet rechnet man mit drei Zonen, die sich aus der Anfahrzeit ergeben. Das lokale Einzugsgebiet bis 15 Minuten beschränkt sich auf die Stadt Bad Doberan sowie angrenzende Gebiete.

Die regionale Zone B umschließt beinahe das gesamte Stadtgebiet von Rostock und Zone C reicht im Westen bis Wismar, im Süden bis Güstrow und im Osten bis nach Ribnitz Damgarten, „wobei es wahrscheinlich nicht realistisch ist, mit einem Bäderangebot in Bad Doberan Potenziale aus den größeren Städten im Einzugsgebiet anzusprechen, da diese über eigene Angebote verfügen. Sollte es Wille sein, diese Potenziale anzusprechen, stellt dies hohe konzeptionelle Anforderungen an die spätere Anlage“.

Daraus ergeben sich nun auch eine Wettbewerbsanalyse, die so zusammengefasst wird:
„Insgesamt befinden sich im gesamten Einzugsgebiet zwei sportorientierte Hallenbäder sowie eine
Planung eines sportorientierten Bades. Alle Anlagen dieses Typus befinden sich in der Stadt Rostock.
Alle anderen sieben Bäder besitzen mitunter auch Angebote der kommunalen Daseinsvorsorge, zielen
aber in erster Linie auf die touristischen Potenziale vor Ort ab.“

Das Fazit lautet nun:

25m-Sportbecken (für Individualbesuche, Schulen und Vereine), Lehrschwimmbecken bzw. Kursbecken als Angebot für ältere Zielgruppen, als auch für Familien mit Kindern; evtl. konzipiert als Warmbecken oder zumindest als Angebot mit Warmbadetagen und optional ein kleiner Eltern-Kind-Bereich oder eine Sprunganlage mit 1m-Brett und 3m Plattform.

Eine Sauna wird vorerst nicht empfohlen, da diese nicht zum kommunalen Versorgungsauftrag zählt.
Sollte aber im neuen Bad in Rostock keine Sauna kommen, könnte eine kleine Anlage sinnvoll sein.

Die Prüfer waren aber auch: „Ein weiteres Freizeitbad, welches auch die touristischen Potenziale im Fokus hat, wird nicht empfohlen, da von diesen Bädern im Einzugsgebiet bereits genügend existieren.“ und weiter: „Ein neues Bad, welches nur die Bedarfe von Bad Doberan im Fokus hat, wird nicht als sinnvoll erachtet.“ Man muss also das Umland mit einbeziehen.

Es scheitert an den Kosten

Die Analyse ist sehr detailliert und kann am Ende des Beitrages heruntergeladen werden. So viel vorweg: Auch wenn der Standort, das Einzugsgebiet und die Besuchsprognose gut ausfallen, scheitert es letztlich an den Kosten. 

Für die kleine Variante mit 2.545 qm Bruttogeschossfläche sind 14.150.800 Euro veranschlagt, für die mittlere mit 3.525 qm 19.168.400 Euro und für die große mit 3.580 qm 19.642.000 Euro. Rechnet man alle Risiken mit ein – was man bei der Beantragung von Fördermitteln muss – ist man bei 18.900.000 bis 26.300.000 Euro Baukosten, also 18 bis 26 Mio.. Hinzu kommen Zinsen für Kredite. 

Damit würde die Schwimmhalle dann zwar stehen, aber noch nicht in Betrieb gehen können. Die jährlichen Kosten würden je nach Förderung bei 1 bis über 2 Mio. Euro liegen:

„Die Anlage weist unter Zugrundelegung der angesetzten Parameter in allen Varianten eine
deutliche Unterdeckung der Betriebskosten (DB I) auf. Im 1. Betriebsjahr weist die Anlage, je nach Variante, ein negatives operatives Ergebnis zwischen 620.000 EUR netto und 720.000 EUR netto auf. Die wirtschaftlichen Berechnungen lassen bei einer konservativen Herangehensweise auf einen Zuschussbedarf zwischen 1,12 Mio. EUR (Variante 1 mit 50 % Förderung) bis hin zu 2,16 Mio. EUR netto (Variante 3, ohne Förderung) schließen.“
(Quelle der Zitate: Machbarkeitsstudie – Link am Ende des Beitrages)

 

Das ist dann der Punkt, wo die Stadtverwaltung schauen muss, was die Stadt leisten kann. Bürgermeister Jochen Arenz formuliert es so:

„Die Baukosten sind auf ca. 21 Millionen Euro explodiert und das Land M.-V. würde das Schwimmbad nur mit maximal 500.000 Euro fördern. Das Betriebsergebnis liegt jährlich bei ca. minus 750.000 Euro, dazu kommen die Abschreibung von ca. 650.000 Euro sowie die Zinsbelastung von jährlich ca. 2,1 Millionen Euro. Bei einer Förderung von 50 %, die zu erwarten gewesen wäre, beträgt das Minus ca. 1,38 Millionen Euro.
 
Unsere Hoffnung auf das schuldenfinanzierte „Sondervermögen“, hat sich leider zerschlagen. Der Stadt Bad Doberan hätten rechnerisch 16 Millonen Euro zugestanden und damit wäre die Zinsbelastung erheblich gesunken. Nun wird das Geld anders verteil.
 
 
 
Und er macht Hoffnung: Mit der Stadt Rostock sind wir weiter im Gespräch und auch wenn der Bau zur Zeit ausgeschlossen ist, werden wir weiter kämpfen und in der Zukunft jede Chance nutzen.
Vielleicht werden irgendwann Träume ja doch noch wahr…“
(Quelle: Facebook-Account Joch Arenz)
 
 

Kommentar

Der Bürgermeister hatte den „Traum vom Schwimmbad“ in seinem Wahlprogramm für die 2. Amtszeit. Ohne Versprechen, ohne Illusionen. Nach seiner Wiederwahl war dieses Thema eines der ersten, das er anging. Mit der Machbarkeitsstudie wurde nun erstmals etwas sachlich geprüft, worüber man seit Jahrzehnten redet und wovon man schwärmt. Es überhaupt einmal geprüft zu haben, hat Fakten geschaffen, die freilich derzeit nicht schön sind, aber auf die man vielleicht in Zukunft aufbauen kann. Denn am Ende geht es nur um die Kostendeckung. Ein Schwimmbad ist möglich, der Standort gut, das Konzept machbar – aber eben nicht von der Stadt allein bezahlbar. 
 
 
 
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