Der Schnatermann war einst eines der beliebtesten Naherholungsgebiete in Rostock und die gleichnamige Gaststätte eine Legende. Vor einem Jahr erweckten die Familien Krause und Meyer das Kleinod mit langer Historie wieder zum Leben. Was hat das mit Bad Doberan-Heiligendamm zu tun? Lesen Sie selbst.
Inhalt
Seite 1
Der „Schnattermann“
Gefährliche Ruderpartien, ein geheimnisvolles Schiffswrack und echte Wildschweine
Von Heiligendamm zum Schnatermann: Eine besondere Geschichte
Die ganze Familie macht im Traditionsgasthof mit
Haus und Hof sind ein Stück Rostocker Geschichte
Nach der Wende kam das Ende
Die Familie verliebte sich sofort
Seite 2
Wiedersehen nach einem Jahrzehnt: Besuch beim Schnatermann
Im Umkreis gibt es noch viel Potenzial
Auf dem Hof geht es Schritt für Schritt voran
Biergarten ist das nächste Projekt
Der Grundstein für neue Legenden ist gelegt
Wiederentdeckungen am Kindertag
Seite 3
Warum heißt es wirklich „Schnatermann“?
Harte Arbeit prägt den Landstrich
Theodor Fontane, Ina Seidel, Achim Reichel – der Schnatermann ist eine Legende
Der „Schnattermann“
Wer kennt ihn nicht, den Schnatermann? Ich lernte ihn als Kind kennen.
Meine Mutters Cousine wohnte in Markgrafenheide direkt neben dem KRAKUS und da sie einen Bungalow hatten, verbrachten wir oft ein paar Tage dort. Außer dem Baden in der Ostsee, Waldspaziergängen und Broileressen gehörte auch immer eine Bootsfahrt über den Radelsee dazu. Doch meistens war es umgekehrt: Wir fuhren mit dem Trabi nach Stuthof, was damals gut eine Stunde Fahrt war. Der Weg führte direkt durch den Wald und weil man nicht schnell fahren durfte, kam es uns endlos vor.
Meine Eltern sprachen vom „Schnattermann“ mit zwei „T“ und ich stellte mir eine Ente in Menschengestalt vor. Die Begründung für den seltsamen Namen hatten meine Eltern auch parat: Weil der so viel schnattert, wie ich bei der Autofahrt.
Gefährliche Ruderpartien, ein geheimnisvolles Schiffswrack und echte Wildschweine
Ich erinnere mich gut an diese Ausflüge. Erst der geheimnisvolle Wald, dann die Gehege mit den Wildschweinen und Rehen, der Streichelzoo, der Duft von Essen, Wald- und Seeluft und dann dieser Trampelweg zum Bootsanleger, warten auf ein Boot und dann alle Mann rein ins Ruderboot. Das war viel aufregender als ein Besuch im Zoo. Mein Vater und mein Bruder saßen am Ruder und meine Mutter und ich hinten. Wir haben dann immer nach Fischen und am Ufer entlang geguckt.
Einmal hatten wir ein Boot mit einem Becher drin und wollten ihn rauswerfen, aber auch nicht ins Wasser schmeißen. Nach ein paar Metern wussten wir, warum er dort ist. Das Boot hatte ein Loch, das zwar gestopft, aber nicht dicht war. Also mussten wir schöpfen. Als der Bootsverleiher uns auf der Rückhol-Tour entgegen kam zeigten wir ihm das. Er schätzte die Gefahr als gering ein, solange wir nicht den Stöpsel ziehen. Zur Not können wir auch zu Fuß zurück gehen – das Wasser ist flach.
Damals schwammen keine Ausflugsdampfer dort entlang. Mit der MS „Schnatermann“ fuhren wir nach der Wiedervereinigung einmal und auch mit dem Tretboot sind wir noch einmal gefahren. Bekannte hatten eine Yacht am Schnatermann liegen, mit der wir dann auch mal eine kleine Runde mitfahren durften. Spannend war der aus dem Wasser ragende Rest eines gesunkenen Schiffes.
Von Heiligendamm zum Schnatermann: Eine besondere Geschichte
Der letzte Besuch war eine Enttäuschung: Der Bootsanleger war heruntergekommen, die Boote ungepflegt und der Service unfreundlich bei hohen Preisen. Die Gehege waren weg, alles recht verwuchert und essen konnte man außer Eis aus der Truhe auch nicht mehr. Das muss 2004 oder 2005 gewesen sein. Danach waren wir angesichts dieser Erfahrung nicht mehr am Schnatermann.
Das änderte sich 2020. Durch meine Internetseite lernte ich in den sozialen Netzwerken so manche Mitarbeiter des Grand Hotel Heiligendamm kennen. Einige traf ich auch persönlich, wie bei der Übernachtung in der Villa „Greif“ den Mitarbeiter in der Guest Relation, Christoph Krause. Ich verfolgte bei Instagram, wie er seine Pauline Sophie in Heiligendamm heiratete und wie sie Kinder bekamen. Die beiden blieben mir in Erinnerung und als Christoph Krause mir eines Tages schrieb, war seine Vorstellung eigentlich überflüssig.
Ich erfuhr, dass er mit seiner Familie den Traditionsgasthof Schnatermann übernommen hat und wir beschlossen, uns das anzusehen. Mit persönlicher Führung, denn mir war klar, dass hier Stoff für eine Geschichte lauert. Wegen Heiligendamnm.
Christoph Krause ist nämlich eng mit der Weißen Stadt am Meer verbunden. Er hat als Azubi angefangen, war Commis de rang und dann Chef de rang. Der Wechsel an der Spitze des Managements im Jahr 2007 verschlug ihn nach Berlin zum Hotel Adlon. Nach dem Verkauf des Grand Hotels bewarb er sich erneut und arbeitete seit 2014 als Guest Relation Manager. Die vielen verschiedenen Stationen innerhalb des Hotels hat er bewusst gewählt, denn sein Traum ist es, einmal das Grand Hotel Heiligendamm zu führen. Damit wäre er der erste Hoteldirektor des Hauses, der von Anfang an in ihm gearbeitet hat.
Das ist sehr interessant für mich als Heiligendamm-Kenner und wie ich erfuhr, arbeitet seine Frau Pauline Sophie als Assistentin für den Architekten der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm. Die beiden haben sich in Heiligendamm kennen gelernt, hier hat er ihr den Heiratsantrag gemacht und hier haben sie auch ihre Hochzeit gefeiert.
Die ganze Familie macht im Traditionsgasthof mit
Sie haben den Traditionsgasthof als große Familie gekauft und wieder zum Leben erweckt. Denn der Traditionsgasthof Schnatermann ist ein Familienprojekt der Familien Krause & Meyer. Christoph Krause ist für das Konzeptionelle zuständig und sein Schwager Richard Meyer für das Leckere. Dabei ist Niveau garantiert, denn Meyer hat im Kurhaus-Restaurant des Grand Hotels gelernt. Er hatte auch zusammen mit Rune Klimasch das Heidecafé in Rövershagen als „Runards“ neu eröffnet. Nun hat er im Familienprojekt seinen festen Platz zwischen Töpfen und Pfannen.
Die Eltern Meyer sind voll mit eingespannt. Mutter Silke Walzog-Meyer kümmert sich um die Buchhaltung und ihr Mann Frank ist als Tischlermeister für alles zuständig, was jenseits von Zutaten, Zahlen und Konzepten an Arbeit anfällt. Tochter Pauline Sophie arbeitet weiterhin für die ECH. Eigentlich wollte auch Christoph Krause weiter im Grand Hotel arbeiten, ist dann aber zum Trihotel gewechselt und steigt ab Juni ganz in das Familienunternehmen ein, um das Projekt voll zu entwickeln. Eröffnet haben sie den Traditionsgasthof zu Christi Himmelfahrt 2019.
Haus und Hof sind ein Stück Rostocker Geschichte
Die Geschichte des Hauses geht auf das Jahr 1760 zurück, als mit dem Torfabbau in der Heide begonnen wurde. Für die Belegschaft wurde der Torfstecherkaten gebaut. Zum Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgten Erweiterungen für Wohnungen der Gespannführer und Beamte der Stadt. Im Jahr 1887 wurde das Haus zur Revierförsterei umgebaut und erhielt das heutige Aussehen. Außerdem erhielt der Förster die „Kruggerechtigkeit“ zur Aufbesserung seines privaten Budgets.
Später wurde aus der Revierförsterei ein Forstfuhrmannshof und ab 1925 sind auch Übernachtungen von Jugendgruppen unter dem Dach verzeichnet. Noch zu DDR-Zeiten lebte der letzte Hofpächter dort, bevor er 1956 weg ging und die Konsumgenossenschaft das Gasthaus übernahm.
Seit 1972 wurde der Schnatermann in ein Naherholungsgebiet umgewandelt. Das Forsthaus bekam einen Anbau für einen Selbstbedienungstrakt, der Rhododendrongarten und der Streichelzoo entstanden, Wildgehege wurden angelegt, Sport- und Liegewiesen entstanden und ein Indianerdorf wurde gebaut.
Kutschfahrten gehörten schon zu DDR-Zeiten zum festen Programm, ebenso der Bootsverleih und natürlich das Flussbad am kleinen Sandstrand. Es war oft brechend voll und mitunter musste man erst eine Parklücke finden und dann in der Schlange nach dem Boot oder Essen anstehen.
Nach der Wende kam das Ende
Diese Ära endete nach der Wiedervereinigung. Naherholungsgebiete gerieten in Vergessenheit, weil die Bürger ihre neue Freiheit genossen und die Welt bereisten. Statt im heimischen Biergarten traf man sie am Ballermann. Sieben Jahre nach der Wende schien das Schicksal des Schnatermanns besiegelt. Das Haus sollte abgerissen werden.
Steffen Zube übernahm 1998 mit seiner Familie die Gaststätte und eröffnete sie nach achtmonatigem Umbau zur Jahrtausendwende neu. Alles andere ringsherum verschwand. Vom Streichelzoo, den Wildgehegen und dem Indianerdorf ist keine Spur mehr. Dafür entstand eine Bungalowsiedlung mit 10 Holzhäusern als Unterkünfte. Nebenan stehen die Wagen von Axel Peters „Mecklenburger Kutsch- und Kremserfahrten als eine der weiter lebenden Traditionen. Der Bootsverleih schloss, ein neuer Interessent fand sich nicht und so funktionierte auch das Konzept des Naherholungsgebietes nicht mehr, dem sich die Gaststätte verschrieben hatte.
So folgte ein Teufelskreis: Zube richtete seine Öffnungszeiten zuletzt oft nach dem Wetter und der Besuchslage und so standen oft Leute nach langer Radtour vor verschlossenen Türen. Das führte zu schlechten Bewertungen und sprach sich herum. Zudem hatte Zube mit der Bürokratie zu kämpfen, denn der Traditionsgasthof aus dem 18. Jahrhundert erfüllte nicht ordnungsgemäß die Abwasser-Vorgaben der Stadt. Das wurde zum Problem, als überall Klär- oder Sammelgruben zur Pflicht wurden. Zube wollte diese Investitionen nicht mehr auf sich nehmen und bot den Gasthof zum Verkauf.
Die 8.500 Quadratmeter wurden im Internet für rund eine Million Euro angeboten. Es gab mehrere Interessenten, aber keinen Käufer und die Stadt überlegte zwar, das Erbbaugrundstück zurückzunehmen, machte aber laut Zube kein Angebot. So schloss er Ende 2017 die Türen des Forsthauses. Einbrecher öffneten sie gewaltsam wieder und hinterließen Spuren der Verwüstung.
Die Familie verliebte sich sofort
Als die Familien Krause und Meyer durch Zufall auf den leer stehenden Gasthof aufmerksam wurden, verliebten sie sich sofort. Christoph Krause ist eigentlich in Schwerin geboren und wusste anders als seine Schwiegereltern nicht viel über die Geschichte des Schnatermanns. Mit Hilfe von Youtube machte er sich später ein Bild von Rostocks legendärem Ausflugsziel.
Das Potenzial erkannte er aber sofort. Die Ideen sprudelten und so war es ausgemachte Sache, das 8.500 Quadratmeter große Grundstück zu kaufen. Dabei ging das Team solide vor: Zuerst wurde der Außenbereich hergerichtet, eine Imbisshütte entstand direkt am Durchgangsweg vom Parkplatz zum Ufer und die Wiese lädt mit Strandkörben, Tischgruppen und Liegestühlen zum Verweilen ein. Durchgehend beliebte einfache Gerichte und regelmäßige Events mit Wurst und Fleisch vom Grill und Wild vom Spieß sorgen einerseits für die Versorgung im Naherholungsgebiet und andererseits für das besondere Extra, für das es sich lohnt, zum Schnatermann zu fahren.
Der Plan ging auf: Gleich zur Himmelfahrts-Premiere kamen über 1800 Gäste, der NDR, ARD und die OZ berichteten und so sprach es sich herum, dass der Schnatermann wieder offen ist. Nur ich wusste nicht davon.
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Wiedersehen nach einem Jahrzehnt: Besuch beim Schnatermann
Im Umkreis gibt es noch viel Potenzial
Auf dem Hof geht es Schritt für Schritt voran
Biergarten ist das nächste Projekt
Der Grundstein für neue Legenden ist gelegt
Wiederentdeckungen am Kindertag
Seite 3
Warum heißt es wirklich „Schnatermann“?
Harte Arbeit prägt den Landstrich
Theodor Fontane, Ina Seidel, Achim Reichel – der Schnatermann ist eine Legende
Wiedersehen nach Jahren: Besuch beim Schnatermann
Also fuhr ich am ersten Maiwochenende 2020 mit Frau und Kind hin. Statt durch den Wald geht es nun am Waldrand auf einer neuen Straße entlang. Durch die Geschwindigkeitsbegrenzung kommt es einem immer noch unwahrscheinlich lang vor und das eigene Kind ist heute wieder so ungeduldig, wie man selbst damals. Aber plötzlich ist der Sandparkplatz da. An diesem Samstag war Regen angesagt, wegen Corona waren sowieso alle Gaststätten geschlossen und es war Mittagszeit. Dementsprechend war es zunächst recht leer auf dem Gelände.
Das vertraute Tor lud gleich zum Eintritt ein. Links statt Selbstbedienungstheke Festzelte, rechts ein wunderschöner großzügiger Park, wie eine Sonnenwiese und doch gefühlt im Wald. Strandkörbe mit Tischen und Stühlen stehen in gemütlichen Ecken, einzelne Tische mit Stühlen an den Bäumen und Sonnenliegen – sogar für Paare – an den besonders sonnigen Stellen. Wir fühlten uns gleich wohl.
Geradezu begrüßt einen eine Hütte mit Tresen. Hier gibt es aktuell Pommes, Bratwurst & Co, Getränke verschiedener Art und Eis. Und übrigens auch äußerst leckeren Erdbeer-Eierlikör, den wir uns für den Abend abfüllen ließen. Die wenigsten Gäste gehen dran vorbei und wenn, dann halten sie spätestens auf dem Rückweg an.
So ist es auch bei uns, denn zuerst begrüßt uns Christoph Krause und lädt zu einem Rundgang ein. Sohnemann hat kein Ohr dafür, weil er von den Sonnenliegen, dem Kinderfußballtor und den Strandkörben begeistert ist. Er will wieder hin.
Im Umkreis gibt es noch viel Potenzial
Also gehen wir zu zweit zum Wasser. Am Anleger liegen Schiffe – viel mehr, als ich es in Erinnerung hatte. Den Bootsverleih gibt es nicht mehr. Es hat keiner mehr Interesse daran gezeigt. Es ist ja nicht nur der Bootssteg am Schnatermann, den man betreiben müsste. Auch am anderen Ende des Moorgrabens in Markgrafenheide müsste ein Bootssteg betrieben werden und die Boote von den einfachen Fahrten müssten zurück geholt werden.
Dazu noch die ganzen Auflagen… da hat sich einfach keiner ran getraut. Das hätte sich bisher auch angesichts der geschlossenen Gastronomie nicht gelohnt. Jetzt könnte das anders sein.
Die Familien Krause und Meyer wollen das aber nicht auch übernehmen – sie haben auf den 8500 Quadratmetern genug zu tun und gehen es nacheinander an, statt lauter Baustellen gleichzeitig zu öffnen.
Die Eltern sind oben in die Hotelzimmer eingezogen, unten am Eingang der verschlossenen Tür liegt die Krabbeldecke für den jüngsten Nachwuchs. So geht Familienunternehmen.
Auf dem Hof geht es Schritt für Schritt voran
Das Innere der Gaststätte ist urig. Viel Holz, viel Fachwerk und gemütliche Ecken versprühen einen Charme wie vor zweihundert Jahren. Geheizt wird auch mit Holz – schließlich war das mal ein Forsthaus. Und doch wirkt es nicht altbacken und verstaubt. Dass hier 70 Menschen sitzen können, sieht man auf dem ersten Blick gar nicht.
Aus dem SB-Bereich ist ein kleiner Saal mit Theke geworden. Um den langen Tisch finden 30 Leute Platz und für die Kinder gibt es eine kleine Lounge. Betriebsfeiern und Familienfeste sind erst für 2020 fest vorgesehen, aber die ersten Familienfeiern gab es schon – unter anderem eine Hochzeit.
Wenn die Holzhäuser wieder hergerichtet sind, können die Gäste auch vor Ort übernachten. Feiern bis in die Morgenstunden gehört ohnehin zum Angebot und bei der Buchung eines DJ und dem Unterhaltungsprogramm kann der erfahrene Guest Relations Manager Christoph Krause natürlich helfen. So auch bei Hochzeiten: Auf Sägebock und Sektempfang muss keiner verzichten.
Es gibt Büffetangebote, hausgebackenen Kuchen und auch Kaffee- und Teespezialitäten. Den würdigen Rahmen für eine Gedenkfeier in beruhigender Atmosphäre bietet das Traditionshaus ab 9 Euro pro Person, auch in einem exklusiven Raum. Weihnachtsfeiern mit einem Weihnachtsarrangement aus der Küche und Betriebsfeiern sind hier ebenfalls wieder möglich.
Auf der Internetseite ist das Innere im Mai 2020 noch in Arbeit und im Haus selbst ebenso. Draußen aber soll es im Juni mit einem Biergarten los gehen. Auf der Terrasse finden noch einmal 50 Personen Platz. Die Festzelte sollen schöneren Bauten weichen.
Biergarten ist das nächste Projekt
In den Videos, die von der Eröffnung berichten, kommen Leute zu Wort, die den Schnatermann schon ewig kennen und sich freuen, dass die Gaststätte wieder da ist.
Und es werden Bilder gezeigt von einer gut gefüllten Wiese, saftigem Fleisch, viel Bier, Musik und guter Laune. Denn jedes Wochenende in der Saison wird der heute so ruhige Park zum Biergarten. Gut 150 Leute finden hier Platz.
Samstags heizt Richard Meyer den Grill an und am Sonntag gibt es Fleisch vom Spieß. Vornehmlich Wild und möglichst regional, denn die regionale Küche ist Richard Meyers Spezialität und so wie die Bayern in ihren Biergärten Haxe, Hendl und Weißwurst bestellen, so soll auch der Mecklenburger hier seine typischen Landesspezialitäten finden. Die Gäste aus anderen Ländern lernen so die mecklenburgische Küche kennen.
Damit der Traditionsgasthof angesichts so vieler Fünf-Sterne-Qualifikationen aber auch das Zentrum des Naherholungsgebietes bleibt, gibt es jeden Tag von 11 bis 17:30 Uhr auch den beliebten kleinen Imbiss mit Pommes, Bratwurst & Co. Das Restaurant selbst öffnet am 1. Oktober wieder, denn dann möchten die Leute lieber drinnen im Warmen essen. Wer trotzdem draußen sitzen möchte, den lädt die Terrasse vor dem Haus ein.
Der Grundstein für neue Legenden ist gelegt
Bei so viel Platz und so viel Schönheit liegt der wahre Schatz aber vor der Tür. Die Herrentagsparty ist das erste Open-Air-Event des Jahres und das Schnatermann Openair das letzte der Saison. Auf zwei Bühnen wird richtig Stimmung gemacht. Dazwischen liegt das Einschulungs-Festival mit Hüpfburg, Kinderanimation, Bühnenprogramm und Kinderfotografin. Natürlich gibt es immer auch Essen und Trinken.
Wegen der Corona-Verordnungen sind 2020 alle drei Veranstaltungen abgesagt. Eigentlich hatte der Schnatermann Glück, dass er außer Haus verkaufen und in der zweiten Hälfte seines ersten Jahres überhaupt Geld verdienen konnte. Jetzt, wo die Gaststätten wieder öffnen können und die Gäste aus den anderen Bundesländern wieder zu uns kommen dürfen, kann es für den Traditionsgasthof Schnatermann so richtig los gehen und das Familienteam ins zweite Jahr starten.
Vielleicht ist das die Initialzündung für eine neue Entwicklung des Umfeldes. Vielleicht erzählen unsere Kinder auch einmal so begeistert vom „Schnattermann“.
Wiederentdeckungen am Kindertag
Schon beim ersten Besuch nahmen wir uns vor, wiederzukommen. Der Kleine fragte ohnehin, wann wir mal wieder zum „Schnattermann“ fahren. Christi Himmelfahrt sollte es sein, aber da entschied sich die Familie spontan zu einem Spaziergang. Also Pfingsten. Da sein Geburtstag auf den Samstag fiel, war Pfingstsonntag erst einmal Resteessen angesagt. Am Pfingstmontag sollte es dann los gehen und da auch Kindertag war schaute ich, was man denn noch machen könnte – die Kindertagsparty am Schnatermann musste ja wegen des Corona-Veranstaltungsverbots ausfallen.
Wir fuhren früh genug los, ab Stuthof ging es nur langsam voran, weil sehr viele Familien mit Fahrrädern unterwegs waren und man bei Kindern ja noch langsamer als erlaubt fährt. Der Parkplatz war eine halbe Stunde nach Öffnung des Imbisses schon zu einem Viertel belegt. Wir fanden gleich neben der Straße noch einen letzten Schattenplatz. Als wir drei Stunden später fuhren, standen neben uns noch zwei Autos regelrecht auf der Straße – immer neue kamen und kurvten, denn der Parkplatz war voll. Hinter Doppelreihen bildeten sich schon Längsreihen und auch am Straßenrand entlang der Straße hatten sich Wildparkplätze gebildet. Der Schnatermann lebt.
Wir hatten nicht viel Zeit, uns umzuschauen. Außer dem Imbiss gab es noch eine Grillstation, das Festzelt war aufgestellt und Spiele wie Cricket, Vier gewinnt, Fußball und Hula Hopp standen für die Kinder bereit. Die Terrasse war mit Palmen geschmückt, es gab kleine Tischgruppen und größere Gruppentische, Sonnenplätze und Schattenplätze, Sitzplätze und Liegeplätze.
Wir wurden gleich erkannt und nett begrüßt, nahmen jeder ein Eis und gingen vorbei am Gasthaus und den Kutschpferden zum Anleger.
Die Wartezeit verbrachten wir mit einem Spaziergang am Warnowstrand entlang bis zum Zaun des Überseehafens. Am schmalen Schlickstrand und im flachen Gras lagen alle paar Meter Familien und Paare in der Sonne. Segelboote, Paddelboote und Kitesurfer waren auf dem Breitling unterwegs und Kinder liefen viele Meter weit in das flache Wasser, bevor es mal den Bauchnabel erreichte. Am Horizont waren die Ausflugsschiffe unterwegs und von dort kam auch unser Schiff.
Es ist nicht irgend ein Schiff, sondern die MS „Schnatermann“. So heißt zwar auch die alte Barkasse, die im kleinen Hafen liegt, aber die fährt nur bei Niedrigwasser. Das war angesichts eines spürbaren Nordwindes nicht zu erwarten. Der Schaufelraddampfer kam, wendete und legte dann rückwärts an. Wir wollten eigentlich nach Markgrafenheide und waren etwas verunsichert, erkannten dann aber, dass der Einstieg nun mal links ist. Eine kleine Schar Leute stieg aus eine eine etwa gleich große ein.
Bezahlt wurde am Tresen, wir rundeten auf, denn die Reeder hatten von März bis Ende Mai auch keinen Verdienst. Da es wegen der Corona-Verordnungen noch keinen Tagstourismus gab und nur Übernachtungsgäste und Einheimische an Bord gehen konnten, gab es trotz mit Flatterband gesperrter Tischgruppen noch genügend Plätze auf dem Oberdeck.
Das Schiff wendet im Hafen noch einmal, damit es mit dem Bug Richtung Markgrafenheide zeigt. Dabei hat man einen schönen Blick auf den Hafen und die Einfahrt in den Moorgraben.
Auch der alte Anleger, wo man sich die Tretboote und Ruderboote ausleihen konnte, ist noch gut zu erkennen. Viel verändert hat er sich nicht.
Sohnemann wollte aber unten sitzen, also nahmen wir gefühlt auf der Wasseroberfläche Platz und schauten aus dem Fenster hoch auf die urige Flora des Kanals.
Der Radelsee eröffnete sich, der Blick auf die Salzwiesen wurde frei. Als Kind im Ruderboot oder später im Tretboot hatte ich immer etwas Angst vor dem See, den wir überqueren mussten. Hier war das Wasser nicht so still, Wellen ließen das Boot schaukeln und das Wasser wirkte sehr tief. Mein Vater fuhr deswegen meistens einen Bogen am Ufer lang.
Heute erfuhr ich, dass wenn wir gekentert wären, wir einfach nur hätten aussteigen und das Boot wieder hinstellen müssen. Der Moorgraben und auch der Radelsee wurden in einem Zug ausgehoben, haben also eine einheitliche Tiefe und nicht diese verschiedenen Schichten. Tja und diese Tiefe ist ein Meter, also bis zum Bauchnabel.
Nach einer halben Stunde hatten wir den Anleger in Markgrafenheide erreicht. Dort stehen die berühmten Holzskulpturen von Harald Wroost vom Schnatermann und von Fürst Borwin – der den Rostockern einst Wald und Heide verkaufte.
Eine einfache Schaukel und Rutsche und ein paar Spielsachen versüßen Kindern den Aufenthalt. Alles nicht fest, sondern so, dass man es im Winter rein bringen kann. Fest ist hingegen ein kleiner Aussichtsturm, von dem man den Blick über die Salzwiesen schweifen lassen kann.
Viel wichtiger ist aber der Tretboot- und Ruderbootverleih, der offenbar von derselben Crew betrieben wird, wie das Schiff. Einige Tretboote haben die Form von Autos. Ein solchen knallgelbes Beetle-Boot kam und schon kurz vor dem Schnatermann entgegen.
Man kann also in Markgrafenheide ein Tretboot leihen und dann den Graben hinunter fahren, muss es dann aber wieder zurück bringen. Das ist nicht ganz so optimal wie damals, aber besser als nichts. Man kann auch aussteigen und die 4 Kilometer zum Schnatermann durch die Rostocker Heide laufen oder nach Markgrafenheide rein gehen und zur Ostsee spazieren.
Der Dampfer wartet allerdings nur eine halbe Stunde – man sollte dann den nächsten Dampfer nehmen. Wir blieben auf dem Schiff und genossen die Sonne oben auf dem Sonnendeck, während ringsum das Wasser glitzerte und die Stille für Entspannung sorgte.
Zurück ging es zunächst im Rückwärtsgang, auf dem Radelsee drehte sich das Schiff dann und fuhr vorwärts wieder in den Moorgraben.
Von oben bietet sich natürlich ein viel besserer Blick. Der Kleine schlürfte seinen Apfelsaft – 0,3 Liter für 2,60 Euro – ein vernünftiger Preis.
Wieder am Schnatermann wollten wir erst einmal etwas essen. Weil Christoph Krause uns schon kennt und kommen sah, wies er uns auf die Grillstation hin, wo es Hähnchencurry und mediterranen Kartoffelsalat gab.
Für Schweinenacken und andere Sachen vom Grill waren wir schon zu spät. Das ging genauso gut weg, wie die Wurst am Vortag, von der keine übrig blieb und wovon er noch mehr hätte verkaufen können. Pfingsten 2020 hat alle Erwartungen der Familien Krause und Meyer übertroffen.
Unsere Erwartungen wurden auch übertroffen. Wir hatten uns auf Pommes eingeschossen und stellten uns am Imbiss an. Christoph Krause kam mit einem Tablett zum Probieren und als wir im Strandkorb saßen und Hähnchencurry und mediterranen Kartoffelsalat probierten stellten wir fest, dass uns echt was entgangen wäre.
Nach einem entspannten Essen in einer schönen Atmosphäre holten wir uns noch ein Eis, unterhielten uns ein wenig mit dem wunderbaren Gastgeber und machten uns satt, ein wenig geschafft, aber glücklich auf den Heimweg. Im Oktober öffnet die Gaststube wieder – also wird es nach unserem Hochzeitstag auch Eindrücke von innen hier geben. Schauen Sie einfach wieder rein!
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Warum heißt es wirklich „Schnatermann“?
Harte Arbeit prägt den Landstrich
Theodor Fontane, Ina Seidel, Achim Reichel – der Schnatermann ist eine Legende
Warum heißt es wirklich „Schnatermann“?
Der Schnatermann gehört zur Rostocker Heide. Der riesige Wald östlich von Rostock ist seit 1323 im Besitz der Stadt. Sie hatte ihn von Fürst Heinrich Borwin gekauft, um auf lange Sicht Holz für Schiffe und Häuser zu haben. Damit dieses Holz nicht gestohlen werden konnte, wurde der Wald eingefriedet und die Zufahrten mit Schlagbäumen versehen. An ihnen wachte der „Boommann“ (Baummann). Die Slawen, die auf dieser Seite der Warnow lebten, nannten ihn „Grenzmann“ und „Grenze“ hieß „schnat“. Also hieß der Grenzmann „Schnatmann“ und daraus wurde dann der „Schnatermann“.
Harte Arbeit prägt den Landstrich
Der Moorgraben vom Breitling zum Radelsee entstand 1579 auf Anregung durch Joachim Barchmann. Der Ratsherr Dr. Friedrich Heine und Bürgermeister Thomas Gerdes bezahlten den Bau aus eigener Tasche. Sie bekamen das Geld vier Jahre später wieder. Über den Moorgraben sollte Torf transportiert werden, denn das benötigte man für den Bau der Dünen und Häuser. Schon die Aushebung diente der Torfgewinnung.
1760 wurde der Torfabbau ausgeweitet und es entstand der Prahmgraben, bis man 1838 sogar den Moorhof auf dem Wasser erreichen konnte. Den nutzte man als Holzlagerplatz und die Kanäle zur Holzflößerei.
Heute ist der Schnatermann ein Naturschutzgebiet, in dem seltene Tierarten und Pflanzen leben, wie der Schwarzspecht, der Mittelspecht und der Baumfalke. Naturnahe Buchen dominieren, aber auch Eiche, Kiefer und Hainbuche kommen hier vor.
Auf den Wiesen, die knapp über dem Wasserspiegel liegen, sind immer wieder Tiere zu entdecken. Der Bootsanleger diente schon 1901 als Anlegestelle für Ausflugsfahrten. Seit 1994 kümmert sich ein privater Verein um die Anlage.
Theodor Fontane, Ina Seidel, Achim Reichel – der Schnatermann ist eine Legende
Der Künstler Theodor Fontane – der vom Heiligen Damm ganz enttäuscht war, weil er sich etwas Großartiges, poetisch Gewaltiges – doch zumindest Sichtbares vorgestellt hatte – ließ seine Romanfigur Effi Briest eine Vergnügungsfahrt auf dem Breitling machen.
Ina Seidel widmete dem Kleinod die „Regenballade“ und Achim Reichel machte daraus 1978 eine Komposition auf einer gleichnamigen Langspielplatte. (Links: Amazon)
Heute sorgt der in der Saison auch dort anlegende Mississippi-Schaufelraddampfer „Schnatermann“ der Reederei Kammel für die Namensbekanntheit über die Landesgrenzen hinaus. Ab jetzt wird es auch wieder die Traditionsgaststätte sein, die den seltsamen Namen in die Welt hinaus trägt.
Webseite des Traditionsgasthofs Schnatermann: https://www.schnatermann-rostock.de
Heide-Rundfahrten mit dem Schaufelraddampfer: https://heiderundfahrt.de
Kremserfahrten durch die Heide mit Pferdekutsche: http://www.rostock-kremser.de
Infos zum ehem. Wrack: https://www.schiffsspotter.de/Verschiedenes/Wrack_eines_hollaendischen_Feuerschiffes
Bei allen Erinnerungen, persönlichen Eindrücken, den Recherchen zur Geschichte und den Verbindungen zu Heiligendamm ist dieser Beitrag vielleicht auch ein wenig Werbung. Unbeauftragt und unbezahlt, guten Gewissens.

