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Baugenehmigung abgelaufen: Medienrummel um das Alexandrinencottage

Kein Käufer für das Alexandrinencottage gefunden – Verkauf geplatzt, Villa verfällt weiter… die Medien überschlagen sich gerade wieder und es wird wieder einmal einiger Unsinn geschrieben und gesagt. Das möchte ich nicht so stehen lassen. Zeit für Fakten:

Der Hintergrund der Medienberichte zum Alexandrinen-Cottage ist, dass die Jagdfeld-Gruppe die Baugenehmigung nicht verlängern lassen hat und daher die Villa an der Ostsee nicht verändert werden darf. Das wurde sie 30 Jahre nicht – 1997 hat die damalige FUNDUS-Gruppe 26 von der Treuhand zu einem Paket geschnürte Immobilien in Heiligendamm gekauft und wurde nach zuvor gescheiterten Versuchen als Retter gefeiert. Besonders der Chef Anno August Jagdfeld galt als Hoffnungsträger und wurde zur neuen Symbolfigur für Heiligendamm.

2003 war das Grand Hotel fertig saniert und eröffnete als 5-Sterne-Hotel – damals mit Kempinski als Marke. Ein Jahr später sollte die Sanierung der Villen an der Promenade beginnen, was sich aber durch Meinungsverschiedenheiten mit der Lokalpolitik bis 2010 hinzog. Inzwischen sind nur noch zwei Villen zu sanieren. Die Sanierungsreihenfolge war aber von der Stadt so gewünscht und vertraglich festgelegt.

Zwei der großherzoglichen Cottages im Kleinen Wohld neben dem Grand Hotel wurden ebenfalls saniert – die Villa „Krone“ durch einen Kaufmann aus Hamburg und das Mariencottage daneben durch Jagdfelds EntwicklungsCompagnie Heiligendamm.

Das Alexandrinencottage am westlichen Ende des historischen Ensembles wollte die Familie Jagdfeld selbst bewohnen und hatte es darum schon früh privat erworben – es gehört Anne Maria Jagdfeld. Der Traum, war wohl, als große Familie mit vielen Enkeln gemeinsam am Frühstückstisch zu sitzen. Die Realität ist eine andere. Darum zogen die Jagdfelds in das bereits sanierte „Mariencottage“ und boten das Alexandrinencottage zum Verkauf an.

Mit 40 Millionen Euro war es lange die teuerste Immobilie Deutschlands. Hinzu kommt die Sanierung des Baudenkmals und dazu braucht es eine Baugenehmigung. Die gibt es schon seit kurz nach dem Kauf der Villa und wurde 16-mal verlängert. Jetzt wäre das 17. Mal dran gewesen und ob nun vergessen oder Absicht – es wurde keine 17. Verlängerung beantragt. Ohne Baugenehmigung kein Verkauf – darum wurde das Alexandrinencottage aus der Vermarktung genommen.

Ob es nun am Preis liegt und die Wertminderung zu einem niedrigeren Preis und damit zum Verkauf führt – der Bürgermeister hofft es, aber niemand kann es vorhersehen. Lage ist alles, aber der Standort ist umstritten. Immer wieder wird über früher öffentliche Wege diskutiert, die auch direkt an der Villa vorbei gingen. Mit diesem Risiko will solch eine Investition wohl überlegt sein.

Denn eigentlich wurde dieser Standort vor fast 200 Jahren deshalb gewählt, weil es hier ruhig und naturnah ist. Prinzessin und Großherzogin Alexandrine wollte sich hierhin zurückziehen – aus Berlin, aus Schwerin, aus Doberan, aber auch aus dem Seebad selbst. Ob heute irgendjemand das Bedürfnis hat, inmitten von Touristenströmen zu wohnen, ist fraglich.

Nicht weniger fraglich ist der Sinn einer andauernden Verlängerung einer Baugenehmigung. Inzwischen haben sich so viele Verordnungen geändert, dass die Baugenehmigung längst überholt ist. Sie zu erneuern ist sinnvoll und genau das passiert, wenn man sie nicht verlängern lässt: Man muss sie neu stellen. Da es schon um die bestehende Baugenehmigung einige Meinungsverschiedenheiten gab, macht ein Schnitt Sinn. Dass er gerade im Generationenwechsel erfolgt, dürfte eine Rolle spielen.

Also ja: Es hat sich kein Käufer für das Alexandrinencottage gefunden. Ja, die Villa wurde nicht verkauft und kann aktuell so auch nicht für diesen Preis verkauft werden. Aber nein – das ist nicht das Ende und kein Grund zu Spekulationen.

Und auch nein: Die Villa wurde nicht unbeheizt dem Seewind ausgesetzt. Lange liefen riesige Klimaanlagen im Cottage und sie sind selbst auf den Bildern in den Medien gut zu erkennen. 

Hier haben sogar Dreharbeiten stattgefunden, dafür wurde das Gebäude extra noch einmal angestrichen. Auch Mr. Unrealestate hat hier ein Video gedreht.

Ebenfalls nein: Es ist nicht der Kurwald mit ihr eingezäunt und nicht der Küstenwald nicht zugänglich. Der Kurwald befindet sich auf der ganz anderen Seite des Ortes. Das Alexandrinencottage grenzt an den Hotelpark und steht quasi in ihm drin. Der ist aber sowieso nicht öffentlich zugänglich: Damit das Grand Hotel einen schattigen Park haben konnte, hat Heiligendamm 2010 den für den Seeheilbadstatus nötigen Kurwald bekommen – bezahlt auch von Jagdfelds ECH.

 

Und der Küstenwald ist zu über 90 Prozent frei öffentlich zugänglich. Nur ein kleines Stück vom Grand Hotel bis kurz hinter dem Alexandrinencottage und in der Breite bis zur Straße zum Kinderstrand sind eingezäunt. Aber das waren größtenteils sowieso die zu den Häusern gehörigen Grundstücke und die hätte jeder Besitzer für sich eingefriedet. So, ist ein Zaun ums Ganze, statt drei einzelner Umzäunungen. Der auf den Grundstücken gewachsene Waldbestand wurde offiziell und ordnungsgemäß entwidmet. Das dürfte angesichts des Streits damals keinem Journalisten entgangen sein oder bei Recherchen entgehen.

Das sind die Tatsachen und man kann den meisten Medien nicht einmal böse Absicht unterstellen. Es ist halt das, was sich Leute erzählen, die gegen die bisherige und geplante Entwicklung sind. Es wurde immer weitergetragen – quasi verlängert. Wann kommt hier der Schlussstrich?

Titelfoto: M. Sander

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