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Neues aus Heiligendamm vom Gästeführer-Update 2026

Von Martin Dostal

Alle Updates sind abgeschlossen. Am 12. März und 27. April haben sich die Aktiven der IG Gästeführer Bad Doberan und Umgebung auf den neuesten Stand gebracht. Im März ging es neben der Saisonvorbereitung auch um Fragen zur Stadtentwicklung: Moorbad, Bahnhof, Brache der Chemiefabrik, aber auch geplante Neubauten, wie an den Schulen.

Hier gibt es nicht allzu viel Neues: Das alte Moorbad darf abgerissen werden und Wohnhäuser entstehen, auch hinter dem Hofgärtnerhaus am Kloster ist Wohnungsbau möglich und die Chemiebrache soll nach wie vor mit einem speziellen Lager eines Doberaner Autohauses bebaut werden – und einem Verwaltungsgebäude für das Klärwerk.

Neu sind Anbauten an der Kampschule und die Sanierung des Roten Pavillons. Beim Wirtschaftsgebäude des Klosters dauert es wegen unvorhergesehener Überraschungen am Bau, aber auch wegen durch die wirtschaftlichen Veränderungen nicht mehr ausreichender Gelder länger. Das Ziel sind Dach, Fenster und Türen – der detaillierte Innenausbau richtet sich dann nach der Nutzung, die noch nicht vollständig geklärt ist. Das ist für die Führungen in Bad Doberan wichtig, denn die Gäste fragen danach.

Blick von einer Turmsuite

Ende April war dann das Treffen in Heiligendamm – diesmal wieder mit dem Grand Hotel und der EntwicklungsCompagnie zusammen. Letztere war vertreten durch Nikolaus Jagdfeld in Begleitung von H. Jürgen Schünemann, der auch die Samstagsvorträge im Hotel macht. Wir sind froh, dass diesmal ein Termin für alle gefunden wurde, denn Grand Hotel und Umfeld gehören nun einmal zusammen betrachtet. Außerdem sind wir dankbar für den jedes Mal großartigen Empfang.

In der Lobby sammelten wir uns und bestaunten die großen Bilder von Kiki Kausch. Insbesondere „Mutti“ Merkel zog die Blicke auf sich. Dass für die Galerien die alten Bilder vom Großherzog & Co. abgenommen wurden, störte kaum. Interessant sind die Preise für die Kunstwerke, interessanter aber noch, dass sie gut ankommen und auch schon welche verkauft wurden – fast alle bleiben in MV.

Die Bilder sind nicht einfach nur Bilder einer bekannten Fotografin – sie sind auch ein Mitbringsel aus dem Grand Hotel – aus Heiligendamm. Kunst ist eine neue Liga in Heiligendamm und hier spielt das Grand Hotel ganz oben mit. So eine Hotellobby kann alles sein.

Führung in eine Suite mit Meerblick

Das eigentliche Treffen fand wie gewohnt in der Nelson-Bar statt. Wir lernten neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Grand Hotels kennen: Alexander Prüß, Nina Nesterow und Christo Nakos.

Einen Tag später wird die Team-Erweiterung durch den Hoteldirektor Fabian Engels offiziell verkündet. Den selbst konnten wir wider Erwarten nicht kennenlernen – es war geplant, hat aber nicht geklappt. Wie auch eine geplante Besichtigung, die wegen kurzfristiger Belegung nicht möglich war, aber prompt durch gleich drei andere Besichtigungen ersetzt wurde. Mit herrlichem Ausblick, interessanten Einblick und stillem Gedenken an den Künstler Günther Uecker, dessen Turmsuite wir besuchen durften.

Zudem erfuhren wir mehr zu den langjährigen Mitarbeitern, wie Christoph Krause, den ich schon außerhalb des Grand Hotels persönlich kennen lernen durfte. Sie erzählten von ihren Aufgaben und die Kulturdirektorin Susann Franke berichtete aus dem laufendem Betrieb. Sie ist selbst langjährige Mitarbeiterin und als bekanntes Gesicht auch schon fast automatisch gleich die Person fürs PR.

Wie viele Betriebe im Gastgewerbe hat es auch das Grand Hotel schwer, Mitarbeiter zu finden – die Alleinlage ist ein Segen für die Gäste, aber eben eine Herausforderung bei der Mitarbeiterfindung. Da nutzt das Luxushotel schon seit Längerem die internationale Bühne. Man merkt davon nur etwas, wenn man wie wir zu unüblichen Zeiten an der Rezeption aufschlägt und gerade jemanden erwischt, der noch nicht so gut Deutsch kann. Aber jeder fängt mal klein an. Die langjährigen Mitarbeiter zeigen, dass die „Familie Grand Hotel“ funktioniert und da wir auch eine ehemalige Mitarbeiterin als Gästeführerin haben, sehen wir das auch hier bei jedem Treffen.

Blick auf den „Kurplatz“.

Tja, was gibt es Neues? Das Grand Hotel möchte sich weiter öffnen oder besser: als geöffnet verstanden wissen. Auch Einheimische sollen verstehen, dass die Geschichte vom „Zoo für Reiche“ nicht wahrer wird, umso öfter man sie wiederholt.

Konzerte, Kultur und Kulinarik, SPA und Sport sind öffentliche Angebote, die jeder mitmachen kann und wo sich niemand fehl am Platze führen wird, nur weil sie in einem Luxushotel stattfinden. Einige von uns haben schon verschiedene Veranstaltungen mitgemacht und schwärmen davon. Viele Einheimische und Stammgäste sehen das ebenso und für sie ist es schön, in diese besondere Atmosphäre eines besonderen Ensembles einzutauchen. Ob Ballsaal im Grand Hotel oder Festsaal in der Kreisverwaltung – beides hat dieses gewisse Etwas und beides bietet hochwertige Kultur für alle.

Das hat auch nichts mit Arm und Reich zu tun. Dieselben Menschen lieben auch den Klostermarkt, das Historische Anbaden, den Frauensalon im Roten Pavillon, die Vorträge im Möckelhaus oder die Lesungen im Ehm Welk-Haus. Letzteres hat mit alten Problemen neu zu kämpfen: Immer wenn der Stadt Geld fehlt, wird als erstes am Literaturhaus des Ehrenbürgers der Rotstift angesetzt.

YARO, Ballsaal (c) Grand Hotel Heiligendamm

Alte Probleme hat auch das Grand Hotel immer wieder neu: Die Auslastung in der Nebensaison ist meistens eher mau. Nach gestiegenen Sprit- und Kerosinpreisen ist sie aktuell noch mehr mau. Aber das Marketing ist klug und wirbt mit Ruhe, Erholung und Gesundheit – und Kultur.

Das Grand Hotel arbeitet an neuen Veranstaltungen – einerseits mit abwechselnden Themen, die für eine breite Gruppe interessant sind (Genaues dürfen wir erst nächsten Monat verraten) und andererseits mit festen neuen Formaten. Eins davon sind die „Heiligendammer Gespräche“, die Anno August Jagdfeld mitbegründet hat.

Damit wechseln wir zum Thema „Jagdfeld“, denn wenn wir aktuell Zeitung lesen, müssen wir zu dem Schluss kommen, dass alles außerhalb des Grand Hotels in Heiligendamm „Jagdfeld“ ist. „Jagdfeld lässt alles verfallen, riegelt alles ab und nimmt uns alles weg“. Sogar der NDR folgt nun schon dieser Sprechweise und erzählt Unsinn, wie, der Kurwald sei gesperrt oder das Alexandrinencottage nicht mehr beheizt.

Nikolaus Jagdfeld stellte sich den zum Teil seit Jahren wiederholenden Fragen und erzählte umfangreich von der Arbeit der EntwicklungsCompagnie Heiligendamm. Er sagte, die Baugenehmigungen würden Jahre dauern, auch der Bauturbo nichts schneller gehen lassen und überhaupt die Behörden alles aufhalten. Villa „Hirsch“ sei aber der nächste Sanierungskandidat.

Baustelle der Kolonnaden

Bei den Kolonnaden habe man erkannt, dass das bisherige Konzept mit neun außergewöhlichen riesigen Wohnungen auf drei Etagen plus Dachterrasse nicht angenommen wird. Selbst wenn einige der Wohnungen nachgefragt werden, muss man rein technisch das ganze Gebäude komplett sanieren und bis man alle neun Käufer zusammen hat, dauert es den ersten schon wieder zu lange.

Wenn sie die Chance haben, irgendwo direkt am Wasser ein eigenes Haus zu bauen, verzichten sie auf eine „Reihenhaus-Wohnung in der zweiten Reihe“ und springen ab. Darum plant man nun um und will kleinere Wohnungen und dafür mehr davon in die Kolonnaden bauen.

Das Alexandrinencottage war nur kurz ein Thema. Ich wollte natürlich wissen, ob es wirklich nicht mehr beheizt wurde. Nein, die riesigen Klimaanlagen laufen weiter und ja, das kostet jeden Monat ordentlich Geld. Und Geld ist etwas, mit dem auch die ECH gerade rechnen muss, denn in der Krise rennen die Käufer ihr nicht die Türen ein. Die Villen-Wohnungen sind keine Renditeobjekte, sondern Liebhaberstücke und Luxus das erste, worauf man verzichten kann.

Für die ECH ist es Luxus, Immobilien anzubieten und immer wieder für viel Geld die Baugenehmigungen zu verlängern. Ursprünglich wollten die Jagdfelds die „Alexandrine“ selbst bewohnen. Aber sie wollten einige Veränderungen in der Höhe vornehmen, die nicht genehmigt wurden. Außerdem ist die Lebensrealität nicht so, dass heutzutage eine Familie mit fünf erwachsenen Kindern am Sonntag gemeinsam beim Frühstück sitzt.

Anno August und Anne Maria Jagdfeld haben sich für das Mariencottage entschieden und wohnen dort. Das Alexandrinencottage sollte zum höchstmöglichen Preis schnell verkauft werden. Es gab Interessenten, aber die Sanierung des Denkmals nach eigenen Vorstellungen ist auch für sie eine Herausforderung.

Am Ende wurde die teuerste Immobilie Deutschlands eben nicht zu dem Preis verkauft, der ihren kulturellen Wert noch gar nicht berücksichtigt. Da macht es auch keinen Sinn, zum siebzehnten Mal Geld in die Hand zu nehmen und eine Baugenehmigung zu verlängern, mit der eh niemand das anfangen kann, was er möchte.

Außerdem haben sich seit 17 Jahren so viele Dinge verändert, dass die Baugenehmigung an der Aktualität der Gesetzeslage vorbei geht. Das ist auch wieder Konfliktpotenzial. Darum wurde keine Verlängerung beantragt, sondern als Ziel eine neue Baugenehmigung angesteuert.

Kaum ging es aber in diese Richtung, schlachteten die Medien gleich dieses Thema aus und richten damit einen Schaden an, wie schon beim alten Moorbad oder der Villa „Baltic“ in Kühlungsborn. Es sind ja nicht nur die Eigentümer oder Investoren, die mit negativer Publicity zu kämpfen haben: Wer will am Ende ein Haus kaufen, das in der Öffentlichkeit so emotional umstritten ist? Aber wie gesagt: Die Alexandrine war nur kurz ein Thema – das Meiste eben Geschriebene sind meine Gedanken dazu.

Übrigens ist der Hintergrund der Beendigung der Führungen auf der Halbinsel Wustrow vor demselben Hintergrund zu sehen: Keine Kosten verursachen, wo es keinen Nutzen bringt. 

Eigentlich nach dem Demmler-Park gefragt, erklärte Nikolaus Jagdfeld auf Grund eines Missverständnisses das Villenviertel um Heiligendamm. Hier möchte er den Bedürfnissen der Stadt entgegen kommen, die diese schon vor Jahren im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) festgeschrieben und immer weitergeführt hat. Er möchte Heiligendamm und Bad Doberan über Vorder Bollhagen näher rücken lassen und Wohnraum für alle schaffen.

Vision für Heiligendamm von Robert A. M. Stern

Der Gedanke damals – also vor fast 30 Jahren – war, ein parkähnliches Villenviertel für Erstwohnsitze von gut 1000 außergewöhnlich Wohlhabenden zu schaffen, die das Luxus-Seebad befruchten. Das war damals logisch, aber Heiligendamm hat sich anders entwickelt und die Jagdfeld-Gruppe immer gesagt, dass sie Heiligendamm am Markt entwickeln muss. Sie muss Käufer finden und dann sanieren oder  bauen. Erst sanieren und dann verkaufen funktioniert nicht – die Jagdfelds sind ja keine Scheichs und Kredite wirft ihnen auch niemand hinterher.

Scheichs kommen eh nicht nach Heiligendamm. Bauen können soll rund um Heiligendamm jeder alles, was der noch zu erstellende Bebauungsplan und die Satzungen hergeben. Was Nikolaus Jagdfeld nicht sagt, aber wir uns denken: Jeder, der sich ein Haus leisten, die hohen Grundstückspreise und Grundsteuer leisten kann. Da muss man fast schon wieder außergewöhnlich gut verdienen.

Ob diese Klientel letztlich dem Grand Hotel nützt, kann man heute noch nicht sagen. Aber 300 Hektar Ackerland nützen dem Hotel auch nicht. Heiligendamm nach hinten zu entwickeln macht Sinn. Vorn muss der kleine Raum für Großes bleiben – für Einzigartiges, das es verdient, sich in eine Reihe zu stellen mit dem historischen Ensemble aus Grand Hotel und Perlenkette.

Ein Thalassotempel wäre da ein gutes Beispiel, aber das ist Zukunftsmusik und darum haben wir danach auch gar nicht gefragt. Kommt Zeit, kommt Rat – eben das ist „am Markt entwickeln“ und nur so kann es funktionieren. Das sagte mit vielen Worten auch Nikolaus Jagdfeld und wir haben es verstanden und geben es so weiter. Unsere Führungsangebote gibt es hier.

2026 – Saisonauftakt – Gästeführer Treffen am 27. April mit denen, die dabei waren – (C) Grand Hotel Heiligendamm
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