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Das Grand Hotel ist verkauft.

Das Grand Hotel Heiligendamm ist verkauft. Die „Neuen“ sind keine Bekannten und auch kein erfahrener Hotelbetreiber, wie es sich die Stadt wünschte. Käufer sind die Berliner Unternehmen Palladio AG und De & De Holding GmbH, die sich erst zuletzt gegen eine favorisierte Bieter-Gemeinschaft aus Hannover durchsetzten und das Hotel für 30 Mio Euro erwarben. Beide gelten als Beteiligungsgesellschaften (Private Equity), Palladio gehört einem Immobilienfachwirt und die De&De Holding GmbH sitzt im Kurfürstendamm nur ein paar Häuser weiter. Sie wollen laut Medienberichten das Hotel in Eigenregie führen, wie es nach dem Ausstieg der Kempinski-Gruppe seit 2009 schon der Fall war. Auch die im Insolvenzverfahren erfolgte Gesundschrumpfung wollen sie demnach weiterführen und einen Teil des Hotels zum Wohnen anbieten. Dazu müsste der Bebauungsplan dementsprechend geändert werden. Ein „Stichweg“ soll bereits im Kaufvertrag vereinbart worden sein, sodass er nicht mehr über Grundstücke der ECH, sondern direkt durch das Hotelgelände verlaufen dürfte. Den Stadtvertretern liegt aktuell ein Statement der mit dem Hotel bestens vertrauten Kempinski-Gruppe vor, das offene Wege „für dieses spezielle Objekt insgesamt als nicht akzeptabel“ bezeichnet. Was der Stichweg bewirkt, muss nun die Zukunft zeigen.

Die Vergangenheit lehrt, dass Hotelkompetenz nicht zwingend ist: Nachdem Großherzog sich den Auf- und Ausbau des von einer Sturmflut beschädigten Bades nicht leisten konnte, erwarb es 1873 der Rittmeister a.D., Baron Otto von Kahlden mit einer Aktiengesellschaft, deren Anteile er nach und nach aufkaufte. Er schuf das Grand Hotel und wertete den Ort auf. Nach seinem Tod verkaufte sein Sohn das Bad 1911 an Walter John, der es als Spekulations-Objekt nutzte, belastete und im selben Jahr Insolvenz anmeldete. Die Gläubiger retteten das Bad und werteten es erneut auf, sodass das Lübecker Bankhaus Louis Wolff KG die steigenden Aktien erwarb und bald die Mehrheit besaß. Baron Oskar Adolf von Rosenberg erwarb 1924 die Anteile der bald wieder ruinösen Ostseebad Heiligendamm GmbH, investierte zusammen mit zwei anderen Gesellschaftern Millionen und brachte das Seebad mit privaten Geldern über die Runden, bevor es 1939 beschlagnahmt wurde. Fast acht Jahrzehnte später investierte Anno August Jagdfeld privates Geld in die Aufrechterhaltung des Betriebes, bevor er 2012 Insolvenz anmeldete. Ob „die Neuen“ die Reihe der Kaufleute mit Herzblut fortsetzen oder wie Walter John nur kurz in der Geschichte Heiligendamms aufblitzen oder ob das älteste deutsche Seebad nach 220 Jahren wirklich neue Wege geht und ein Erfolg wird – das muss sich zeigen. Die Erwartungen sind so hoch wie vor 10 Jahren aber diesmal gibt es keine Versprechen.

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