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ERSTES SEEBAD – Über die Entstehung und den Autor.

rnalismus und die Pressearbeit und sie lud mich ein, mich anzuhängen. Von der Führung bekam ich nicht viel mit, denn wir redeten über Heiligendamm und den Tourismus und nach der Führung lud sie mich zu einem Schleckeis ein und fragte, ob ich nicht auch Stadtführer werden wolle. Es gab in Heiligendamm nur drei Leute und mit meinem Wissen sollte das doch kein Problem und eine Bereicherung sein. Das nächste Stadtführertreffen stand kurz bevor und ich könne mich ja mal vorstellen. Warum eigentlich nicht?

Das ist die bunte Truppe geballten Wissens exklusive mir, weil ich das Foto mache.

Ich besuchte die Stadtführer und war erst einmal peinlich berührt, dass gerade die Frau dort die Chefin zu sein schien, die ich vor einem Jahr mal mit einem besserwisserischen Einwurf bei einer Führung abgelenkt habe.

Sie erinnerte sich nicht mehr dran und so wurde es ein netter Abend in einer angenehmen Runde, deren Altersdurchschnitt sehr hoch ist.

Einige kannte ich vom Sehen oder vom Namen her.

Ja, ich wollte mit machen, aber dafür musste ich einen Kurs mit machen und der startete nach dem Sommer. Die Zeit brauchte ich ja auch, um mich vorzubereiten und so widmete ich mich wieder der Geschichte und als ich gerade wieder im Stadtarchiv nach Infos suchte, fragte mich Andrea Gläwe, ob ich mich mit Excel auskenne.

Der Historiker Helge Rehwaldt – für mich wie Professor Skerl eine Institution – hatte Einwohnerlisten aus russischen Registern ins Deutsche übersetzt und mit einem anderen Mann in eine Tabelle gebracht und nun musste das noch einmal kontrolliert und ein weiteres Buch übersetzt werden. Das war spannend und ich gern dabei. Dadurch erfuhr ich nun von dem, der mit stets so unerreichbar war, vieles aus der Geschichte. Später wurden wir Kollegen und wenn wir es nicht vergaßen, per Du. 2020 ist er gestorben.

 

Die Ausbildung

Auch das gehört zur Bildung: Öffnung der Zeitkapseln vom Münster-Turm.

Außerdem kam ich so zur Ortschronistentagung, was ich noch gar nicht kannte und – schon allein wegen des Veranstaltungsortes damals im Pantechnikum Wismar – sehr spannend fand.

Wenn irgendwo irgend ein Chronist oder Historiker etwas vorträgt, bin ich dabei und mache fleißig Notizen.

Allein meine Frau fand es nicht immer gut, wenn ich sie mal wieder allein ließ, aber als sie auch arbeitete, gab sich das bald.

Der Kurs fand an der Volkshochschule statt, Dozent war Dr. Wilfried Steinmüller und der versorgte uns auch gleich mit dicken Packen Papier zur Landesgeschichte. Er kannte und lobte ZAM und ich erkannte, dass es hohe Erwartungen an meine Arbeit gibt, an die ich noch gar nicht gedacht hatte. Als Institution sah ich ZAM nicht an – genau das sollte es aber sein, nicht wie Wikipedia, aber wie Lexikus.

Ich versprach, dem gerecht zu werden. Gelungen ist mir das erst seit 2018. Nach dem Kurs gab es das Zertifikat und ab Mai 2014 hätte ich dann mit den Führungen beginnen können, bat aber um Einsätze erst ab Juli, wegen der Geburt des Sohnes.

 

Die erste Stadtführung

Unser Treffpunkt in Heiligendamm

Meine erste Führung fand dann im Juli 2014 statt und ich nenne sie die „Gummibärchen-Führung“. Ich berichtete auf ZAM über die Führungserlebnisse und meine Erkenntnisse. Von nun an war ich wieder voll der Chronist, aber alles blieb offline, landete auf dem Papier, statt im Internet. Man mag es mir nachsehen: Damit konnte ich nun schließlich Geld verdienen, was online nicht ging. So gingen die Jahre dahin, ich freute mich immer auf den Sommer, recherchierte viel im Winter und hatte jedes Mal Lampenfieber vor den Führungen.

 

Die Gruppenführungen

Wir machen auch Sonderführungen und Gruppenführungen.

Gruppen wollte ich deshalb nicht führen, aber als eine Gruppe mich direkt kontaktierte und privat um einen Vortrag über die Entwicklung der Stadt und am Nachmittag eine Führung in Heiligendamm bat, konnte ich nicht nein sagen und merkte bald, dass es Spaß macht.

So nahm ich dann auch Gruppen an, mal allein, mal zusammen mit Peter Mahncke.  Jedes Jahr erreichte mich auch mindestens eine private Anfrage – Heimatverein, Bildungswerk, Zoo – und ich wurde somit immer sicherer. Das beste Jahr war 2020, denn da war ich der einzige Gästeführer, der auch während des Lockdowns ein Hygienekonzept hatte und führen konnte. Als krönenden Abschluss gab ich den Rostocker Stadtführern eine Update-Führung im Rahmen ihrer Weiterbildung. Die letzte Führung 2020 hatte 33 Teilnehmer aus der Post-Corona-Rehabilitation der Median-Klinik.

Als Perfektionist sorgte ich für professionelles Auftreten – als ein neuer Drucker fällig wurde, nahm ich einen mit A3-Größe, kaufte eine Fächermappe in A3, eine passende Umhängetasche, ein geeigneteres Portmonee und einen Stimmenverstärker, denn ich spreche eigentlich nicht laut und wenn ich es mache, werde ich schnell heiser.

Ich ließ Visitenkarten drucken und spendierte den Gästeführern auf eigene Faust die lang diskutierte Internetseite samt Facebook-Präsenz. Es gibt dennoch genug Probleme zu meistern – das Stadtmarketing war lange schlecht und da unsere Werbung darüber läuft, hatten wir dementsprechend auch nur wenig Zulauf. Das hat sich seit 2019 gebessert. Es ist ein Hobby, ein anerkanntes Ehrenamt und wohl keiner der Gästeführer tut es des Geldes wegen.

 

Der besondere Besucher

Im Sommer 2017 nahm dann ein Herr an einer Führung teil, der mir erst einmal dadurch auffiel, dass er sich für mein Namensschild interessierte. Nachdem ich ein paar Fragen stellte, gab er sich als Freund Jagdfelds zu erkennen und bereicherte die Führung durch natürlich echtes Insiderwissen.

Das war nicht einmal unangenehm und die anderen Teilnehmer bedankten sich bei ihm.

Bei einem Eiskaffee – dort, wo mit Frau Morgenroth alles begann – erzählte er mir von der Ausstellung Jagdfelds, die vom Obergeschoss, wo ich sie schon mal studiert hatte, in extra dafür hergerichtete Räume ins Hochparterre gezogen ist und die er gern zugänglich machen würde und da auf die Stadtführer hofft. Ich versprach ihm, mit den Gästeführern drüber zu sprechen.

 

Das Wiedersehen

Julius Jagdfeld bei der Rede zum Richtfest

Noch vor diesem Termin fand das Richtfest für Villa „Greif“ statt.

Wie beim Richtfest für das Grand Hotel regnete es aus Strömen und ich erreichte die Baustelle so nass, wie ich sie vor sieben Jahren beim Spatenstich für die „Perle“ verlassen hatte. Damals allerdings wegen der Hitze.

Unter den Kolonnaden stand die kleine Schar der bekannten Gesichter – Arenz und Seehaus aus der Stadtvertretung, mit denen ich mich unterhielt über das erfreuliche Ergebnis.

Es gab Wiedersehensszenen von Leuten, die einst zusammenarbeiteten und deren Wege sich getrennt hatten, deren gemeinsames Anliegen sie aber an diesem Tag wieder zusammenführte. An diesem Tag fühlte es sich an, als seien wir alle Mitstreiter für Heiligendamm. Diesmal hielt nicht Anno August Jagdfeld die Rede, sondern sein Sohn Julius. Es hatte ein Generationswechsel stattgefunden in diesen sieben verflixten Jahren.

 

Das Gespräch mit Jagdfeld

Als ich so an Anno August Jagdfeld vorbei kam, der gerade seinen Eintopf löffelte, kam auch Dr. Plöger hinzu und stellte mich ihm vor. Er sagte einen Satz über mich, der mich sehr erfreute. Wir redeten über die Ausstellung und über die Möglichkeiten, die ich für die Stadtführungen sehe. Es war ein kurzes Gespräch und das erste überhaupt. Gleich danach stürzten sich Medienvertreter auf ihn und ich ließ mir von Herrn Plöger das Obergeschoss zeigen, während wir ein Fazit zogen.

Dieses Gespräch zu erwähnen ist mir wichtig, weil es Leute gibt, die glauben, ich würde Jagdfeld kennen oder hätte Zugang zu ihm oder die gar unterstellen, ich würde für ihn arbeiten. Dass man etwas aus Überzeugung tut, scheint manchen gar nicht in den Sinn zu kommen. Bad Doberan ist eine Stadt mit vielen Ehrenamtlichen, die sich aus Überzeugung engagieren. Da bin ich nur einer von vielen. Inzwischen hat es ein weiteres Treffen gegeben. Herr Jagdfeld lud die im Showroom tagenden Doberaner Ortschronisten spontan ins Medinis ein. Wir redeten über Geschichte und Kultur, er hatte viele Fragen und interessante Ideen. 

 

Die neuen Pläne

Geschichts-Salon Heiligendamm

Die Gästeführer folgten der Einladung des Jagdfeld-Vertrauten und der warb für die Möglichkeiten, die sich uns ergeben.

Organisatorisch ist es allerdings nicht so einfach, die Führungen vorn mit der Ausstellung hinten zu verbinden.

Die anderen Gästeführer hielten sich zurück, ich hingegen preschte vor und bot nun jeden Freitag um 10 Uhr eine Kombi-Führung von der Promenade in den Geschichtssalon an.

Ohne Erfolg – die Resonanz war gleich Null. Nur zum Denkmaltag und einmal privat hatte ich Gäste. Also entschloss ich mich, das Konzept zu ändern. Die Ausstellung – inzwischen ist sie ins Nebengebäude gezogen – soll kein Museum sein, durch die jeder hindurch läuft. Darum biete ich sie exklusiv mit Führungen an.

 

Zurück zu den Wurzeln

Eigentlich war ZEIT AM MEER ja immer ein Hobby. Ich tat das alles für die Allgemeinheit und wenn ich mal Werbelinks einbaute, dann sollten sie die Kosten decken, was sie aber nie taten. So hoch waren die Kosten aber auch wieder nicht, sodass ZAM daran nie gescheitert wäre.

Eher an der Zeit, denn die fehlte zunächst 2012 durch den Umzug, die Hochzeitsplanung und den Journalismus. Meine Leistungsfähigkeit ist sehr begrenzt, darum bin ich ja voll erwerbsgemindert. Wenn ich dann für Artikel recherchierte, Vereinstätigkeiten hatte und dazu noch die Familie, dann blieb keine Zeit mehr für ZAM.

Ich versuchte, das alles etwas unkomplizierter zu gestalten, aber als das Grand Hotel 2012 dann auch noch in die Insolvenz ging, war für mich der Stadtanzeiger einfach das bessere Medium. Ich hatte Ideen für ZAM, auch ganz neue, aber keine Zeit dafür. Als dann die nicht unkomplizierte Schwangerschaft und schließlich die Kinderbetreuung dazu kamen, war es eigentlich vorbei mit ZAM. Ich wollte es nur nicht wahrhaben.

Es gab dann zwei Menschen, die ich beide sehr schätze, die sich nicht kennen und mir neue Optionen aufzeigten: Der eine schlug vor, ZAM auszuweiten und damit Geld zu verdienen und der andere schlug dasselbe vor, war dann aber, als ich es versuchte und damit nicht zurechtkam auch so ehrlich zu sagen, dass ich das nicht schaffen werden. Er bot mir ein fertiges und laufendes Projekt eines leider verstorbenen Bekannten an, wenn ich ihm dafür – den Wert des Projekts hätte ich nämlich nicht bezahlen können – ZAM gebe. Er will ZAM in die richtigen Hände legen, so wie man seinem Kind die beste Entwicklung zukommen lassen würde. Für mich ist es eine Befreiung, denn es war schade, dieses riesige Fass mit nur ein paar Tropfen zu füllen. ZAM kann viel mehr, als ich es allein jemals schaffen würde.

Natürlich wollte ich aber in keiner Sekunde die Inhalte von ZAM aufgeben. Ich hatte schon 2014 die Idee, aus ZAM eine Reiseseite zu machen und dafür die Geschichte, Gegenwart und Zukunft und das sonst noch hinzu gekommene auf eine eigene Seite zu bringen. Die Domain dafür reservierte ich mir schon: erstes-seebad.de. Ich hatte dann auch schon einmal die Inhalte dahin ausgelagert, sah dann aber bei Google ZAM abstürzen und darum holte ich alles zurück und entwickelte ZAM noch ein wenig weiter. Google hat das aber nicht beeindruckt. Somit hatte ich also ZEIT AM MEER im Internet quasi umgebracht.

Mit der Weitergabe eröffnet sich nun eine neue Möglichkeit, denn für irgendwann mal neue Macher ist mein Heiligendamm-Teil nicht relevant. Ich konnte also auf ERSTES SEEBAD völlig neu starten und doch auch einfach weiter machen.

Während ich die alten Rundgänge einfach übernehmen kann, macht das beim Architekturführer keinen Sinn, weil er den Stand von 2011 hat und längst überholt ist. Ich habe so viele neue Erkenntnisse, dass ich es gar nicht verantworten kann, den alten Kram wieder zugänglich zu machen. Für die Gebäudedatenbank gilt dasselbe, wobei die auch nicht einfach übernommen werden könnte, weil es sich um ein Tabellengerüst handelt, das WordPress nicht sauber übernehmen und Google mir verübeln würde.

Update November 2020

Seit der letzten Überarbeitung dieses Beitrages sind zwei Jahre vergangen. Im Juli 2018 starb meine Mutter, im Dezember 2019 mein Vater. Auch meine Frau hat beide Eltern in den zwei Jahren verloren. Unser Sohn geht seit August 2020 zur Schule, im Sommer war ich als Strandvogt unterwegs und wir sind mitten im zweiten Corona-Lockdown. Trotzdem oder gerade deshalb ist Erstes Seebad gewachsen, gut zu finden, sehr bekannt und auch gefragt. Und es monetarisiert sich selbst. Ob ich es nun noch „nur ein Hobby“ nennen kann, muss ich in Frage stellen. Ich poste jeden Tag einen Beitrag bei Instagram, mehrmals in der Woche bei Facebook, mehrmals im Monat Beiträge und alle drei Monate einen großen Rückblick auf das Geschehen in Bad Doberan-Heiligendamm.

Private, Sachverständige, Buchautoren und selbst das Stadtarchiv fragen für Recherchen bei mir an und während Corona konzentriere ich mich mit DOBERAN TO GO darauf, den lokalen Gewerbetreibenden zu helfen. Auch bei den Ortschronisten geht es voran, bei den Gästeführungen hatte ich das beste Jahr überhaupt. Schließlich hat auch die OSTSEE-ZEITUNG in ihrer Serie „Die Urlaubsmacher“ über mich geschrieben. Um also diese immer wieder gestellte Frage zu beantworten: Es läuft.

 

Sie sind jederzeit willkommen!

Ihr Martin Dostal

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