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Bauwerke in Heiligendamm

Kolonnaden (Kaufhallen)

Alte Namen: Kaufhallen, Kolonnaden

Standort:
Prof.-Dr.-Vogel-Str. 20 a, b, c
54°08’37.9″N 11°50’43.2″E

Baujahr: 1860-1862
Bauherr: Großherzogliche Badeintendantur / Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg
Umbauten: 1866-1867 Anbau Atelier Beckmann
Sanierung: 2019-2021
Architekt: über den Projektentwickler EntwicklungsCompagnie Heiligendamm GmbH & Co. KG
Eigentümer: Großherzogliche Badeintendantur / Großherzöge von Mecklenburg (bis 1873), Aktiengesellschaft Baron Otto von Kahlden (1873-1900), Rudolf von Kahlden (1900-1911), Herzog Hugo von Hohenlohe-Öhringen und Ujest (1873-1885), Walter John (1911), Ostseebad Heiligendamm GmbH unter Gläubigerkonsortium (1911-1922), unter Baron O. A. Rosenberg (1922-1938), Beschlagnahmung durch das Deutsche Reich (1938), Reichsmarine (1938-1945), Beschlagnahmung durch die SMAD, herrenloses Gut (1945-1949), Volkseigentum der DDR (1949-1990), BRD über Oberfinanzdirektion (1990-1997), FUNDUS-Gruppe über EntwicklungsCompagnie Heiligendamm I GmbH & Co. KG (1997-2021), Wohneigentümergesellschaft (seit 2021)
Nachgewiesene Nutzungen: Gewerbeflächen (1862-1945) unbekannt (1945-1948), Gewerbefächen (1948-1997), Leerstand (1997-2019), Sanierung (2019-2021), Eigentumswohnungen (seit 2021)

 

Beschreibung:

(Quelle: ECH-Archiv, Urheber unbekannt, verm. A. Beckmann)

Nach der Fertigstellung der Villenreihe wurde der hinter ihr vorhandene Weg befestigt und die Bebauung der zweiten Reihe begonnen. Durch diesen Weg hatte man einen Rundweg um die Perlenkette herum. Bisher beschränkten sich die Ansprüche der Gäste in Heiligendamm auf die See, die Natur, den Wald, die Kunst und die illustre Gesellschaft. Nun wollten sie auch die Dienstleistungen von Frisören und Fotografen in Anspruch nehmen und einkaufen können.

(Quelle: Archiv Friedrich Rochow)

Dafür entstand bis 1862 ein etwa 50 Meter langer zweigeschossiger Putzbau mit Säulenvorhalle. Etwas ähnliches hatte man 1813 als halbrunde Bauten rechts und links vom Weißen Pavillon auf dem Kamp gebaut und gerade erst 1860 abgerissen. Dass man nun in Heiligendamm eine neue Kaufhalle baute ist ein weiteres Indiz für die starke Autarkie des einstigen Ortsteils. Architektonisch orientieren sich die Kolonnaden am Kurhaus. Allerdings ist der Säulenvorbau hier zu beiden Seiten offen und bildet so einen Säulengang mit 19 Säulen. Der erweckte Neugier und schon fand man sich inmitten einer „Shopping Mall“ mit Werbung und Auslagen. Eine Buchhandlung, ein Modegeschäft, ein Geschäft mit Badeartikeln, eine Parfümerie, ein Frisör, keine Restaurationen und später auch ein Fotoatelier luden zum Bummeln ein und sorgten für reges Treiben.

(Quelle: A. Beckmann)
(Quelle: A. Beckmann)

Der Hofphotograph Benjamin Beckmann durfte sich 1867 an der Ostseite der Kolonnaden ein Atelier über zwei Etagen anbauen. Unten fotografierte und verkaufte er.

(Quelle: Erhart Neubert Chemnitz)

Welche Geschäfte es zu welchen Zeiten in den Kolonnaden gab, ist nicht überliefert.

(Quelle: Privatarchiv, Urheber unbekannt, verm. Fam. Walter)

Gesichert ist, dass die Handelsorganisation der DDR, Abteilung Gaststätten (HO-G) mit ihrer Gründung 1948 die HO-Gaststätte „Zur Erholung“ im östlichen Teil der Kolonnaden eröffnete. Betreiber war die Familie Walter, der Sohn Bernd Walter war zu dieser Zeit 7 Jahre alt.

(Quelle: Privatarchiv, Urheber unbekannt, verm. Fam. Walter)

Die Walters ließen Schwäne an die Wand malen und so bürgerte sich der Name „Schwanencafé“ ein, der schließlich auch zum offiziellen Namen der Gaststätte wurde. Das Angebot umfasste ein kleines Imbissangebot, wie Würzfleisch, Gulasch und Wurst, hauptsächlich aber Kuchen und Torte. Nach Angaben eines anderen Gastronomen aus Heiligendamm verkaufte das Schwanencafé zu DDR-Zeiten in Spitzenzeiten bis zu 20 Torten an einem Wochenende. 

(Quelle: Privatarchiv, Urheber unbekannt, verm. Eggers)

Bernd Walter übernahm das Café, als seine Eltern in Rente gingen. Der Pachtvertrag dauerte bis 2010, wurde aber vor dem G8-Gipfel 2007 vorzeitig aufgelöst.

Schwanencafé 2006
Schwanencafé 2006

Walter bekam eine Abfindung und eröffnete in Kühlungsborn-West das „Café Walter“. Alle anderen Gewerbeflächen waren schon seit 1997 geräumt und wurden als Lagerräume genutzt. Im Dachgeschoss befanden sich Wohnungen, die bis auf die von Walter schon 1997 gekündigt wurden.

Draufblick 2013
Rückseite 2010

Von 2007 bis 2019 standen die Kolonnaden leer und werden seit 2020 bis 2021 saniert.  

Säulen ohne Zaun, 2018

Da sich die Kolonnaden innerhalb eines in sich geschlossenen Geländes befinden, sind Geschäfte dort nicht sinnvoll zu betreiben. Dafür soll an öffentlicher Stelle der „Demmler-Park“ entstehen.

(Quelle: EntwicklungsCompagnie Heiligendamm / Archlab)
(Quelle: EntwicklungsCompagnie Heiligendamm / Archlab)
(Quelle: EntwicklungsCompagnie Heiligendamm / Archlab)

Der Investor hat schon 2004 die Umwandlung in Wohnungen beschlossen. Da es sich bei den Kolonnaden immer um nebeneinander liegende Gewerbeflächen handelte, werden auch die Wohnungen nebeneinander angeordnet. Dabei werden jeweils alle Etagen einer Wohnung zugeordnet, sodass im Prinzip aneinander gereihte Häuser entstehen. Nach der Sanierung stehen neun Häuser mit je 3 bis 5 Schlafzimmern und Bädern zur Verfügung. Die Wohnflächen sind mit 230 und 360 Quadratmetern besonders großzügig. Die Gesamtflächen betragen 370 bis 600 Quadratmeter. Die Preise sind wegen der Lage in der zweiten Reihe günstiger. Die größte Wohnung kostet zwischen 6 und 7 Mio. Euro.

Weitere Informationen: Verkaufsstart für Wohnungen in den Kolonnaden in Heiligendamm

 

Baustellenbilder 18.11.2021:

 

 

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