Verkaufsstart für Wohnungen in den Kolonnaden in Heiligendamm

Neun Wohnungen zwischen 375 und 603 qm entstehen in den Kolonnaden hinter den Villen der „Perlenkette“ in Heiligendamm. Die Sanierung läuft seit Monaten, die Vermarktung hat nun begonnen.

 

Sanierung der Villen schreitet nach langem Stillstand voran

Acht historische Logierhäuser umfasst die berühmte „Perlenkette“ von Heiligendamm. Eigentlich neun, denn Villa „Großfürstin Marie – Perle“ sind zwei aneinander gefügte Häuser. Diese beiden strahlen schon seit 2012 wieder in alter Pracht. Als Anno August Jagdfeld 1997 das älteste deutsche Seebad im Paket von 26 Bundesimmobilien von der Treuhand kaufte, waren das Haus „Bischofsstab“ und die große Jugendstilvilla daneben die einzigen weißen Häuser der einst Weißen Stadt am Meer. Die beiden hatte Klaus Metz gekauft und beide zum „Residenz Hotel Am Heiligen Damm“ vereint. 2004 kehrte er der Ostsee dem Rücken und ging zurück ins Rheinland. Das Haus „Bischofsstab“ wurde zum Kuchen, von dem viele etwas abbekamen, das Palais der Prinzessin von Reuß hingegen konnte Jagdfeld über die EntwicklungsCompagnie Heiligendamm erwerben und darin Mitarbeiterwohnungen einrichten – für seine Unternehmen, zu denen damals das Grand Hotel gerade erst gehörte.

Seitdem tat sich nicht viel an den grauem Villen in Heiligendamm. Sie verfielen, während Politik und Investor sich um die Zukunft des ersten deutschen Seebades stritten. Es ging um viele Details, hauptsächlich aber um einen gewohnten kurzen Weg vom Bahnhof zum Strand, den einige Stadtvertreter wollten, Jagdfeld aber nicht. Ein Expertenkolloquium in 2004 und eine von der IHK erbetene Mediation in 2014 brauchte es, bis wenigstens auf dem Papier Einigkeit herrschte, wie es mit Heiligendamm weiter gehen soll. Bis dahin hatte Jagdfeld die 2007 vor dem G8-Gipfel abgerissene Villa „Großfürstin Marie – Perle“ wieder aufbauen lassen. Als Zeichen guten Willens – in Vorleistung und ohne Käufer.

Inzwischen sind dort alle sechs Wohnungen längst verkauft, nebenan die Villa „Greif“ ist seit 2018 saniert, Villa „Möwe“ seit 2019 und gerade erst diese Woche fielen die Gerüste für Villa „Seestern“. Bei Villa „Schwan“ geht es sichtbar voran, sodass nur noch zwei Villen zu sanieren sind. Bis 2021 will man laut Mediationsvereinbarung fertig sein und die Chancen stehen gut.

 

Kolonnaden waren einst Kaufhallen

Also geht es an die zweite Reihe. Dort stehen seit 1878 die „Kolonnaden“, ein langgestreckter Bau mit einer Vorhalle auf 19 Säulen. Damals hatte der Großherzog sein Seebad gerade an eine Aktiengesellschaft aus zwei wohlhabenden Aristokraten verkauft – den Baron von Kahlden und den Herzog von Hohenlohe-Öhringen und Ujest. Die vergrößerten das Bad, schuften mehr Betten und neue Angebote. Hinter den Villen entstand ein fester Weg, sodass man um die prachtvolle Villenreihe herum laufen konnte.

Die Kolonnaden lagen direkt an dieser Parkpromenade und boten außer Kolonialwaren und edle Parfüms auch das, was die neue Art von Urlaubern damals brauchte. Man kam nicht mehr mit all seinen Bediensteten, um in großen Häusern zu logieren. In Heiligendamm wurden in den 1850ern die ersten Ferienwohnungen gebaut – Rückzugsorte zur Selbstbestimmung des Urlaubs. Man ging zum Friseur, zum Fotografen, zum Schneider und definierte so den Tourismus neu. Heiligendamm hatte all dies in den Kolonnaden, abgerundet mit einem kleinen Imbiss. Sie hießen „Kaufhallen“ und waren die erste Shopping Mall an der Küste.

Selbst zu DDR-Zeiten erfüllten sie den Zweck noch, auch wenn das ganze Gebäude im Volksmund „Schwanencafé“ genannt wurde – nach der HO-Gaststätte „Zur Erholung“, die ihren tierischen Namen durch eine Wandmalerei der Betreiber Familie Walter bekam. Ihr Sohn Bernd Walter erlebte gute Zeiten. Bis zu zwanzig Torten gingen an einem Wochenende weg. Dann kam die Wende, aber noch lange nicht das Ende. Walter hielt die Stellung in dem zunehmend ergrauenden Haus und verkaufte weiter sein Dosenwürzfleisch, während nebenan im Grand Hotel Kaviar serviert wurde.

Er hätte eine neue Bleibe finden können – zusammen mit Gerhard Butze vom „Bistro am Strand“ in einer neuen Strandversorgung, welche die Stadt 2004 planen wollte, aber deren Konditionen die beiden Gastronomen abschreckten. Bernd Walter ging zuerst. Nach dem Bush-Besuch 2006 konnte man nach bei Kaffee und Kuchen den Soldaten beim Einrollen des NATO-Drahtes zusehen, zum G8-Gipfel im Folgejahr war Walter längst weg. Sein Pachtvertrag wäre noch länger gelaufen, aber für so viel Geld, dass er davon in Kühlungsborn ein neues Café eröffnen konnte, wäre es töricht gewesen, das Angebot der EntwicklungsCompagnie Heiligendamm abzulehnen.

Die Idee, hier weiter Gewerbeflächen zu betreiben, fand der Entwickler der Vision von Heiligendamm – Robert A. M. Stern – durchaus plausibel und nahm das in seine Vision mit auf. Doch Jagdfeld wollte nicht nur alte Häuser sanieren, sondern auch das Seebad wiederbeleben und dazu musste es mit in die neue Zeit genommen werden. Statt die Kolonnaden unförmig nach zwei Seiten zu verlängern, sollten Gewerbeflächen lieber im Demmler-Park hinter dem Grand Hotel entstehen und dann auch für alle zugänglich sein. Das ist noch Zukunft – bis dahin muss noch oft Gras auf der freien Fläche zwischen Hotel und Bahnhof gemäht werden.

 

Ab 375 qm große Wohnungen ab 3 Mio. Euro

Seit 2007 standen die Kolonnaden nun leer. Erst 2018 gab es wieder einen Lichtblick. Da die Sanierungen gut liefen und die Nachfrage nach den Wohnungen groß ist, plante die ECH auch gleich die Sanierung der Kolonnaden. Jagdfelds Gegner im Stadtparlament nahmen noch einmal „Faustpfand“ und wollten den Verkauf des keine zwei Meter breiten Grünstreifens zwischen Straße und Kolonnaden verhindern. Darauf ließ sich von den anderen Stadtvertretern keiner mehr ein. Es dauerte zwar noch bis 2019, bis die Bagger rollen duften, aber sie rollten. Mit dem Grand Hotel koordinierte man die Bauarbeiten, denn dort war auch gerade ein neuer Außenpool in Arbeit und man wollte die Gäste möglichst wenig davon spüren lassen.

Nun stehen nur noch die vier stabilen Wände des sonst innen schnell dahin gemauerten Gebäudes. Verhüllt hinter einer Visualisierung entstehen acht Wohnungen in den Kolonnaden und eine neunte dort, wo Hofphotograph Beckmann später sein Atelier anbauen durfte. Die Wohnungen sind riesig. Redete man bisher von 80 bis 180 Quadratmeter in den Villen, fangen hier die Wohnungen bei 375 Quadratmetern an. Fünf Stück gibt es in dieser Größe, alle mit fünf Zimmern.

Die Preise variieren etwas: 3.512.550 Euro kostet die günstigste und 3.798.535 Euro die teuerste der fünf „kleinen“. Darüber geht noch mehr. Es gibt eine 5-Raum-Wohnung auf 469 qm für 4.474.125 Euro und eine Wohnung mit 7 Räumen inklusive den Beckmann-Anbau auf 469 qm für 4.285.375 Euro. Die Spitze bildet die hotelnahe West-Wohnung mit 8 Zimmern auf 603 qm für 5.904.313 Euro. Die Denkmal-AfA gilt auch hier.

Die Größen der Wohnungen ergeben sich daraus, dass fast alle fast komplett über drei Etagen gehen: Die Kolonnaden bekommen wie die anderen Villen nachtäglich Kellergeschosse, sodass sich nach hinten tiefer liegende Souterrain-Terrassen ergeben, von denen man in einen kleinen Garten schaut. Dort unten sind schon komplette Wohnungen möglich – wie die Studios, die in Villa „Möwe“ als Ferienwohnungen vermietet werden. Das ist auch hier möglich, so wie auch die ganze Wohnung gewerblich genutzt werden darf.

Die eigentliche Beletage auf Erdniveau liegt darüber, also dort, wo Schwanencafé & Co. waren. Oben unter dem Dach waren früher Wohnungen – auch die Walters wohnten dort. Da entstehen nun die dritten Etagen der Wohnungen. Nimmt man also die Gesamtgrößen durch drei, kommt man auf neun Häuser mit Grundflächen um 125 Quadratmeter. Die fünf gleich großen Wohnungen haben je 115 qm Balkon- und Terrassenflächen und 32 qm Grünflächen. Das heißt, die reine Wohnfläche beträgt 228 Quadratmeter über drei Etagen. Das sind keine unnormalen Größen für dreistöckige Häuser.

Ungewöhnlich hingegen ist, dass man außer einer Souterrain-Terrasse und einer Art Veranda unter den Säulen auch noch drei weitere Terrassen hat. Die sonnige Südseite hat im Erdgeschoss eine Terrasse mit Übergang über die Souterrain-Terrasse zum Garten, dann noch eine Terrasse auf dem weit herausgezogenen Erdgeschoss für das Obergeschoss und als Krönung im wahrsten Sinne des Wortes eine Dachterrasse über die ganze Grundfläche des eigenen Hauses.

Die Qualität der Sanierung erfolgt wie gewohnt. Die Sanierung wurde durch das Architekturbüro Platena+Jagusch aus Berlin geplant. Wenn man sich Visualisierungen der bestehenden Gebäude ansieht und sie mit dem Resultat vergleicht, kann man eine hohe Genauigkeit der Visualisierungen erkennen. So werden also die Kolonnaden am Ende auch aussehen. Gewöhnlich dauert es ein Jahr vom Spatenstich bis zum Richtfest und im Herbst des Folgejahres kommen dann die Umzugswagen.

 

Grundrisse, Kaufpreise, Infos: https://die-weisse-stadt-am-meer.de/die-kolonnaden/

 

Bilder: Archiv, eigene, Visualisierungen: Jagdfeld Design KG mit archlab, Verwendung mit Genehmigung der Jagdfeld-Gruppe. Dieser Artikel stellt keine Präsentation dar. Es wird keine Provision erzielt.

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