Das war 2019 – Der Jahresrückblick für Bad Doberan-Heiligendamm

Das Jahr 2019 ist Geschichte. Höchste Zeit für den traditionellen Jahresrückblick. Schließlich ist viel passiert im letzten Jahr des letzten Jahrzehnts. Einiges wird in die Stadtchronik eingehen, vieles in unseren Köpfen bleiben und alles andere wird später mal hier nachgelesen und sich daran erinnert werden.

 

Viele neue Gesichter

Fangen wir im Rathaus an. Das Jahr 2019 war wieder ein Wahljahr und in Bad Doberan standen außer den Landes- und Regionalwahlen auch die Kommunalwahlen an. Den Anfang machte die Bürgermeisterwahl. Amtsinhaber Thorsten Semrau trat nicht wieder an, womit schon mal klar war, dass es ein neues Gesicht auf dem Bürgermeistersessel geben wird. Von den drei Kandidaten war eigentlich nur ein Gesicht wirklich neu: Mike Wiedow bewarb sich als Nicht-Doberaner für das Amt. Genau genommen ist auch Jochen Arenz aus dem Rheinland hinzugezogen, aber das schon 18 Jahre vor seiner Kandidatur – da war der dritte und einzige gebürtige Bad Doberaner Kandidat Hannes Roggelin noch ein kleines Kind.

Die drei Kandidaten: Mike Wiedow,, Jochen Arenz, Hanns Roggelin (v.l.n.r.)

 

Das Wahlergebnis war wenig überraschend, auf jeden Fall eindeutig und auch einzigartig, denn bisher hat es kein direkt gewählter Bad Doberaner Bürgermeister ohne Stichwahl ins Amt geschafft.

Bürgermeisterwahl Bad Doberan: Jochen Arenz erhält Mehrheit

 

Neuer Bürgermeister

Kaum Bürgermeister geworden, legte Jochen Arenz los: Er initiierte die Blumenräder für Bad Doberan, unternahm drei Wohngebietsbegehungen und trieb die Lösung von Problemen voran. Der Buchenberg, der Kammerhof und der Ostseewohnpark waren 2019 dran – in nur einem halben Jahr. Der neue Bürgermeister ist voller Ideen und unterstützt auch die Ideen anderer. Wenn er ruft – meistens in den sozialen Netzwerken – dann folgen ihm viele. Natürlich musste auch jemand auf seinen Stuhl als Heimleiter folgen. Korinna Lembke übernahm die Leitung des Johanniterhauses.

Erster Arbeitstag für den neuen Bürgermeister Jochen Arenz
Blumenräder für Bad Doberan – Alle Standorte, alle Bilder.
Von der Ostsee ins Erzgebirge: Urlauberin bringt Blumenrad-Idee nach Thalheim

Neue Stadtvertreter

Quelle: Stadt Bad Doberan

Aber der Bürgermeister ist ja nicht alles im Rathaus. Auch die Stadtvertreter wurden neu gewählt. Die Zersplitterung der Parteienlandschaft setzte sich auch diesmal fort, aber viele der kleinen Gruppen fielen raus oder können keine Fraktionen bilden. Der große Sieger war die Bürgermeisterliste Jochen Arenz, die mit dem prägnanten Slogan „JA!“ antrat, um den neuen Bürgermeister zu unterstützen. Auch FÜR DOBERAN – entstanden aus der Gruppe WIR SIND DOBERAN – gewann von null auf gleich drei Sitze und am Ende zogen nicht nur viele Arenz-Unterstützer, sondern überhaupt viele neue Gesichter in das Rathaus ein. Die wissen nichts von alten Streitereien und scheren sich nicht drum. Alte Streithähne flogen raus aus dem Rathaus – die Wähler hatten es offenbar satt. Zwar wurde bei den ersten Themen, wie die Umgestaltung des Kamps auch lange debattiert, aber diesmal sachlich.

Bad Doberan hat gewählt: Das JA! gewinnt. Die große Wahl-Analyse 2019.
Konstituierende Sitzung: Das neue Stadtparlament steht.
Neu im Rathaus: 30 Minuten für Fragen und Anregungen bei jeder Sitzung

 

Neuer Amtsleiter und neue Museumschefin

Neuer Bürgermeister, neue Stadtvertreter – auch der Leiter des Bürgeramtes ist neu. Rüdiger Matthewes folgt auf Gerhard Kukla, der sich nach vielen Jahren in den verdienten Ruhestand verabschiedete. Aus gleichem Grund übergab Silvana Rieck den Schlüssel zum Stadt- und Bädermuseum an Lisa Riess, die nun Hausherrin im Möckelhaus ist.

Neue Kurdirektorin, neuer Jugendkoordinator

Auch über eine neue Kurdirektorin kann sich die Stadt freuen. Danielle Zimmermann leitet die Touristinformation, nachdem Andrea Langs Vertrag nicht verlängert wurde und Franziska Kreutzfeld die kommissarische Leitung übernahm. In Sachen Tourismus ist Danielle Zimmermann erfahren. Sie hatte vorher in der Tourismuszentrale der Hansestadt Rostock gearbeitet und bringt die guten Kontakte gleich mit. Bad Doberan-Heiligendamm ist ihr auch bestens vertraut, denn sie arbeitete vorher im Grand Hotel Heiligendamm. Die neue Tourismuschefin hat erst einmal viel abzuarbeiten, was in den vergangenen Jahren durch die ständigen Wechsel der Kurdirektorinnen nicht geschafft wurde. Trotzdem konnte sie schon ihr gutes Networking unter Beweis stellen und mit guter Zusammenarbeit bei den Veranstaltungen punkten. Die Herzen der touristischen Leistungsträger in der Stadt hat sie genauso schnell gewonnen, wie der Bürgermeister.

Das letzte neue Gesicht im Bunde ist Jörg Zimmermann. Er ist seit Mai Jugendsozialarbeiter und koordiniert die Angebote für die Jugend in der Stadt. Damit haben die Jugendlichen einen festen Ansprechpartner. Doch sie können jetzt auch selbst gestalten und ihre Ideen und Kritik dort einbringen, wo sie gebraucht werden. Auf Initiative von Jochen Arenz gab es Wahlen zum Kinder- und Jugendbeirat und der arbeitet nun im Rathaus direkt mit den Ausschüssen zusammen. Was Kinder und Jugendliche wollen, können die Mitglieder des Beirats nun direkt initiieren.

Erste Ortsteilbegehung durch den Bürgermeister ++ Wollscheune wird konserviert ++ Neuer Jugendkoordinator

 

Stürmischer Jahresauftakt

Begonnen hat das Jahr 2019 richtig stürmisch. Das Sturmtief „Benjamin“ kündigte sich schon am letzten Tag des Jahres 2018 an und steigerte sich ins neue Jahr hinein. Die mobile Hochwasserschutzwand wurde aufgebaut und Sandsäcke lagen bereit. Die Wellen schlugen bis an die Dünen in Heiligendamm heran. Auf das erste folgte gleich das zweite Sturmtief „Zeetje“ und das war noch stärker. In Warnemünde wurden 1,67 Meter über Normalnull gemessen und in Heiligendamm reichte das Wasser bis an die Dünen heran und spritzten Schaum und Gischt an den Treppen, Strandzugängen und auch den illegalen Trampelpfaden und Zufahrten auf die Promenade.

Wie in der Sage vom Heiligen Damm war es: „Als der Tag kam, siehe, zu verlief sich das Wasser mehr und mehr vom Strande“. Und vor den Blicken der erstaunten Bewohner und Gäste lag tatsächlich ein Wall und fester Damm – allerdings nicht im Wasser, sondern über den ganzen Strand verteilt. Heiligendamm hatte quasi keinen Sandstrand mehr. Die Seebrücke war beschädigt, ein Kabel hing unter ihr heraus, die Fundamente einiger Treppen lagen frei, der Liegnitz-Steg war kaputt und die Dünen ausgehöhlt und beschädigt.

Das Land versprach Hilfe und im Juni konnte die Stadt den Steg wieder freigeben. Eigentlich möchte sie einen höher liegenden Neubau, aber die Ausschreibungen 2017 ergaben derart hohe Kosten, dass sie die Ausschreibung zurückzog. Die neuen Dielen sind dicker und mit zusätzlichen Streben versehen und die Abstände dazwischen größer, um die Wellen durchzulassen.

Auch das Packwerk wurde neu verlegt und der Strand vom Anfang bis zum Ende des Seebades neu aufgetragen. Im Jahr 2019 bekam Heiligendamm erstmals einen durchgehenden Sandstrand. Parallel setzte die Stadt auch ihre Planungen um und schuf neue Strandzugänge und überarbeitete die Strandbereiche. Auch ein Strandvogt kam wieder zum Einsatz, um für Ordnung zu sorgen. Zwei Dinge muss er immer wieder angehen: Die Textilbader vom FKK-Strand verweisen und die Einhaltung von Persönlichkeitsrechten anmahnen, denn mancher knipst mit dem Handy wild drauf los. Ein drittes Problem ist der Müll. Gegen die Kippen wurden in Zusammenarbeit mit dem VDMO Strand-Ascher eingeführt und die Hinterlassenschaften am Strand werden immer wieder von einheimischen Spaziergängern aufgehoben und in die nächste Mülltonne geworfen.

Tief „Zeetje“ in Heiligendamm: Bilder, Videos, Kommentare UPDATE: Nach Tief Benjamin.

 

Landunter in Bad Doberan

Nicht nur das Sturmtief-Duo war ein großes Ereignis in der Stadt. Mehr als das Ostseehochwasser machte das Niederschlagshochwasser die Doberaner zu schaffen. Das Historische Anbaden in Heiligendamm und der erste halbe Tag des Klostermarkts fielen buchstäblich ins Wasser. Ein paar Wochen später am 31. Juli fielen in 30 Minuten 50 Liter pro Quadratmeter an Niederschlag zu Boden. Bäche liefen über, Straßen und der komplette Marktplatz standen unter Wasser. Bilder vom Molli, der scheinbar durch einen Fluss dampft, gingen durch das Land und meine ironische Anmerkung „Bäderbahn“ gleich mit dazu. Zum Lachen war vielen dennoch nicht zu Mute. In der Goethestraße holte eine Firma einen Porsche aus einem vollgelaufenen Keller und ein paar Häuser weiter verlor eine ganze Familie ihr Zuhause im Souterrain.

Der Bürgermeister Jochen Arenz startete einen Aufruf und prompt halfen die Einwohner sich unter dem Motto „Doberaner helfen Doberanern“ gegenseitig. Rund um den Markt gab es enorme Wasserschäden, manches Geschäft musste zunächst geschlossen bleiben. Die gerade erst neu gebaute OSPA-Filiale wurde so stark getroffen, dass sie im Herbst ganz schließen und in Container in der Severinstraße 8 umziehen musste, bis die Filiale wieder vollständig nutzbar ist. Auch im Gymnasium gab es einen Wasserschaden – die Schüler mussten während der Trocknung mehrere Wochen auf andere Schulen ausweichen und die Sanierung wird erst 2020 abgeschlossen werden.

Video: Klostermarkt fällt ins Wasser
Überschwemmungen in Bad Doberan +++ Renntage begeisterten +++ Ergebnisse von der Kammerhof-Begehung +++ Stadtgeschehen von Juli und August
Neues von der Moorbad-Ruine +++ Stadt kämpft gegen Sperrmüllberge +++ Liegnitzsteg wieder begehbar +++ Land unter zum Wasserfest
Doberan rüstet sich gegen Hochwasser +++ Diskussion um Touristinfo im Weißen Pavillon +++ Kamp und Küsterhaus werden saniert +++ Ehm-Welk-Haus-Sanierung auf der Kippe+++

 

Bad Doberan sollte aus der Bäderregelung fallen

Bäderverkaufsordnung

Sonntags einkaufen ist ein Markenzeichen in Bad Doberan. Kirchen finden es nicht gut, Gewerkschaften laufen dagegen Sturm. Letztlich schaffte es ver.di, die Warenverkaufsordnung zu kippen und nur noch Kommunen Sonntagsöffnung zu erlauben, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Das führte zu einer komischen Situation: Im Ortsteil Heiligendamm, wo es nicht mal eine Handvoll Geschäfte gibt, durfte sonntags weiterhin geöffnet werden, während in der eigentlichen Stadt die Läden zu bleiben mussten. Bürgermeister Thorsten Semrau suchte das Gespräch, sein Nachfolger Jochen Arenz samt der neuen Tourismuschefin ebenso und auch jede Menge Bürgermeister ähnlich betroffener Gemeinden protestierten in Schwerin. Es wurde noch mal geprüft und Bad Doberan durfte seine Bäderregelung weiterhin behalten. Erstmal. 

Bäderregelung gekippt. Läden dürfen in Bad Doberan sonntags nicht öffnen.
Bäderregelung: Bad Doberan ist wieder drin und darf sonntags öffnen

 

Überall wurde gebaut

Die bedeutendste Baustelle des Jahres blieb der Alexandrinenplatz. Die Baustelle sorgte schon 2018 für Aufregung und trug einen Teil dazu bei, dass die Doberaner Gewerbetreibenden wieder an einem Strang zogen. Eigentlich sollte auch noch die Straße „Am Kamp“ saniert werden, aber die Verwaltung lässt den Händlern erst einmal Zeit, die Defizite durch die Baustellen wieder auszugleichen. Gerade noch zur Saison wurde der Alexandrinenplatz wieder für den Verkehr freigegeben. Die Auflösung der geduldeten wilden Parkplätze auf der ehemaligen Abbiegespur Richtung Wismar erfolgte parallel mit dem Bau des neuen Bürgersteigs als letztes. Nun hat der Alexandrinenplatz einheitliche Fußwege und geometrisch korrekte Gründreiecke. Ansonsten ist es ein grauer Platz geworden. Das neue Wählerbündnis „Aktiv für Mensch und Umwelt“ schlug vor, die Fläche nachträglich zu begrünen. Das Hotel „Prinzen Palais“ wollte auch etwas mit Grün nachhelfen, der Denkmalschutz war aber dagegen. Keine Lobby hatte die alte Stieleiche neben dem Hotel. Sie verschwand und hinterließ nur eine Spur der Empörung bei Facebook. Auch das Hotel hätte die Eiche gern behalten.

Hinter dem Prinzenpalais bezogen 2019 die Mieter ihre Wohnungen und das Fitnessstudio seine Räumlichkeiten im ehemaligen Dienstleistungskombinat. Auch die Schuppen, Garagen und Altbauten verschwanden oder wurden saniert, sodass auch das letzte Grau in diesem Bereich verschwindet.

Der Ostseewohnpark war 2019 eine einzige große Baustelle. Auf die 250 Grundstücke gab es schon in der ersten Jahreshälfte 600 Interessenten, sodass man sich für eine Vergabe nach Gebot entschied. Das kam nicht überall gut an, denn es hat zur Folge, dass Einheimische wegziehen müssen, weil Leute von außerhalb mehr bieten können. Der Ostseewohnpark-Chef Arno Gutzmer rechnete damit, dass Ende 2019 alle Grundstücke bebaut sind. Das hat sich nicht ganz bewahrheitet, aber Ende 2020 wird der Ostseewohnpark fertig sein. Ganz rund lief es nicht mit dem Wohnpark: Die frischen Pflanzen vertrockneten, Disteln breiteten sich aus und durch den unfertigen Zustand gab es massive Probleme mit dem Regenwasser. Der Bürgermeister nahm das bei seiner Ortsteilbegehung auf und kümmert sich darum.

Fertig ist hingegen das Wohngebiet „Gala“ im Ortsteil Vorder Bollhagen. Dort wurde 2019 die letzte Lücke geschlossen. Das nächste neue Wohngebiet ist auch schon im Bau: An der Nienhäger Chaussee entsteht ein neues Wohngebiet anschließend an den Thünenhof. Vor der Erschließung des B-Plan-Gebiets Nr. 4 wurde hier kräftig gegraben. Die Archäologen fanden Spuren aus zwei verschiedenen Epochen der Weltgeschichte: Ein Massengrab aus der vorrömischen Zeit und ein „Industriegebiet“ aus der Eisenzeit, als die Menschen hier Raseneisenerz aus den Wiesen gewannen.

Schräg gegenüber errichtete das Technische Hilfswerk ein neues Domizil. Sodass mit Bauhof, Feuerwehr und THW nun die ganze Kraft der öffentlichen Dienste auf dem Thünenhof geballt ist. Im Gewerbegebiet am Walkmüller Holz entstand ein neues Verwaltungsgebäude des Netzbetreibers ONTRAS, das 2020 bezogen wird.

In der Bussardstraße wurde mit dem Bau eines neuen Hauses mit 30 Mietwohnungen und Eigentumswohnungen auf dem Dach begonnen und auch in Heiligendamm entsteht mit den „Boarding Houses“ neuer Wohnraum nicht nur für die Mitarbeiter des Grand Hotels. Von 2018 bis 2019 ist die Einwohnerzahl Bad Doberans von 12.952 auf 13.203 Einwohner gestiegen und sie wird weiter steigen.

Die Autofahrer waren auch 2019 sehr gefordert. Sperrungen gab es in der Thünenstraße wegen neuer Leitungen, die Beethovenstraße wurde wegen Arbeiten am Vorfluter der Brücke halbseitig gesperrt, die Clara-Zetkin-Straße musste wegen der Sanierung der Bahnhofsböschung eingeschränkt werden und letztlich entstand noch ein Kreisel zwischen ihr und der Friedrich-Franz-Straße. Die Fritz-Reuter-Straße wurde gemacht, bei der Heinrich-Heine-Straße liefen die Sanierungsarbeiten an und in Heiligendamm war die Bäderstraße als Teil eines langen Sanierungsprojekts lange eine Baustelle.

Doch auch an Häusern wurde gebaut. Abgesehen von der OSPA-Filiale, dem Gymniasium und dem Shark’s, wo wegen Wasserschäden gebaut werden musste, gab es auch Arbeiten an den Wohnblöcken in der Heinrich-Seidel-Straße und im Kollbruchweg. Die WIG baute hier Fahrstühle an. Der Landkreis realisierte wieder einige Renovierungen im Großherzoglichen Palais. In der Kröpeliner Straße verschwand das Brandhaus.

Archäologische Funde am Thünenhof +++ Sperrung in der Beethovenstraße +++ Zweite Ortsteilbegehung

 

Die Doberaner Sorgenkinder

Es hat schon Tradition, die großen Themen in Bad Doberan nacheinander abzuarbeiten und doch als Einheit zu betrachten. Wenn die Gästeführer sich im Rathaus auf den neuesten Stand bringen lassen, dann geht es immer Schlag auf Schlag mit den Fragen und immer in dieser Reihenfolge. Zum Glück wird es immer ein Sorgenkind weniger und selten eines mehr. Bisher war Heiligendamm ein großes Sorgenkind – das wird nun erwachsen und steht auf eigenen Beinen. Auch das leer stehende Bahnhofsgebäude war ein Sorgenkind – nun ist dort etwas entstanden, das zwar noch seinen Weg finden muss, aber ihn immerhin betreten hat. Der Kammerhof war ein großes und richtig teures Sorgenkind und mit Erleichterung (auch des Schuldenberges) kann man dort viele neue Häuser wachsen sehen. Was bleibt an Sorgenkindern?

 

Moorbad

Das Moorbad hat 2015 wieder einmal den Besitzer gewechselt und verfällt wieder einmal weiter. Diesmal liegt es nicht daran, dass der Investor gar nicht will, sondern daran, dass man im Rathaus nicht so will, wie er will. David Corleis hatte das Konzept eines Casilino-Hotels vorgestellt. Er kommt aus der Branche und das ist etwas, das er kann. Politik und auch Verwaltung wollten aber keine Spielhalle, sondern lieber eine Schwimmhalle. Also plante Corleis noch eine Schwimmhalle, aber ohne Casino würde das nicht funktionieren. Wenn, dann müssen mehr Zimmer – also noch ein Neubau – her. Damit folgte er dem, was auch schon Leute vor ihm erkannten. Corleis wartete die Bürgermeisterwahl ab, bekam Ärger wegen der zunehmenden Vermüllung des gerade erst geräumten Geländes und reagierte mit einer Einzäunung. Nach dem Müll musste er Gerüchte beseitigen, er habe das Areal verkauft. Er hat die Pläne überarbeitet und einen Investor und will 2020 neue Pläne vorstellen. Die Stadtvertreter müssen dann entscheiden, was der Bebauungsplan beinhalten soll. Man kann ihm wohl nicht verdenken, dass er eine neue Stadtvertretung abwartete.

Moor, Moder, Müll und Mehr: Investor macht Moorbad-Gelände dicht.
Faktencheck: (K)(l)eine Neuigkeit(en) von der Moorbad-Ruine
Neues von der Moorbad-Ruine +++ Stadt kämpft gegen Sperrmüllberge +++ Liegnitzsteg wieder begehbar +++ Land unter zum Wasserfest

 

Ehm-Welk-Haus und Sporthalle

Beim Ehm-Welk-Haus türmten sich 2019 zuerst die Einrichtungsgegenstände zum Abtransport zwecks Einlagerung während der Sanierung und dann die Probleme auf. Keiner will den Auftrag übernehmen und der Stadt läuft die Zeit davon, denn die Fördermittel drohen zu verfallen. Dass es sich lohnt, darüber mit den Verantwortlichen zu reden zeigt die Tatsache, dass jüngst die Frist verlängert wurde. Bis der Freundeskreis das Literaturhaus wieder beziehen kann, finden die Veranstaltungen im Besucherzentrum des Klosters statt.

Kurz vor dem Abgrund: Ehm-Welk-Haus wird doch saniert
Doberan rüstet sich gegen Hochwasser +++ Diskussion um Touristinfo im Weißen Pavillon +++ Kamp und Küsterhaus werden saniert +++ Ehm-Welk-Haus-Sanierung auf der Kippe+++

 

Die Sporthalle am ZOB wurde 2019 zum neuen Sorgenkind. Wie fast immer wurde alles teurer, als geplant und die Stadt musste Geld nachschießen. Nun war auch noch ein Subunternehmer ausgefallen und so verschob sich der Fertigstellungstermin ins Ungewisse. Zum Karneval sah es dann so aus, als ob die Narren ihr Quartier einweihen konnten, aber dem Bürgermeister war das zu heikel, weil die Arbeiten noch nicht abgenommen waren und er bei Haftungsansprüchen den Kopf hinhalten müsste. So fand die Karnevalsparty dann doch nicht in der Sporthalle statt, aber im Februar können die Narren und Freunde die neue, wenn auch optisch der alten sehr ähnliche Halle beziehen.

Erwähnt werden muss auch, dass der DFC nun auf dem Sportplatz ein Vereinsheim hat und dass der Sportplatz einen neuen Rasen und neue Tribünen hat. Und, dass es auch 2019 Beschwerden wegen Lärm gab – von denselben Leuten, wie 2018, 2017, 2016…

Doberaner Fußball-Fans müssen zum Jubeln in die Ecke gehen

 

Jugendherberge

Villa Weitsicht auf dem Tempelberg in Bad Doberan, wo einst die Jugendherberge stand.
Villa Weitsicht auf dem Tempelberg in Bad Doberan, wo einst die Jugendherberge stand.

Das Sorgenkind „Jugendherberge“ ist Geschichte und die Jugendherberge selbst ist es auch. Nach langem Hin und Her und einigen Verirrungen im Paragrafendschungel haben Forst und Stadt schon 2018 eine Lösung gefunden, die für die Interessentin brauchbar ist. Die Jugendherberge wurde abgerissen und das Grundstück eingeebnet und zusammen mit einem Investor baute Daniela Härtel aus Hohenfelde den Tempel nach historischem Vorbild wieder auf. Da der Tempel über die Jahrhunderte mehrfach umgebaut wurde, gibt es nicht das eine historische Vorbild, aber in Form und Kubatur stimmt der Neubau und die Architektur lässt durchaus vermuten, dass es sich um einen sanierten Altbau handelt. Im Erdgeschoss gibt es die ersehnte Gaststätte als Café-Restaurant, das am Tage geöffnet hat und abends schließt.

Die tolle Aussicht lohnt sich freilich nur am Tage und da es in Bad Doberan eher zu wenige Gaststätten mit Mittagstisch gibt, ist die Villa „Weitsicht“ eine gute Ergänzung. Als Koch holte man sich den Koch der Ausflugsgaststätte „Quellental“ aus Hohenfelde, als Bäckerin fing Bärbel Kampa nach der Aufgabe ihres Backshops in Hohenfelde an und auch Dani Härtel zog mit ihrem Beauty-Salon aus Hohenfelde in das Erdgeschoss ein. Oben unter dem Dach gibt es einen Raum, der nicht nur für Veranstaltungen mit Gastronomie von jedem gebucht werden kann. Hier finden bereits regelmäßig Yogakurse statt. Eine große Terrasse oben und eine Terrasse im Grünen unten versprechen die besten Plätze mit Blick auf Bad Doberan. Eröffnet hat die Villa „Weitsicht“ am 1. April. Der Wasserturm gleich nebenan beherbergt Ferienwohnungen.

Neuer Tempel auf dem Tempelberg wächst heran
Aus Jugendherberge wird Villa Weitsicht: Eröffnung am 1. April

 

Chemische Werke Walkenhagen

Chemiefabrik Doberan

Die Chemische Fabrik in Walkenhagen ist Geschichte – die Geschichte ist aber noch nicht Geschichte. Zur Erinnerung: Die Chemischen Werke Bad Doberan wurden vor 100 Jahren gegründet, nach dem 2. Weltkrieg enteignet und nach der Wiedervereinigung an den Erben des Alteigentümers zurückgegeben. Der war damals ein alter Mann und hatte weder Möglichkeiten noch Mittel, sich um das Erbe zu kümmern, sodass es in der Familie weiter vererbt wurde. Als die letzte Eigentümerin darüber verfügen konnte, waren das Areal bereits vermüllt und die Gebäude baufällig. Auch sie konnte das Erbe nicht nutzen, musste sogar zwei Versuche eines Kontrahenten abwehren, der mit Tricks an das Grundstück gelangen wollte. Die Stadt forderte die Eigentümerin zu Sicherungsmaßnahmen auf und die Post soll nicht angekommen sein. Der Kontrahent soll sie entnommen haben. Erst nachdem sie direkt an die Eigentümerin gesandt wurde, reagierte sie auch. Es gab mehrere Ideen, von denen die Nutzung als Solarpark die billigste gewesen wäre. Damit hätte man allerdings auf Gewerbeflächen verzichtet.

Nach Verhandlungen einigte man sich darauf, dass die Stadt das Grundstück für 20.000 Euro kauft. Das Land sagte eine Übernahme der Beräumungskosten zu, sodass die Stadt „nur“ den Eigenanteil bezahlen musste. Angesichts zu erwartenden Millionensummen und des dann immer noch im hohen zehntausender Bereich liegenden Eigenanteils haderte Bürgermeister Thorsten Semrau auch mit dieser Lösung, aber letztlich wurde es so gehandhabt und die Industriebrache beräumt und planiert. Nun sollen noch Bodenproben stattfinden, bevor dann ein Käufer gefunden werden kann. Die Stadt wünscht sich einen Investor für das ganze Grundstück. Entstehen darf dort nur Gewerbe. Das Jahr 2020 wird die Richtung bestimmen, die das einstige Sorgenkind nimmt.

 

Rennbahn Bad Doberan-Heiligendamm

Das letzte Sorgenkind blieb auch 2019 eines. Die Rennbahn rechnet sich nicht, der Rennverein schafft es nicht und nach einem Defekt der Sprinkleranlage und einem Wildschaden war es für den Verein nicht einfacher, Renntage auf die Beine zu stellen. Trotzdem hat es 2019 geklappt mit zwei Renntagen am 2- und 3. August. Begonnen wurde mit einem großen Frühstück, das ein Sponsor möglich machte. Die beiden Tage waren ein guter Erfolg und sogar der Spririt von 1990 war wieder da. Trotzdem musste der Rennverein am Ende Insolvenz anmelden. Einen Lichtblick gibt es: AntenneMV verhandelte 2019 mit der Stadt über eine Nutzung der Rennbahn auch über die Rennen hinaus und ein Baumwipfelpfad von der Rennbahn über die Mollitrasse und Allee zum Großen Wohld soll für eine touristische Aufwertung sorgen. Bis zum Sommer waren das große Themen, nach dem Sommer war davon allerdings nicht mehr viel zu hören. 2020 wird zeigen, wie es weiter geht mit der Traditionsrennbahn.

Interesse an der Ostsee-Rennbahn: Antenne MV macht Hoffnung
Im August gibt es wieder Doberaner Renntage
Molli auf Borkum – Schweineschnäuzchen an der Ostsee +++ Polo Masters Premiere +++ Rennverein vor Insolvenz +++ Störung bei der Bahn – Stadtgeschehen August und September

 

Neues aus dem Kloster

In kleinen Schritten und mit Beständigkeit ging es auch 2019 im Klostergelände voran. Es gab Geld von der Stiftung Denkmalschutz für die Sicherung der Ruine der Wollscheune. Der Bauzaun wurde 2019 schon errichtet, die eigentlichen Arbeiten werden aber erst in diesem Jahr folgen. Die Bundestagsabgeordneten Frank Junge (SPD) und Karin Strenz (CDU) überreichten 900.000 Euro Fördermittel vom Bund für die weitere Sanierung. Davon soll das Küsterhaus saniert werden. Zum Ende des Jahres wurde auch am Hengstenstall fleißig gebaut. Die alten Einbauten sind verschwunden, die Betonwände wieder durch Fachwerk ersetzt worden und das alte Fachwerk wieder vom Putz befreit. Um den Hengstenstall weiterhin als Veranstaltungsraum nutzen zu können, sollen auch innen einige Renovierungen stattfinden. Kustos Martin Heider hielt auch 2019 mehrere Vorträge und lockte damit viele Menschen ins Münster. Er brachte eine Publikation zum Dreißigjährigen Krieg heraus und arbeitete an einer weiteren zur Reformation, die in Kürze erscheinen wird.

Für die Backhausmühle laufen die Ausschreibungen für die Vorarbeiten. Die Ruine soll ein Dach bekommen und als erweiterter Rohbau nutzbar gemacht werden. Was dann im Inneren geschieht, wird erst in diesem Jahr entschieden. Der Brauer hat inzwischen andere Projekte und für eine Gastronomie sind noch einige Fragen zu klären, wie Parkplätze und Öffnungszeiten. Der Bürgermeister Jochen Arenz möchte auch gern die Wünsche der Einwohner berücksichtigen, wenn es darum geht, einen großen Saal zu schaffen.

Nicht ganz neu ist das Besucherzentrum des Klosters im Marstall auf dem Klosterhof. Neu sind aber die Öffnungszeiten. Die Stadt hat zwei kleine Stellen geschaffen und mit den beiden Bewerbern Reinhard Firzlaff vom Klosterverein und Martin Dostal von den Gästeführern besetzt. Damit war es 2019 möglich, von Mai bis Oktober von Dienstag bis Freitag in der Zeit von 12:00 bis 15:30 Uhr zu öffnen. Über 7.700 Besucher nutzten 2019 das Angebot, davon allein zur Kulturnacht 700. Außerdem fungiert das Besucherzentrum als Veranstaltungsort für Lesungen und Vorträge, vornehmlich während der Sanierung des Ehm-Welk-Hauses. Vor allem aber ist es ein Aushängeschild des Klosters und ein lebendiger Wegweiser in alle Bereiche der Stadt. Die beiden Mitarbeiter unterstützen die und unterstehen nämlich der Touristinformation. Für das nächste Jahr sind sie wieder eingeplant. An den Sonntagen öffnen die Mitarbeiter des Vereins der Freunde und Förderer des Klosters Doberan das Besucherzentrum und sie sind es auch, die die Räumlichkeiten weiter mit Informationen füllen.

Damit zur letzten Neuigkeit aus dem Kloster: Der Verein der Freunde und Förderer des Klosters Doberan feierte im Jahr 2019 sein 20jähriges Jubiläum. 150 Mitglieder zählt der Verein heute.

Doberan rüstet sich gegen Hochwasser +++ Diskussion um Touristinfo im Weißen Pavillon +++ Kamp und Küsterhaus werden saniert +++ Ehm-Welk-Haus-Sanierung auf der Kippe+++

 

Bad Doberans neue Shopping Mall

Einkaufsstraße Nienhäger Chaussee: PENNY und NORMA sind schon da, NETTO und REWE wollen bauen.
Einkaufsstraße Nienhäger Chaussee: PENNY und NORMA sind schon da, NETTO und REWE wollen bauen.

Nicht ohne Ironie wurde der Bau der NETTO-Filiale in der Nienhäger Chaussee begleitet. Nach PENNY und NORMA ist es der dritte Discounter in dieser kleinen Straße. Doch während die Doberaner den neuen „gelb-roten“ „Wessi-Netto“ („ohne Hund“) – irgendwie muss man den Discounter aus Maxhütte ja vom „schwarz-gelben“ „Ossi-Netto“ (mit Hund“) unterscheiden – gut annahmen, spalten sich beim vierten Markt die Geister: Der Investor für den Bau des REWE-Marktes hat sich mit der Stadt vor Gericht verglichen und darf nun bauen. Der neue REWE soll die letzte „Lücke“ zwischen Norma und Penny füllen. Auf der Fläche befindet sich eine Weide mit einer recht eigentümlichen Bebauung aus Wohnwagen und Hütten, aber auch das einstige Einkaufszentrum, in dem Penny, Fleischer Hackendahl, ein Küchenstudio, ein Getränkemarkt, ein Friseur und ein paar kleine Läden residierten. Inzwischen gibt es dort nur noch einen Getränkemarkt und das Café „Z“ ist dorthin umgezogen. Dieses Center soll weg und REWE die ganze Fläche zwischen PENNY und NORMA bebauen. Viele Doberaner halten zu ihren EDEKA, einige freuen sich aber auch auf den REWE-Markt. 2020 wird es zweifelsohne los gehen in der neuen Shopping Mall.  

Stadt scheitert gegen Landkreis: Netto darf an Nienhäger Chaussee bauen.
Discounter-Streit: Vergleich auch zwischen REWE-Investor und Landkreis

 

Planungen und Diskussionen

Vor dem Bauen sollte man planen. Das ist auch 2019 der Fall gewesen. Die Sanierung der Thünenstraße und der Straßen am Fuchsberg waren ein Thema, die Sanierung von Palaisgarten und Kamp gingen in die heiße Phase und sorgten in der neuen Stadtvertretung erst einmal für Diskussionen und Verbesserungsvorschläge. Ganz auf Widerstand stieß die Idee, Althof und das Gewerbegebiet „Eikboom“ mit einer Straße zu verbinden. Die Althöfer befürchten, damit zur Umgehung von der Landstraße zur B105 zu werden. Das Heilwald-Projekt wurde 2019 im Detail geplant.

Pläne gibt es auch für eine Parkraumzone in der Schillerstraße. Dort darf nämlich bei weniger gewordenen Stellflächen immer noch rund um die Uhr geparkt werden und die Anwohner ärgern sich über zu wenig Parkplätze. Schließlich sind Kreisverwaltung und Schulen in direkter Nähe und die Mitarbeiter, Lehrer und Schüler kommen früh an in Bad Doberan. Geplant ist nun, zwischen 8 und 18 Uhr die Parkzeit auf zwei Stunden zu begrenzen. Doch nicht nur die Verwaltung schob Planungen an – auch aus der Politik gab es Ideen. So soll die Stadt prüfen, ob sie eine eigene KITA betreiben kann. Von Harry Klink (KUSS) kam der Vorschlag, Regeln für den Kamp einzuführen. Das fanden die anderen Stadtvertreter aber noch zu früh – erst soll der Kamp umgestaltet werden.

 

Standortfrage für die Touristinfo

Ein Thema war auch der Umzug der Touristinformation in den Weißen Pavillon. Das Gebäude ist zwar repräsentativ und in Verbindung mit dem Rathaus gegenüber eine gute Kombination aus Front- und Back Office, aber die Stadt hatte das historische Bauwerk verkauft und müsste jetzt Miete bezahlen. Auch befindet sich dort ein Restaurant, mit dem man sich nicht ergänzen kann. Außerdem müsste man den Betreiber mitnehmen. Grundsätzlich fanden die Stadtvertreter die Idee der Touristinfo auf dem Kamp reizvoll. Einige schlugen auch das Besucherzentrum vor, aber die Mehrheit will den Standort im Stadtzentrum und nicht im Klosterareal. So lebte die Idee der Jade-Studenten wieder auf, das Rathaus-Foyer umzubauen und von der Behörden-Rezeption zur Gästelounge zu verwandeln. Das Thema wird auch 2020 beherrschen, zumal dort auch die Frage nach der Auslagerung der Touristinformation dran hängt, die Bürgermeister Jochen Arenz als Kandidat für das Bürgermeisteramt stellte.

Doberan rüstet sich gegen Hochwasser +++ Diskussion um Touristinfo im Weißen Pavillon +++ Kamp und Küsterhaus werden saniert +++ Ehm-Welk-Haus-Sanierung auf der Kippe+++

 

Neues aus Heiligendamm

Bis 2015 gab es eigentlich nichts neues aus Heiligendamm, außer den üblichen Streit um den Stichweg. Seit der Mediation kann man tatsächlich jedes Jahr etwas Neues aus Heiligendamm berichten.

 

Neuer Italiener in Heiligendamm

Bild: Medinis Restaurant

Die erste Neuigkeit war die Wiedereröffnung des Medinis im Haus „Bischofsstab“. Das wurde zwar auch schon in den beiden Jahren davor angekündigt, aber Anno August Jagdfeld haderte mit der ursprünglichen Idee. In diese Räumlichkeiten muss schon etwas Besonderes hinein, vom Platz her, von der Lage her und auch vom Gesamtkonzept her. Tatsächlich wurde Jagdfeld fündig und überzeugte den renommierten italienischen Koch Luigi Frascella, vom Harrys in London nach Heiligendamm zu kommen. Der waschechte Italiener baute sich ein waschechtes italienisches Restaurant auf und brachte seine Mannschaft zum großen Teil gleich mit. Für ein äußerst hochwertiges Interieur sorgte Anne Maria Jagdfeld und für den guten Draht die direkte Zusammenarbeit mit dem Adlon in Berlin. Damit ist die historische Achse Berlin – Heiligendamm wieder zu altem Leben erwacht. Die Hauptsaison lief zumindest von außen gesehen vielversprechend. Ob das auch für die Nebensaison zutrifft, muss sich zeigen. Immerhin gibt es aber die Verbindung nach Berlin, wo die Saison keine Rolle spielt. Das Grand Hotel begrüßte den neuen Italiener und beide fanden schnell zueinander.

La Cucina Italiana an der Ostsee: Neueröffnung des Medinis Heiligendamm

 

Sanierung schreitet voran

Die größten Events im Hause der Jagdfeld-Gruppe waren freilich die Fertigstellung der Villa „Möwe“, das Richtfest für Villa „Seestern“ und der Sanierungsbeginn für Villa „Schwan“. Hinter der Straße wurden Bäume gefällt, um den Abstand zum Wald einzuhalten. Für die Kolonnaden wurden die Bauanträge eingereicht und auch die Ensemble-Villa ist schon in Planung. Sie wird nach dem leitenden Architekten „Villa Klingler“ heißen. Die Sanierung schreitet also im zügigen Tempo voran. Die größte Schwierigkeit ist, alle benötigten Handwerker zu kriegen. Ein weiteres Event war der Tag des offenen Denkmals in Heiligendamm. Die ECH bot auf Voranmeldung Vorträge und Führungen auf der Baustelle und die Gäste kamen in Scharen. Da doch so einige das mit der Anmeldung missverstanden, kamen sie nicht hinein, wurden aber am Eingang mit Informationen versorgt.

Ausgepackt: Villa „Möwe“ in Heiligendamm strahlt wieder
Halbzeit: Richtfest für die vierte der acht Villen der „Perlenkette“ in Heiligendamm
Galerie: Richtfest für Villa “Seestern” in Heiligendamm
Zwei sind schon weg: Vermarktung für Villa „Schwan“ in Heiligendamm läuft
Heiligendamm: Seltene Einblicke zum Tag des offenen Denkmals

 

Grand Hotel erweitert SPA und baut Mitarbeiterwohnungen

Nebenan baute das Grand Hotel fleißig an der Erweiterung des SPA-Bereiches. Ein neues Außenbecken wurde geliefert und auch schon voll laufen lassen. Zur Saison 2020 werden die Gäste ihre Bahnen draußen ziehen können. Das HeiligendammSPA steht übrigens wie das Kulturangebot und die Gaststätten auch Gästen außerhalb des Hotels zur Verfügung.

Boarding Houses Heiligendamm Mitarbeiterwohnungen

Am Südrand des Ortes wurde 2019 mit dem Bau der „Boarding Houses“ begonnen. Drei geschmackvolle Gebäude mit Tiefgarage, Aufzügen und Penthousewohnungen sollen Wohnraum schaffen, den die Mitarbeiter des Grand Hotels mieten und somit dem Hause treu bleiben können. Ganz wird sich der Wunsch nicht erfüllen lassen, dass hier nur Mitarbeiter wohnen, denn die Häuser wurden zu einem Teil mit Fördermitteln gebaut und die Wohnungen stehen darum jedem zur Miete offen. Es gibt aber durchaus legale Möglichkeiten, um genug Wohnraum für Mitarbeiter zu behalten. Vor Herbst 2020 ist mit einer Fertigstellung nicht zu rechnen.

Boarding Houses Heiligendamm: Grand Hotel baut Mitarbeiterwohnungen

 

Wirbel im Weißen Schloss

Nein, nicht die geplante Hochzeit von Heidi Klum und Bill Kaulitz und das Grand Hotel als möglichen Ort dafür sorgte in Bad Doberan für Wirbel. Das war zwar eine halbe Titelseite wert, aber die beiden heirateten letztlich auf einer Yacht vor Capri und nicht vor einer Burg an der Ostsee.

Nachdem der Hoteldirektor Thomas Perruzzo zu neuen Ufern aufbrach und seinen Nachfolger Thilo Mühl vorstellte, wurde es ruhig ums Grand Hotel. Eigentlich nicht schlecht, denn das Hotel kann Ruhe gebrauchen, doch hinter den Kulissen brodelte es gewaltig. Einer nach dem anderen verließ das Luxushotel und da kaum einer freiwillig so ein renommiertes Haus nach vielen Jahren einfach so verließ, gab es natürlich Fragen und sickerten Details durch. ERSTES SEEBAD berichtete darüber und über eine Aussage des Hoteleigentümers Paul Morzynski, die in den Medien so verstanden wurde, als spiele er mit der Option, einen Stern herunter zu gehen. Prompt reagierte das Grand Hotel mit einer Einladung und Morzynski mit einem Interview in der OSTSEE-ZEITUNG, in dem er seine Aussagen erklärte und beteuerte, dass er eher auf sechs Sterne hoch gehen würde, wenn das ginge. Nun war der Faden wieder da, aber er hielt nur ein paar Wochen, denn Thilo Mühl verließ das Grand Hotel wieder.

Thies C. Bruhn (C) Kempinski
Thies-C.-Bruhn (C) Kempinski

 

 

Noch bevor die Fachwelt es wusste, enthüllte ERSTES SEEBAD den Namen des neuen Hoteldirektors, denn eine slowenische Zeitung berichtete von seinem Weggang nach Heiligendamm. Thies C. Bruhn ist ein alter Hase in der Branche, hat drei Jahrzehnte für Kempinski gearbeitet, zuletzt im Portoroscz Palace in Slowenien, einem dem Grand Hotel gar nicht unähnlichen Kempinski-Hotel. Seine Expertise und die guten Kontakte kamen dann auch schnell zum Vorschein: Das Grand Hotel wurde Mitglied der Global Hotel Alliance, nimmt an einem Loyality-System (Bonussystem) teil und wirbt nun international um Gäste. Das erste Polo-Turnier in Heiligendamm ist ein Meilenstein auf dem Weg zurück zu internationaler Bekanntheit – Golfturniere sollen folgen. Die Polo-Mannschaften spielten direkt auf der Wiese vor dem Kurhaus und hunderte Schaulustige konnten vom Zaun aus zusehen. Direkt mitmachen konnten sie erstmals bei den White Nights am Strand. Das Grand Hotel und das Medinis sorgten zusammen für Gaumenfreuden und die Stimmung war gut. Übrigens veranstaltete auch das DECK Heiligendamm Beachpartys und lieferte wundervolle Bilder in die Welt hinaus. Bis zum Kultstatus ist es gewiss nicht weit. Zuletzt hat das Grand Hotel auch die Zusammenarbeit mit der Stadt auf eine neue Stufe gehoben. Es sollen regelmäßige Treffen zur Planung und Abstimmung stattfinden.

Ein wenig Wirbel gab es auch um das Prinzenpalais. Nachdem die Schaukästen mit den Speisekarten eine Zeit lang leer blieben, ging gleich das Gerücht um, das Prinzenpalais sei Pleite oder gar schon verkauft. Eigentümer ist auch Paul Morzynski – das Grand Hotel und das Prinzenpalais bilden eine Gemeinschaft in Sachen Bewirtschaftung und Personalplanung. Beide gehören Paul Morzynski als Gesellschafter und bei beiden ist Thies Bruhn aktuell der Hoteldirektor. Der wahre Grund für die leeren Schaukästen ist die Schließung des Restaurants. Das hat sich nämlich nicht rentiert und darum wollte das Prinzen-Palais auf die erste Mahlzeit des Tages setzen und sein Frühstückbüffet öffentlich machen. Dem aufmerksamen Beobachter wird die Werbung auch aufgefallen sein – dem Unaufmerksamen nur das Fehlen der Speisekarten. Dabei erfreut sich das Prinzenpalais großer Beliebtheit: Das Musical Dinner war schon nach kurzer Zeit so ausverkauft, dass es ins Grand Hotel verlegt werden musste. Beim Weihnachtsmarkt begrüßte das erste Haus am Platz die Gäste der Stadt mit Glühwein, Punsch und Weihnachtsmann. Für 2020 ist eine Öffnung und Annäherung an die Stadt geplant, um den Doberanern das Traditionshaus in ihrer einstigen Schule näher zu bringen.

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Strandzentrum entsteht

Drei Namen beherrschen die Schlagzeilen in Heiligendamm: Jagdfeld, Morzynski und König. Alle haben eines gemeinsam: Viel Gegenwind. Jagdfeld konnte nur mit einer Mediation den Sturm beenden, Morzynski gelang es, aus den Erfahrungen seines Nachbarn zu lernen und die Klippen zu umschiffen und Klaus König hatte einfach einen langen Atem und Glück. Das Strandzentrum am Saisonparkplatz vor dem Golfteich wollte er schon vor acht Jahren bauen, aber die Stadtvertreter wollten den B-Plan nicht dahin gehend ändern, ihm ein paar Zentimeter mehr Höhe zu erlauben, damit er trotz Tiefgarage noch eine Dachterrasse realisieren kann.

Lange wurde gestritten und blockiert – zuletzt zum großen Teil nur noch Porzellan zerschlagen. Gerade das Verhältnis zum alten Bürgermeister war nicht von gegenseitigem Vertrauen und Verständnis geprägt und so verwundert es auch nicht, dass die Gründungsarbeiten erst nach der Vereidigung des neuen Bürgermeisters erfolgten. Der war zwar auch immer eher skeptisch, aber letztlich wohlwollend und bei der Grundsteinlegung gut gelaunt.

Sogar Landrat Sebastian Constien packte bei der Grundsteinlegung mit an und zum Jahresende war das Tiefgaragengeschoss schon im Rohbau fertig. Klaus König nennt sein vornehm schwarz gestyltes Projekt „Pearl 8“ – nach der schwarzen Kugel beim Billard. Acht Jahre musste er warten. Das erste Gebäude soll Gastronomie und Ferienwohnungen beherbergen. Den Wunsch aus dem Rathaus nach öffentlichen Toiletten mag der Investor nicht erfüllen. Ein wenig muss die Stadt schon selbst für Infrastruktur sorgen. Es soll nach Fertigstellung noch einen zweiten Bauabschnitt mit einem Hotel geben, für das noch ein Betreiber gesucht wird.

Heiligendamm: Bauarbeiten für neues Strandzentrum haben begonnen
Pearl 8 Heiligendamm – Grundsteinlegung hinterm Deich

 

Neuer Strand, neue Strandzugänge

Nicht weniger wichtig, als all die vorgenannten Dinge ist der Strand selbst. Nach den beiden Sturmtiefs war vom Heiligendammer Sandstrand nichts mehr übrig. Die Steine wegharken hätte nicht gereicht – darunter war nur noch harter Sand. Es mussten also mehrere Lkws voll Sand angefahren werden. Das Ergebnis ist hervorragend: Erstmals hatte Heiligendamm einen vollständigen Sandstrand von Osten bis Westen und erstmals konnte man ihn ohne Klettern entlanglaufen. Auch an Breite hat der Strand teilweise gewonnen. Neue Strandtreppen sind in Richtung Börgerende entstanden, ein neuer bewachter Strandabschnitt wurde eingerichtet und die Strandabschnitte wurden überarbeitet.

Strandascher wurden angeschafft und wieder ein Strandvogt für die Ordnung am Strand eingestellt. Die Badeinsel war wieder draußen, die Rampe am Demmler-Zugang wurde erneuert und der Strand blieb sauber. Das einzige, das den Badespaß trübte, waren Vibrionen. In Heiligendamm gab es keine Todesfälle, aber die Angst schwamm mit. Die Klimaerwärmung wird zu einer weiteren schnellen Ausbreitung der Vibrionen sorgen. Auch Feuerquallen mögen warmes Wasser und stören den Badespaß. Sogar eigentlich in der Nordsee heimische Krabben wurden bereits im Flachwasser beobachtet. Sie sind aber harmlos.

 

Molli auf Borkum

Das PR-Event des Jahres dürfte neben dem Polo-Turnier Mollis Au pair gewesen sein. Die 99-2332-9 dampfte vom 14. bis 22. September 2019 auf Borkum. Das Schienennetz der westlichsten deutschen Nordseeinsel hat dieselbe Spurweite, wie der Molli und so war bei einem Gespräch zwischen den Chefs der Borkumer Kleinbahn und der Mecklenburgischen Bäderbahn die Idee geboren, einfach mal zu tauschen. Die Molli-Bahn war im Sommer abkömmlich, weil sie nicht im Regelverkehr fährt, sondern ein Arbeits- und Sonderzug ist.

Weder die genauen Zeiten der Abreise und Ankunft in Bad Doberan wurden vorab kommuniziert, noch sonst welche begleitenden Aktionen gestartet. Die PR-Aktion war schon deshalb ein voller Erfolg, weil Molli auf Borkum für Aufsehen, massenhaft Mitfahrten und viele Fotos sorgte. Über die Kosten redete keiner – nur so viel: Sie haben sich durch die Werbung voll amortisiert. Als Gegenbesuch kommt 2020 das „Schweineschnäuzchen“ zu Besuch zurück in seine mecklenburgische Heimat. Der Triebwagen wurde in Wismar gebaut. Eine Molli-Besonderheit gab es dann nach der Heimkehr: Zum ersten Mal in der Geschichte fuhr eine Dampflok nicht mit dem Schornstein Richtung Bad Doberan, sondern mit der Nase im Ostseewind. Aber nur bis zum nächsten TÜV – nach vier Wochen kam sie aus Meiningen wieder, wird derzeit noch gewartet und startet dann 2020 wieder mit Rückenwind in Mollis Welt.

An die Nordseeküste: Fahrplan für Mollis Urlaub auf Borkum steht
Go West: Mecklenburgische Molli-Bahn trifft Niedersächsische Nordseeinsel
Molli-Bahn auf Nordsee-Insel: Doberaner Molli auf Borkum angekommen
Molli auf Borkum – Schweineschnäuzchen an der Ostsee +++ Polo Masters Premiere +++ Rennverein vor Insolvenz +++ Störung bei der Bahn – Stadtgeschehen August und September

 

Altes ging und neues kam

Das Leben ist Veränderung und so gab es auch 2019 Dinge, die verschwanden und welche, die neu kamen. Fast unbemerkt verschwand der Waldparkplatz am Kinderstrand. Die Lichtung diente bislang als Parkplatz der Stadt und wurde gern von Campern genutzt. Dafür war sie aber nicht vorgesehen und das führte zu Problemen. Die Forstbehörde friedete die Fläche ein, stellte Verbotsschilder auf und die Natur holte sich die Lichtung zurück. Zu Engpässen kam es auch trotz des heißen Sommers selten, denn entlang der Straße darf weiter geparkt werden. Für Gäste leicht zu übersehen ist die Tatsache, dass es nur einen Kurtaxautomaten ganz am Anfang des Weges gibt. Verschwunden sind auch die “Mecklenburger Backstuben”, sodass die Räumlichkeiten in der alten Sparkasse in der Mollistraße wieder einmal leer stehen.

Ebenso schnell, aber wohl bemerkt verschwand der Eiswagen am Alexandrinenplatz. Als der Platz neu gestaltet wurde, entschied man sich gegen eine Eisdiele und als nun der Wagen aufgestellt wurde, fehlten sämtliche Anschlüsse für einen sinnvollen Betrieb. Das war zwar nicht der Grund für den Abbau, ist aber ein Hindernis für eine neue Eisdiele. Es gibt zwei Interessenten und es wird 2020 die Aufgabe der Stadt sein, sich für oder gegen eine Eisdiele zu entscheiden.

Auch einen Hautarzt gibt es in Bad Doberan nicht mehr. Nach 30 Jahren am Kamp verabschiedete sich Dr. med. Sabine Broschewitz in den Ruhestand.

Filiale der Mecklenburger Backstuben in Bad Doberan geschlossen

 

Kommen wir nun zu dem, was neu kam:

Die große Neuheit in Bad Doberan ist das Handyparken mit der App von Easypark. Damit können Autofahrer sich den Weg zum Parkscheinautomaten sparen und immer wieder nachlösen, wenn es mal wieder länger dauert oder einfach zu schön ist.

Alt und doch neu ist auch die KITA „Am Kellerswald“. Gegen den Protest einiger Eltern wurde das Internat der Hilfsschule aufgelöst und nach einem Umbau eröffnete die AWO dort einen Kindergarten mit 45 Plätzen. Beim DFC sind nicht nur die LED neu – der Club hat nun auch eine Frauenmannschaft. Wobei für eine echte Mannschaft noch ein paar Frauen fehlen.

Und auch das ist alt und doch neu: In der Mollistraße gibt es nun Fisch statt Steaks. Der Grieche Nikolaos Theodorou vom „Mesogios“ ergriff die Chance, als das Steakhaus schloss und eröffnete dort das „Seepferdchen“. Damit hat Bad Doberan endlich das von den Touristen gefragte Fischrestaurant. Am Kamp wurde aus einer Versicherungsfiliale das Atelier „Kunstpause“ und im Alexandrinenhof eröffneten die Künstler Jeanine Rafoth, Katharina Sasse und Jörg Hauptmann das Atelier „Meerart“.raschte Doberaner.

Neu sind auch zwei Elektrotankstellen. Nachdem beim NORMA bereits privat eine aufgebaut wurde, zog die Stadt zusammen mit den Stadtwerken nach und machte einen Parkplatz am ZOB zur Elektrotankstelle. In Heiligendamm bietet das Grand Hotel seinen Gästen mehrere Ladesäulen, darunter auch eine speziell für den Tesla.

Einfach Auto APPstellen: Handyparken in Bad Doberan-Heiligendamm

 

Es wurde viel gefeiert – manches zum letzten Mal

Alle Events, für die Bad Doberan so bekannt ist, standen 2019 auf dem Programm: Die Zappanale, der Bikergottesdienst, die Doberaner Renntage, das Historische Anbaden, der Klostermarkt, die Kneipennacht, die Kulturnacht, der Molli-Lauf, das Jazz-Picknick, der Weihnachtsmarkt, der Denkmaltag und ganz neu das Polo-Turnier. Das Wasserfest AQUAnostra wäre fast ausgefallen, aber ehrenamtliches Engagement rettete das Event. Das Anbaden fiel dann aber trotzdem ins Wasser.

100 Jahre Kino in Bad Doberan wurden gebührend gefeiert. Noch einmal Gänsehaut gab es bei der Schwanenrallye, denn die große Ausfahrt war zugleich die letzte, bevor sich dieses Event nach 30 Jahren verabschiedete. So ganz ans Aufhören mögen einige der Rallye-Macher aber nicht denken. Vielleicht kommt bald eine Neuauflage in anderer Form. Dasselbe gilt für die Serenade im Münster, deren Leiter Dr. Kupatz in den Ruhestand verabschiedet wurde. Alle anderen Events sind Selbstläufer, an denen man nicht rüttelt. Außer vielleicht am Weihnachtsabend, denn der kleine, privat initiierte Weihnachtsabend in der Alten Klostervogtei brachte die Doberaner wortwörtlich aus dem Häuschen, dass sofort klar war, dass er in diesem Jahr noch größer werden muss.

Video: Osterfeuer in Heiligendamm
Video: Mollilauf am 1. Mai.
Video: POLO-Turnier in Heiligendamm
Video: Letzte große Ausfahrt der Schwanenrallye
Video: Raubüberfall auf den Molli
Molli auf Borkum – Schweineschnäuzchen an der Ostsee +++ Polo Masters Premiere +++ Rennverein vor Insolvenz +++ Störung bei der Bahn – Stadtgeschehen August und September
Galerie: Weihnachtsstimmung in Bad Doberan

 

Viele kleine Nachrichten beschäftigten die Doberaner 2019:

Vandalismus

Nein, er ist nicht mehr geworden, aber durch die sozialen Netzwerke sehen es mehr: Weiterhin treiben in Bad Doberan eine Handvoll Randalierer ihr Unwesen. Das Parkdeck und die öffentlichen Toiletten sind besonders beliebte Ziele. Jedes Jahr kostet es der Stadt mehrere tausend Euro, Schäden zu reparieren und Beschmierungen zu beseitigen. Im Parkdeck wurde selbst vor einem Auto nicht halt gemacht und es besprüht, dasselbe passierte auf dem Kammerhof. Am ZOB wurden die Uhrzeiger von der Uhr geklaut und im Dezember zog sich eine Spür der Verwüstung vom Kamp bis zum Parkdeck. Briefkästen wurden beschmiert, die Scheibe an der Tür der Mehrzweckhalle kaputt getreten, ein Blumenrad zum Bach geschleppt und hinein geworfen und die Lichterketten des Weihnachtsbaumes auf dem Marktplatz zerschnitten. Eine Bank wurde zum Backenzahn hinauf geschleppt und dann den Hang hinunter geschubst. Da fehlten auch dem Bürgermeister die Worte für. Ein Zigarettenautomat wurde zerstört und auch vor Spielplätzen machen die Täter nicht halt.

In Heiligendamm wurde die Tür zur Behindertentoilette erneut beschädigt und die Verwaltung hat es aufgegeben, sie zu reparieren. Rollstuhlfahrer kommen nun ohne Hilfe nicht mehr hinein. Die Doberaner ärgert dieses Verhalten und der Bürgermeister hat sich entschieden, die Schäden offen zu zeigen und die Bürger zu sensibilisieren, auch selbst etwas aufzupassen. Doch auch einige Bürger gehen sehr sorglos mit dem Stadtbild um. Am ZOB lag wochenlang ein riesiger Sperrmüllhaufen, der immer weiter in die Höhe wuchs und sich in die Breite verteilte. In der Mollistraße wurde unmittelbar vor der Kneipennacht Sperrmüll heraus gestellt. Die Verwaltung änderte auf Bestreben des neuen Bürgermeisters ihre Verfahrensweise. Ab sofort wird der Verursacher ausfindig gemacht, ihm eine Frist gesetzt und bei Verstreichen der Bauhof beauftragt und die Kosten in Rechnung gestellt.

Neues von der Moorbad-Ruine +++ Stadt kämpft gegen Sperrmüllberge +++ Liegnitzsteg wieder begehbar +++ Land unter zum Wasserfest

 

Komisches Wasser in den Bächen

Komisches Wasser im Althöfer und im Stülower Bach zum Beispiel. Im ersten Fall war es eine Havarie bei der Glashäger. Die Flüssigkeit war zum Glück harmlos – sie wird zum Spülen der großen Tanks genutzt und eigentlich aufgefangen, was aber hier einmal nicht so ganz funktionierte.

Gedenken an den Herbst 1989

Das Jahr 2019 war auch das Jubiläumsjahr des Mauerfalls, dem die friedlichen Demonstrationen voraus gingen, die letztlich zu einer friedlichen Revolution, zum Mauerfall und zur Wiedervereinigung führten. Auch im Doberaner Münster gab es Friedensgebete, auch in Rostock gab es Montagsdemos und auch in Bad Doberan überwachte die Stasi jeden, der in die Kirche ging. An all das muss gedacht werden und es wurde daran gedacht – mit einem Gedenkgottesdienst im Münster und mit einer Ausstellung im Möckelhaus und mit speziellen Themenführungen. Dem Kriegsende vor 100 Jahren gedachte man in Bad Doberan jedoch offiziell ebenso wenig, wie der Erhebung zur Stadt vor 140 Jahren.

Dies und Das

Eine der ersten guten Nachrichten 2019 war die Aufklärung des Überfalls auf den Juwelier Rauch acht Jahre zuvor. Der letzte gesuchte Täter stellte sich in der Ukraine selbst der Polizei, nachdem er den Fahndungsdruck nicht mehr aushielt.

Auch eine gute Nachricht war der Auftrag an die heimische Metallbaufirma Ott zum Umbau von 200 Mercedes-Autohäusern. Die Zukunft des Krankenhauses ist durch die Übernahme von Seiten der Sana-Gruppe gesichert.

 

Klimaschutz auch bei uns

Das Münster war 2019 nicht nur ein Ort des Gedenkens, sondern auch des Handelns. Friday for future machte um Bad Doberan keinen Bogen – die Schüler wollten auch freitags für die Zukunft demonstrieren. Sie erlebten zumindest in den sozialen Netzwerken die üblichen Anfeindungen und um zu zeigen, dass es ihnen nicht ums Schuleschwänzen geht, verlegten sie die Demos auf den Schulschluss. Die Gegner verstummten, aber auch die Demonstranten waren nicht zu hören. Sie gingen nämlich nicht mit Tuten und Pfeifen auf die Straße, sondern versammelten sich im Münster. Die Kirche hatte das Thema aufgegriffen und die Teilnehmer eingeladen, gemeinsam und jeder auf seine Art die Schöpfung zu schützen. Das nahmen die Teilnehmer an und daraus entwickelten sich Arbeitsgruppen für Klimaschutz, Umweltschutz und alles, was dazu gehört. Das macht Bad Doberan von innen noch ein wenig grüner.

Offiziell ist grün auch wieder in Bad Doberan vertreten. Nachdem die Ortsgruppe der Grünen sich mangels Zusammenarbeit auflöste und der letzte der einst drei grünen Stadtvertreter sich einer anderen Wählergruppe anschloss, fiel es Jutta Hoch auf, dass es in Bad Doberan gar keine Grünen (mehr) gibt und sie gründete prompt eine neue Ortsgruppe. Schon jetzt sitzt im Rathaus die Gruppe „Aktiv für Mensch und Umwelt“ und es gab wohl keine Partei, die nicht irgendetwas zur Umwelt in ihrem Programm hatte.

Auch speziell Klimaschutz wird nun in Bad Doberan gebündelt. Die Stadt hatte bereits symbolisch, aber praktisch auch bindend die Klimarelevanz als Punkt in den Beschlussvorlagen aufgenommen. Jede Beschlussvorlage muss nun auf Auswirkungen auf das Klima geprüft werden. Das ist ein kleines Kreuz, das große Wirkung haben kann. Die Stadt hat auch ein Lastenfahrrad für den Bauhof angeschafft, es sollen mehr elektrobetriebene Fahrzeuge kommen und bei den Planungen und Sanierungen setzt die Stadt schon seit Jahren auf LED. Um Morene Harms und Martina Monteiro-Barros hat sich ein Verein zum Klimaschutz gebildet und Bürgermeister Jochen Arenz – der sich zu diesem Thema offen bekennt – hat seine Hilfe bei der Koordinierung angeboten.

Der DFC hat seine Flutlichtanlage auf „Glücks-LED“ umgestellt, UPS fährt die Post mit dem Lastenrad aus, am Schmarlteich gibt es einen Natur-und-Wald-Kindergarten, der Klosterverein arbeitet an Ausstellungen, die den Bezug des Klosters zur Natur darstellen. Punkto Windräder folgt die Region dem Trend der Ablehnung. Allerdings bezieht sich das nicht so sehr auf Windräder auf dem Lande, sondern Offshore-Windparks. Nachdem schon vor zwei Jahren gegen Windräder vor der Küste gekämpft wurde, war es still um das Thema geworden. 2019 lebte es noch einmal auf, als Megawindräder im Gespräch waren.

Vor allem aber ist der Klimaschutz wegen der sich wiederholenden Hochwasserereignisse in den Köpfen der Doberaner verankert. In diesem Zusammenhang wird es ab 2020 viele Maßnahmen geben, um die Stadt besser zu schützen und die Experten werden den Hausbesitzern mit Rat zur Seite stehen, wenn sie den Boden entsiegeln, das Wasser speichern oder es in geordnete Bahnen leiten wollen. Auf Initiative des Bürgermeisters gab es nach dem Hochwasser einen „Hochwassermarkt“, auf dem man sich über solche Maßnahmen informieren oder Geräte, wie Pumpen und Wasserwächter kaufen konnte.

Gefühlt aber bewegte nichts so sehr die Menschen in der Region, wie der blühende Mohn. Hunderte Fotos von roten Mohnfeldern warben bei Facebook, Instagram & Co. für unsere schöne Landschaft. 

 

ES geht weiter

Nachdem 2017 ERSTES SEEBAD als Neuauflage von ZEIT AM MEER startete, gab es privat einige einschneidende Ereignisse. Zuerst starb 2017 nach langer Krankheit die Schwiegermutter, dann folgten 2018 der Schwiegervater und die eigene Mutter und schließlich 2019 der eigene Vater. Pflege und Besuche, Haushaltsauflösung und Papierkram, Trauer und Verarbeitung nahmen ihren Platz ein.

Vielleicht gerade deshalb stürzte ich mich in die Geschichte, schrieb Specials für ERSTES SEEBAD und sorgte für viele neue Inhalte.

Kennen Sie zum Beispiel schon: Heute vor 226 Jahren: Das erste deutsche Seebad eröffnet in Doberan oder Der Italiener Gaetano Medini im Seebad Doberan oder das Thema des Jahres 2019: 100 Jahre Kriegsende: Doberan im 1. Weltkrieg? Ich schrieb auch weit über den Tellerrand hinaus Hannelore Elsner: In Heiligendamm holte sie „Das Blaue vom Himmel“ und Special zum Verkaufsstart von „Deutschland“: Was Heiligendamm mit der Gruppe RAMMSTEIN zu tun hat. Die meisten Aufrufe hat überigens Heiligendammer Hauskunde.

Nebenbei war ich als Gästeführer und von Mai bis Oktober als Mitarbeiter im Besucherzentrum des Klosters tätig, knüpfte viele neue Kontakte, bekam viele neue Einblicke und teile diese gern. Ich bin auch Teil des Ortschronistenstammtisches für Bad Doberan, speziell eingeteilt für Heiligendamm. Die Gruppe und auch die Gästeführer und der Klosterverein suchen immer neue Mitstreiter. Wenn Sie Lust haben – ganz unten gibt es den Kontakt-Link zu mir.

So gut wie täglich gibt es einen Post auf Instagram, mehrmals in der Woche etwas bei Facebook und Twitter und jeden Monat einen Monatsrückblick direkt auf ERSTES SEEBAD. Um die Kosten zu decken, habe ich mich letztlich für Werbung entschieden, wobei ich auf Google setze, damit Sie relevante und auf Sie zugeschnittene Angebote bekommen. Ein wenig ergänze ich Adsense durch andere Bannerwerbung und Textlinks, aber am Liebsten wären mir echte Banner und redaktionelle Werbung von echten Unternehmen von hier aus der Region. Denn da haben alle was von. 

 

 

Es gab viel Engagement – auch von Ihnen!

Außer Umwelt und Klima und außer Gleichberechtigung, Integration und ein Zeichen gegen Gewalt sind es ganz alltägliche Dinge, für die sich die Doberaner engagieren. Kornhaus, Kloster und Kunstverein, Münster und Museum, Gästeführer und Besucherzentrum würden ohne privates ehrenamtliches Engagement genauso wenig funktionieren, wie Kleingartenverein, Sportverein, Schulverein, Züchterverein oder Interessengemeinschaften. Ganz groß in die Medien hat es die Suppenküche Bad Doberan geschafft. Der NDR berichtete gleich zweimal vom großartigen Engagement für jedermann. Aber auch so manches alte Bauwerk würde ohne Ehrenamtler nicht mehr so aussehen und viele Veranstaltungen würden ohne sie nicht existieren. Der Erfolg des Kornhauses, die Wiederbelebung des schon tot geglaubten Kunstvereins und die inhaltliche Tiefe der Kulturnacht, des Klostermarktes, von AQUAnostra und vielen anderen Veranstaltungen belegen das.

Letztlich ist es aber das Engagement jedes Einzelnen, der vor seiner Haustür für Sauberkeit sorgt, beim Spaziergang Müll aufhebt, für die KITA Kuchen bäckt, für das Schulprojekt Materialien beisteuert, für das Event ein Kostüm anzieht, ein wenig aufpasst und Straftaten meldet, einen Euro in den Spendenschlitz wirft, seinen Garten schön gestaltet, seinem Nachbarn hilft, Fragen von Gästen beantwortet, woanders etwas Schönes über seine Stadt erzählt, sich bei Facebook am Zusammenleben beteiligt, schöne Bilder bei Instagram postet, das unsere Stadt so liebenswert und unsere Zeit so angenehm macht.

SIE sind der eigentliche Star des Jahres 2019. Ihnen noch 352 schöne Tage in 2020!

 

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