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Pensionopolis und seine Kinder: Doberans Umgang mit der Jugend

In der letzten Ausgabe war von ungepflegten und an den Rand gedrängten Spielplätzen die Rede. Das Rathaus begründete das mit den vorhandenen Spielmöglichkeiten auf den Grundstücken. Die aber können das Sozialverhalten der Kinder nicht so formen, wie große Gemeinschaftsspielplätze mit vielen Kindern aus verschiedenen Wohngegenden, sondern fördern kleine Cliquen, die eines Tages selbst unsere Stadt formen. Wenn der Nachwuchs denn hier bleibt: Das Rathaus erwähnte in der Begründung die fehlende Akzeptanz der Anwohner gegenüber dem Lärm älterer Kinder. Während man im Rathaus gegen Autolärm kein Konzept hat, wissen die Stadtplaner genau, wie man nicht akzeptierten Kinderlärm im Keim erstickt: Man verlegt die Spielplätze weit weg an den Rand auf sowieso schwer verkäufliche Grundstücke. Wenn schon im Kindesalter das Sozialverhalten gar nicht ausgeprägt werden kann, weil die Verwaltung mit Eurozeichen in den Augen die letzte Entwicklungsfläche zu einem Wohnghetto macht, dann wird es im Jugendalter umso schwieriger, die Bindung zu den Menschen dieser Stadt zu vertiefen. Wer wird sich morgen miteinander für diese Stadt engagieren, wie es heute Doberaner es bis ins hohe Alter tun? Ein Jugendbeirat war nicht so einfach zu etablieren, der Jugendclub wurde hin und her geschoben und landete letztlich am Stadtrand und um die Skaterbahn gab es Gezerre und auch jetzt sind immer noch viele nicht glücklich damit. Kindergärten, Horts und Schulklassen werden in Container gesteckt und es entwickelt sich so etwas, wie eine Zwei-Klassen-Gesellschaft aus „normalen“ und „Container-Kindern.“ Kinder sind unsere Zukunft. Wo geht unsere Zukunft hin, wenn unsere Kinder unserer Stadt den Rücken kehren? Wer wird morgen in den Häusern leben, die wir für unsere Familie gebaut haben? Wir reagieren nicht nur auf die demografische Entwicklung – wir machen sie auch, indem wie die Stadt so gestalten, dass sie bestimmte Altersgruppen nicht anspricht. Wie viele 25-65-jährige werden morgen hier wohnen, arbeiten, einkaufen und Steuern zahlen? Wie soll das Generationenmodell funktionieren, wenn die Kinder weit weg wohnen? Wer kriegt noch Kinder, wenn die Stadt vergreist? Wo werden wir einst unseren Lebensabend verbringen, wenn unsere Kinder unsere Stadt entwickeln? In Containern?

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