Roter Pavillon im neuen Glanz
1809 ließ Herzog Friedrich Franz I. den „Trichter“ auf dem Kamp bauen. Inspiriert wurde er wahrscheinlich im damals dänischen Altona, wohin es den Regenten zuvor auf der Flucht vor Napoleon verschlagen hatte. Dort stand am Elbufer ein ganz ähnliches Bauwerk.
In Doberan war es der Baumeister Carl Theodor Severin, der die Idee des Herzogs umsetzte, sodass der Hof- und Leibkoch Gaetano Medini an Stelle des bisherigen Zeltpavillons ein festes Gebäude für seine kleinen Stärkungen und Erfrischungen hatte. So hieß er dann zunächst auch: Erfrischungspavillon.
1813 bekam er einen großen Bruder – den Musiktempel, in dem die Herzogliche Harmonie aufspielte. Im Volksmund wurden daraus der Große und der Kleine Pavillon und schließlich auf Grund der Farben der Weiße und der Rote Pavillon. Die Nutzungen des Ensembles im Stile der Chinoserie veränderten sich: Der Weiße Pavillon wurde auch zum Lesen und schließlich als Restaurant genutzt und der Rote Pavillon fristete zu DDR-Zeiten ein Dasein als Toilettenhaus.
Nach der Wiedervereinigung ging das Ensemble an die Stadt Bad Doberan. Der Weiße Pavillon wechselte mehrmals die Pächter der Gastronomie und der Rote Pavillon wird von einem engagierten Kunstverein betrieben und mit Galerien, Lesungen, Gesprächsrunden und auch Musikveranstaltungen der Öffentlichkeit präsentiert.
Ein über 200 Jahre altes Bauwerk muss aber auch baulich erhalten werden und das wurde es über die Jahre auch. 2026 stand die größte Sanierung an: Neues Dach und Sanierung der Fenster. Das ist erst einmal gar nicht so einfach, denn das Dach bestand aus hölzernen Biberschwanzschindeln und die allein sind schon denkmalwürdig. Sie zu erhalten wäre aber unglaublich teuer geworden und letztlich hätte man doch nicht alle wieder nutzen können. Also durften sie durch Kunststoffbiberschindeln des Herstellers Prefa ersetzt werden.
Im Inneren wurden Putz und Farben ersetzt und die historische Ausmalung konserviert und sichtbar gemacht:

Die Maßnahme kostete beachtliche 330.000 Euro. 90 Prozent flossen aus städtebaulichen Fördermitteln, 10% musste die Stadt selbst aufbringen, Zur Kulturnacht am 10.10.2026 wurde der Rote Pavillon wiedereröffnet und auch wenn auf ihm nun keine Holzschindeln mehr sind, so findet man sie trotzdem noch:
Im Inneren gibt es nämlich die Ausstellung „METAMORPHOSE“, die Dachschindeln zu Kunstwerken macht. Bis 12. Dezember 2026 können Kunstwerke von Sieglinde Mix, Anne Mundo, Wilfried Schröder, Katrin Amft, Rolf Lehmann, Jeannine Rafoth, Alexander Strohte, Regina Kaufmann, Mauga Houba-Hausherr, Volker Werner, Liesa Liess, Gudrun Poetzsch, Paolo Moretto bestaunt werden. Und wer will, kann ein kunstvolles Stück käuflich erwerben.
Der Rote Pavillon ist mittwochs bis samstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet, Eintritt frei, Spenden gern gesehen.









