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Roter Pavillon wird saniert – Ehm Welk-Haus muss zittern

Nach dem Münster, der Backhausmühle und dem Gymnasium und dem – inzwischen abgebauten – Gerüst am Kurhotel hat nun auch der Rote Pavillon ein Baugerüst bekommen. Der 1809 als Erfrischungspavillon nach einem Vorbild in Altona gebaute damals so genannte „Trichter“ wird in den nächsten etwa zwei Wochen saniert.

Das seltene und durch seine Form anspruchsvolle Schindeldach wird erneuert, nachdem es stark mit Moos bewachsen und teilweise verrottet ist. Auch die maßgefertigten Fenster im Stil des Klassizismus werden erneuert.

Weil für die Sanierung des von Carl Theodor Severin im Stil der Chinoserie gebaute Denkmal so viel Aufwand und Extras nötig sind, kostet sie etwa 300.000 Euro. Das ist viel Geld, das sich mit dem als Galerie genutzten Gebäude nie verdienen lässt. Aber die Ausstellungen des Kunstvereins „Roter Pavillon“, die Lesungen und Musikveranstaltungen strahlen weit über Bad Doberan hinaus und setzen die Tradition der Kultur im Herzen der Stadt fort.

Die Sanierung der Kulturstätte im Herzen der Stadt steht ganz im Gegensatz zu Überlegungen zur Schließung einer anderen Kulturstätte am Rande der Stadt: Das vom Dichter Ehm Welk an die Stadt vererbte Wohnhaus in der Dammchaussee ist alle Jahre wieder Ziel des Rotstifts. Auch hier kann nicht das Geld verdient werden, das der Erhalt dieses Hauses kostet und auch hier sorgt ein Verein für den Erhalt des kulturellen Erbes.

Der Autor der „Heiden von Kummerow“ ist gewiss nicht unbekannt und würde sich wahrscheinlich im Grabe umdrehen, wenn er erfahren würde, dass man überlegt, seinen Garten hinterm Haus zu Bauland zu machen. Für Wohnungsbau wohlgemerkt – nicht für Kultur oder irgend etwas, das noch mit Welk, Literatur oder Jugend zu tun hat. Ein Haus für die Jugend wünschte sich Ehm Welk in seinem Wohnhaus. Die Idee eines Jugendklubs kam dem wenigstens nahe, ist aber nicht zuletzt wegen der Baulichkeiten nicht umsetzbar.

Auch die Schließung des Ehm Welk-Hauses ist wieder einmal im Gespräch. Alternative Ideen nennt hingegen niemand. Dabei zeigt doch der Rote Pavillon, dass Investitionen in Kultur nicht der Gewinnmaximierung dienen müssen, sondern der Nachhaltigkeit dienen können. Denn Kultur und Traditionen sind auch Aspekte der Nachhaltigkeit.

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