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Vandalismus im Ehrenmal: Gedenktafeln im „Backenzahn“ beschädigt

214 Menschen aus Bad Doberan und Umgebung fanden im 1. Weltkrieg ihren Tod. Der Schmerz saß tief und die Bürger wollten diesen verlorenen Söhnen und Vätern, Brüdern, Onkels und Vettern ein Denkmal setzen. Kein Heldendenkmal, sondern eine Stätte, an der sie den Toten gedenken können, deren Gräber sie nicht besuchen können, weil es sie meistens gar nicht gibt. Zugleich sollte diese Gedenkstätte ein Mahnmal sein – gegen den Krieg. 

Man entschied sich für eine damals moderne Formgebung, die an einen Backenzahn erinnert. Die Namen der Gefallenen wurden auf einer Steele in der Mitte verewigt, die an eine Zahnwurzel erinnert.

All das ging nach der Wiedervereinigung verloren – erst die zum Verweilen einladende Umrandung und schließlich wurde auch der Backenzahn selbst abgerissen. Der Geschichts- und Museumsverein engagierte sich dafür, dass er wieder aufgebaut wird und zusammen mit der Stadt wurde das für 10.000 Euro tatsächlich geschafft. Nur die Steele blieb fort, denn sie war zerbrochen und man sagte, man habe keine Möglichkeit, sie wiederherzustellen. So blieb der Backenzahn leer – ein Dach im Wald ohne erkennbare Bedeutung, aber von jungen Menschen gern als Treffpunkt genutzt – und als Objekt zum Beschmieren, Bekokeln und Vermüllen. 

Am Volkstrauertag, dem 16. November 2025 fanden dann die Namen der Toten zurück in den Backenzahn. Nicht als Zahnwurzel, aber immerhin als Plombe mit einer Füllung aus den zerbrochenen Tafeln mit den Namen der Gefallenen. Zugleich wurden diese und eine Erklärung des Denkmals auf Tafeln an den Mauern angebracht. Eine dicke Panzerglasplatte sicherte die Namenstafeln im Herzen des Denkmals und sogar der Bürgermeister kam zur Einweihung dieses nun endlich wieder kompletten Denkmals. 

Knapp vierzig Tage später wurde diese Panzerglasplatte durchlöchert. Dazu ist rohe Gewalt nötig. Durch das Loch hindurch wurden dann noch die Fragmente der originalen Gedenkplatten durcheinandergebracht. Entdeckt wurde der Vandalismus am 26. Dezember 2025 und der Schaden wird auf mindestens 10.000 Euro beziffert.

Großflächige Beschmierungen und Verkohlungen noch nicht eingerechnet. Die Polizei sucht Zeugen für den Vorfall und die Stadt hat eine Belohnung von 500 Euro für Hinweise ausgesetzt. Bürgermeister Jochen Arenz hat angeboten, dass die Täter sich vertraulich bei ihm melden. Das ist in so einer kleinen Stadt, in der jeder jeden kennt, auch im Sinne der Täter und ihrer Familien und erhöht die Chancen, dass sich der oder die Täter selbst stellen. 

Infos zum Denkmal: https://erstes-seebad.de/100-jahre-kriegsende-doberan-im-1-weltkrieg/

 

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