Blick in die Geschichte: Was geschah in Bad Doberan in den Jahren mit -6?
Ende Dezember und Anfang Januar sind die Hoch-Zeiten für Ortschronisten. Das vergehende Jahr wird dokumentiert und für das neue Jubiläen gesucht (zumindest, wenn der Ortschronist auch noch im Tourismus tätig ist). Daraus habe ich eine kleine Tradition entwickelt, zum Anfang mancher Jahre einen kleinen Blick in die Geschichte zu bieten.
Für das Jahr 2026 blicken wir also zurück auf die „6er Jahre“. Kommen Sie mit auf eine Zeitreise durch die Doberaner Sechser:
Die ersten 6er Einträge in der Chronik dieser Webseite sind 1066 und 1156 zu finden. Ich habe da noch nicht so viel Material, aber da ging es ja auch noch nicht um Bad Doberan. 1066 übten die Obodriten und Lutizen einen Aufstand gegen die Christianisierung und waren damit erfolgreich. Kruto wurde ihr neuer Herrscher. Das war ziemlich barbarisch: Sein Vorgänger war Gottschalk und der wurde ermordet. Bischof Johannes wurde im Heiligtum Rethra geopfert und Adalbert von Bremen gestürzt.

1156 ist von Niklot die Rede – das war der Vater von Pribislaw, der ja das Kloster Doberan gestiftet hat. Niklot war offen gegen das Christentum, gleichwohl mischte er aber in feudalen Machtkämpfen des christlichen Dänemarks mit, um eigene Ziele zu erreichen.
Das Jahr 1436 ist nicht so reich gefüllt, aber das Aussterben der Linie Werle ist auch nicht ganz unwichtig. Denn Werle fiel an Mecklenburg. 1626 gab es also nur noch zwei Herzöge von Mecklenburg und die waren recht unentschlossen, wie sie sich im Krieg – dem Dreißigjährigen – verhalten sollen. Die Dänen durchquerten Mecklenburg und plünderten dabei das Land. Kaiser Ferdinand II. zwang letztlich die Herzöge, ein eigenes Heer aufzustellen.

Auch 1636 ging es um den Krieg und das ist ganz interessant, denn Schweden baute in Warnemünde eine Schanze gegen Angriffe von See. Für diese „Warnemünder Schanze“ brauchte man ordentlich Holz. Also forderte Schweden sechstausend Palisaden an. Um die Wälder nicht weiter abzuholzen, riss man im Klosterareal in Doberan sämtliches Holz heraus und lieferte es nach Warnemünde. In Brodhagen wurden verlassene Häuser (es war ja Krieg) zur Holzgewinnung abgebaut. Das sind Details, die wir heute noch nachvollziehen können – hier verlor das Kloster Doberan viele Wirtschaftsbauten.
Durch und nach dem Krieg gibt es (noch) eine größere Lücke in der Chronik, weil die Geschichtsschreibung hier etwas verstreut ist und erst noch zusammengetragen werden muss. Aber Küster Martin Heider leistet da sozusagen Pionierarbeit, sodass 2036 hier vielleicht die Lücke schon gefüllt ist.
1716 wird es ganz lokal – im doppelten Sinne. Der Lindenhof – heute das Rathaus – war bis dahin Witwensitz der Frau von Jäger Eggers. Der war der Leibjäger des Herzogs Karl Leopold und weil der versehentlich seinen eigenen Leibjäger getötet hat, entschädigte er die Witwe mit einem Haus und Grundstück. Den Namen „Lindenhof“ bekam es erst jetzt nach dem Tod der Witwe – da wurde es nämlich eine Schankwirtschaft, also ein Lokal. Auch die Poststation zog hier ein. Das wird für die spätere Entwicklung wichtig, denn das war die erste Absteige von Herzog Friedrich Franz I. und gehört unmittelbar zur Geschichte der Gründung des ersten deutschen Seebades.

Aber bis dahin waren es noch ein paar Jahrzehnte und da gibt es 1776 auch mal Zahlen: Doberan hatte 38 Häuser, 20 halbe Häuser und 3 Buden. Das Jagdschloss am Kloster wurde abgerissen, nachdem es zuletzt als Stall diente. Die Fundamente wurden aber offenbar nicht ganz abgetragen – heute steht auf ihnen das Amtshaus mit dem Gemeindezentrum der Münstergemeinde.

1796 ist für Bad Doberan-Heiligendamm wohl das wichtigste Jahr. In diesem Jahr wurde das Seebad am Heiligen Damm gegründet und damit quasi Doberan zum Seebad. Heute sagt man eher „Residenzstadt“, denn mit dem Logierhaus – später Kurhaus – wurde der Grundstein für das Ensemble rund um den Kamp gelegt. Es ist im Grunde das erste Hotel an der Ostseeküste. Hier war außer Logierzimmern und dem Speise- und Tanzsaal auch die Spielbank, die überhaupt erst die Finanzierung des Seebades ermöglichte. Gegenüber auf dem Kamp wurde ein Leinenzelt als Aufenthaltsmöglichkeit errichtet – der Vorgänger der Pavillons. Der Kamp selbst wurde zum Park mit allerlei geselligen Vergnügungen, wie Scheibenschießen, Caroussell und auch militärische Manöver.

Aber nicht weniger wichtig ist das erste Badehaus am Heiligen Damm – wie das Logierhaus errichtet vom Baumeister Johann Christoph Heinrich von Seydewitz. Am Strand entstand alles, was man zum Baden und Duschen brauchte.
Zu den 506 Gästen im dritten Jahr seit der Seebadgründung gehörte Wilhelm von Humboldt.

Zehn Jahre später war man schon bei 1.304 Gästen und Stargästen, wie König Christian von Dänemark mit seiner frisch angetrauten Friederike von Mecklenburg (-Schwerin). Auch 1806 eröffnete das Schauspielhaus – heute steht dort das 1883 gebaute Gymnasium. Vor 300 Gästen fand am 2. Juli 1806 die erste Vorstellung statt. Während der Saison spielte ab sofort das Schweriner Hoftheater unter den Direktionen von Kübler, Heinze, Ohlhorst und Löwe und unter den Leitungen von Krickelberg, Krampe und dem Geheimen Hofrath Söllner auf. Besonders beliebt ist die Oper, zu der auch von außerhalb Gäste extra ins Seebad kommen.
Die Pläne des Herzogs reichten noch viel weiter. Der inzwischen an Stelle von Seydewitz getretene Baumeister Carl Theodor Severin hatte ihm ein Palais skizziert, das er unbedingt haben wollte. Die Fundamente wurden noch gelegt, dann begannen die Napoleonischen Kriege. Mecklenburg verhielt sich neutral, ließ aber Truppen durch das Land ziehen.
Napoleon ließ über seinen Boten am 28. November ausrichten, dass Frankreich das Land Mecklenburg nicht länger als neutral betrachtete und das Land als Kompensationsobjekt für die „unrechtmäßige Besetzung der Moldau und Wallachei durch Russland ansieht.“ Binnen weniger Tage besetzten die Franzosen alle wichtigen Orte, entwaffneten die mecklenburgischen Truppen, lösten sie auf und setzen den General Laval als Generalgouveneur über Mecklenburg ein.
Laval traf am 13. Dezember 1806 in Schwerin ein und vereidigte alle Beamten auf Kaiser Napoleon. Das mecklenburgische Wappen wurde landesweit durch den französischen Reichsadler ersetzt. Herzog Friedrich Franz I. versuchte von Ludwigslust aus, Napoleon umzustimmen, erhielt aber statt einer Antwort am 22. Dezember den Befehl, mit der ganzen Familie das Land zu verlassen. Am 19. Dezember schrieb er an Professor Vogel:
„Thun Sie was Sie können für mein so liebes Doberan, ich binde es Ihnen in meinem Unglück auf die Seele.“
Professor Vogel schrieb am 27. Dezember dem Generalgouveneur Laval einen Brief auf Französisch, in dem er die Badeeinrichtungen und ihre Entwicklung darstellte und darum bat, dass „Ew. Exc. Sie auch mit allem, was zu ihr gehört gnädigst unter ihren besonderen Schutz nehmen werden, damit die vorbereitenden Maßnahmen, die jetzt für die nächste Saison getroffen werden müssen, in keiner Weise behindert oder verzögert werden möchten.“

Hier geriet Mecklenburg einmal mehr zwischen die Mühlen internationaler Politik. Aber es ging gut aus. An die Franzosenzeit erinnern nur noch die Franzosenbuchen am Bahnhof Heiligendamm.
1816 war der Spuk vorbei. Friedrich Franz I. war wieder Herzog und sollte bald durch eine europaweite Rangerhöhung nach dem Sieg über Napoleon zum Großherzog werden. In Heiligendamm wurde die erste Seebrücke übergeben, das Badehaus vergrößert und viel ins Seebad investiert.
Fürst von Blücher machte wieder auch in diesem Jahr Halt in Doberan. Nach der Kur in Karlsbad wollte er sein Vaterland sehen und traf in Begleitung von Staatskanzler Karl August von Hardenberg am 10. August auf dem Weg zu einer Auszeichnung in Rostock pünktlich zum Fest der Landsleute im Seebad ein. Eigens für ihn wurde ein Festspiel mit dem Text von Christlieb Georg Arresto vom Doberaner Theater aufgeführt. Gerührt sagte Blücher zu seinem Gastgeber Friedrich Franz I.:
„Es bewegt mein Herz tief, daß ich nach einem für mich so langen Zeitraume, nach so verhängnisvollen Jahren wieder gesund und in Frieden in mein geliebtes Vaterland habe zurückkehren können. Ich danke Ew. Königl. Hoheit für Ihre freundliche Aufnahme; erhalten Sie mir Ihre Gewogenheit, sie wird stets mein Glück sein, so wie es mir stets zur Ehre rechnen werde, in Ihrem Lande mein Dasein empfangen zu haben.“
Mit 1.106 Gästen waren die alten Zahlen wieder erreicht und das Seebad auch in der Ferne in Zeitungen gelobt. Durch die Anwesenheit der sehr verehrten Herrn Blücher und Hardenberg ist die Stimmung eine besondere und sind die Zimmer ausgebucht und die Veranstaltungen teilweise überfüllt. Neu waren Teekonzerte durch Erbprinz Friedrich Ludwig, bei denen die Musik durch Gäste gemacht wurde.
Zehn Jahre weiter gibt es 1826 schon die erste Galopprennbahn auf dem europäischen Kontinent. Großherzog Friedrich Franz I. stiftete den Wanderpokal „Goldene Peitsche“. Erster Sieger dieses Pokals wurde Graf von Plessen auf Ivenack auf dem dreijährigen Braunen „Fright“.

Erbprinz Paul Friedrich heiratete Prinzessin Alexandrine von Preußen und damit entstand eine Verbindung, die Mecklenburg in vielen Bereichen reformieren sollte. Eisenbahnen. Chausseen, Post- und Telegrafenwesen, Kanäle… all das hatte Preußen schon vor Mecklenburg und schwappte nun über.
1836 endete die Ära Severin mit dessen Tod. Der Mann, der das Herz Bad Doberans zu einem einzigartigen klassizistischen Ensemble machte, der mit dem Salongebäude, dem Großherzoglichen Palais und schließlich dem Kurhaus Heiligendamm zum europaweit angesehenen Meister avancierte und dessen Handschrift heute im ganzen Stadtgebiet ablesbar ist – dieser so bedeutsame Mann starb einsam und verarmt und wir wissen heute nicht einmal mehr, wo sein Grab ist. Zwei Jahre nach ihm starb mit Professor Vogel und dem Großherzog Friedrich Franz I. auch der Rest des legendären Seebadgründer-Trio.

Zwischen 1836 und 1846 ist viel geschehen: Friedrich Franz II. ist Großherzog, Georg Adolph Demmler Baumeister und Adolf Kortüm Badearzt. Dessen Vorgänger Vogel hatte ein Armenkrankenhaus gestiftet, was nun 1846 dem Bau der Burg „Hohenzollern“ weicht. Es findet sich heute noch dort, wohin man es einfach versetzte, aber auch vergrößerte: Am Mollibahnhof als „Seehospiz“. 1846 wurden auch noch einige weitere Häuser gebaut, die es heute noch gibt.

Zehn Jahre später ist 1856 der Wandel Heiligendamms voll im Gange: Statt eines neuen großen Logierhauses hat sich Großherzog Friedrich Franz II. für den Bau zwei kleinerer Logierhäuser pro Jahr entschieden. Man ist schon bei der dritten Villa angekommen: „Villa C“. Die heutigen Namen kamen erst später und darum heißt sie heute Villa „Möwe“.

Das Belvedere – ein Aussichtsturm ähnlich dem Triumphbogen in Paris – wurde abgerissen und der Innenhof im Kurhaus baulich geschlossen. Damit hatte es fast die heutige Form erreicht. In der Säulenhalle wurde ein Relief angebracht, das den Festzug anlässlich der Hochzeit Poseidons mit Amphitrite zeigt und die Funktion des Tempels am Meer als Gesellschafts- Kur- und Badehaus unterstreicht. Es war eine gute Zeit für Heiligendamm und davon profitierte immer auch die Mutter Doberan.

Das Jahr 1866 stand wieder im Zeichen der großen Politik. Österreich und Preußen führten Krieg, der Deutsche Bund wurde aufgelöst und unter Führung Preußens der Norddeutsche Bund als Militärbündnis gegründet. Mecklenburg gehörte zunächst nicht dazu, wollte aber gern und musste darum die Grundstrukturen denen der anderen Bündnispartner anpassen – wie heute, wenn jemand EU-Mitgliedstaat werden möchte. In Doberan hatte das eine kuriose Folge: Man musste die Gewebehalle zur Knabenschule umbauen.
Zunehmend besuchten – auch um dem Kriegsgeschehen auszuweichen – Gäste aus Süddeutschland und Österreich das Seebad und beklagten das Fehlen einer katholischen Kapelle zur Ausübung ihrer Religion. Das Großherzoglich Mecklenburgische Ministerium, Abteilung für geistige Angelegenheiten, „gestattet der gräflichen Familie von Magnus aus Oberschlesien, während der Dauer des Aufenthalts am Heiligen-Damm für dieselbe in deren dortigen Logis von Zeit zu Zeit römisch-katholische Gottesdienste zu halten.“

Das war der Grundstein für den späteren Bau der katholischen Waldkapelle „Herz Jesu“ im Kurwald von Heiligendamm und die wiederum hatte den Bau der evangelischen Waldkirche am anderen Ende des Ortes zur Folge. 1876 gab es nicht viel zu berichten, außer zum 50. Jubiläum des Friedrich-Franz-Rennens auf der Rennbahn, bei dem die Stute „Kinscem“ die Goldene Peitsche gewann.
1886 wird es wieder richtig interessant, denn Großherzog Friedrich Franz III. befahl in einem Allerhöchsten Decret den Bau der längst geplanten Bahntrasse von Doberan zum Heiligen Damm. Nach sechs Wochen Bauzeit war das Projekt fertig. Im Zuge dessen entstanden erst die Bismarckstraße (Goethestraße) und der erste Bahnhof hinter dem Ensemble am Heiligen Damm.

Am 19.Juni erteilte der Großherzog persönlich dem Unternehmen Lenz aus Berlin für 15 Jahre die Konzession. Die Bahn fuhr jährlich vom 15. Mai bis 30. September.
Am Heiligen Damm entstand eine Balustrade, von der aus man von der Steilküste auf das Meer hinab blicken konnte. Das Deckwerk und die Buhnen wurden fertig gestellt und hinter der Bahntrasse entstand ein Oeconomiehof (heute: Weißes Haus / Gartenstraße)
Zehn Jahre später entstand 1906 das, was wir heute als Goethestraße kennen. Die beim Bau der Mollitrasse in voller Breite befestigte Bismarckstraße wurde zur Bebauung freigegeben.

Wieder zehn Jahre später – 1906 – waren bereits die Nebenstraßen angelegt und bebaut. Die Marienstraße (Lessingstraße) hatte ihr Ende erreicht und nun entstand die Feldstraße bis hin zur Neuen Reihe. Diese wiederum war bis dahin nur einseitig und eingeschossig bebaut und setzte sich nun auf der der Stadt zugewandten Seite mehrgeschossig fort. Weiteres Baugeschehen waren die Häuser Töpferberg 5, Friedrich-Franz-Straße 7, Clara-Zetkin-Straße 13. Das war bereits die erste Lückenbebauungsphase in Doberan.

1906 ist jedoch noch aus anderen Gründen wichtig: Hans von Blücher ging einer alten Sage nach und ließ nach Quellen auf seinem Gut Glashagen bohren. Er wurde fündig, das Wasser analysiert und zwei Jahre später wurde das Unternehmen „Glashäger“ aus der Taufe gehoben. Heute ist es nicht nur einer der größten Wirtschaftsstandorte der Stadt, sondern auch ein Aushängeschild über die Landesgrenzen hinaus.
Ein Aushängeschild der nicht ganz so bekannten Art ist Leo Glaser. Er wurde durch die Heirat mit Reinhold Rudloffs Tochter Elsa Bitt Chef der Parfumfabrik Haliflor Company GmbH und damit Stiefvater der bekannten Malerin Kate Diehn-Bitt. 1906 war ein recht gutes Jahr für Doberan. Das kann man zehn Jahre später nicht mehr sagen:

1916 tobte der 1. Weltkrieg und wurde der Kamp zum Acker für Kartoffeln und Steckrüben. Die frierenden Bewohner beschafften sich Holz, indem sie u. a. die hölzernen Bauten auf der zu der Zeit nicht benutzten Rennbahn und an den Sportstätten abrissen.
Baumeister Gotthilf Ludwig Möckel starb am 26. Oktober in Doberan. Damit gilt er als der letzte Hofbaumeister Mecklenburg (-Schwerins).

Auch zehn Jahre später stand das Stadtgeschehen noch im Zeichen des Krieges: Am 21. November 1926 erfolgte die Grundsteinlegung für das Denkmal für die 214 Gefallenen des 1. Weltkrieges – der „Backenzahn“. Bürgermeister Stüdemann sagte, dass „nicht umsonst so viel edles Blut geflossen sein darf.“
Gegenüber auf dem Jungfernberg (Tempelberg) entstand ein Wasserturm und an der Straße nach Althof wurden auf dem Grünstreifen an den Bahnschienen 28 Baugrundstücke für die Bebauung mit ein- und Zweifamilienhäuser freigegeben. Das waren einfache Häuser nach Plan, um schnell billig Wohnraum zu schaffen.
1926 starb Edith Möckel und vererbte der Stadt Bad Doberan das Möckelhaus. Ja, inzwischen hatte Doberan den Titel „Bad“ bekommen – zum Stadtgeburtstag 1921 und auf Grundlage der Erweiterung des Stahlbades (altes Moorbad, heute Ruine) zu einer Kureinrichtung der AOK Berlin.

In Heiligendamm entstand die „Palette“ im Marstall, der vor 2007 gegenüber der Median-Klinik stand. Kriegs Hotel in der heutigen Gartenstraße wurde zu dem, was heute noch dran steht: „Mecklenburgisches Heim für Kaufmannserholung“. Der Golfplatz (heute Saisonparkplatz) wurde eröffnet und insgesamt ging es der Ostseebad Heiligendamm GmbH mit einem Minus von 10.589 Mark ganz gut. Die 2 Millionen Mark Schulden waren einkalkuliert – 1,5 Millionen hatte der Eigentümer Baron Rosenberg der Gesellschaft für Investitionen geliehen.
Wieder zehn Jahre weiter passierten 1936 Dinge, die für die Stadtentwicklung prägend waren. Der Gauleiter Friedrich Hildebrandt vereinigte per Verordnung am 20. März 1936 Bad Doberan und das im Laufe der Jahrzehnte autark gewordene Heiligendamm. Adolf Hitler und Benito Mussolini kamen zu Besuch.

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Im Vorfeld dazu wurde der Fachwerkbahnhof in Heiligendamm im Stil des Postklassizismus umgestaltet. Alle überflüssigen Schornsteine wurden entfernt und Heiligendamm vom Bad der oberen Zehntausend zum KdF-Bad umgewandelt. Das hatte ideologische Gründe und sorgte dafür, dass nun 12.780 Gäste gleich im ersten Jahr gezählt wurden.
Etwas aus 1936 können wir heute noch in den Händen halten: Adolf Nizzes Buch „Doberan-Heiligendamm. Die Geschichte des ersten deutschen Seebades.“
NIZE
1936 war noch vor dem 2. Weltkrieg, 1946 schon danach. Die Welt hatte sich verändert. Bad Doberan gehörte zur SBZ – der Sowjetischen Besatzungszone. Schon jetzt begann die politische und gesellschaftliche Veränderung, denn die Sowjetunion formte in der „Zone“ einen neuen sozialistischen Staat. Das hatte zunächst viele Postenwechsel zur Folge – bis in die Schulen und Betriebe.

Immer wieder wurden Leichen angespült und in Zeltbahnen gehüllt in den Wald gebracht. Es kam vermehrt zu Suiziden und anderen unnatürliche Todesursachen. Allein im Januar und Februar wurden 117 Beerdigungen vollzogen, bis zu 22 an einem Tag. Überführungen von Toten in ihre Heimat kamen noch hinzu und brachten den Friedhof an seine Grenzen. Die Kirche beantragte eine Vergrößerung in den Kellerswald hinein und am 13. Mai überließ der Staat aus dem Staatsforst einen Hektar Wald für 3.500 Mark zur Friedhofserweiterung. Die Einwohnerzahl Bad Doberans betrug im Oktober 10.957.

Am 30. Juni hielt der Pastor Erich Walter – ein Sohn des vor dem Krieg amtierenden Pastors – seine erste Predigt und am Nachmittag einen Vortrag unter dem Motto „Er ist unser Friede“. Zum Abendmahl gab es einen regelrechten Andrang von 822 Teilnehmern und auch die vierzehntägige Kirchenkonzertreihe ab dem 7. Juli mit Musiklehrer Nell und einem Konzert mit Solisten zu Bach und Schütz, dem Erntedankfest und Jugendgottesdienst waren voll besetzt.

1956 war aus der SBZ längst die DDR geworden – gegründet am 7. Oktober 1949. Die Aktion „Rose“ enteignete die letzten privaten Hoteliers, Gastronomen und Unternehmen. Der Lindenhof wurde Kreiskulturhaus des Kreises Bad Doberan, die inzwischen zum VEB Getränkekombinat Rostock gehörende Glashäger bekam ein modernes dreistöckiges Verwaltungsgebäude und die Oberschule am Kamp eine Baracke für den Schulhort.
Am Markt Nr. 5 eröffnete ein Teil des Rathauses der Stadt. Im Obergeschoss befanden sich Verwaltungsräume und im Erdgeschoss ein Eisenwarengeschäft und ein Fahrzeuggeschäft. Im Hof entstand ein großer Anbau für die Stadtdruckerei und weitere Verwaltungsräume. Die kleine Maschinen-Traktoren-Station am südlichen Stadtrand wurde zu einer richtigen MTS für die ganze Umgebung ausgebaut. Um den durchgängigen Betrieb zu gewährleisten, entstand eine Siedlung mit 8 Doppelhäusern. Die eigentlich Am Quellholz heißende Siedlung wird noch heute im Volksmund MTS-Siedlung genannt.
Die Feuerwehr erhielt einen Garagen-Anbau. Die unpraktischen Wohnungen im Fürstenhof wurden geräumt und das Haus wieder zum Altersheim und im Sanatorium entstand eine Abteilung für sonstige nichttuberkulose Krankheiten.

Letztmalig tauchte das Sanatorium als VEB Erholungsheime Ostseebad Heiligendamm + Kühlungsborn in den Karten auf. Alsbald wurde es der Sozialversicherungsanstalt der DDR unterstellt. Ab diesem Jahr fand auf der Rennbahn jährlich ein Bauernrenntag für Halb- und Warmblutpferde statt.

1966 ist das Todesjahr des Ehrenbürgers Ehm Welk. Er starb am 19. Februar in seinem Haus und wurde auf dem Friedhof in Bad Doberan beigesetzt. Vor seinem Tod stiftete er ein Ehrenmal für die Opfer des Faschismus, das nach Fertigstellung der Theodor-Neubauer-Oberschule auf dem Buchenberg vor der Schule errichtet wurde.

Nach einem Hochwasser durch nur langsam abfließende große Niederschlagsmengen wurde die Jemnitz-Schleuse wird noch einmal modernisiert und vor Rethwisch mit dem Peisterdamm ein Inlandsdeich zum Schutz des Dorfes vor Hochwasser in der Conventer Niederung errichtet. Das sind Dinge, über die wir heute noch reden, denn sie sind Bestandteile der Hochwasserprobleme in den letzten Jahren und damit auch des Hochwasserschutzkonzepts für die nächsten Jahre.

Zehn Jahre weiter gibt es in vielen Familien auch heute noch ein Thema: 1976 wurde der Schulkomplex am Kamp fertig gestellt und somit zogen viele Schüler von den bisherigen Schulen in die neuen Schulen – die Johannes-R.-Becher-Oberschule und die Ernst-Schneller-Oberschule. Für die Schüler des heutigen Prinzen-Palais änderte sich nur der Ort, nicht der Name: Der „Becher“ wurde einfach weitergereicht.
1976 wurde der Molli auf die Denkmalliste des Bezirkes Rostock aufgenommen und Heiligendamm sogar zur Chefsache des IX. Parteitages des SED. Damit wurden die ins Stocken geratenen Sanierungen im Parteiprogramm festgeschrieben. Schließlich war die Sanierung Heiligendamms schon damals eine aufwändige Sache, die nur mit Hilfe der öffentlichen Hand zu stemmen war.

Im letzten 6er Jahr vor der Wiedervereinigung stand der Stadtgeburtstag im Mittelpunkt. 1986 feierte man nicht die Klostergründung 1171 und auch nicht die Stadtrechtsverleihung 1879 und natürlich auch nicht die Wiedervereinigung Bad Doberans mit Heiligendamm 1936. Nein, man feierte das Jahr 1186, als mit dem Bau des heutigen Münsters begonnen und damit nach dem Scheitern des Klosters in Althof Doberan selbst der neue Standort wurde.
An diesem religiösen Standort wurde vom Bildhauer Reinhard Dietrich ein Denkmal für die Opfer des Faschismus errichtet. Die Einwohnerzahl sank weiter und erreichte 12.208. Dem steuerte man entgegen: Anlässlich des Jubiläums wurde der Bau eines weiteren Neubaugebietes am Kammerhof und zugleich der Bau der VEB Schuhfabrik „Lütt Matten“ an der F-105 am Ortsausgang nach Rostock als Ersatz für die kleine Schuhmanufaktur im Hinterhof der Marktstraße verkündet. Beide Projekte wurden noch im selben Jahr begonnen. Die Stadt Bad Doberan beging ihr 800. Jubiläum mit einer Feierwoche.

Es wurden Umzüge und historische Spiele veranstaltet, u. a. wurde auch der Herzog Friedrich Franz I. mit seinem Gefolge dargestellt und vieles auf einem DEFA-Film festgehalten.

Pünktlich zum Jubiläum eröffnete das sanierte Kurhaus in Bad Doberan wieder seine Pforten. An der Nordseite beherbergte es einen separat zugänglichen Intershop.
Ein Jahrzehnt danach hatte sich mal wieder die Welt verändert. 1996: Die DDR gab es nicht mehr, Bad Doberan lag nun im wiedervereinigten Deutschland und mit der Wende kam auch die Marktwirtschaft und mit ihr Investoren, aber auch Spekulanten. Es war eine Zeit voller Höhen und Tiefen, aber gerade 1996 markiert einen Boom an Sanierungen, dem wir verdanken, dass heute überhaupt noch so viele alte Häuser da sind.

Für Heiligendamm gilt das auch, denn nachdem die Verhandlungen mit der Dr.-Marx-Gruppe 1994 gescheitert waren und auch die Asklepios-Kliniken für ihr Konzept nicht genug Investoren gefunden haben, ging der Zuschlag an den letzten Bewerber, der auch bereit war, das Ensemble komplett zu kaufen. Hierbei handelte es sich um die FUNDUS-Gruppe aus Köln des Fondsmanagers und Großinvestors Anno August Jagdfeld als Düren.

Zugleich ist 1996 Das Geburtsjahr beider Kurkliniken: Der Dr.-Ebel-Klinik „Moorbad“ in Bad Doberan und später der Median-Klinik Heiligendamm. Das alte Moorbad wurde der AOK Berlin zurück gegeben, die es aber nicht haben wollte und zum Verkauf anbot. Ein Detail, das am Ende zum Verlust des historischen Gebäudes führte.
Am 6. November wurde der gläserne Erweiterungsbau der Kreisverwaltung im Rosengarten übergeben. Der Bau ist das erste leasingfinanzierte Verwaltungsgebäude einer Körperschaft öffentlichen Rechts und kostete 24,5 Mio DM. Die 14 Häuser an verschiedenen Standorten in Rostock und Bad Doberan wurden aufgelöst und die Immobilien verkauft; die Zahl der Mitarbeiter stieg auf 304 an.

Die Mollistraße wurde saniert, die OSPA-Filiale fertig gestellt und in Richtung Althof parallel zu den Wohngebieten Hasenberg und Fuchsberg auf dem ehemaligen Ostseetrans-Gelände die Wohngebiete Wiesengrund und Erlengrund angelegt und rege angenommen. Im Wiesenweg und der Nienhäger Chaussee entstanden Mehrfamilienhäuser. Auf dem Kammerhof hingegen drohte das Ferienpark-Projekt zu scheitern: Der Investor brauchte Geld, welches die Stadt aufbringen sollte, aber nicht konnte.
1996 begann auch die lange Ära Polzin. Bürgermeister Berno Grzech (CDU) wurde von der Kommunalaufsicht beurlaubt. Er soll bei der Neuanlage der Galopprennbahn mit städtischen Finanzmitteln gegen die Hauptpflichten eines Bürgermeisters verstoßen haben. Hartmut Polzin wurde als Bürgermeister eingesetzt und später auch wiedergewählt.

Wir überschreiten die Jahrtausendschwelle und landen im Jahr 2006. In Heiligendamm gab es Streit um die Bebauungspläne und im Kern um die öffentlichen Wege. Eine Bürgerinitiative gründet sich und kämpft um alte Wege über das neue Hotelgelände, das seit der Eröffnung des Grand Hotels drei Jahre zuvor eingefriedet wurde. Gutachten für und wider einer Öffnung wurden gemacht und schließlich sich darauf geeinigt, vorerst auf einen Stichweg zu verzichten. In Auflagen wurde für einen gänzlichen Verzicht nach 5 Jahren zur Bedingung gemacht, dass das Grand Hotel dann bessere wirtschaftliche Zahlen nachweisen, eine Vereinbarung mit der Median-Klinik über einen kurzen Weg der Kurpatienten über das Hotelgelände vorlegen und die ECH 25% des Investitionsvolumens in die Sanierung der Perlenkette investiert haben muss. Wer also den Stichweg haben wollte, wusste nur dafür sorgen, dass diese Auflagen nicht erfüllt werden können. Erst nach langem Streit konnte die ECH 2010 mit der Sanierung der ersten Villa beginnen. Heute sind nur noch zwei unsaniert. Trotzdem bahnte sich hier ein Scheitern der Vision Heiligendamm an. Auf dem Kammerhof bahnte sich ebenfalls das Scheitern des Ferienpark-Projekts an.

Tja und auch das alte Moorbad fand im Grunde 2006 sein Ende. Drei Brände zerstörten die Hälfte des Gebäudes und gab dem Bauwerk sein heutigen Aussehen. Zwei 16jährige und ein 17jähriger wurden als Brandstifter ermittelt, wegen der Berufsschulpflicht bis zum 18. Lebensjahr wurden die Haftbefehle jedoch außer Vollzug gesetzt. Das Moorbad war mit 500.000 Euro versichert und die Reparaturkosten überstiegen diese Summe, sodass Eigentümer Frank Thee keine Möglichkeit zur Instandsetzung sah und einen Abriss wollte.
2006 war auch das Ende der Jugendherberge auf dem Tempelberg. Hier bahnte sich die nächste Hängepartie um ein historisches Gebäude an. Aber 2006 gab es auch viele Sanierungen: Die alte Post, der Alexandrinenhof, der Weiße Schwan, das Torhaus und weitere. Im Münster begann eine Sanierungsphase, die zukunftsweisend ist und anhält.

Ansonsten stand 2006 im Zeichen des G8-Gipfels. Überall wurden Straßen und Plätze saniert, Schandflecken beseitigt und Heiligendamm herausgeputzt. Der Seebrückenvorplatz wurde umgestaltet, Strandtreppen gebaut und ein Sportstrand eingerichtet. US-Präsident George Bush kam schonmal zu Besuch und auch die MS Europa machte vor Heiligendamm fest. Hier wiederum gingen auch historische Gebäude verloren – die ganze Bebauung zwischen Grand Hotel und Bahnhof und die Scheune am Forsthaus wurden plattgemacht. Die Rennbahn erhielt den Namenszusatz „Heiligendamm“ und eine Finanzspritze über 50.000 Euro für neue Wechselboxen.

Nun sind wir im letzten 6er Jahr angekommen: 2016. In Heiligendamm ging es sichtbar voran, allerdings nicht an den alten Häusern. Das Linden-Palais entstand und am östlichen Ortsrand wurde das heute noch im Bau befindliche Strandzentrum „Pearl 8“ begonnen. Derweil drohte Heiligendamm seinen Seeheilbadstatus zu verlieren, weil die Median-Klinik das Kurmittel Meerwasser nicht mehr verabreichte.

Die Renntage gerieten in Schieflage und auch das Ehm Welk-Haus hatte mit Sanierungsstau und Personalmangel zu kämpfen. Im Kollbruchweg kämpften Anwohner gegen die Fällung von 12 Kastanien und im Gewerbegebiet „Eikboom“ gegen die Unterbringung von Asylbewerbern. Letztlich mussten sogar Notunterkünfte entstehen, die aber auch im gleichen Jahr wieder geschlossen werden konnten. Der Kino- und Kulturverein gründete sich, der Waldkindergarten eröffnete und auch im Handel gab es viel Wandel.

Ein neues Wohngebiet entstand an der Nienhäger Chaussee, der Kleine Kamp und die Sportplätze saniert. Die Infostelen hielten Einzug, im Kloster entstand die Wassermühle, das Stahlbad wurde versteigert.

Und nun sind wir im Jahr 2026 angekommen. Wir stellen fest, dass in zehn Jahren viel passieren und sich doch manches nur langsam entwickeln kann: Heiligendamm, das Stahlbad, das Wirtschaftsgebäude des Klosters und so manche schleppende Sanierung. Umgekehrt kann in kurzer Zeit manches ganz schnell gehen: Wohngebiete entstehen, Straßen und Plätze werden saniert, Schulen und Kindergärten neu gebaut, aber auch historische Häuser abgerissen und mit modernen Gebäuden ersetzt.
Nicht jedem gefällt das: Heute erhitzen die neue OSPA-Filiale, das moderne Haus in der Severinstraße 8, aber auch die Pläne für das alte Moorbadgelände und das Hofgärtnerhaus die Gemüter. Zu DDR-Zeiten waren es die Pläne für neue Zweckbauten in Heiligendamm, noch früher waren es die Bauten von Möckel und Perdisch zwischen Kurhaus und Prinzen-Palais und auch die Korffschen Häuser in der Beethovenstraße trafen nicht den Nerv ihrer Zeit. Heute ist für uns vieles selbstverständlich geworden und morgen wird es das für die sein, die nach uns kommen. Morgen ist heute gestern.
Es gab Höhen und Tiefen, helle und dunkle Seiten, aber man muss alles im Kontext seiner Zeit sehen. Auch im Dritten Reich und der DDR hat sich Bad Doberan entwickelt, ist gewachsen, moderner geworden und hat sein Kulturgut gepflegt. Manches wurde ideologisch verklärt, aber das wird man in 50 Jahren zu unserer heutigen Zeit auch sagen.

Alles hat seine Zeit und wir sind nur ein kleiner Teil in der großen Zeitleiste und sollten uns selbst nicht zu wichtig nehmen. Die Geschichte zeigt uns, wo die Stärken unserer Stadt und Region sind und sie zeigt uns auch unsere Schwächen. Nur wer aus der Vergangenheit lernt, kann die Zukunft gestalten.

Wir haben hier fassbare Zeugnisse: Wir haben ein Denkmal für 214 im 1. Weltkrieg gefallene junge Menschen aus unserer Region. Ein Denkmal, das gerade erst 2025 geschändet wurde, von Menschen, denen diese Geschichte nichts bedeutet. Wir haben ein Denkmal für die Opfer des Faschismus – ohne eine Zahl, denn Leid lässt sich nicht in Zahlen messen.
Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Geschichte nicht vergessen, nicht verklärt und nicht instrumentalisiert wird. Wir von heute sind dafür verantwortlich, dass sich die Fehler von gestern nicht wiederholen und wir von heute haben es in der Hand, die Errungenschaften von gestern zu erhalten. Nachhaltigkeit ist eben nicht nur für die Natur, sondern auch für die Gesellschaft und ihre kulturelle Vielfalt. Sie kann nur in Frieden gedeihen und nur im Miteinander. Die Toten mahnen uns.

Wir haben Zeugnisse des Wandels. Heiligendamm ist das beste Beispiel dafür. Was damals funktionierte, wird heute abgelehnt. Man kämpft nicht für den Wiederaufbau, sondern um alte Wege, um alte Gewohnheiten und um das, was früher einmal ging; früher – als alles besser war.

Das Kloster ist der ganze Gegensatz: Nicht nur, weil hier wenige Menschen vor 800 Jahren mit einfachsten Mitteln Unglaubliches geleistet haben, weil sie an das Unglaubliche glaubten. Nein, auch heute ist hier Leben in alten Mauern, weil Menschen sich engagieren, Vereine gründen, Spenden sammeln und ein gutes Bild in die Welt tragen. Das Kornhaus, das Amtshaus, das Torhaus, der Marstall – all das ist voller Leben, voller Energie, voller Enthusiasmus. Und die Backhausmühle ist kurz davor, auch neues Leben unter einem neuen Dach erleben zu dürfen.
Warum geht all das hier, aber nicht in Heiligendamm, nicht im Stahlbad und nicht in der Politik, die für den Bürger immer weniger wahrnehmbar und nachvollziehbar ist?
Wir müssen wieder einander zuhören, einander respektieren. Ich wünsche mir, 2036 schreiben zu können, dass wir das geschafft haben. In diesem Sinne – ein frohes neues Jahr!
Ihr und euer Martin Dostal






