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220 Jahre Heiligendamm: Eine Geschichte voller Höhen, Tiefen und Parallelen

Deutschlands ältestes Seebad feiert. Ein Blick auf die früheren Jubiläen zeigt eine wechselvolle Geschichte, angefangen mit einem Bad des Herzogs Friedrich Franz I. in der Ostsee, Holzhütten am Strand und einem Logierhaus am Kamp. Tatsächlich hieß das Bad Seebad Doberan und zum 10. befand sich auch eher Doberan im Aufschwung, bekam zum 20. den Weißen Pavillon und Heiligendamm sein Kurhaus. Am 30. Geburtstag hat das Bad schon die erste Pferderennbahn in Festland-Europa und zum 40. steht der Ausbau am Heiligen Damm im Vordergrund. Den 50. Jahrestag markiert der Gedenkstein und den 60. der Baubeginn für die Perlenkette, die pünktlich zum 70. fertig wurde.

Zum 80. Geburtstag wechselte Heiligendamm erstmals den Besitzer und taucht nun als Seebad am Heiligen Damm in den Karten auf, während zum 90. wieder Doberan und das Schienennetz im Mittelpunkt standen. Das 100. Jubiläum wurde mit einem Festakt gefeiert und der Bau der kath. Kapelle verkündet. Ein Festmahl stand für die Gäste bereit, die sich daran so sehr labten, dass der geplante Ball wegen Ermattung ausfiel. Ein Jahrzehnt später bekam das Bad auch seine ev. Kapelle und zum 120. war es gerade aus einer Pleite gerettet worden. Zehn Jahre später war es dann doch insolvent und zum 140. wurde die Straße zum Bade auf den Namen Hitlers getauft und ihm die Ehrenbürgerwürde verliehen. Sein 150. Jubiläum beging Heiligendamm mit zerbombten Wald, kaputten Scheiben, zwei Kriegsopfern und vielen Flüchtlingen. Zehn Jahre später war das Ensemble der Sprengung und Plünderung entkommen und Sanatorium für Werktätige geworden und ein Jahrzehnt darauf wurde der Jagdsport wieder erweckt. Zum 180. mussten die Häuser den Verlust ihres Antlitz durch grobe Umbauten beklagen und zum 190. drohte die Entstellung durch nötige aber deplatzierte Erweiterungsbauten. Die große 200-Jahr-Feier stand im Zeichen der Hoffnung, die sich aber wegen Uneinigkeit zerschlug, um dann 2003 mit der Eröffnung des Grand Hotels neu aufzublühen.

Der 220. Geburtstag nun ist dem 120. sehr ähnlich: Das Hotel hat eine Pleite hinter sich und ein neuer Investor will es retten. Das Vorbild aller Seebäder wurde längst von seinen Nacheiferern überholt, ist seit 100 Jahren nur wenig gewachsen und weist kaum typische Seebad-Merkmale auf. Alle Seebäder sind entlang der Küste gewachsen, haben lange abwechslungsreiche Promenaden, besondere Seebrücken und nutzen das Meer für mehr als nur das Baden. Heute wird gefeiert. Aber wenn die Musik verstummt ist, müssen wir an morgen denken, damit der 230. nicht dem 130. ähnelt.

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