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Alles bleibt beim Alten: Kreistag erteilt Molli-Streckenerweiterung eine Absage.

Molli fahren von Rerik bis nach Warnemünde mit Drehscheibe an der Rennbahn Bad Doberan-Heiligendamm, aber auch mit modernen Zügen auf der Schmalspurstrecke – so sah die Vision zur Zukunft des Molli aus. Kostenpunkt: Über 100 Millionen Euro, Tendenz steigend. Der Kreistag hat weitere Planungen abgelehnt. Die Gründe und Hintergründe:

Die Meinungen waren schon im Vorfeld gespalten. Für viele Millionen Euro ein Molli-Netz quer durch die Landschaft und Naturschutzgebiete bauen, in dem die Dampflok nur eine Nebenrolle spielt? Solange der Preis nicht bekannt war, fanden das schon einige eine gute Idee und hatten eher Bedenken wegen der tangierten Naturschutzgebiete.

Als dann von über 100 Millionen Euro die Rede war, wurden viele Befürworter still und Kritiker lauter. Der bekannteste Kritiker ist Bad Doberans Bürgermeister Jochen Arenz (parteilos). Er mahnte, das Geld sinnvoller anzulegen – damit sei kostenloser ÖPNV möglich und der funktioniere schließlich.

MBB-Chef Michael Mißlitz stand in einem Interview der OSTSEE-ZEITUNG Rede und Antwort, erklärte die Gründe und Ziele der Studie und den Weg der Planungen – so sie denn kommen würden. Zugleich startete die Gesellschaft eine Charme-Offensive und präsentierte eine Molli-Lok am Leuchtturm von Warnemünde.

 

Mollinetz von Rerik bis Warnemünde

Der Rostocker Stadtteil sollte ein Ziel in den Planungen sein und das genoss eine gewisse Prominenz gegenüber der Gegenrichtung. Hier sollte Rerik der Endpunkt des neuen Molli-Netzes sein. Der Molli selbst schafft aber die ganze Strecke gar nicht und sollte nur „mehrmals am Tag“ auf einer der Teilstrecken fahren.

Drehscheibe wäre die Rennbahn Bad Doberan-Heiligendamm, Kühlungsborn-West würde zum Durchgangsbahnhof werden, Rerik und Warnemünde Kopfbahnhöfe und Bad Doberan keine Veränderungen erfahren. Auch an den Kosten wären die Städte nicht beteiligt, wie Mißlitz die Befürchtung des Doberaner Bürgermeisters entkräftete. Zumindest nicht sofort und direkt, aber als Mitgesellschafter fließt natürlich schon Geld spätestens in die neuen, größeren und vielleicht auch teureren Strukturen. Dem gegenüber stünden ca. 80 direkte neue Arbeitsplätze.

 

Für den Molli geht es um die Zukunft

Die Berichterstattung war ungünstig: Erst wurden die Pläne vorgestellt und dann die genauen Gründe nachgereicht. Mit dem Hintergrundwissen hätte es vielleicht mehr Verständnis gegeben. Für die Molli-Bahn ging es nämlich um die existenzielle Frage, wie man die aufgebürdeten Klimaschutzvorgaben erfüllen kann. Und das muss sie, sonst wird sie mittelfristig aufhören, zu existieren.

Mit einer Nostalgie-Dampflok, die massenhaft Kohle verheizt, um Wasser zu erhitzen und am Ende sichtbar Dampf und Rauch ausstößt, geht Klimaschutz natürlich nicht. Ganz im Gegenteil: Will man die Dampfloks erhalten, ist das quasi ein dickes Minus auf dem imaginären Klimakonto, das es erst einmal auszugleichen gilt, bevor man überhaupt anfangen kann, die neu hinzu gekommenen Bedingungen zu erfüllen.

Was also kann man tun? Den Molli elektrifizieren zum Beispiel. Die Idee gab es in den Neunzigern schon einmal und auch heute werden vereinzelt Rufe danach laut. Aber erstens steht er als Dampflok unter Denkmalschutz und zweitens ist ja genau die Dampflok das, was die Menschen begeistert. Wer steigt ein eine Dampflok, die nicht dampft und schnauft und auch nicht mehr ruckelt? Das einzige Pfund wäre dann die Strecke durch die Städte. Das funktioniert auf den Nordseeinseln auch, aber da gibt es auch keine Alternative zur Bimmelbahn, um vom Schiff zu den Inselorten zu gelangen. Zum Molli gibt es Alternativen, die ein Bruchteil kosten.

Oder man setzt zusätzlich zu den historischen Zügen modernere ein. Das ist bei der kleinen Strecke gar nicht so einfach, denn die Taktung ist schon eng. Für die Schmalspur benötigt man außerdem teurere Sonderanfertigungen.

 

Wäre das noch unser Molli?

Das ist aber der Kernpunkt der Machbarkeitsstudie: Verdoppelung der Fahrgastzahlen, denn schon jetzt rentiert sich der Betrieb nicht wirklich. Mehr Netz, mehr Verbindungen, mehr Züge, mehr Fahrgäste, mehr Wechsel auf die Schiene – aus den Autos der Touristen und Einheimischen, aber auch aus den Bussen. Am Ende steht mehr Geld und durch Elektrifizierung und autarke Energiegewinnung auch Erfüllung der Vorgaben – trotz echter Dampflok.

Man wollte die echte Dampflok klein spielen, damit sie bei den Vorgaben keine Rolle mehr spielt. Die Frage war nur, ob sie in diesem großen Netz überhaupt eine Rolle gespielt hätte. „Ist das dann noch unser Molli?“ fragten in den sozialen Netzwerken sehr viele Einheimische und auch Gäste.

 

Kreistag lehnt weitere Planungen ab

Diese Frage stellt sich nun nicht mehr. Der Kreistag hatte darüber zu entscheiden, ob die Molli-Gesellschaft Untersuchungen und Vorarbeiten für die Streckenerweiterung veranlassen und dafür 150.000 Euro selbst zur Verfügung stellen darf. Das ist so, weil der Landkreis zusammen mit den Städten Bad Doberan und Kühlungsborn Gesellschafter der Mecklenburgischen Bäderbahn GmbH ist.

Auch im Kreistag gab es weniger Für, als Wider. Über hundert Millionen Baukosten überfordern den Landkreis. Gleichwohl wollte man gar nicht erst prüfen lassen, inwiefern sich Land, Bund und EU beteiligen würden – ein Antrag dazu, nacheinander dort Anträge zu stellen, fiel durch. Damit ist die Streckenerweiterung vom Tisch. Und die Zukunft des Molli erstmals seit der Privatisierung ganz offen offen.

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