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Altersgerechte Angebote gehen oft am Bedarf vorbei

In immer mehr Dörfern will man „die Alten halten“, also den Wegzug der Senioren verhindern. Manche Gemeinden haben altersgerechte Wohnungen für sich entdeckt, andere versuchen, Rentnern soziale Anerkennung zu schenken. Eine Lobby – im positiven Sinne – haben die Rentner und Pensionäre durchaus, denn viele Gemeindevertreter und Bürgermeister sind selbst im Ruhestand.

Die Jüngeren haben meistens keine Zeit, oft auch kein Interesse, solche Posten zu besetzen, aber sie haben Großeltern und wissen um deren Bedürfnisse. Eigentlich müsste es den „Alten“ also gut gehen auf dem Lande. Doch barrierefreies Wohnen und schöne Feiern sind nicht alles: Senioren möchten auch unabhängig bleiben, also selbst einkaufen und Dinge erledigen und stressfrei zum Arzt und Apotheker oder zur Krankenkasse zu kommen, was mit zunehmenden Alter immer wichtiger wird.

Wer seinen Garten reduzieren muss, aber nicht auf Bio verzichten will, muss Bioprodukten hinterherfahren, denn den Dorfkonsum gibt es nicht mehr und nur wer in gut gelegenen Dörfern wohnt, findet dort einen Laden für den Grundbedarf. Findige Händler fahren einfach zu den Kunden, wenn die nicht mehr kommen können. Da Renten und Pensionen aber regelmäßig geringer ausfallen, als das bisherige Einkommen, drehen viele den Euro zweimal um und kaufen doch lieber billig in der Stadt. Und wenn das nicht mehr geht, dann ziehen sie eben dorthin.

Es zeigt sich, dass die Gemeinden mit ihren Angeboten an Senioren nicht den Nagel auf den Kopf treffen – spätestens dann, wenn die neuen Wohnungen leer stehen. Würden die Dörfer nicht nur Schlafstätten, sondern urbane Siedlungen sein, dann würden die Altersunterschiede gar nicht so zum Tragen kommen, denn im Grunde haben Jung und Alt dieselben Bedürfnisse. Es zeigt sich aber auch, dass diese Nummer für Gemeindepolitiker viel zu groß ist.

In Schwerin und Güstrow sucht man sein Heil in Gemeindefusionen. Die verdoppeln die Probleme aber oft, statt sie zu halbieren, denn sie bekämpfen nur Symptome, ohne dass sich auf raumplanerischer Ebene etwas ändert. Dörfer lebendig machen können die Einwohner allein, aber die lebenswert zu machen, ist Aufgabe aller und damit darf man die Dörfer nicht allein lassen.

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