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Börgerende: Überschwemmungsgefahr von zwei Seiten.

In Börgerende brodelt es: Mehrere hundert Menschen haben direkt hinter dem Deich in Ferienwohnungen in den verschiedenen großen Apartmentvillen und in Ferienhäuser investiert. Ihnen wurde versprochen, dass hier Ende 2012 ein Ferienresort steht, mit schönem Park, sauberem Sandstrand, Bootsanleger, einem Hotel in der Mitte und touristischer Infrastruktur ringsherum. Nichts davon ist zu finden oder auch nur in Aussicht – stattdessen kam Ende 2012 die Hiobsbotschaft auf die Leute aus ganz Deutschland zu, dass sich ihre Investitionen in einem Überschwemmungsgebiet befinden.

Ein Blick in die Karte der „Vorläufigen Bewertung des Hochwasserrisikos im Rahmen der EU-Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie für das Land MV“ – im August 2011 im Auftrag des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie MV erstellt – zeigt tatsächlich, dass es sich in Börgerende um ein Überschwemmungsgebiet handelt. Der Bericht sagt, dass die Häuser nicht nur durch den Randkanal der Conventer Niederung als Binnengewässer, sondern auch durch den Deich gefährdet sind. Dieser Küstenabschnitt zwischen Börgerende und Heiiligendamm wurde sogar in die höchste Prioritätsstufe eingestuft.

In einem solchen Gebiet dürfen grundsätzlich keine neuen Baugebiete ausgewiesen werden, Ausnahmen dürfen nicht die Regel sein (§ 78 WHG). Zwar wurden die B-Pläne ein paar Jahre vor diesem Bericht erstellt, aber die Daten dürften da schon bekannt gewesen sein. An Ausnahmen wäre gebunden, dass hochwassersicher gebaut wird. Da fast jedes der großen Häuser eine Tiefgarage hat, kann davon keine Rede sein. Im Nachhinein können durch die endgültige Festsetzung als Überflutungsgebiet für die Eigentümer in weiten Teilen Börgerendes hohe Kosten für die Nachrüstung entstehen, schlimmstenfalls wäre sogar ein Rückbau nötig und das B-Plan-Gebiet für das maritim-touristische Zentrum wieder aufzuheben. Die Folgen für den Tourismus und die weiteren Pläne sind gar nicht abzuschätzen. Die Gemeinde und Bürger müssen sich auf einiges gefasst machen – vor allem müssen die Deiche gesichert und dürfen nicht mit immer neuen Begriffsverwirrungen die Risiken kleingeredet werden. Der Sommer 2011 hat gezeigt, dass die Gefahr für das Dorf real ist – und da handelte es sich „nur“ um Binnengewässer.

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