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Was haben Potsdam, Rostock, Heiligendamm, Westenbrügge und Börgerende gemeinsam?

Potente Investoren investierten hier viel Geld. In Potsdam waren es z. B. Günther Jauch und Jörg Zumbaum, Rostock warb mit Per Harald Lökkevik, Harald Lochotzke und Jürgen Klechowitz. In Heiligendamm ist es Anno August Jagdfeld, in Westenbrügge Stephan Gloge und in Börgerende sind es hunderte Privatinvestoren, die viel Geld in die Hand nehmen und damit das tun, was die Kommunen selbst nicht können und wofür sie mit offenen Armen empfangen wurden. Die Hauptfiguren wurden vom lokalen und Landespolitikern regelrecht umgarnt: Lochotzke sollte Rostock ein neues Großstadtflair geben und zur Olympiade 2012 verhelfen. Solange er im Licht der Öffentlichkeit glänzte, suchten lokale und Schweriner Politiker seine Nähe, lobten und unterstützten ihn mit Fördergeldern. Lökkevik sollte – auch für Olympia – Warnemünde salonfähig machen, die Yachthafenresidenz und den Tonnenhof bauen und Klechowitz sollte den Glatten Aal zu einer Goldgrube für die Stadtkasse und einem Imageprojekt der Stadt machen. Hier ging es um zwei- bis dreistellige Millionenbeträge und hinter vielen Projekten standen Anlageformen, in die tausende von Anlegern investierten. So auch in Heiligendamm, wo 1900 Menschen insgesamt 127 Mio. Euro in den Fonds 34 eingezahlt hatten. Das Land hatte größte Unterstützung zugesagt, bis hin zum Ministerpräsidenten und Bundespräsidenten schmückte man sich mit Jagdfeld, verlieh ihm das Bundesverdienstkreuz. In Börgerende sind es viele Kleinanleger, denen ein schöner Ferienort mit Hotel als Herzstück bis Ende 2012 versprochen wurde. Wer eine Ferienwohnung erwarb, um damit Geld zu verdienen, ist heute enttäuscht oder schon ruiniert. Die Gründe sind so kleinteilig, dass kaum jemand sie versteht: Mal wollte die Kommune mitreden, mal die Bürger, mitunter wollten auch Amtsleiter etwas zu sagen haben und dann gab es Streit über die Ausführung der Projekte, stets schadete das öffentliche Ausdiskutieren dem Image, schreckte Gäste und dringend benötigte weitere Investoren ab und verunsicherte die vorhandenen Geldgeber. Oft waren die Investoren einfach nur gut genug, solange sie Geld hatten. Als sie scheiterten, sahen sie sich regelmäßig mit Beschuldigungen derer konfrontiert, die sie vorher unterstützten. In Westenbrügge musste ein Mann ganz allein gegen den Zwist kämpfen und schreibt auf seiner Webseite: „Ich habe insoweit ausreichend Erfahrungen mit Ostbeamten gemacht und werde, wie viele andere, nicht weiter gross investieren. Ich kann nur jedem Investor empfehlen, die leitenden Beamten auf ihre Herkunft zu prüfen, bevor man irgendwelches Geld investiert und sich auf keinen Fall darauf zu verlassen, dass dort in den Kommunen demokratische Verhältnisse bestehen, wie er sie aus dem Westen kennt.“ So sehen es auch viele Investoren in Börgerende und Heiligendamm. Jauch und Zumbaum kehrten Potsdam nach Problemen mit der örtlichen Politik und Verwaltung den Rücken, in Rostock bleibt der Glatte Aal ein Parkplatz und in Heiligendamm haben die Anleger alles verloren. Jauch hielt 2012 eine „Brandrede“, die irgendwie auf alle eingangs genannten Orte zutrifft.

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