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Die unendliche Moorbad-Geschichte

Das erste, was die Gäste sehen, wenn sie mit der Bahn, Molli oder dem Auto von Süden in die Münsterstadt kommen, ist die Moorbad-Ruine direkt am Ortseingang. Seit dem Brand 2006 ist der klassizistische Putzbau eine Ruine und seit einem Teilabriss zur Sicherung kann man auch ins Innere blicken. Immerhin ist das ein beliebtes Fotomotiv, nur eben nicht das, was eine Touristenstadt gern als Aushängeschild weiß.

Ursprünglich residierte hier das Sanatorium Moorbad, also eine Kurklinik. Sechs Jahre nach der Wiedervereinigung gab die Dr.-Ebel-Gruppe das Traditionshaus auf und baute etwas weiter südlich eine neue Klinik. Interesse am traditionellen Standort gab es durchaus, aber der Eigentümer war nicht die Klinikgruppe, sondern die AOK und die hatte ihre ganz eigenen Preisvorstellungen. Die korrigierte sie erst, als der beauftragte Makler ihr klar machte, dass er zu dem Preis keinen Käufer findet.

Nun fand sich ein Käufer, sogar einer aus der Region. Allerdings war der Projektentwickler aus Schwaan nur eine Zwischenstation, denn sein Job ist nicht das Betreiben einer Rehaklinik, sondern die Suche nach einem Investor, der ein von ihm entwickeltes Konzept umsetzt. Der schien alsbald gefunden, aber nun begannen auch die eigentlichen Schwierigkeiten.

Die Geschichte ist lang und nicht schnell erzählt – die Liste der Anschuldigungen ist ebenso lang. Der Landkreis warf dem Investor vor, sich nicht um die Immobilie zu kümmern und als er zur Sicherung des Gehweges einen Teilabriss anordnete, warf der Investor dem Landkreis vor, den Wert der Immobilie gemindert zu haben. Letztlich landete die Sache vor Gericht, aber nicht zur Einigung, sondern zur Zwangsversteigerung.

Um diese hat sich das Rathaus sehr bemüht und es hatte durchaus auch Interesse, die Immobilie in eigene Hände zu kriegen, um den Schandfleck beseitigen zu können. Die stadteigene Wohnungsgesellschaft WIG sollte mitbieten und die Anlage zu einer Senioren-Wohnresidenz machen. Begeisterungswellen gingen nicht durch die Stuhlreihen der Geschäftsführung, aber WIG-Chef Gutzmer war bereit, den unüblichen Auftrag anzunehmen.

Es kam zur Zwangsversteigerung, aber die WIG musste auf Grund des vorgegebenen Budgets schnell aussteigen. Der Zuschlag ging an David Corleis, der ein Casilino aus dem ehemaligen Stahlbad machen wollte, also eine Spielhalle mit Unterkünften. Damit war er zwar nicht weit von der Tradition entfernt, die anno 1796 für immer frisches Geld für den Seebad-Aufbau sorgte, aber doch zu weit vom Verständnis der Entscheidungsträger im Rathaus, der einstigen Spielbank des Herzogs.

Das Glückspielgesetz wurde bemüht, die Nähe des geplanten Casinos zum Gymnasium kritisiert und da ließ man auch das Argument nicht gelten, dass es noch näher ja schon ein Casino gibt. Es führte kein Weg an den Tisch – die Stadt erstellte einen Bebauungsplan, der Investor sah sich darin in keiner Weise berücksichtigt und sein Projekt nicht durchführbar, drohte mit der Parzellierung und dem Einzelverkauf. Eine nicht ganz umsetzbare Drohung, denn bauen dürfte da ohne gültigen B-Plan keiner etwas.

Inzwischen arbeitete die Stadt an einem B-Plan, der aber nach wie vor nicht berücksichtigt, was der Investor ursprünglich wollte. Der ist von seinen Plänen abgerückt und würde auch ein Hotel und sogar öffentliche Einrichtungen schaffen, wenn er dafür eine Spielhalle am äußersten Ortsrand im Gewerbegebiet bauen dürfte.

Hier hakt es nun seit Monaten und solange es dort keine Bewegung gibt, bleibt die Moorbad-Geschichte eine unendliche Geschichte. Oder Corleis macht seine Drohung wahr. Dann wird es kein neues altes Moorbad mehr geben, aber dafür etwas anderes und das liegt zumindest auch in den Händen der Stadt.

 

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