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Fewo-Käufer in Börgerende bangen um Investitionen

Die Geschichte klingt nach Familienglück: Eine Magdeburgerin kennt und liebt seit ihrer Kindheit die Ostseeküste rund um Kühlungsborn. „Gute Luft, Meersalz, nette Leute und eine schöne Umgebung“ sind die Gründe. Doch es ist für vier Personen mit Hund nicht leicht, in den Ferien eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Da war es ein Glücksfall, 2011 einen Makler zu treffen, der ihnen vom neuen Börgerende erzählte, dem „Maritim Touristischen Zentrum“ (MTZ) mit Hotel und fünf Villen. Das Hotel sollte neben Gastronomie und Geschäften auch Wellness- und Freizeitangebote für die Gäste des Gesamtkomplexes enthalten und nebenan sollte eine zum Resort gehörende Sporteinrichtung entstehen – eine Segelschule mit Bootsanleger. Da Börgerende Seebad werden wollte, wurden Kurpark und Strandpromende versprochen, das Bäderschiff sollte anlegen und Gäste nach Warnemünde und Kühlungsborn bringen. Überhaupt sollte „ein kleines Kühlungsborn“ entstehen, nur nicht so überlaufen“. Alles ließ sich in Berichten der Gemeindezeitschrift und Lokalzeitungen verifizieren und das überzeugte die Familie, sich eine Wohnung zu kaufen. Hier wollten sie ihre Urlaube verbringen und da sie kein Wohneigentum besitzen, sollte es ihr Altersruhesitz werden. „Jetzt haben wir eine Ferienimmobilie mit 3 Zimmern, Kaminofen und Tiefgarage. Unser kleiner Traum am Wasser.“ fasste das Ehepaar sein Glück zusammen. Doch es kam anders und aus Glück wurde Angst, sodass die Familie ihren Namen lieber nicht nennen will. Nennen wir sie darum „Familie Schmidt“. Der Kaminofen war nie nutzbar, die Genehmigung wurde zurück genommen und Schmidts sprechen generell von einem „Haus mit erschreckenden Baumängeln“, außerdem sei die Baugenehmigung der Villa „mehr als fragwürdig, bzw. es hätte gar keine erteilt werden dürfen.“ Hintergrund sei die Baunutzungsversordnung: Dort, wo ein Bebauungsplan eine bestimmte Nutzung vorschreibt, dürfe auch nur diese erfolgen. Im B-Plan Nr. 7 seien Betriebe des Beherbergungsgewerbes ausgewiesen, tatsächlich habe der Landkreis aber Ferienwohnungen genehmigt. Als Altersruhesitz dürfen sie ihre Fewo nicht nutzen und sie zu vermieten fällt ohne Resort und touristisches Umfeld schwer. Ein von einem anderen Erwerber beauftragtes unabhängiges Gutachten beziffert den Wert einer solchen Ferienwohnung auf null Euro, denn es gibt keinen Markt für Wohnungen mit vielleicht rechtswidrigen Baugenehmigungen. Auch nebenan geschehen kuriose Dinge: Das „Waterkant Suites“ ähnelt nach Schmidts Ansicht eher einem Apartmentkomplex und sie vermuten, dass auch hier wieder Ferienwohnungen verkauft werden sollen, obgleich das dem B-Plan widerspräche. „Es erweckt den Anschein, dass Menschen bewusst um ihre Altersträume, Kapital- und Rentenanlagen betrogen werden.“ meinen sie und resümieren: „Kaum Infrastruktur, Einkaufsmöglichkeiten und vom Bummeln auf der Strandpromenade ist keine Spur.“ Nachfragen von Erwerbern beim Bürgermeister Horst Hagemeister haben ergeben, dass die Gemeinde die Einnahmen nicht mehr in die touristische Infrastruktur des Ortes stecken wolle. Die Segelschule gibt es nicht und Landkreis-Pressesprecher Kay-Uwe Neumann bestätigt: „Im Sondergebiet Segelschule wurden ebenfalls vereinzelt Wohngebäude mit jeweils mehreren Ferienwohnungen genehmigt.“ Er räumt ein, dass die Baugenehmigung nicht den Vorschriften der Landesbauordnung genügt, aber der Landkreis übt sein Ermessen dahin gehend aus, nicht einzuschreiten. Schmidts fühlen sich betrogen und völlig hilflos und haben das Vertrauen in die Verwaltung verloren: „Nachdem wir im letzten Jahr von den Problemen der Eigentümer in Rerik erfahren haben, sind wir sehr verunsichert und haben Angst, dass uns in Börgerende, wenn die Ansprüche gegen den Bauträger verjährt sind, das gleiche Schicksal widerfahren könnte und uns die Nutzung untersagt wird“. Für sie begann das Unglück beim Makler. Auf eine Nachfrage, ob das mit dem Vertrieb beauftragte Maklerbüro tatsächlich Wohnungen mit diesen Angaben verkauft habe, antwortet Knud Wilden: „Auf Ihre Anfrage teilen wir mit, dass die W&N Immobilienvertriebsges. mbH zu keiner Zeit in Börgerende als Bauträger tätig war und dementsprechend auch keine Wohnungen dort verkauft hat“ Das Schreiben endet mit den Worten „nach Diktat verreist“. Das jedenfalls kann sich die junge Familie nicht mehr leisten.

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