Einfach Auto APPstellen: Handyparken in Bad Doberan-Heiligendamm

Als der Großherzog mit seiner prachtvollen Kutsche von seiner Sommerresidenz am Kamp in Doberan zum Festplatz am Badehaus am Heiligen Damm fuhr, musste er sich um einen Parkplatz keine Sorgen machen. Der Regent stieg aus, der Kutscher fuhr das Gespann nach Süden zum Marstall weg, spannte die Pferde aus, tränkte und fütterte sie und ließ sie abkühlen, während sich seine Durchlaucht im Bade vergnügte.

Heute fährt man mit dem Auto an den Strand und braucht sowohl in Bad Doberan als auch in Heiligendamm einen Parkplatz. Genug davon wird es nie geben, aber zumindest kosten sie in Bad Doberan-Heiligendamm keine 3 Euro pro Stunde, sondern ganz moderat zwischen 35 und 50 Cent bei öffentlichen und ab einem Euro bei privaten Parkplätzen. Ärgerlich ist eher, dass man in langen Parkreihen lange bis zum Automaten laufen muss, dieser das Geld nicht wechselt und man auch dann die volle Stunde bezahlen muss, wenn man nur eine halbe Stunde parken möchte. Außerdem hat man immer die Parkzeit im Nacken.

Nun ja und dann sind da noch die berühmt-berüchtigt fleißigen Bad Doberaner Politessen, die auch nur ihren Job machen und sich an die Regeln halten, die von der Stadt aufgestellt wurden. Mancher wünscht sich mehr Fingerspitzengefühl von den Politessen und diese wiederum mehr Verständnis für ihre Pflichten.

 

Digitales Parken in Bad Doberan

Jetzt gibt es aber ein Angebot, das es Autofahrern ermöglicht, Knöllchen-Ärger zu vermeiden. Nach Rostock und Kühlungsborn hat auch Bad Doberan das Handy-Parken eingeführt. Das Prinzip ist ganz einfach:

Man braucht ein Smartphone mit Internet und am Besten auch GPS, lädt sich die easypark-App auf das Handy, meldet sich mit seinem Kfz-Kennzeichen an und wählt eine Zahlungsart aus. Es können auch mehrere Autos angemeldet werden, sodass die ganze Familie das Handy-Parken nutzen kann. Auch der Firmenwagen findet seinen Platz bei easypark. Man bekommt zwei Aufkleber für die Frontscheibe, die wie eine Vignette von innen aufgeklebt wird. Dann sehen die Politessen gleich, dass der Fahrer keinen Parkschein braucht. Ansonsten sehen sie es aber trotzdem, denn sie bekommen die Handyparker auf ihr Gerät gemeldet.  

Wenn man sein Auto abgestellt hat, öffnet man die App und wenn GPS eingeschaltet ist, erkennt sie, wo man sich befindet. Ohne GPS geht es auch – dann muss man die Parkzonennummer eingeben, die auf dem Parkscheinautomaten steht. Alles Weitere erklärt das folgende Video sehr gut:

 

Flexibel parken und Geld sparen

Die App hat ein paar schöne Vorteile: Wenn man in Heiligendamm zwei Stunden gelöst hat und so am Strand sitzt und gar nicht mehr weg möchte oder wenn es beim Einkaufen doch mal länger dauert oder der Warteraum beim Arzt voll ist, dann verlängert man einfach am Handy die Parkzeit – beliebig oft.

Wenn man umgekehrt zwei Stunden gelöst hat und es anfängt zu regnen oder der Einkauf unerwartet schnell ging oder man beim Arzt gleich rangekommen ist, dann geht man zum Auto zurück, beendet den Parkvorgang und bezahlt nur das, was man auch geparkt hat und nicht die „verschenkte Zeit“. Die Abrechnung nennt sich „minutengenau“, aber natürlich rundet der Anbieter immer auf volle 5-Centbeträge auf.

Nachteil: Die Parkschein-Weitergabe von Autofahrern, die früher fertig geworden sind an welche, die gerade kommen und das damit verbundene Lächeln, Gespräch und schöne Gefühl entfällt beim digitalen Bezahlen. So ist das mit der Digitalisierung. Aber einen Parkschein lösen kann man ja trotzdem weiterhin.

 

Smartphone, Internet und GPS benötigt

Ansonsten sind die Nachteile technischer Natur: Man braucht ein Handy mit Android oder iOS, um die App nutzen zu können, man muss eine Internetverbindung haben, also auch einen dementsprechenden Tarif und GPS muss eingeschaltet sein, sonst muss man die Parkzone manuell eintippen. Die steht am Automaten – das heißt, man muss dann da doch wieder hin laufen. Ohne GPS geht es also durchaus – nur umständlicher.

Opas alter Knochen mit Tastenfeld und Monochrom-Display eignet sich definitiv nicht zum Handyparken und ein Smartphone mit Android KitKat oder älter dürfte auch schon zu alt für diese App sein.

 

Kein Kleingeld nötig, App macht vieles automatisch

Die Vorteile sind natürlich, dass man kein Geld bei sich haben muss. Das kann man dann für Eis ausgeben. Man kann seinen Parkvorgang sogar vorher planen. Und Angst haben, dass man vergisst, die Parkzeit zu beenden, muss man nicht: Der Parkvorgang läuft automatisch zur eingestellten Zeit ab. Das heißt aber auch: Wenn man nicht zum Auto zurück kehren will und vergessen hat, die Parkzeit zu verlängern, muss man schnell noch mal auf der Karte zu seinem Parkplatz zoomen und einen neuen Parkvorgang starten, sonst droht doch wieder ein Knöllchen.

Es gibt auch die Möglichkeit, dass die App den Parkvorgang automatisch beendet, wenn man wieder auf dem Parkplatz ist. Das belastet aber den Handy-Akku und macht in einer kleinen Stadt, in der man an seinem geparkten Auto vorbei läuft, nicht viel Sinn, weil man beim Vorbeilaufen den Parkvorgang versehentlich beenden könnte. Besser ist es, den Parkvorgang mit einem Tippen auf das Display zu beenden. Wenn man die App versehentlich beendet, wird der Parkvorgang nicht gleich mit beendet. Man kann sie wieder öffnen und dann geht es weiter.

 

Archiv mit Notizen, PDF-Rechnung und Parkbestätigung

Die bisherigen Parkvorgänge kann man sich in der App ansehen und auch Notizen dazu eingeben. Das geht auch von zuhause aus am PC. Die App erinnert automatisch, dass man zum Auto zurück gehen sollte und wie lange vorher sie erinnert, kann man einstellen. Man kann allerhand Erinnerungen einstellen lassen – auch per SMS. Wer will, kann sich am Abbuchungstag eine Rechnung per PDF zusenden lassen. In der Rechnung stehen auch die Notizen, die man eingegeben hat.

Ebenfalls kann man sich eine Bestätigung pro Parkvorgang und eine monatliche Übersicht per PDF herunterladen. Das ist nützlich, wenn man die Parkvorgänge z. B. mit dem Arbeitgeber abrechnet. Bezahlt werden kann per PayPal, Kreditkarte (VISA/ Mastercard) oder SEPA-Lastschrift.

 

Kostenlos kostet extra, kostenpflichtig macht kostenfrei

Was kostet der Spaß? Man bezahlt natürlich die normalen Parkgebühren. In Bad Doberan-Heiligendamm zahlt man zusätzlich 15% der Parkgebühr (im kostenlosen Paket Small mindestens 49 Cent) als Transaktionsgebühr. Das heißt, dass man bei einer halben Stunde Parkzeit letztlich trotzdem eine ganze Stunde bezahlt. Sonst wäre es gegenüber den Parkschein-Nutzern unfair. App-Parker sparen aber einen Cent und den Gang zum Parkscheinautomaten. Gegen monatliche Zahlung von 1,99 Euro entfallen die Transaktionsgebühren komplett und man bezahlt nur die reinen Parkgebühren. Das lohnt sich für Viel-Kurz-Parker. Wer im Monat mehr als 5x Handyparken nutzt, kann mit dem Paket Large für 1,99 Euro schon sparen.

 

Alle öffentlichen Parkplätze werden unterstützt

Derzeit sind alle öffentlichen Parkplätze mit dem System ausgestattet worden. In Bad Doberan sind das die Parkplätze rund um den Kamp und den Markt, in der Baumstraße, Neuen Reihe, Goethestraße, der Münster-Parkplatz, die Parkplätze am Busbahnhof (ZOB) und die Parkpalette im Verbindungsweg.

In Heiligendamm sind das der Waldparkplatz, der Parkplatz an der Kühlungsborner Straße am Bahnhof, der Saisonparkplatz in Richtung Börgerende und die Parkreihen entlang der Seedeichstraße und Straße zum Kinderstrand. Die Parkplätze der ECH an der Seedeichstraße und am Fürstenhof sind nicht mit inbegriffen. Der Parkplatz auf der Lichtung am Kinderstrand existiert seit März nicht mehr.

Mit derselben App kann man auch in Rostock, Kühlungsborn und weltweit über 1000 Städten in 13 Ländern parken.

Alle Parkplätze, die zu Geschäften gehören (z. B. EKZ, Lidl, Stolz, Netto, Penny, Norma) sind nicht inbegriffen. Hier gelten die Bedingungen des Betreibers. So darf bei Netto im Verbindungsweg nur während der Geschäftszeiten des Netto-Marktes geparkt werden – danach drohen hohe Geldforderungen. Auch muss die Parkscheibe benutzt werden.

Anwohnerparkplätze – auch die für das offizielle Anwohnerparken – sind ebenfalls nicht inbegriffen und auch die vielen kleinen Parkplätze, wo man zwar eine Parkuhr, aber keinen Parkschein braucht, gehören nicht zum Handyparken. Übrigens darf auch keine Parkuhr-App oder eine elektronische Parkscheibe genutzt werden. Die Doberaner Politessen achten darauf, dass Parkscheiben nur manuell und nicht elektronisch betrieben werden, weil sie davon ausgehen, dass der Zeiger sonst weiterläuft.

So trifft Moderne auf Tradition. Auch in der historischen Molli-Bahn kann inzwischen das Ticket beim Schaffner mit EC-Karte bezahlt werden. Die fortschrittlichen Großherzöge seit Friedrich Franz I. hätten das sicherlich begrüßt.

 

Neue Konditionen für Jahresparkkarten

Die Stadt Bad Doberan hat das Jahres-Parkkarten-Angebot von 2010 erneuert. Außer im Parkdeck im Verbindungsweg in Bad Doberan kann auch in Heiligendamm auf dem Waldparkplatz (vor dem LODGE/KOSI’s) und entlang der Straße zum Kinderstrand eine Jahresparkkarte für 250 Euro plus einmalig 25 Euro Gebühren erworben werden. Das ist gerade für Mitarbeiter der Median-Klinik und des Grand Hotel Heiligendamm interessant.

 

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