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Insolvenzverwalter will Grand Hotel bis Jahresende weiter führen. Verhandlungen mit Investoren dauern an.

Gerade hieß es noch, Ende Juli würde ein neuer Investor für das Grand Hotel Heiligendamm vorgestellt werden – nun wird der 1. Januar 2013 angepeilt. Wie Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG (23.06.2012) berichtet, steht das Grand Hotel seit zwei Monaten wieder auf eigenen Füßen und verbrennt kein Geld mehr. Die Verhandlungen mit den Investoren dauern an.


Auf der Gläubigerversammlung wird Zumbaum empfehlen, bis Jahresende weiter zu machen, um Zeit für die Suche nach Interessenten zu gewinnen, die er „mit der notwendigen Ruhe und Gelassenheit“ fortführen will. Dafür braucht er eine Gesundung des operativen Geschäfts – also ausgeglichene Bilanzen. Zumbaum betont, dass das Luxushotel im Sommer Überschüsse machen muss, um die verlustträchtigen Monaten der Nebensaison auszugleichen. (Anm.: Das war 2011 wegen des verregneten Sommers nicht gegeben und führte u. a. mit zur Insolvenz.)

Über fünf Interessenten im Rennen.

Zumbaum geht nicht auf die Frage der OZ nach amerikanischen Ketten und deutschen Großfamilien ein, informiert aber, dass zwei Interessenten schon nach  kurzer Zeit abgesprungen sind und einer kaufen wollte aber es nicht bezahlen könnte, sodass noch mehr als fünf Interessenten übrig sind, mit denen er, seine Frau und Rolf Paarmann gleichzeitig verhandeln.

Den Ungeduldigen verkündet Zumbaum, dass hier keine kleine Ferienwohnung, sondern ein Ensemble zum Verkauf steht, in dem ein großes kompliziertes Unternehmen steckt. Als Beispiel nennt er, dass ein Interessent aus den USA noch bautechnische Details prüfen will.

Angeschlagen aber nicht auf der Titanic.

Der Insolvenzverwalter betont, dass das Unternehmen mit seinen 300 Mitarbeitern 15 Millionen Umsatz pro Jahr macht und man darum nicht „um jeden Preis eine Braut finden“ müsse. Zumbaum wird zitiert „Wir sind angeschlagen aber nicht auf der Titanic“. (Anm.: Das bestätigt einmal mehr, dass Jagdfeld nicht den berühmten Scherbenhaufen, sondern ein gut geführtes nicht mehr zahlungsfähiges Hotel hinterlassen hat.)

Wachstum nur zusammen mit FUNDUS-Chef Jagdfeld.

Die OSTSEE-ZEITUNG fragt auch nach den Wachstumsmöglichkeiten des Hotels. Sie verweist auf die 4 Hektar, auf denen das Hotel derzeit steht und, dass der Rest Heiligendamms zu großen Teilen der EntwicklungsCompagnie Heiligendamm (ECH) gehört. Zumbaum nennt die Befürchtungen „nicht unbegründet“ und bestätigt den Bedarf an Zusatzflächen zum Wachsen. Nach seiner Aussage gibt es drei Gruppen: Die eine will nur das Hotel und sonst nichts, die andere zusätzlich zum Hotel auch einzelne Grundstücke der ECH und die dritte ganz Heiligendamm. Er betont, dass Anno August Jagdfeld ihm bestätigt habe, dass er für jeden Investor zur Verfügung stünde. Zumbaum sagt, dass in den nächsten Tagen ein Investor sagen wird, welche Flächen er möchte und dann die Stunde der Wahrheit käme.

Das Geheimnis der schwarzen Null.

Interessant ist auch die Frage des Lokalmediums nach der magischen schwarzen Null. Zumbaum hebt hervor, dass es noch keine Gewinne gibt und dass er als Außenstehender in der Lage war, Fehler zu erkennen und beseitigen oder zumindest daraus zu lernen. Auch erlaube ihm die Insolvenzordnung, lästige Verträge vorzeitig zu beenden. Auch die Zinsfreiheit ist ein großer Vorteil. Auf die Nachfrage nach den Fehlern der Vergangenheit blockt der Insolvenzverwalter ab, will kein Besserwisser sein und stellt sich auch nicht die Frage, ob das Hotel vorher besser oder schlechter geführt worden sei – für ihn zählt die Rentabilität.

Diese hat er durch eine konsequente Kostenkontrolle erreicht. Ersparnisse bis 10% sind möglich. Auch das Bekenntnis der Mitarbeiter zum Grand Hotel – das „Jetzt erst recht“ – schlägt sich in den Bilanzen nieder.

Gläubigerversammlung am 27.06.2012.

Am 27.06.2012 trifft die Gläubigerversammlung zusammen. Zumbaum wird seine Berichte vorlegen und Empfehlungen aussprechen – wie den Weiterbetrieb bis zum Jahresende. Die theoretische Möglichkeit, dass die Gläubiger einen sofortigen Verkauf wollen, hält er erfahrungsgemäß für unwahrscheinlich. Grenzen bei der Dauer einer Insolvenz sieht er keine, hat nach eigenen Angaben auch schon ein Unternehmen über acht Jahre fortgeführt.

 

ZAM meint:

Die Berichte über das Grand Hotel ändern sich manchmal im Wochentakt. Hatte ich gerade letzte Woche noch aus der Immobilien-Zeitung die Information, einer von 18 Interessenten würde Ende Juli vorgestellt werden, sind es nun nur noch über fünf und es dauert bis 2013. Gut Ding will Weile haben und wer sich auf Heiligendamm einlässt, muss sehr vieles beachten. In Kürze werden Sie eine sehr ausführliche Analyse auf ZAM bekommen.

Die Wahl zwischen „Nur das Hotel“, „das Hotel und ECH-Grundstücke“ und „ganz Heiligendamm“ erscheint nicht gerade viel versprechend. Wer nur das Hotel will, wird damit nicht sehr erfolgreich sein, denn das Hotel braucht in der Nebensaison Zulauf, den es über die von der ECH geplanten zusätzlichen Angebote (Geschäfte, Gastronomie, Sport, Thalasso, Ayurveda) und die Wohnungen (Perlenkette, Kühlungsborner Straße) bekommen würde. Ohne die ECH-Projekte kann das Hotel nicht erfolgreicher werden, als es bis jetzt war. Der Zukauf von ECH-Flächen kann funktionieren – dazu muss man sehen, um welche Flächen es sich handelt. Die ECH muss auch Geld verdienen können – die Perlenkette ist ein Standbein, die Appartements in der Kühlungsborner Straße das zweite und das Villenviertel das Dritte. Wenn die ECH ein Bein her gibt, wird sie es ersetzen müssen. Um das Hotel herum gibt es nicht viele freie Grundstücke: Das größte Potenzial liegt an der Kühlungsborner Straße, wo Appartements und die dringend benötigten Gewerbeflächen entstehen sollen. Hier kann viel Geld verdient werden – von wem, müssen sich Investor und ECH einig werden. Die ECH muss gar nichts verkaufen, wird eher das abstoßen, was ihr nichts nützt. Ob es dann anderen nützt? Schlau ist, Heiligendamm ganz zu kaufen aber das funktioniert nicht. Außer der ECH sind noch Banken und viele kleine Privatleute an der Torte Heiligendamm beteiligt. Keiner verkauft sein Haus an einen Investor. Dieser könnte höchstens die von der ECH zusammengekauften unzusammenhängenden Flächen kaufen, wenn dort Einvernehmen bestünde. Heißt aber auch: Alle Flächennutzungs- und Bebauungspläne würden weiterhin gültig bleiben, wo Hotel genehmigt ist, darf nur Hotel entstehen, wo Wohnungen genehmigt sind, nur Wohnungen und wo das Thalassozentrum geplant ist, nur das Thalassozentrum. Die Stadt ist nicht in der Lage, reihenweise B-Pläne zu ändern (das kostet zwischen 25.000 und 75.000 Euro, mitunter zzgl. weiteren Planungskosten). Wer Heiligendamm „ganz“ nimmt, kann dort auch nur in leicht abgewandelter Form das tun, was die ECH vor hatte. Oder es muss ganz von vorn verhandelt werden – neue Verträge und Vereinbarungen und die Gefahr, auch den Streit der letzten 12 Jahre zu wiederholen.

 

Zum vollständigen Interview in der Ostsee-Zeitung:
http://epaper.ostsee-zeitung.de/dob/2012-06-23/oz.html

 

 

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