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Kurioser Bad Doberaner B-Plan Nr. 1 soll überarbeitet werden.

Der erste Bebauungsplan, den die Stadt Bad Doberan nach der Wiedervereinigung aufstellte, ist hoffnungslos überholt: Er verbietet den Verkauf von Büchern, Zeitschriften, Schreibwaren, Bekleidung, Lederwaren, Kosmetik, Campingartikel, Tiernahrung, Tieren, Spielwaren und sogar Lebensmitteln. Besonders komisch: All das gibt es im EKZ am Walkmüller Holz trotzdem zu kaufen. Aldi und Edeka haben sich hier nieder gelassen, Henwi bietet schon allein die ersten sechs verbotenen Artikel im Sortiment, im „Ernstings Family“ gibt es sogar nur Bekleidung und nebenan befindet sich eine Zoohandlung mit Tierverkauf. Wie das passieren konnte, ist unklar. Sicher ist, dass hier Überarbeitungsbedarf besteht und genau das will die Stadt jetzt in Angriff nehmen.

Der Bebauungsplan diente gleich nach der Wende dazu, auf der einen Seite ein Einkaufszentrum am Stadtrand zu errichten, um die Kundschaft aus dem Umland anzulocken, andererseits sollte ein Konsens gefunden werden, damit dieses Einkaufszentrum den Händlern der Innenstadt nicht zur Konkurrenz wird.  Da die Auflagen von Anfang an nicht eingehalten wurden – sei es aus Unwissenheit oder, weil die Stadt bei den Genehmigungen nicht darauf pochte – stellt ein Wegfall dieser Auflagen für die Händler der Innenstadt auch kein Problem mehr dar. Die fünf zentrumsnahen Discounter – darunter ein Textil-Discount – haben die Händler bereits zu Anpassungen bewegt, sodass das EKZ am Stadtrand nicht mehr Konkurrenz wird.

EKZ muss stärker werden.

Stattdessen muss dieses EKZ am Stadtrand selbst am Markt besser positioniert werden – der Ostsee-Park in Sievershagen befindet sich in der Erweiterung und auf 4000 Quadratmetern sollen  neue Geschäfte entstehen. Schon jetzt zieht der Park Kunden aus Bad Doberan an, die das EKZ am Walkmüller Holz im wahrsten Sinne des Wortes „links liegen lassen“. Gleich nach der Wende hatte der Branchenriese „Kaufland“ Interesse am Standort Bad Doberan bekundet – der Knotenpunkt zwischen Rostock und Wismar, Warnemünde und Kühlungsborn und dem Innenland und der Ostsee war geradezu optimal für ein großes Einkaufszentrum.

„Aldoberan“ statt Kaufland.

In Bad Doberan setzte man aber auf etwas eigenes und erschuf mit dem „Aldoberan“ eine kleine Einkaufswelt in den alten Hallen. Das Konzept scheiterte – zuerst an der ungünstigen Lage (die einzelnen Hallen liegen zu weit auseinander), dann auch am Konzept (keine Großhandelsrabatte möglich, daher zu teuer) und zuletzt an der Eröffnung des Ostsee-Parks in Sievershagen, der vielleicht mit einem „Kaufland“ in Bad Doberan zu verhindern gewesen wäre (was zweifelsohne trotzdem „Aldoberan“ ruiniert hätte aber dennoch wäre ein großes Zentrum in Bad Doberan geblieben – so kam nichts neues und blieb nichts altes.) Für die Innenstadt-Händler war das gar nicht so schlecht: Sie profitierten von den fehlenden Alternativen vor Ort – bis zur Eröffnung des Ostsee-Parks, der zwischenzeitlich schon einmal erweitert wurde. Trotzdem bleibt es ein Kreis: Mit dem Kaufland in Bad Doberan wäre der Ostsee-Park vielleicht nicht so eine Konkurrenz, vielleicht sogar gar nicht so groß ausgefallen – die Händler hätten also vielleicht (man kann nur spekulieren) mehr Nutzen als Schaden von einem Kaufland gehabt. Die Stiftung wurde schließlich zum Primus des Hanse-Center in Bentwisch und eröffnet demnächst eine weitere Filiale in der Rostocker Südstadt.

Doberaner Innenstadt-Handel ist ein Kapitel für sich.

Auch hier beißt sich der Hund in den Schwanz: Was den Innenstadt-Händlern zuerst nützte, fiel ihnen bald wieder auf die Füße. Innenstädte sind gut zum Bummeln aber gerade Bad Doberan taugt nicht viel, wenn man mal eben mit dem Auto einkaufen fahren wollte. Die Diacounter-Riesen erkannten die schlechte Position der Innenstadt-Händler schnell und so kam es zuerst zum EKZ am Walkmüller Holz mit Aldi und Edeka als Führer und schließlich auch zur Ansiedlung eines Eurospar, aus dem später Netto (Stavenhagen) wurde, sowie eines Lidl, auf den Aldi mit einer Ansiedlung quasi gleich daneben antwortete, sowie der Ansiedlung eines Penny-Marktes. Diese nun machten den Händlern der Innenstadt das Leben nicht leichter – sie mussten sich abermals umstellen und müssen es nun durch die Ostseepark-Erweiterung erneut tun. Das Thema bleibt spannend – es gibt viel zu tun, um den Innenstadt-Handel zu etablieren und ich bleibe dran.

 

Weitere Informationen zum Thema gibt es z.B. unter:
http://epaper.ostsee-zeitung.de/dob/2012-05-04/oz.html

 

 

Ein Kommentar

  1. Kaufland in der Südstadt von Rostock.

    Weil viele Suchende bei der Suche nach der Eröffnung des Kaufland in der Rostocker Südstadt über Google auf diesen Artikel stoßen, hier die Info, die sie suchen:

    Kaufland in der Südstadt (gegenüber der Stadthalle) eröffnet am 25. Oktober 2012

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