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Noch mehr Fördermittel für Heiligendamm?

Das Insolvenzverfahren für das Grand Hotel Heiligendamm ist eröffnet.  Zu den Förderern des nun insolventen Hotels gehörte auch das Land Mecklenburg-Vorpommern, das 51 Millionen Euro Fördermittel investierte und zuletzt mit einer Landesbürgschaft die Erweiterung der Kreditlinie des Hotels bei seiner Hausbank ermöglichte. Damals hatte das Hotel mit dem Ausstieg der Kempinski-Gruppe zu kämpfen. Nun könnten wieder Steuergelder nach Heiligendamm fließen – für viele Steuerzahler unverständlich.

 

Gute Gründe für Heiligendamm-Rettung.

Jedoch gibt es gute Gründe, den Standort Heiligendamm weiterhin zu unterstützen. Neben dem Image, das Deutschland ältestes Seebad für das Land hat, ist die Rolle Heiligendamms als Nummer eins der Luxus-Hotels in Mecklenburg-Vorpommern nicht zu unterschätzen. Kein anderes Hotel im Land hat in so kurzer Zeit so viele und so hochrangige Auszeichnungen bekommen. Die endgültige Pleite des „G8-Hotels“ wäre ein Schaden für Mecklenburg-Vorpommern, der unbezahlbar wäre.

Bezahlbar hingegen ist die Rettung des eigentlich gut laufenden aber eben nicht mehr solventen Hotels. Die Aussicht auf Fördermittel – die nach Angaben der Ostsee-Zeitung vom 04.05.2012 nur an den neuen Eigentümer und auch nur im Rahmen der gesetzlichen Vergabevorschriften fließen können – macht den Verkauf des Luxushotels einfacher, denn der neue Eigentümer muss definitiv in die Erweiterung investieren und auch wieder etwas für die Optik des den Witterungseinflüssen ausgesetzten Ensembles am Meer tun.

Für das Land bedeutet die Rettung des Grand Hotels auch die Rettung der bisher geflossenen Fördermittel. Zwar berührt die Insolvenz auch die Fördermittel aber klar ist, dass ohne diese eine Sanierung in diesem Umfang, dieser Art und Güte nicht möglich gewesen wäre.

FUNDUS-Chef Anno August Jagdfeld hat in acht Jahren die Hälfte dessen geschafft, wofür die Erbauer Heiligendamms fast ein Jahrhundert gebraucht haben. Möglich machten das 1900 Anleger, die 127 Millionen Euro in den geschlossenen FUNDUS-Fonds 34 investierten, sowie Fördermittel und Kredite, die den Betrag von 220 Millionen Euro auffüllten, den die Sanierung des Grand Hotels und die Neubauten (Severin-Palais, Wirtschaftsgebäude) insgesamt kosteten.

 

Anleger gehen wohl leer aus.

Für die 1900 Anleger sieht es schlecht aus – ihre Einlagen gelten mit der Insolvenz als verloren. Schuld suchen sie aber nicht bei FUNDUS-Chef Anno August Jagdfeld, sondern bei den Banken, denen sie schlechte oder falsche Beratung vorwerfen. Dreihundert Anleger haben angekündigt, ihre Banken zu verklagen.  Bei einem Kapitalschnitt zur Rettung des Hotels haben die Anleger 2001 auf 90% ihres Investments verzichtet. Teile dieses Verlustes lassen sich abschreiben und somit kompensieren. Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum prüft derzeit, ob man von den Fondskäufern Geld nachfordern könne. Es geht dabei um Ausschüttungen, die in Form von Sonderkonditionen getätigt wurden, also Vergünstigungen bei der Übernachtung, Golf etc.. Hier wäre noch eine halbe Million Euro zu holen. Die Prüfung ist laut Sprecher Rolf Paarmann „ein ganz normaler Vorgang“.

 

Neue Vorwürfe gegen FUNDUS-Chef Jagdfeld.

Jagdfeld unterdessen sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, in die eigenen Taschen gewirtschaftet und Heiligendamm absichtlich ruiniert zu haben. Hintergrund ist die Vergabe der Aufträge an Firmen der FUNDUS-Gruppe. So wurde die EntwicklungsCompagnie Heiligendamm (ECH) mit der Projektentwicklung beauftragt und die Innenausstattung durch die AMJ Design von Jagdfelds Ehefrau Anna Maria Jagdfeld realisiert. Auch Jagdfelds Söhne sind mit eigenen Firmen am Wiederaufbau Heiligendamms beteiligt – selbst die Steuerberatung macht ein Unternehmen der Jagdfeld-Gruppe. Dieses Prinzip war von Anfang an klar – alles aus einer Hand – und diente zur Minimierung des Risikos, das  z. B. bei der Insolvenz von externen Unternehmen existent wäre. Natürlich konnte die FUNDUS-Gruppe auf diese Weise Kosten minimieren und Gewinne einfahren, die üblicherweise von unten nach oben fließen und dort vermehrt werden. Einige Anleger sehen in diesem Prinzip eine Täuschung, werfen Jagdfeld vor, das Geld aus den Fonds zu ziehen und dann die Insolvenz in Kauf zu nehmen.
Besonders wütende Anleger äußerten im SPIEGEL die Befürchtung, Jagdfeld würde das Grand Hotel aus der Insolvenz von allen Lasten befreit zurück kaufen und weiter machen. FUNDUS-Pressesprecher Dr. Christian Plöger weist diese These entschieden als „absurd“ zurück. Plöger gegenüber der Ostsee-Zeitung „Das wird definitiv nicht geschehen“. Er weist darauf hin, dass die zur FUNDUS gehörende ECH in Heiligendamm Eigentumswohnungen verkaufen will und das Insolvenzverfahren „nicht gerade verkaufsfördernd ist.

 

Insolvenzantrag war alternativlos.

Der wahre Hintergrund des Insolvenzantrages dürfte dann auch sein, dass Jagdfeld keinen Ausweg mehr hatte. Die Anleger stimmten zwar dem Kapitalschnitt zu, verweigerten aber die Einzahlung frischer Gelder. Jagdfeld bekam den zum Ausbau des Hotels und Positionierung am Markt nötigen Betrag nicht mehr zusammen, investierte deshalb aus eigener Tasche und durfte hoffen, mit dem regulär vorgesehenen Verkauf der Villen und einiger Grundstücke an Tochter- und Schwestergesellschaften, sowie nicht zur Gruppe gehörende Unternehmen und Privatleute Geld in die Kassen der ECH zu spülen, die wiederum die nötigen Arbeiten vornehmen und mit der Fondsgesellschaft erst später oder in Raten abrechnen könnte. Die Arbeiten wären dann umgesetzt, das Hotel hätte sich erholen und wieder Gewinne erzielen können, die dann zur Begleichung der ECH-Rechnungen genutzt werden könnten – rein theoretisch und meine persönliche These.
Dadurch aber, dass Ex-Bürgermeister Hartmut Polzin das Negativattest 2011 nicht ausstellte und einige Stadtvertreter dieses Versäumnis zu Gunsten ihrer eigenen Fehde gegen Jagdfeld ausnutzten und die Ausstellung um fast ein Jahr verzögerten, konnten die Käufe nicht abgeschlossen werden, die ECH bekam ihr Geld für die Verkäufe nicht und konnte dem Hotel nicht unterstützend beistehen. Unmittelbar nach der letzten Sitzung der Stadtvertreter, die das Negativattest weiter verzögerte (das war Ende Februar 2012) reichte Jagdfeld den Insolvenzantrag ein. Für ihn waren zu diesem Zeitpunkt alle Türen zu gefallen – er konnte keinen Ausweg mehr sehen und 40 Millionen selbst aufzubringen, kann keiner von ihm verlangen.

 

Verhandlungen mit Interessenten laufen weiter.

Unterdessen gehen die Verhandlungen mit den zehn Interessenten aus dem In- und Ausland weiter. Hieß es bisher noch, dass vor der Saison ein neuer Betreiber vorgestellt werden könne, spricht Zumbaum nun von „Monaten“, die es dauern wird, bis es zum Abschluss kommt. Unsicherheitsfaktor bei den Verhandlungen ist das Verhalten einiger Gläubiger, die ihre Forderungen dinglich abgesichert haben. Die Interessenten befürchten, dass es zu Zwangsversteigerungen einzelner Gebäude und Grundstücke auf dem Hotelgelände kommt, an denen sie sich beteiligen müssten, um das Hotel als Ganzes zu erhalten. Versteigerungen sind ein unkalkulierbarer Mehrbedarf, der die Verhandlungen belastet. Unterdessen ist das Insolvenzverfahren aber angelaufen, sodass diese Unsicherheit bald aus dem Weg geräumt werden kann.

 

Mehr Informationen z. B. in der OSTSEE-ZEITUNG:

http://epaper.ostsee-zeitung.de/dob/2012-04-23/oz.html

 

 

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