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Moorbad am seidenen Faden

Mit dem Glücksspiel stand und fiel das erste deutsche Seebad Doberan-Heiligendamm: Durch die beiden Spielbanken gab es einen Geldumlauf von über 100.000 Talern pro Saison. Wie viel von diesem Geld abhing, zeigt der Beitritt Mecklenburgs zum Deutschen Bund, in dem Glücksspiel verboten war. Der Großherzog musste den Ortsteil Heiligendamm verkaufen und er verlor an Exklusivität und zahlungskräftiger Klientel.

Heute könnte wieder eine Spielbank die Rettung sein – nicht für die Stadt, aber für das Moorbad. Wer die Ruine sanieren will, muss Millionen investieren und da Millionäre nicht in Bad Doberan ein und aus gehen – warum auch? – muss das Geld geliehen und wieder erwirtschaftet werden.

Investor David Corleis will 3 Mio. € investieren. Dass man so viel Geld nicht mit Wohnungsbau gewinnt, war schon beim ersten Moorbad-Verkauf klar und darum ein Hotel immer erste Wahl. Ein normales Hotel hat es aber in Bad Doberan schwer. Ein kleines kriegt es das Haus in der Nebensaison noch voll. Ist es groß, wie Friedrich-Franz- und Prinzen-Palais, fällt das schwerer. Man muss Besonderes bieten, wie Wellness, Hochzeiten oder Kulinarik. Was schon ist, kann man nicht kopieren, sondern muss mehr oder etwas ganz anderes bieten.

Ein Casilino-Hotel ist in der Stadt etwas ganz anderes. Aber Glücksspiel hat heute einen schlechten Ruf und das bekommt Corleis zu spüren. Nicht von der Bevölkerung – da gibt es viel Zuspruch nach dem Motto „Moorbad retten – egal, wie“. Egal ist es nicht, denn die Nutzung muss nachhaltig und passend sein.

Ein Hotel finden einige Stadtvertreter passend, die Spielhalle nicht. Es wird mit der Nähe zum Gymnasium argumentiert – im 500-Meter-Radius darf kein Glücksspielbetrieb sein. Das Casino in der Dr.-Leber-Straße war bisher aber kein Problem und das soll schließen und ins Moorbad umziehen. Das Gewerbeamt hat keine Bedenken, aber die Entscheider verstehen das Konzept nicht.

Corleis legt nach: Es könne auch ein Wettbüro werden 160,72 qm machen nur 3,7% der Gesamtfläche aus. Er will erst wissen, was möglich ist und dann Details planen, während die Verwaltung ein fertiges Konzept will. Dabei weiß sie offenbar selbst nicht, was möglich ist: Sie soll das beim Land erfragen. Warum erst jetzt? 

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