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MV in der Griechenland-Falle

Auch wenn viel Entfernung zwischen dem Nordosten Deutschlands und dem Südosten der EU liegt, gibt es doch Gemeinsamkeiten zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Griechenland. Beide gehören zu den ärmsten ihrer Gemeinschaft und beide sitzen in einer Falle, die genau das festigt und aus der sie ohne Umdenken nicht raus kommen: Beide versuchen, „einen Hungernden auf Diät zu setzen“. Irgendwann kann nicht mehr gespart werden, denn Bundesländer müssen nun einmal Geld verteilen, sonst verarmen die Landkreise, Kommunen und Bürger. Das HANDELSBLATT befragte drei griechische Unternehmer, was sie machen würden, wenn sie „CEO der Hellas AG“ wären. Aris Kefalogiannis bringt etwas auf den Punkt, das auch für uns von Bedeutung ist. „Wir müssen unsere Werte neu entdecken“ sagt er und nennt in seinem Businessplan die drei Säulen Kultur, Terroir (also Geografie und Klima) und Lebensart. Das trifft auch auf unser Bundesland zu, dessen Gäste genau wegen dieser drei Säulen kommen. Mecklenburg-Vorpommern lebt vom Tourismus und ist abwechselnd die Nummer eins oder zwei der beliebtesten Urlaubsbundesländer Deutschlands. Eigentlich müsste es Land und Leuten sehr gut gehen und man vom Tourismus leben können. Das ist aber nur an etwa 100 Tagen im Jahr der Fall und an diesen muss für die restlichen 265 Tage mitverdient werden. Spielt das Wetter in den Ferienzeiten nicht mit, wird es eng. Ein Unternehmer würde zweifelsfrei zusehen, dass er die „MV AG“ im wahrsten Sinne des Wortes „wetterfest“ macht, also mit dem Tourismus das ganze Jahr über Geld verdient. Und zwar nachhaltig und nicht mit dem berühmten „Durchwurschteln“. Nachhaltigkeit ist zurzeit in aller Munde: Griechenland soll sich nachhaltig verändern und Kefalogiannis spricht von Zukunftsstrategien für Griechenland in Europa. Gibt es überhaupt Zukunftsstrategien für Mecklenburg-Vorpommern in Deutschland? Welchen Platz nehmen wir ein und was können wir noch, außer mit massenhaft Windrädern selbst im Meer (und vielleicht bald in Wäldern?) Strom für den Export zu produzieren, anderer Sondermüll importieren und Flüchtlinge für die Erhöhung von Schlüsselzuweisungen und gegen Leerstand zu benutzen? Haben wir überhaupt einen Businessplan und wissen wir, wo wir hin wollen? Viele Engagierte, Vereine, Verbände und „Macher“ sind voller Ideen, aber welche Vision hat die Landesregierung für das „Land zum Leben“? Ohne Ziel ist es schwer, einen Weg zu finden und Bürger für diesen zu begeistern. Er will wissen, wofür er sich da engagiert. In Griechenland nennt man die Bereitschaft zur Aufopferung und Hingabe, das Unmögliche zu erreichen, „filotimo“ und Kefalogiannis glauben, dass dies Griechenland aus der Falle helfen würde. Vielleicht auch Mecklenburg-Vorpommern?

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