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Tut Bad Doberan genug für seine Einwohner und Gäste?

Marode Spielplätze, desolate Straßen, Kinder in Containerburgen. Tut das Rathaus zu wenig für die Stadt? Konzentrieren sich Politik und Verwaltung zu sehr darauf, immer mehr Gäste anzulocken und bleiben die eigenen Bürger dabei auf der Strecke? Oder muss noch mehr getan werden, um neue Gäste zu bekommen? Sieht man sich die Kritiken verschiedener Stadtvertreter, Touristiker und engagierter Bürger an, trifft beides zu: Es wird zu wenig für die Bürger getan, aber auch zu wenig für die Gäste und trotzdem will die Stadt noch mehr Bürger und noch mehr Gäste. Was beide Zielgruppen vereint, ist das Geld, das sie bringen. Neue Einwohner sorgen für mehr Einnahmen und zugleich gibt es mehr Geld von oben. Ein schönes neues Wohngebiet kann aber nicht über die eingangs genannten Mängel hinweg täuschen. Eine bessere Auslastung von öffentlichen Einrichtungen mag zwar Container überflüssig machen, aber mehr Autos machen die Straßen nicht besser. Hier ist die Stadt gefragt, Straßensanierungen nicht nur in Wahlprogrammen, sondern einem echten Gesamtkonzept aufzunehmen. Neue Einwohner allein machen eine Stadt aber noch nicht wohlhabend. Darum will das Rathaus neue Gäste, die ihr Geld in der Stadt lassen. Umso kleiner der Ort ist, umso schwieriger ist es, alle Touristengruppen unter einen Hut zu kriegen. Also muss man Entscheidungen treffen, die Touristengruppen auf die Stadt oder Region verteilen – hier die Camper bedienen, dort Pensionen ansiedeln und die besten Lagen für Angebote vorzubehalten, die Wohlbetuchte anlocken, also das meiste Geld bringen. So machen es zumindest die Nachbarn und die verdienen gut an Luxushotels und sich passend dazu ansiedelndem Gewerbe, wie Boutiquen, Geschäfte und Gastronomie. Gut verdienende Kommunen haben dann auch das Geld, um Straßen zu sanieren, Spielplätze zu erneuern und in die Infrastruktur zu investieren. Man sieht schon von außen, ob es einer Stadt gut geht: Ein ordentliches Stadtbild mit sauberen Straßen und Plätzen, gepflegten Grünflächen, einheitlicher Beschilderung und Beleuchtung, liebevoller Detailgestaltung und durchdachter Verkehrsführung gehört zu einem Kurort, wie eine serviceorientierte Touristinformation in gästenaher Lage und mit gästefreundlichen Öffnungszeiten. Wenn man an Gästen verdienen will, müssen diese bei jedem Wetter gute Angebote finden und wollen nicht mit Provisorien und Improvisationen, Imbissen, Uralt-Sanitäranlagen und Schotterwegen- und plätzen abgespeist werden. Sie wollen sehen, wofür sie Kurtaxe bezahlen. Bietet man den Gästen das, was sie von bekannten Kurorten kennen und in Bad Doberan erwarten, fühlen sie sich hier wohl und geben mehr Geld aus. Wenn sich die Gäste in einer tollen Stadt wohl fühlen – tun es die Einwohner dann nicht auch?

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