Neues nicht aus Heiligendamm: Jagdfeld bekommt Quartier 206, Morzynski saniert erfolgreich Arko, Hussel und Eilles

Zwei große Namen bestimmen das Schicksal eines ganzen Ortsteils: Der eine ist Jagdfeld, genauer Anno August Jagdfeld. Er hat 1997 den Zuschlag erhalten und als letzter verbleibender Interessent das 26-Immobilien-Paket und damit halb Heiligendamm gekauft. Von 2000 bis 2003 hat die Jagdfeld-Gruppe das zuletzt als Sanatorium genutzte legendäre Grand Hotel Heiligendamm saniert und bis 2012 auch selbst betrieben – zunächst gemanagt durch die Kempinski-Gruppe und ab 2009 in Eigenregie. Seit 2010, aber wegen langer Streitigkeiten eigentlich erst seit 2015, saniert Jagdfelds EntwicklungsCompagnie Heiligendamm die Villen der neuen „Residenzen Heiligendamm“.

Der zweite große Name kam 2013 ins Spiel, als das Grand Hotel Heiligendamm nach einem filmreifen Betrug einer Bande an den ihnen unterlegenen Bieter verkauft wurde: Paul Morzynski. Sein Unternehmen führt das Luxushotel seit August 2013, inzwischen mit dem dritten Hoteldirektor, Thies C. Bruhn.

Jagdfeld und Morzynski sind keine dicken Freunde und ihre Zusammenarbeit geschieht mehr auf einer professionellen Ebene. Anno August Jagdfeld verbindet man mit dem Adlon in Berlin, das er quasi gerettet hat und Paul Morzynski mit der Halloren-Fabrik, die er auch quasi gerettet hat. Beide sind ihrem Metier treu geblieben: Jagdfeld investiert weiter in Immobilien und Morzynski in Konfiserie. Und da sind die beiden Heiligendamm-Größen eigentlich viel bekannter. Darum gibt es hier auch immer mal Berichte darüber, was Jagdfeld und Morzynski außerhalb der Weißen Stadt am Meer so treiben:

 

Jagdfeld bekommt nun doch das Luxuskaufhaus „Quartier 206“

 

Das Quartier 206 kennt man auch aus Heiligendamm, denn dort hatte Anne Maria Jagdfeld in der Orangerie mit dem „Departmentstore 206“ eine Art Filiale des renommierten Luxuskaufhauses an der Berliner Friedrichstraße. Das Kaufhaus gehörte der Jagdfeld-Gruppe, wurde dann aber unter Zwangsverwaltung durch die Banken gestellt und soll seitdem eine Schuldensumme von 180 Millionen Euro angehäuft haben.

Letztes Jahr sollte dann die Zwangsversteigerung stattfinden. Die Phoenix Acquico GmbH & Co. KG bot 240 Millionen Euro und war damit Höchstbietende. Das Unternehmen gehörte aber zur Jagdfeld-Gruppe. Die Banken wollten scheinbar nicht an Jagdfeld verkaufen und setzten das Verfahren aus.

Bei einem neuen Zwangsversteigerungstermin in diesem Jahr machte dann wieder ein Jagdfeld-Unternehmen das Höchstgebot. Dieses Gebot wurde jedoch nicht zugelassen und der Zuschlag an ein Unternehmen der Luxemburger RFR-Gruppe erteilt. Die Jagdfeld-Gruppe reichte dagegen Beschwerde ein und bekam vom Landgericht Berlin Recht. In der letzten Instanz bekam das Jagdfeld-Unternehmen den Zuschlag.

„Nach zehn langen Jahren höchst unbefriedigender Zwangsverwaltung durch die Banken, in denen der bisherigen Eigentümerin die Hände gebunden waren, haben wir jetzt endlich die Möglichkeit, das Landmark-Gebäude ́Quartier 206 ́ zu altem Glanz zurückzuführen“, sagte Anno August Jagdfeld. „Das ist auch eine gute Nachricht für die zahlreichen Mietinteressenten, die in einer solch prominenten Lage nach den raren größeren zusammenhängenden Büroflächen suchen. Etwa 15.000 m2 sind aktuell sofort bezugsfertig.“

 

Morzynski bei der Sanierung von Arko, Eilles und Hussel erfolgreich.

 

Paul Morzynski war nicht nur Halloren-Großaktionär, sondern kaufte 2014 auch die Marken Arko, und 2016 Hussel und Eilles ein. Den Unternehmen mit Filialhandel ging es nicht gut und Morzynski wollte sie unter einem Dach bündeln. Deutsche Confiserie Gruppe heißt die Gesellschaft, in der die drei Marken vereint werden. Im TV wurde hauptsächlich Patrick G. Weber als sehr sympathischer und mit viel positivem Feedback belohnter „Undercover Boss“ bekannt. Er ging getarnt als Arbeitsloser bei Arko, Hussel und Eilles an die Basis.

Da war noch alles gut, aber dann kam Corona und während Morzynski für das Grand Hotel Heiligendamm im Lockdown Hilfen bekam, musste er die Süßwaren- und Kaffee-Filialen schließen und hoffen, dass der Lockdown bald vorbei und die Kundschaft wieder da ist. Doch gerade Arko und Hussel befinden sich stets dort, wo auch die Kundschaft einkauft, die Geld für hochpreisige Konfiserie und Markenkaffee übrig hat. Und dort sind die Mieten hoch und vernichtet jeder Tag mit geschlossenen Türen Unmengen Geld. Die Folge: Arko und Hussel mussten Insolvenz anmelden. Die Eilles-Filialen waren auch betroffen, Eilles als Marke aber nicht. Eilles gehört weiter zur Darboven-Gruppe und die Eilles-Handelsgesellschaft ist Lizenznehmer.

Morzynski war zuversichtlich, die Marken selbst sanieren zu können. Mitte Januar startete das Insolvenzverfahren in Eigenregie. Diese, nur für aussichtsreiche Fälle vorgesehene Art des Insolvenzrechts ermöglicht es dem bisherigen Management, Unternehmen unter Aufsicht eines Sachwalters selbst weiter zu führen.

Der Rechtsanwalt Rainer Eckert, der das Insolvenzverfahren begleitete, sagte: „Wir sind froh, dass wir das bundesweit erste Covid-Schutzschirmverfahren zu einem erfolgreichen Abschluss führen konnten und sind überzeugt, eine langfristige Lösung für alle Beteiligten geschaffen zu haben.“

Paul Morzynski sieht das Kaffee-und Konfiserie-Trio auf einem guten neuen Weg: „Ich bin der Überzeugung, dass kundenorientierter Einzelhandel eine erfolgreiche Zukunft vor sich hat. Die Deutsche Confiserie Gruppe geht gestärkt und mit einer klaren Vision aus der Sanierung hervor.“

Foto: M. Sander

 

2 Kommentare

  1. Hallo Martin (ich hoffe Du ist in Ordnung),
    ich wollte mich schon die ganze Zeit für Deinen Kommentar bei mir zu Heiligendamm bedanken. Es ist doch immer wieder etwas ganz anderes wenn jemand schreibt der direkt vor Ort ist und dann auch noch Führungen anbietet. Schade die haben wir irgendwie nicht mitbekommen. Sollte unser Weg nochmals in diese Richtung führen weiß ich jetzt Bescheid,
    schönen Tag und viele Grüße
    Kirsi

    1. Hallo Kirsi, aber klar ist das in Ordnung.
      Ja, die Führungen waren dieses Jahr ein wenig schwer zu finden, weil unser Treffpunkt-Schild abhanden gekommen war und es lange dauerte, bis ein neues kam. Meine Führungstermine in Heiligendamm gibt es immer ab April auf der Webseite ganz unten. Vielleicht sieht man sich mal – solange dann halt über Instagram.
      Ein schönes Wochenende und viele Grüße zurück!
      Martin

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