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Satire: Bad Doberan testet erfolgreich Wiedereröffnung des alten Warnow-Armes

Nur vage waren die Auskünfte zum Bauvorhaben rund um den Wiesengrund. Selbst Anwohner und Stadtvertreter waren nicht eingeweiht und stießen auf eine Mauer des Schweigens. Unter dem Codenamen „Kollbruchweg“ planten Stadt, Land und Zweckverband an einem Projekt, das BER, Stuttgart-21 und die Elbphilharmonie klein sein lässt. Kanäle und Bäche wurden ausgebaggert und Bäume gefällt. Am 11. Juni erfolgte der Startschuss für das Jahrtausendprojekt: Wasser aus dem ca. 15 ha großen Einzugsgebiet wurde nach Doberan geholt, um den neuen alten Warnow-Arm zu füllen. Einst sahen die Mönche ihr sicheres Verderben in den Wassermassen, heute sieht man die Chancen. Mit den Wasserkraftwerken im Althöfer Strom lässt sich der Energiebedarf der Stadt und des Umlandes decken und Geld verdienen. Schwaan ist begeistert, wieder am Warnow-Arm zu liegen und Parkentin will erneut Hansestadt und auch Werftstandort werden. Den größten Gewinn hat Bad Doberan: Nach dem ersten Anlauf eines Kreuzliners in der Stadt wird jetzt in einen Kreuzfahrthafen investiert. Der Inhaber einer Gaststätte mit schöner Aussicht installiert ein Leuchtfeuer und Gastronomen feilschen um den Bau einer Hafenstrandversorgung. Parallel zum Bau des Kreuzfahrtterminals erfolgen die Sanierung des Bahnhofes und der Ausbau der Verbindung Paris-Moskau durch Bad Doberan. Aus New Orleans wurde der Raddampfer „American Queen“ an seinen neuen Liegeplatz im Wiesengrund verschifft. Beim Probelauf reichte das kleinere der zwei neuen Rohre. Um den Wasserstand immer auf gleichem Niveau zu halten, wurde ein neuartiges System erfunden: Anwohner des Stromes stellen ihre Keller als Wasserspeicher zur Verfügung. Diese Leistung ist freiwillig. Ein konsultiertes Planungsbüro merkt an, dass es für alle anderen auch Warften planen kann und eine Baufirma im Boot hat. Apropos Boot: Der Raddampfer wäre beim Testlauf beinahe havariert, weil Kapitän Semtau und Steuermann Rex über die Richtung stritten. Letztlich sind sich beide einig, dass das neue Herz der Stadt einen Kurwald mit Stichweg bekommen soll. Damit das bezahlt werden kann, haben sich die Schüler zu Bescheidenheit und Subotniks zur Erhaltung ihrer Schulbauwerke verpflichtet. Nicht angetan waren Raftingfans, die gerade nach Feierabend die Wildwasserbahn um das Münster bauten. Die Rekonstruktion des Mönchshafens als Chance für die nächste Weltkulturerbe-Bewerbung hat aber auch sie überzeugt. Froh sind die Gegner der durch neue Wasserwege überflüssig gewordenen Umgehungsstraße. Sie hätte zwar Unmengen an Regenwasser in die Stadt gebracht, aber der Zieltourismus war dann doch wichtiger. Die Macher in den Amtsstuben sind zu Recht stolz. Dem Vernehmen nach soll Rostock aus Furcht den Landesherrn um Hilfe gebeten haben.

Hans Dampf, Sprecher der Bäderbahn:
„Wir begrüßen diese Investition und arbeiten an einem Kombiticket „Molli und Meer“. Außerdem würden wir gern die „American Dream“ betreiben, denn so könnten wir billiger Festbrennstoffe einkaufen.“

Hannelore Hansen,Pressesprecherin der Freien Hansestadt Parkentin:
„Ein umstrittener B-Plan wird geändert und somit die Ansiedlung einer namhaften Werft ermöglicht. Sie verhandelt bereis mit einem ortsansässigen Unternehmen über Zulieferungsaufträge.“

Heinz Hacke, Kleingärtner:
„Ich war zuerst skeptisch wegen des Wassers in meiner Parzelle, aber dann beherzigte ich den Rat aus dem Rathaus und baute Reis an. Der Erfolg ist enorm – inzwischen exportiert die ganze Kleingartenablage bis zum Umfallen Reis in Säcken nach China.“

Ingo Mantai, Garagenbesitzer:
„Boah, ey -immer mehr Freunde bauen ihre Garagen zu Bootssschuppen um – geil.“

 

Die Anwohner rund um den Wiesengrund

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