Von der Mädchenschule zum altersgerechten Wohnen

Am 5. September feiert der Kreisverband des DRK mit geladenen Gästen Richtfest für den Komplex mit Tagespflege und altersgerechten Wohnungen in der Lessingstraße. Er kaufte das Haus von der Stadt, nachdem 2014 die letzten Schüler in den neuen Schulcampus umzogen.

So wird nach dem Kornhaus und dem Prinzen-Palais das dritte einst als Schule genutzte Gebäude einer neuen Bestimmung zugeführt. Anders als diese ist die Lessingschule aber schon als Schule entstanden: In den 1890ern wuchs die Bismarckstraße (Goethestraße) und an ihr entstand die Marienstraße (Lessingstraße).

Am 10. April 1898 eröffnete dort die Marienschule als Mädchenschule.1923 zählte man 60 Mädchen und 1939 wurde das Haus in der nun nach Wilhelm Gustloff benannten Straße zum Reservelazarett. Nach dem Krieg existierte die Mädchenschule jedoch weiter.

Erst 1953 erfolgte die Auflösung und seit dann existierte hier die Lessing-Oberschule – nun in der Lessingstraße. Da auch der Vorgängerbau des heutigen Schulcampus am Kamp „Lessingschule“ hieß, entstanden für diesen die Bezeichnung „Kleine Lessingschule“ und für die in der Lessingstraße „Große Lessingschule“. Als die Kleine Lessingschule durch zwei Typenschulbauten ersetzt wurde, gab es wieder Namensumzüge.

Das Prinzen-Palais am Alexandrinenplatz hatte 1947 als Teil des Gymnasiums auch den Namen „Goethe-EOS“ bekommen, wurde aber 1959 in „Johannes.-R.-Becher-Oberschule“ umbenannt und zog 1974 samt Namen an den Kamp um. Am Prinzen-Palais prangte nun der Name „Lessing-Oberschule“ und der Volksmund machte das gelbe Palais mit Baujahr 1821 zur Neuen und den Backstein-Putzbau von 1898 zur Alten Lessingschule – so heißt der Komplex heute wieder.

Groß genug war die Lessingschule nie: In den 70ern wurde im Hof um- und angebaut und nach der Wende Container für den Unterricht aufgestapelt. Im Jahr 2002 feierten die Schüler das 105. Jubiläum der Schule mit eigener Chronik, in der steht, dass bis dahin 2.700 Schüler dort unterrichtet wurden.

Seit 1991 war die Lessingschule nur noch Grundschule und darum trägt heute der Grundschulteil des Schulcampus den Namen des großen deutschen Aufklärers weiter – als vorerst letzte Schule der Stadt.

 

Dieses ist der letzte Artikel, den ich für den Bad Doberaner „Stadtanzeiger am Samstag“ schrieb. Er konnte nicht mehr veröffentlicht werden, weil die Produktion des Blattes kurz nach dem Abgabetermin eingestellt wurde.

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