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Warum Bad Doberan wachsen muss.

Bad Doberan wächst und inzwischen kann man es nicht nur sprichwörtlich an jeder Ecke sehen. Die Lücken in der Heinrich-Heine-Straße und Feldstraße sind fast weg, am Lettowsberg schließt sich die letzte Baulücke, nebenan am Katerweg weicht eine Brache einem Mehrfamilienhaus und ganz prominent sind die Lückenschließungen am Markt und in der Rostocker Straße, Ecke Friedrich-Franz-Straße. Die Großbaustelle schlechthin ist aber der Kammerhof, auf dem Häuser wie Pilze aus dem Boden schießen und das Baugebiet aus allen Nähten platzen lassen. Ein neues Wohngebiet soll nun her, mindestens genauso groß und wieder mit dem Angebot, zu bauen, was der B-Plan her gibt, ohne Auflagen zu Form und Farbe. In den 1880ern gab es schon einmal so einen Bauboom, damals wurde Bad Doberan auch „Pensionopolis“ genannt, denn es waren überwiegend Rentiers und Privatiers, die in den beschaulichen Flecken kamen, um sich hier ihre prächtigen Altersruhesitze zu bauen. Mit dem Geld dieser gut situierten Leute wurde die Münsterstadt wieder wohlhabend und konnte fast an die Zeiten der großherzoglichen Residenzstadt anschließen. Heute kommen junge Familien und die bauen überwiegend mit Krediten finanzierte einfache Häuser, denn nur die wenigsten von ihnen haben schon ausgesorgt. Sie sind dann auch aus ganz anderen Gründen willkommen, als aus Geldgründen. Das heißt, eigentlich sind es doch Geldgründe: Jede neue Familie erhöht die Einwohnerzahl. Umso höher diese wiederum ist, umso mehr Geld gibt es aus der Gemeindefinanzierung im Rahmen des kommunalen Finanzausgleichs. Die Schlüsselzuweisung wird nämlich durch Ausgangsmesszahlen in Abhängigkeit der Einwohnerzahl ermittelt. Weil nur Hauptwohnsitze zählen, ist der Bau eines Wohngebietes für die Stadt lukrativer, als der Bau von Ferienwohnungen am Stadtrand. Die Schlüsselzuweisung ist zweckfrei, die Stadt kann also mit dem Geld machen, was sie will. Jeder Grundstückskäufer zahlt auch Grundsteuer und auch Mülltonne und Hund bringen der Stadt Geld, ebenso die Kindergarten-Plätze. Wo die Neu-Doberaner letztlich einkaufen – in ihrer Stadt oder am Rostocker Stadtrand – bleibt abzuwarten. Oder besser: Vorzusorgen. Bei aller Konzentration auf neue Einwohner vergisst die Stadt das Augenmerk für neue Investoren. Anfang des Jahres war ein Wirtschaftsförderer im Gespräch: Eine Person, die Mieter für frei werdende Gewerbeflächen und Bauherren für Gewerbegrundstücke oder Investoren für Ruinen findet und genau das in die Stadt holt, was gebraucht wird. Dass es geht, zeigt der Kammerhof, dessen Wachstum auch maßgeblich der WIG und ihrem Geschäftsführer Arno Gutzmer zu verdanken ist. Sein Auftrag ist, Familien in die Stadt zu holen. Wer holt aber Gewerbetreibende und Investoren?

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