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„Was ihr wollt“?

„Was wollt ihr?“ sollen die Bürger zum „Turmbau von Börgerende“ gefragt werden. Eigentlich haben sie die Gemeindevertreter gewählt, um sie mit der Führung der Gemeindeangelegenheiten zu betrauen. Der Bürgermeister räumt ein, dass diese das nicht können, indem er die Arbeit, für die auch er bezahlt wird, an die Bürger delegieren will. Das wird in hübsche Worte, wie „Bürgerbeteiligung“ und „Bürgerentscheid“ verpackt.

Worum geht es? Ein Investor will einen Turm bauen, in dem nach seiner Aussage zukunftsweisende ganzjährige Arbeitsplätze entstehen sollen und ein in der Gemeinde dringend benötigtes Hotel. Das Problem: Der 18-Stöcker hat keinen dörflichen Charakter und es ist fraglich, ob er baurechtlich zulässig ist.

Allerdings war das der Gemeindevertretung bisher auch egal, so ähnelt die Bebauung auf dem Waterkant-Areal eher einer Großstadtsiedlung. Baurechtlich hätte die Gemeinde die Fewo nicht zulassen dürfen, sie widersprechen ebenso dem B-Plan, wie die jetzt entstehenden Ferienapartments. Damit ist die Entwicklung zum attraktiven Badeort ausgeschlossen.

Es ist überfällig, dass der Bürgermeister die Einwohner darüber aufklärt, dass die versprochene öffentliche Nutzung des Wellness-Bereiches nicht gesichert ist und die Eigentümergesellschaft sie jederzeit unterbinden kann. Weil die Gemeinde die bisherige für den Ort wirtschaftlich fatale überdimensionale Bebauung nicht verhindert oder beseitigt hat, steht sie vor einem Dilemma:

Mit welchem Argument soll sie den Turm ablehnen? Vor der Wahl sind heutige Gemeindevertreter gegen große Bauten angetreten. Lehnen sie den Turm ab, bevorzugen sie einseitig genau die Projektentwickler, gegen die sie kämpfen wollten.

So geben sie die heiße Kartoffel an den Bürger weiter, der gegen den Turm protestieren und ihnen einen Vorwand zur Ablehnung geben soll – Bürgerinitiativen sind da sehr willkommen. Dabei müsste den Bürgern klar sein: Wer gegen den Turm protestiert, ist nur glaubwürdig, wenn er es genauso gegen jede andere überdimensionale Bebauung tut, sonst lässt er sich instrumentalisieren.

Hoffentlich sind die Bürger klug und spielen die zugeteilte Rolle in der Tragikkomödie der Irrungen und Wirrungen nicht mit.

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