Wie ist die Geschichte des Grand Hotel Heiligendamm?

Die Geschichte des Grand Hotel Heiligendamm ist fast identisch mit der Geschichte des ersten deutschen Seebades. Am 21. Juli 1793 badete Herzog Friedrich Franz I. auf Anraten seines Leibarztes Prof. Dr. Samuel Gottlieb Vogel in der Ostsee bei Doberan und beschloss die Gründung des ersten deutschen Seebades. Zunächst entstand 1796 ein Badehaus, 1814 ein Gesellschaftshaus und im Laufe der Dekaden wurden immer weitere Gebäude errichtet. Übernachten konnte man im Badehaus schon 1796, so richtig Hotel-Gefühl kam erst 1814 mit der Eröffnung des Salons auf – heute das Kurhaus und Herz des Grand Hotels.

Heiligendamm um 1820 mit dem klassizistischen Tempel neben dem barocken Badehaus

Heiligendamm war einerseits die Sommerresidenz der Herzöge von Mecklenburg, aber nicht nur der Schweriner Hof nahm hier seine Sommerfrische, sondern der europäische Hochadel aus vielen Ländern kam ins noble Heiligendamm. Schon zu Zeiten Herzog Friedrich Franz I. konzentrierte man sich auf die Unterbringung von Gästen am Heiligen Damm und sein Neffe und Nachfolger Paul Friedrich perfektionierte dies, indem er das Badehaus aufstocken ließ und den Bau einer Burg in Auftrag gab. Nicht für sich und seine Gemahlin Alexandrine von Preußen, sondern als Logierhaus mit variablen Zimmern, die auch große Familien beherbergen konnten. 

Burg „Hohenzollern“, benannt nach dem preußischen Herrschergeschlecht.
Burg „Hohenzollern“, benannt nach dem preußischen Herrschergeschlecht.

Sein Sohn und Nachfolger Friedrich Franz II. trieb das weiter voran – wohl gemerkt aus wirtschaftlichen Gründen, aber wie man am Gedenkstein für die Seebad-Gründung sieht, auch im Bewusstsein der Großartigkeit des Erbes. Es entstanden zwischen 1853 und 1873 die Villen der “Perlenkette” entlang der Promenade und sie alle waren Logierhäuser – kleinteilig und einen Trend setzend. Durch geopolitische Veränderungen und schließlich eine Sturmflut musste Friedrich Franz II. sein Seebad 1872 verkaufen. Er behielt nur die Cottages neben der Burg “Hohenzollern”.

Der neue Eigentümer Baron Otto von Kahlden, der das Seebad mit einer Aktiengesellschaft betrieb, hatte Konzepte in der Schublade, die zeigten, wie Heiligendamm aussehen muss, damit es sich rentiert. Er setzte auch einiges davon um – besonders hervorzuheben ist hier der Bau des “Neuen Flügels” direkt gegenüber des bestehenden Hauses “Mecklenburg” im Jahre 1873. Dieses Haus markiert die eigentliche Geburt des Grand Hotels. Und es trug eigentlich den Namen “Grand Hôtel” – Großes Hotel. Das Haus wurde Namensgeber für das ganze Ensemble.

Heiligendamm erlebte seine Blütezeit, wurde zur angesagten Lokation und zum mondänsten, das die Ostseeküste zu bieten hatte. Punkto Masse hatten Warnemünde & Co. das erste deutsche Seebad längst um das Zehnfache an Gästen überholt, aber Heiligendamm stand für Klasse statt Masse, für nobel, statt normal und für luxuriös statt nur komfortabel.

Im Jahre 1911 verkaufte Otto von Kahldens Sohn Rudolf das Seebad an Walter John, der es mit Hypotheken belastete, pleite ging und das Seebad mit in den Abgrund zog. Die Gläubiger kauften das Bad, um die Hypotheken zu retten, betrieben es in einer Gesellschaft weiter, scheiterten aber an Inflation und Krieg. Der reiche Bankier Oskar Adolf von Rosenberg aus Österreich rettete das Bad, indem er die Aktien kaufte und kräftig investierte. Tennis, Golf, Pferderennen – Heiligendamm erlebte mit First-Class-Angeboten seine goldenen Zwanziger.

Da Rosenberg aber Jude war, gerieten seine deutschen Partner in Bedrängnis, konnten aber widerstehen. Adolf Hitler und Benito Mussolini gingen ein und aus, Göring und Goebbels flanierten durch Heiligendamm und sogar eine NAPOLA sollte entstehen. Dazu kam es nicht und stattdessen beschlagnahmte das Deutsche Reich Rosenbergs Besitz und erklärte es als Reservelazarett. Rosenberg kam unter heute noch hinterfragten Umständen ums Leben, sein Besitz wurde an die Reichsmarine verkauft und das ehemalige Grand Hotel zur Reichskadettenschule.

Die Ära des Grand Hotel Heiligendamm endete also 1938 und dabei sollte es für Jahrzehnte bleiben. Die Sowjetische Militäradministration befahl die Demontage und Sprengung des vermeintlichen Militärobjekts und als Christian Ludwig von Mecklenburg Restitutionsanspruch erhob, startete man eine Kampagne gegen den Herren des Herzogshauses. Er landete in der Ljubljanka und das Bad in den Händen der “Werktätigen”, die hier von nun an kostenlos Vorbeugungs- und später Heilkuren machen konnten. Der Ort ringsum wuchs ganz für dieses “Sanatorium für Werktätige”.

Die Ostseeklinik ging 1997 in der neuen MEDIAN-Klinik auf
Die Ostseeklinik ging 1997 in der neuen MEDIAN-Klinik auf

Mit dem Ende der DDR war auch das Ende der Kurklinik abzusehen. Als Ostseeklinik Heiligendamm GmbH lebte das Sanatorium in kleinerem Rahmen weiter, aber das Land Mecklenburg-Vorpommern wollte sich von diesem defizitären und stark sanierungsbedürftigen Objekt trennen. Die Oberfinanzdirektion Rostock beauftragte die Treuhand Liegenschaften Gesellschaft mit dem Verkauf. Der verlief nicht wie erwartet und die Ausschreibung musste geändert werden.

 

So fand Anno August Jagdfeld Heiligendamm vor.
So fand Anno August Jagdfeld Heiligendamm vor.

Für das nun gebündelte 26-Häuser-Paket fanden sich nur wenige Interessenten und nur einer blieb im Rennen, zog sich dann aber zurück. Übrig blieb die FUNDUS-Gruppe aus Düren von Anno August Jagdfeld, der genau dort wieder ansetzen wollte, wo man 1938 aufgehört hatte und zugleich Visionen ähnlich der von 1873 hatte. 

Jagdfeld bekam den Zuschlag, 1900 Anleger zahlten in seinen FUNDUS Fonds Nr. 34 Grand Hotel Heiligendamm ein und im Juni 2003 eröffnete das Grand Hotel Heiligendamm im neuen alten Glanz seine Pforten. Bis 2009 wurde es von der Kempinski-Gruppe gemanagt, danach in Eigenregie geführt.

Bürgermeister Thorsten Semrau (li) gratuliert dem neuen Eigentümer Paul Morzynski (re).

Anfang 2012 musste der Fonds Insolvenz anmelden und am nach einem Jahr Insolvenzverfahren übernahm am 3. August 2013 der Hannoveraner Paul Morzynski das Grand Hotel und betreibt es seitdem in Eigenregie und seit Frühjahr 2019 mit einem Kempinski-Urgestein als Hoteldirektor weiter. Außer konzeptioneller Änderungen gibt es auch große Investitionen, wie in die Boarding Houses und die Erweiterung des SPA-Bereiches.

Die Villen der Perlenkette gehören weiterhin zur Jagdfeld-Gruppe und werden als Residenzen Heiligendamm als Eigentumswohnungen vermarktet und die drei Cottages im Hotelpark befinden sich im Privatbesitz unterschiedlicher Eigentümer.

 

Weitere Informationen gibt es in den FAQ zu Heiligendamm.
Die ausführliche Geschichte, Gegenwart und Zukunft gibt es unter “Vision Heiligendamm“, als Vortrag mit Prof. Dr. Joachim Skerl im Grand Hotel Heiligendamm oder live vor Ort bei den Gästeführungen durch Heiligendamm.

 

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