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Wildwuchs in Bad Doberan: Unkraut oder Umweltschutz?

Manchmal gibt es auch in Bad Doberan eine kleine „Stadtbild-Diskussion“. Nicht jene, die der Bundeskanzler Friedrich Merz ausgelöst hat. Oder besser: Auch, aber höchstens am Stammtisch oder über’m Gartenzaun. Nein, in der Münsterstadt geht es immer mal wieder um das „richtige“ Stadtbild mit Pflanzen, Mobiliar und sonstigen Gegenständen, die das Stadtbild prägen – oder verunstalten.

Abgesehen von manch verfallenen Häusern oder brachliegenden Grundstücken, Schmierereien und Vandalismusschäden führen Pflanzen diese Diskussion an. Für die einen darf die Stadt gern etwas grüner sein – für den anderen ist sie schon wieder zu grün. Oder es ist das „falsche“ Grün – nämlich Unkraut.

Gerade gibt es wieder so eine kleine Diskussion und hier hat sich sogar der Bürgermeister Jochen Arenz eingeschaltet. Eine Facebook-Nutzerin schrieb in einer Doberaner Gruppe:

Der Doberaner Kamp…er ist etwas ganz Besonderes und wunderschön. Eine gar nicht so kleine grüne Oase mitten in der Stadt, geschmückt mit bunten Lampions.

Im Moment sieht er aber irgendwie ein bisschen traurig aus. Das Unkraut wächst und wächst…Ja ich weiß, es ist Urlaubszeit und sicher ist so mancher der „Zuständigen“ im wohlverdienten Urlaub. Aber ein Hingucker sieht trotzdem ein bisschen anders aus.

Was sie damit meint, dokumentiert sie mit Fotos. Der Beitrag hatte schnell über 60 zustimmende Likes, wenn auch fast so viele Kommentare. Bemerkenswert ist ein Kommentar, denn Bad Doberans Bürgermeister Jochen Arenz meldete sich selbst zu Wort und erklärte, warum es so aussieht, wie es aussieht:

Hallo in die Runde, eigentlich wollte ich zu dazu nichts schreiben, aber ich möchte nun doch etwas sagen. Solange ich Bürgermeister bin wird in Bad Doberan nicht alles tot gemäht und jeder Grashalm kurz gehalten. Für den einen ist es ungepflegt, für andere wie mich ist auch das ein Stück Natur. Da prallen natürlich unterschiedliche Meinungen aufeinander und das ist auch wichtig und in Ordnung, damit wir uns austauschen und auch unterschiedliche Sichtweisen hier diskutieren können. Der Begriff „Unkraut“ ist auch seltsam, dass ist doch eigentlich Natur, die nicht dort sein soll, wo wir Menschen sie nicht wollen, gemäß unserem persönlichen ästhetischen Empfinden. Und dieses Empfinden ist bei jedem Menschen anders. Liebe Grüße an alle, Jochen

Quellen für beide Beiträge: Facebook-Gruppe „Unser Bad Doberan. Infos, Jobs, Interessantes, Wissenswertes und mehr. :-)“: https://www.facebook.com/groups/328356204248826/permalink/2592011031216654/

Damit ist eigentlich alles gesagt und das Feedback in den Kommentaren ist überwiegend positiv, auch wenn es einigen nicht gefällt. Die Frage ist, wie Touristen dies wahrnehmen und da steht zu befürchten, dass sie nicht den Nutzen für die Umwelt vor Augen haben.

Darum kam mir die Idee, den Nutzen der Pflanzen sichtbar zu machen. Das kann mit einer Infotafel geschehen. Eine Expertin für die Infos gibt es in Bad Doberan: Mandy Kebbedies war auch schon in der OSTSEE-ZEITUNG zu sehen (Link zum Beitrag). Sie hat spontan einen Facebook-Beitrag verfasst und die 10 wichtigsten Pflanzen für Insekten auf dem Kamp erklärt:

 

Dieser Beitrag soll helfen, zu verstehen, warum Bad Doberans Stadtgrün seit ein paar Jahren so präsent ist. Natürlich muss man auch abwägen zwischen Umweltschutz und Sicherheit. So gab es durchaus Kritik an Hecken, die zu weit auf Wege wachsen, was gerade bei Brombeeren unschön enden kann. Oder an verwachsenen Bachläufen, die zwar wirklich gut als Biotop geeignet sind, aber bei Starkregen zu Problemen mit den Wassermassen führen. Auch in Fugen möchte man eher keine Pflanzen sehen. Das sind ein paar Aspekte, um die man inzwischen im Rathaus weiß und darauf reagiert.

Hier geht es um Pflanzen, die als Nahrungsquelle für Insekten dienen. Diese wiederum bestäuben andere Pflanzen oder reduzieren Schädlinge. Nebenbei verhindern sie ein Vertrocknen des Rasens und einige sehen auch noch schön aus und duften. Nicht weniger wichtig sind Bäume. Wer bei praller Sonne vom Alexandrinenplatz kommt und zum Kamp geht, der kann die Abkühlung regelrecht fühlen – oder umgekehrt die unangenehme Hitze des großen gepflasterten Platzes mit vielen hellen Fassaden und wenig kühlendem Grün. Aber wir fangen mal bei den kleineren Pflanzen an.

Die Bad Doberanerin Mandy Kebbedies züchtet Falter und zeigt dies auf Facebook. Der NDR hatte auch schon über ihr wertvolles Hobby berichtet und darum kam mir in der Diskussion um den Zustand des Kamps die Idee, dass sie die nützlichen Pflanzen sichtbar macht und ihren Nutzen dokumentiert. Das könnte auf kleinen Tafeln geschehen, sodass jeder sehen kann, warum man diese Pflanzen stehen lassen sollte. Prompt hat Mandy Kebbedies auf Facebook Infos zu genau den Pflanzen auf dem Kamp gepostet.

Hier gibt es eine Übersicht:

Wilde Möhre

Super Insektenpflanze, alte Heilpflanze die früher bei Verdauungsproblemen und Menstruationsbeschwerden verwendet wurde

Nahrungsquelle für 6 spezialisierte Wildbienen (Polien) und 46 Wildbienen insgesamt

Nahrungsquelle für 3 Schmetterlinge, davon 2 Raupen spezialisiert

Große Sterndolde

Wichtige Insektenpflanze, Kraut verwendet man bei Erkältungen, Magengeschwüren und Wundheilung

Nahrungsquelle für 6 spezialisierte Wildbienen (Pollen) und 27 Wildbienen insgesamt

Nahrungsquelle für 1 Schmetterling (Landkärtchen), davon 1 Raupen spezialisiert

Kandelaber-Ehrenpreis (nicht heimisch-Neophyt)

Der Kandelaber-Ehrenpreis ist nicht heimisch, aber dennoch Nahrungsquelle/ Lebensraum für Bienen und Schmetterlingsraupen

(Gemeine) Wegwarte

Super Insektenpflanze

Nahrungsquelle für 18 spezialisierte Wildbienen (Pollen) und 87 Wildbienen insgesamt

Nahrungsquelle für 7 Raupen, 17 Schwebfliegen und 2 Käferarten

Gemeine Schafgarbe (gewöhnliche Wiesenschafgarbe)

Super Insektenpflanze

Nahrungsquelle für 13 spezialisierte Wildbienen (Pollen) und 82 Wildbienen insgesamt

Nahrungsquelle für 12 Schmetterlinge, davon 5 Raupen spezialisiert

Echtes Johanniskraut

Wichtige Insektenpflanze

Nahrungsquelle für 9 Wildbienen insgesamt

Nahrungsquelle für 2 Schmetterling, davon 8 Raupen spezialisiert

Gewöhnlicher Beifuß

Super Insektenpflanze

Nahrungsquelle für 12 spezialisierte Wildbienen (Pollen) und 72 Wildbienen insgesamt

Nahrungsquelle für 1 Schmetterling (Distelfalter), davon 10 Raupen spezialisiert

Drüsenblättrige Kugeldistel (invasiver Neophyt)

Drüsenblättrige Kugeldistel steht auf der Beobachtungsliste potenziell invasiver Arten, Bisher sind keine gravierenden ökologischen Schäden belegt, diese Pflanze kann sich jedoch in bestimmten Regionen ausbreiten und dabei die heimische Vegetation beeinflussen. Ob und wie stark das geschieht, wird derzeit wissenschaftlich beobachtet.

Kohl-Gänsedistel

Super Insektenpflanze, ist essbar als Pesto oder Salatbeilage

Nahrungsquelle für 5 spezialisierte Wildbienen (Pollen) und 69 Wildbienen insgesamt

Nahrungsquelle für 1 Schmetterlinge, davon 9 Raupen spezialisiert

Weiße Wald-Aster (nicht heimisch-Neophyt)

Die weiße Waldaster ist nicht heimisch, aber dennoch Nahrungsquelle/ Lebensraum für 53 Wildbienen

 

Hier geht es zum Beitrag auf Facebook:

https://www.facebook.com/groups/328356204248826/permalink/2592752541142503/

 

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