Rohbau Strandzentrum Pearl8 in Heiligendamm

Baustart für Baumwipfelpfad und Heilwald im Herbst +++ Sanierung der Ruinen im Kloster +++ Haushalt beschlossen +++ Straßensanierungen geplant +++

Nachrichten aus Bad Doberan-Heiligendamm von Dezember 2019 und Januar 2020

 

Altes Moorbad: Eigentümer hat Investor gefunden

Wie immer zum Ende des Jahres schaffte es das Moorbad wieder in die Schlagzeilen. Das hängt damit zusammen, dass die OSTSEE-ZEITUNG am Jahresende die Top-Themen aufarbeitet und wenn es still geworden ist, einfach mal nachfragt. Viel Neues war vom Eigentümer David Corleis nicht zu erfahren und das ist nicht schlecht, sondern gut. Schließlich waren die letzten Moorbad-Schlagzeilen nicht gerade von Geradlinigkeit geprägt. Nun soll es so weiter gehen, wie Corleis es zuletzt schon wollte: Hotel mit Schwimmhalle. Bisher galt Corleis auch als Investor, aber nachdem die Stadt ihm die Unterstützung für eine Spielhalle verweigerte, suchte er sich einen Investor. Die bekannte Investorengesellschaft, deren Namen er nicht verraten will, wolle mit ihm zusammen das Grundstück entwickeln. Zusammen mit dem Rathaus geht es um Details im B-Plan, wie die Ausmaße der Bebauung. Nur wenn der Investor sich im Bebauungsplan wiederfinde, ginge es weiter. Wenn nicht, ginge die Suche nach einem Investor von vorn los, mahnt Corleis. Der Bürgermeister wiederum mahnt Eigentümer und Investor, jetzt zu liefern.

 

Chemiefabrik: Boden wird untersucht

Der Abriss der Industriebrache der ehemaligen Chemischen Werke in Walkenhagen konnte 2019 vollendet werden. Nun rollen dort wieder Lkws und Bagger, allerdings nicht zum Bauen, sondern zum Untersuchen. Es werden Bodenproben entnommen und diese ausgewertet. Dann entscheidet sich, ob und wie der Boden entsorgt und ersetzt werden muss. Vorher darf dort nichts gebaut werden. Vorgesehen ist der Verkauf des Areals als Ganzes. An einen Käufer.

 

Heilwald: Baubeginn erst im Herbst

Der Heilwald ist zwar schon eine lange Geschichte, aber lange noch nicht Geschichte. Schon 2018 sollte er fertig sein, nachdem es 2017 Fördermittel gab. Aber erst 2019 ging es überhaupt richtig los. Die Gutachter und Planer waren längst da, die Baumfällarbeiten und Bereinigungen sind abgeschlossen und eigentlich müsste es nun los gehen mit neuen Wegen, Brücken, Bänken, Trimmdich-Geräten, Kneipp-Pfad und Biotoilette. Im Frühjahr 2020 sollte der Heilwald mit zwei Jahren Verspätung übergeben werden. Grund ist das liebe Geld. Im Haushalt wurde schon am Anfang eine Summe in Höhe der ersten Kostenberechnung eingestellt. Diese wurde in jedem Haushalt übernommen, aber jetzt, wo es los gehen soll, reicht dieses Geld nicht mehr. Die Baukosten sind allgemein gestiegen und das wurde nicht berücksichtigt. Das Projekt „Gesundheitspotenzial Kur- und Heilwald“ gehört zum Bäderverband und umfasst fünf Pilotgemeinden im Land. In Schwerin ist man nach Auskunft des Bauamtsleiter Norbert Sass bereit, über die Höhe der Förderung zu reden. Dann könne der Baubeginn noch im Herbst 2020 beginnen.

 

Baumwipfelpfad: Dieses Jahr geht es los

Fast so lange, wie zum Heilwald, reicht auch die Berichterstattung zum Baumwipfelpfad zurück. Der soll an der Rennbahn entstehen und nicht das Rathaus hat sich darum bemüht, sondern Bad Doberan wurde dazu auserkoren. Bevor aber zwischen Bad Doberan und Heiligendamm irgendetwas Festes gebaut werden darf, muss ein Bebauungsplan aufgestellt werden und genau daran arbeitet man nun im Rathaus. Da es bei solch einem Plan nicht nur um den Baumwipfelpfad geht, sondern auch alle eventuellen zukünftigen Planungen berücksichtigt werden müssen, dauert das ein paar Wochen. Die Stellungnahmen werden aber in Kürze abgegeben werden können.

Ein Schwachpunkt war bisher die Überwindung der Landstraße und der Molli-Trasse. Forst und Mecklenburgische Bäderbahn Molli GmbH werden dazu beteiligt. Es muss nicht nur Waldrecht, sondern auch Straßenrecht und Bahnrecht berücksichtigt werden. Nach der Auslegung werden die Stellungnahmen eingearbeitet, dann folgt der Satzungs- und Abwägungsbeschluss, der auch noch einmal öffentlich gemacht wird. Zuletzt wird der Satzungsbeschluss aufgestellt. Bei beidem müssen die Stadtvertreter abstimmen. Dann erst ist ein Bauantrag möglich. Die Erlebnis Akademie AG als Investor hofft noch 2020 mit einer Baugenehmigung.

Im B-Plan werden auch gleich Flächen für feste Sanitäranlagen und die Infrastruktur der Rennbahn berücksichtigt und angesichts der Erweiterung des Stadtgebiets in Richtung Rennbahn ein Schallschutzgutachten erstellt. Die Rennbahn wurde inzwischen an den Rennverein verpachtet und mit AntenneMV ein Unterpachtvertrag abgeschlossen. Der Radiosender möchte hier Veranstaltungen etablieren.

 

Heiligendamm: Flotter Fortschritt bei Alt und Neu

Neues aus Heiligendamm gab es seit Dezember nicht. Villa „Möwe“ ist bezogen, in Villa „Seestern“ läuft der Ausbau, bei Villa „Schwan“ die Ertüchtigung und die Kolonnaden sind entkernt. Das Grand Hotel lässt sein neues Außenbecken volllaufen und gestaltet den Außenbereich, die Grundplatte der Boarding Houses des Grand Hotels ist fertig für den Bau der Tiefgaragen und Pearl 8 ist über seine Tiefgarage hinaus gewachsen. Die Zufahrt zum Parkplatz an der Seedeichstraße wurde erneuert und die neuen Strandzugänge erfreuen die Strandbesucher. Man kann sagen: Es läuft in Heiligendamm.

 

Kloster: Sanierung der Ruinen beginnt

Die Sicherungsarbeiten an der Wollscheune sind seit einigen Monaten im Gange. Jeder Backstein wird begutachtet. Lose Steine werden wieder eingesetzt und wenn sie beschädigt sind, wird eine Reparatur bevorzugt. Nur wenn der originale Stein nicht erhalten werden kann, soll ein neuer Ziegel zum Einsatz kommen. Schließlich sollen die Mauerkronen wasserdicht verschlossen werden, sodass kein Wasser mehr in das Mauerwerk eindringen kann. So wird die Ruine für einige Jahrzehnte kostengünstig erhalten werden können, bevor wieder größere Arbeiten nötig werden. Geld für die Sicherung kam aus Fördermitteln des Bundes. Insgesamt kostet die Sicherung 175.000 Euro. Eine kleine Sensation birgt die Nordwand. Hier wurde ein Schalenmauerwerk errichtet und der Raum zwischen den beiden Mauern mit verschiedenen Werkstoffen ausgefüllt. Das war selbst für den Restaurator Ludwig Abs ein Novum.

 

Bei der Backhausmühle wird es nicht so billig. Von der 12-Millionen-Luxusvariante ist die Stadt abgerückt. Da aber fast die Hälfte dieser Summe an Förderung zur Verfügung steht, soll die Ruine der einstigen Vitakost ihr Dach bekommen. Auch die Fenster und Türen werden geschlossen, sodass das Gebäude nutzbar wird. In der Fachsprache nennt sich das „Erweiterter Rohbau“ und ist eine Grundlage für einen weiteren Ausbau. Der Verein der Freunde und Förderer des Klosters Doberan plant die Nutzung von Räumen, die dann ausgebaut werden könnten und auch eine Gaststätte und Brauerei stehen weiterhin auf dem Wunschzettel der Stadt. Diese können dann die Räume nach ihren Bedürfnissen bauen.

Zunächst aber wird die Ruine genau unter die Lupe genommen, gesichert und die Statik ertüchtigt. Schließlich ruhte auf den Mauern seit 41 Jahren kein Dach mehr und das Kloster ist auf weichem Untergrund gebaut. Dann soll das Mauerwerk repariert, der Sockel versiegelt und das vorhandene Dach abgetragen werden. Das Haus bekommt ein komplettes Dach und das Dach des Mühlenhauses wird saniert. Fenster und Türen werden saniert und neu eingebaut. Die Entwurfsplanung hat das Architekturbüro Angelis & Partner übernommen. Die Fachgutachten sind für die Genehmigung der Staatlichen Bau- und Liegenschaftsverwaltung und für die Baugenehmigung notwendig. Wenn zum Jahresende 2020 die Baugenehmigung erteilt wird, können Mitte 2023 die Sicherungsarbeiten abgeschlossen und das neue Dach gefeiert werden. Der Einbau der Nutzungen erfolgt dann im nächsten Bauabschnitt.

Damit die Kosten transparent bleiben, haben die Stadtvertreter einen Sanierungsplan beschlossen. Bis jetzt sind 7,5 Millionen Euro veranschlagt worden. Mehr als diese Summe wollen einige Stadtvertreter dann auch nicht ausgeben. Einen Baustopp dürfe es aber nicht geben, mahnte Reinhard Firzlaff (LINKE). Man müsse immer wieder Fördermöglichkeiten prüfen.

Keine Ruine, aber auch in der Sanierung befindlich ist der Hengstenstall. Die alten Einbauten sind verschwunden, Fachwerk und Backstein wiederhergestellt und genauso behutsam soll es auch weiter gehen. Im Inneren wird auch renoviert, damit die Räumlichkeiten weiterhin für Veranstaltungen genutzt werden können.

 

Prinzen-Palais: Gerüchteküche geschlossen

Es ging das Gerücht um, das Hotel Prinzenpalais solle verkauft worden sein oder werden. Das erst 2017 durch Paul Morzynski gekauft und seitdem von einer eigenen Betreibergesellschafft unter dem Dach der Grand Resort Heiligendamm Verwaltungsgesellschaft betrieben. Da der Hoteldirektor im Grand Hotel zugleich auch Geschäftsführer im Prinzen-Palais ist, wechselte 2019 in beiden Häusern der Chef. Mit ihm kamen auch einige Veränderungen und die waren nach außen sichtbar und sorgten für eben jenes Gerücht. 

 

Finanzen: Doppelhaushalt beschlossen

Die Haushaltsplanung ist immer wieder ein diskutiertes Thema im Rathaus. Da gibt es allerhand Wünsche und mindestens genauso viele Bedenken. Der neue Haushaltsplan unterscheidet sich sehr von den bisherigen. Der seit 2019 neue Bürgermeister Jochen Arenz setzt statt auf große Prestige-Projekte auf viele kleine Maßnahmen zur Verbesserung des Lebens in der Stadt. Spielplätze, Hundewiesen und ein Bolzplatz stehen auf der Vorhabenliste, die Buchenberg-Schule braucht mehr Platz und der Bauhof mehr Personal.

Die Schulen blieben auch in der entscheidenden Stadtvertreterversammlung am 16. Dezember noch ein Diskussionsthema. Stadtvertreter Harry Klink (KUSS) fand die Aufteilung ungerecht – beide Schulen bekommen gleich viel Geld, haben aber unterschiedlich viele Schüler. Bürgermeister Jochen Arenz erklärte, dass die Schulen diese Bedarfe gemeldet hätten. Eine Änderung zur Pro-Kopf-Verteilung hätte bedeutet, den Haushalt noch einmal anfassen zu müssen, so entschied man sich gegen den Antrag Klinks.

Ein weiterer Antrag kam von Hartmut Polzin (SPD), der vorschlug, die Haushaltsmittel für den Neubau von Spielplätzen zumindest solange zu sperren, bis man sich auf genaue Standorte geeinigt hat. Der Bürgermeister hatte dafür kein Verständnis – die Gelder fließen ohnehin erst nach der Standortfindung und die machen die Stadtvertreter zusammen mit dem Kinder- und Jugendbeirat. Das sahen die meisten Stadtvertreter ähnlich und lehnten den Antrag des Ex-Bürgermeisters ab.

 

Spiel und Sport im Haushaltsplan

Bisher wurde viel in Großprojekte investiert. Der seit 2019 neue Bürgermeister Jochen Arenz sieht die höchste Priorität in der Infrastruktur. Dazu gehören auch Angebote für Kinder und Jugendliche. Über 400.000 Euro sind für Spielplätze im Haushalt eingestellt. Die bestehenden Spielplätze sollen erhalten und renoviert werden und neue entstehen. So soll auf dem Drümpel zwischen Bahnhof und Alexandrinenplatz ein neuer Spielplatz entstehen. Neben dem geplanten REWE-Markt soll ein Bolzplatz gebaut werden.

 

Stadt prüft KITA-Neubau

Das Grundstück für den KITA-Neubau im Ostseewohnpark wurde von Anfang an ausgelassen. Für die Stadt war von vornherein klar, dass ein neues Wohngebiet mit etwa 1000 neuen Einwohnern auch eine neue KITA braucht. Zwischen 60 und 80 Plätze werden laut Rathaus in absehbarer Zeit zusätzlich benötigt. Der Landkreis sieht das anders. Da Bad Doberan zusammen mit dem Amt Doberan-Land und der Stadt Kühlungsborn in einer Planungsregion erfasst wird, gibt es rechnerisch genug KITA-Plätze. Vor Ort bedeutet das, dass Eltern oft ihre Kinder in eine andere Gemeinde in den Kindergarten bringen müssen, obwohl im eigenen Dorf eine KITA existiert, in die aber auch wieder Kinder aus anderen Gemeinden gehen. Hinzu kommt, dass Kinder, deren Eltern in Rostock wohnen aber in Bad Doberan arbeiten und darum ihr Kind hier in die KITA bringen, nicht erfasst werden. Trotzdem nehmen sie natürlich einen Platz ein – und den Einheimischen damit weg.

Rechnerisch gab es bis 2019 einen Bedarf in Bad Doberan, der mit der Eröffnung der KITA am Kellerswald gedeckt wurde. Im März 2020 soll die KITA-Bedarfsplanung wieder überarbeitet und dabei Rücksprache mit den Gemeinden gehalten werden.

 

Touristinfo sucht neuen Standort

Der Weiße Pavillon schloss Ende 2019 seine Pforten. Da das schon vorher bekannt war, sah man im Rathaus nun die Option, die Touristinformation in dem repräsentativen Gebäude unterzubringen. Allerdings hatte die Stadt den Weißen Pavillon vor ein paar Jahren verkauft und müsste nun Miete bezahlen. Darum überlegte man, parallel auch Gastronomie – eher ein Café, als ein Restaurant – unterzubringen. Auf dem Kamp sollte auf jeden Fall eine Gaststätte bleiben. Diese Idee brachte eine Diskussion ins Rollen.

Gastronomie kann aus Brandschutzgründen nur im Erdgeschoss untergebracht werden. Für beides ist der Pavillon zu klein, aber wegen seiner Nähe zum Rathaus auch wieder optimal. Dann könnte das Front Office im Weißen Pavillon untergebracht werden und das Back Office in den Räumen der jetzigen Touristinfo. Andere meinten, man solle einfach das Foyer im Rathaus umbauen und zur Touristinfo machen. Die Idee hatten auch schon die Jade-Hochschüler aus Wilhelmshaven. Bedenken gibt es nur wegen des Durchgangsverkehrs des Rathauses. Keinen Anklang fand die Idee, die Touristinformation im Besucherzentrum des Klosters unterzubringen.

Dort wurden 2019 mehr Besucher gezählt als in der Touristinformation im Rathaus. Der Raum im Marstall sei aber zu klein und zusammen mit der Ausstellung nicht zu bewirtschaften. Außerdem müsse die Touristinfo in die Innenstadt – da sind sich die Stadtvertreter einig. Nun geht die Suche nach möglichen Standorten weiter, denn mehr Platz braucht die Touristinfo wegen zweier neuer Mitarbeiter (und damit sind nicht die im Besucherzentrum gemeint) ohnehin. Bevor die Touristinfo in den zum Rathaus umgebauten Lindenhof einzog, hatte es in der Goethestraße seine Adresse und zuvor am Alexandrinenplatz.

 

Feuerwehrverein will Bürgerhaus mit Feuerwehrpark

Das neue Jahr brachte auch neue Ideen. Wobei die Idee eines Bürgerhauses mit Feuerwehrpark nicht neu ist. Die CDU-Fraktion hatte diese Idee bereits vorgeschlagen und in einer Beschlussvorlage für die größeren Räumlichkeiten für Bürgertreffs, Privatfeuern, Konferenzen und größeren Ausstellungen geworben. Nachdem die Stadt das Kino und den Weißen Pavillon verkauft hat, stehen ihr außer im Rathaus, Kornhaus und Hengstenstall keine größeren Räume mehr zur Verfügung. Keines der genannten Gebäude hat wirklich große Räume für Konferenzen. Das soll aber in der Backhausmühle nachgeholt werden.

Bedenken gab es einige. Nico Arndt (LINKE) findet die Idee zwar gut, sieht aber schon im Kornhaus ein Bürgerhaus und verweist auf die Baustelle Ehm-Welk-Haus. Man solle die vorhandenen touristischen Highlights erst mal besser nutzen. Mit Burkhard Scheffler teilt er die Sorge darum, wie das Bürgerhaus betrieben werden soll. Das Besucherzentrum im Marstall hatte über ein Jahr lang nicht genug Personal, um es wenigstens an fünf Tagen in der Woche zu öffnen.

Letztlich stimmte eine Mehrheit im Kulturausschuss dafür, die Möglichkeiten zu prüfen. Bürgermeister Jochen Arenz will das in Schwerin besprechen. Allerdings hatte Minister Till Backhaus schon 2018 beim Besuch beim Feuerwehrverein einzig das LEADER-Programm als mögliche Förderung angesprochen.

 

Bürgermeister macht Vandalismus zum Thema

Vandalismus war in Bad Doberan schon länger ein Problem. Nur ein Thema war es kaum – die Leute nahmen die Beschädigungen einfach zur Kenntnis, redeten kurz darüber und vergaßen es dann wieder. Die Arbeit hatte der Bauhof und die Kosten die Stadt. Allein die immer wieder erfolgte Zerstörung des Türöffners an der Behindertentoilette in der Seedeichstraße in Heiligendamm kostete die Stadt jedes Mal mehrere tausend Euro. Am Ende gab sie auf und den Schlüssel bei einem Gastronomen ab, von dem ihn sich Rollstuhlfahrer nun vor ihrem Geschäft holen müssten, wenn sie davon wüssten. Viele der Schäden betreffen am Ende alle Bürger, denn sie kosten Geld, das der Stadt woanders fehlt.

Für Bürgermeister Jochen Arenz war das Grund genug, die Bürger für das Problem zu sensibilisieren. Seit Monaten postete er Fotos vom Vandalismus bei Facebook und Instagram. Als schließlich innerhalb einer Woche ein Blumenrad in den Bach geworfen, die Scheibe der Tür zur Mehrzweckhalle beschädigt, Briefkästen beschmiert, ein Zigarettenautomat zerstört und die Lichterkette des Weihnachtsbaumes auf dem Marktplatz zerschnitten wurde, wandte er sich an die OSTSEE-ZEITUNG. Die Bürger sollen sensibler für dieses Thema werden, Beobachtungen melden und sich die Täter merken.

 

Straßensanierungen: Probleme durch neue Rechtslage

Die Bad Doberaner Straßen bleiben ein teures Pflaster. Zwar wurden schon viele Straßen saniert – manche, wie die Goethestraße und Mollistraße sogar mehrmals – aber es gibt immer noch einige Straßen, die wie zu DDR-Zeiten aussehen. Oder schlimmer, wie die Wohngebietsstraßen auf dem Fuchsberg.

Das Wohngebiet wurde vor über 30 Jahren angelegt und als Straßen kamen Stahlbetonplatten zum Einsatz. Vom Beton ist nicht mehr viel übrig, sodass man auf Stahlgeflecht läuft oder fährt. Nun sollen die Straßen erneuert werden. Im Doppelhaushalt 2020/21 wurden 50.000 Euro für die Planung eingestellt und im folgenden Doppelhaushalt sollen dann 600.000 Euro für die Erneuerung eingestellt werden.

Stadt bezahlt Fuchsberg aus eigener Tasche

Da die Straßenausbaubeiträge der Anwohner auf Grund einer Initiative aus Bad Doberan gekippt wurden, gibt es nun eine Infrastrukturpauschale vom Land. Die reicht rechnerisch für eine Straßenerneuerung pro Jahr. Die Erneuerung der Heinrich-Heine-Straße kostet bereits 600.000 Euro. Für ein ganzes Wohngebiet im Schachbrettmuster reicht die Pauschale nicht. Das Land gibt für den Straßenbau 2020 an die Stadt 504.300 Euro. Damit lässt sich die Heinrich-Heine-Straße sanieren – die Stadt hat sowieso einen Eigenanteil zu tragen. Für die Straße Am Fuchsberg reicht das Geld nicht mehr. Darum hat der Bürgermeister Jochen Arenz Geld für die weitere Sanierung der Klostermauer gestrichen. So kann die Stadt die Straßensanierung aus eigener Tasche bezahlen, muss aber woanders Abstriche machen.

Buchenberg-Verbindungen werden erneuert

Auch die „Trabantenstadt“ Buchenberg ist infrastrukturell abgehängt. Eine marode steile Treppen-Rampen-Konstruktion verbindet seit der DDR-Zeit das Großwohngebiet mit der Innenstadt und eine ebenso in die Jahre gekommene Treppe führt vom Parkentiner Weg zum Buchenberg hinauf. Beides soll 2020 erneuert werden.

Thünenstraße muss warten – Gehweg und Umfeld werden verbessert

All diese kleinen Schritte ergeben zusammen einen großen. Der eigentliche große Schritt sollte die Thünenstraße sein. Sie ist eine der längsten Straßen der Stadt und wird zwei bis drei Millionen Euro kosten. Das ist in den kommenden zwei Jahren nicht zu schaffen, aber die Stadt hat 145.000 Euro eingestellt, um den Gehweg zu sanieren, die Wegbeziehungen zwischen den Häusern zu verbessern und Bänke und kleine Spielgeräte aufzustellen.

 

Verbindungsstraße in Althof bleibt Streitpunkt

Nicht nur Straßensanierungen wurden diskutiert – auch ein Straßenneubau sorgt für Diskussionen. Noch ist kein Bagger am Graben, aber dazu soll es nach dem Willen der Anwohner auch gar nicht erst kommen. Streitobjekt ist eine Verbindung des Gewebegebietes „Eikboom“ mit dem Ortsteil Althof. Diese Verbindung wurde schon bei der Erschließung des Gewerbegebiets und auch beim Bau der Straßen des Wohngebiets auf dem Hasenberg berücksichtigt, weshalb dort die dorthin führenden Straßen Sackgassen sind.

Zuerst war geplant, die Sackgasse im Brombeerweg zu öffnen und eine Verbindung zur Eikboomstraße zu bauen. Dort existiert derzeit ein fester Trampelweg. Somit würde sich der Parkentiner Weg über den Heckenrosenweg und Brombeerweg verlängern und auf die B105 führen. Viele Anwohner zwischen Bahnhof und Buchenberg würden diese Straße nutzen, statt um den Buchenberg herum zu fahren. Darum gab es durchaus Befürworter. Die direkten Anwohner des Wohngebiets, das bisher an keiner Durchfahrtstraße liegt, waren gegen diese Pläne und am Ende rückte man im Rathaus von dieser Idee ab.

Kurz darauf wurde eine neue Route vorgestellt – diesmal direkt von Althof aus. Bald darauf gab es eine weitere Variante vom Fuchsberg aus. Alle Varianten treffen Althof direkt, denn die Verbindung Hohenfelde-Althof würde zur heimlichen Umgehungsstraße von der L13 zur B105 werden. Hintergrund jetzt war nicht die Entlastung anderer Straßen, sondern die Bebauung der Fläche zwischen dem Gewerbegebiet und Althof. Dort sollen 84 Grundstücke für Gewerbe, drei viergeschosssige Bauten und Einfamilien- und Doppelhäuser entstehen. In der Satzung gab es einen Passus, wonach statt einer Erschließungsstraße mit Verbindungsfunktion nur ein Fuß- und Radweg festgesetzt werden soll.

Auf diesen Konsens hatte man sich schon vor Monaten geeinigt, bis Stadtvertreter Torsten Schellin (Für Doberan) sich zu Wort meldete. Er verstehe nicht, warum man auf eine zweite Ausfahrt aus dem großen Wohngebiet verzichten und den Verkehr dort nicht entlasten will. Die folgende Diskussion zeigte Klärungsbedarf auf, was Hans-Joachim Krüger (CDU) angesichts dessen, dass es sich um einen Auslegungsbeschluss handelte, kritisierte. Der Bürgermeister zog die Reißleine und kündigte eine Bürgerversammlung an.

 

Parkraumzone in der Schillerstraße

Nicht nur der fließende Verkehr war ein Thema – auch der ruhende stand auf der Tagesordnung. Die noch recht unbefestigte Schillerstraße wurde gern zum kostenlosen Parken benutzt. Soweit kein Problem, aber die Autos standen auf den Grünstreifen und dem Bürgersteig und das oft den ganzen Tag lang. Da das Gymnasium fast keine und die Kreisverwaltung nicht genug Parkplätze haben, parken Lehrer, Schüler und Mitarbeiter auf den kostenlosen Stellflächen.

Dabei parkten sie auch Ausfahrten zu. Die Anwohner legten Steine an ihre Ausfahrten. Da es sich um öffentlichen Raum handelt, dürfen sie das ebenso wenig. Die Stadt will nun gegensteuern und hat die Parkflächen markiert, um eine Parkraumzone einzurichten. Zwischen 8 und 16 Uhr darf nur noch zwei Stunden mit Parkscheibe geparkt werden. Somit haben die Anwohner abends bis morgens die Parkplätze für sich. Ausnahmegenehmigungen können erteilt werden. Damit ist in der Schillerstraße die Situation dieselbe, wie in der Baumstraße, am Lettowsberg und in der Neuen Reihe, die auch Anwohnerparkzonen sind.

Verkehrskonzept ist in Arbeit

All diese Maßnahmen sind Teil eins großen Ganzen. Die Stadt arbeitet an einem Verkehrskonzept, das soweit ausgearbeitet ist, aber noch beschlossen werden muss. Auftragnehmer für das Konzept ist die BDC Dorsch Consult und die Bürger konnten Anregungen geben. Nicht alles ist umsetzbar – sei es, weil dazu Flächen fehlen oder die Rechtslage es nicht erlaubt. So können außerhalb der Ortsschilder keine Zebrastreifen aufgebracht werden, weil hier die Fußgänger dem Verkehr unterzuordnen sind. Es gibt allerhand Maßnahmen, von denen viele schnell und günstig umsetzbar sind. Den Maßnahmenkatalog kann man hier einsehen:

Bus und Bahn suchen Ideen der Bürger

Auch die Öffentlichen Verkehrsmittel arbeiten an Verbesserungen. Für die Fortschreibung des Nahverkehrsplanes im Landkreis und der Stadt Rostock sind die Gemeinden und Bürger bis zum 28.02.2020 aufgerufen, ihre Bedürfnisse mitzuteilen. Ziel soll ein bedarfsgerechter Nahverkehr sein, der die Region verbindet und umweltfreundliche Mobilität fördert.

Link: https://www.unser-nahverkehr.de/

 

Bad Doberan und Kühlungsborn könnten Modellregion werden.

Die Finanzierung des Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern wird 30 Jahre nach der Wiedervereinigung auf den Prüfstand gestellt. Dazu werden Modellregionen geschaffen, in denen man testet, wie weit sich die bisher für sich arbeitenden Gemeinden touristisch miteinander verbinden lassen. In Ostholstein praktiziert man dieses Prinzip schon länger: Niendorf, Timmendorfer Strand, Scharbeutz und Haffkrug bilden eine touristische Einheit mit einem gemeinsamen Auftritt bis hin zur Kurkarte.

In MV könnte Bad Doberan mit Kühlungsborn zu einer solchen Modellregion werden. Hier geht es nicht nur um großflächige Investitionen, sondern auch um gemeinsame Strategien, wie die Rekrutierung von Fachkräften in den Metropolen. Hauptsächlich sollen aber die kleinen Orte ohne Prädikat von den Kurorten profitieren. Es sollen Mechanismen entwickelt werden, mit denen die ganze Region Kurabgaben erheben kann, von denen dann auch die kleinen Orte profitieren, die allein keine Kurtaxe erheben können.

 

Stadt knabbert immer noch an Hochwasserschäden

Die OSPA residiert weiterhin im Container in der Severinstraße und auch im Gymnasium dauern die Sanierungsarbeiten noch bis zum Sommer an. Einzig das Sharks und das Fitnesstudio und Tanzstudio sind schon fertig saniert. Das Ehepaar Wickborn nutzte die Erneuerung des Fußbodens gleich für einen Umbau der Bar und den Einbau neuer LED-Technik. Die nicht mehr genutzt Bowlingbahn haben sie ebenfalls angemietet und planen eine Erweiterung, müssen aber auch dort erst schauen, ob es Hochwasserschäden gibt. Das Hochwasser vom 31. Juli 2019 beschäftigt immer noch Menschen in der Stadt.

 

Feiern mal anders: Neue Feste in Bad Doberan

Das Jahr 2019 ging mit einem letzten großen Fest. Die Idee stammt von Sabrina Lentner (vormals Brauer) vom MEERWERK. Sie sprach mit ihrer früheren Kollegin Danielle Zimmermann darüber, die seit 2019 Tourismuschefin in Bad Doberan ist, Bürgermeister Jochen Arenz brachte sich ein und nach und nach kamen immer mehr Interessierte dazu.

Das Ergebnis war am 21.12.2019 das erste „Weihnachten in der Alten Klostervogtei“ mit Musik und Show, Weihnachtsmann, Open-Air-Kino, Essen und Trinken, Kunst und Handwerk, Nachtführung und Mühlenführung. Sofort war klar, dass dieses Fest eine Tradition wird. Die Planungen für 2020 laufen schon. Auch er Doberaner Weihnachtsmarkt kam in diesem Jahr besser an und dürfte sogar einen neuen Besucherrekord aufgestellt haben. Anlässlich der Feste wurde auch überlegt, noch mehr weg von Einwegbechern zu kommen.

Bürgermeister Jochen Arenz trat 2019 zur Wahl an, um alte Strukturen zu zerbrechen und Neues auf den Weg zu bringen. Sein erster Neujahrsempfang als Bürgermeister stand ganz im Zeichen dieses Gedankens. Bisher fand der Neujahrsempfang im Rathaus statt, es wurden Gäste geladen, die man dabei haben wollte, aber die Veranstaltung war trotzdem öffentlich. Da das kaum jemand wahrnahm, kamen immer dieselben Leute, es wurde geredet, Musik gemacht, gegessen und getrunken. Der Neujahrsempfang 2019 – der letzte des alten Bürgermeisters – stellte dabei einen Rekord auf: Die Kosten fielen aus dem bisherigen Rahmen und das Benehmen einiger Teilnehmer sorgte für Ärger. Ein Empfänger dieses Ärgers war der neue Bürgermeister und der entschied, dass dies der letzte derartige Neujahrsempfang war.

Kaum waren die Einladungen für den neuen Empfang 2020 raus, revidierte der Bürgermeister sie, indem er spontan, aber offiziell alle Bürger einlud. Wohl wissend, dass nicht 12.000 Leute kommen werden, veranstaltete die Stadt den Neujahrsempfang in der Halle von Metallbau Ott mit Häppchen und ohne Alkohol, mit Hüpfburg für die Kleinen und Livemusik vom Bauamtsleiter, mit kurzen Reden und ausgelassener Stimmung. Über 300 Leute kamen und alle waren froh über die Entscheidung, es so zu machen.

 

WIG-Chef gekündigt

Neubauten, Sanierungen, Investitionen – wann immer die stadteigene Wohnungsgesellschaft WIG investierte, kam ihr Geschäftsführer Arno Gutzmer zu Wort. Seit der Erschließung des Ostseewohnparks ist er auch für die dortige GmbH Geschäftsführer. An seinen Leistungen gab es bislang offen keinen Zweifel. Es ist das Gehalt, das dem Bürgermeister sauer aufstößt. Als ehemaliges Mitglied des Aufsichtsrates gehörte Jochen Arenz zu den Kontrolleuren der WIG. Das Unternehmen verwaltet demnächst 1.305 Wohnungen und hat 16 Mitarbeiter. Der Geschäftsführer verdiente im Jahr 2018 laut Jahresabschlussbericht 121.400 Euro.

Rechnerisch über 10.000 Euro im Monat sind zwar kein Rekord für einen Geschäftsführer, aber Arenz vergleicht das mit den beiden Geschäftsführern des riesigen Rostocker Hafens, die mit 169.000 und 170.000 Euro in derselben Zeit nicht wirklich viel mehr, als der Chef der kleinstädtischen Wohnungsgesellschaft bekamen. Ein paar Gegenstimmen erhielt die Beschlussvorlage des Bürgermeisters zur fristgerechten Kündigung Gutzmers schon, aber letztlich stimmten die Stadtvertreter im nichtöffentlichen Teil der Kündigung des Vertrages zum 31.12.2020 zu. Geschäftsführer der Ostseewohnpark GmbH bleibt Gutzmer weiterhin.

Gerlinde Heimann verlässt die Politik

Ganz freiwillig legte Gerlinde Heimann ihr Mandat im Rathaus nieder. Mit ihren 78 Jahren war die Doberanerin 50 Jahre politisch aktiv, saß zuletzt für die LINKE im Stadtparlament und war auch schon Stadtvertretervorsteherin. Private familiäre Gründe veranlassten sie zu diesem Schritt. Die Stadtvertreter würdigten ihre Arbeit.

Helge Rehwaldt ist gestorben

Zwar im hohen Alter, aber doch ganz unerwartet verstarb im Februar der Historiker und Gästeführer Helge Rehwaldt. Als Diplom-Philosoph war er stets mehr als nur Lehrer, Heimathistoriker, Ortschronist und Gästeführer. Er suchte nicht nur nach Fakten, sondern auch nach dem Sinn. Als Herausgeber mehrerer Bücher und Geschichtsbeiträge in Zeitungen war sein Name vielen Doberanern ein Begriff. Er selbst kannte Namen, Familiengeschichten und Personen, die längst Geschichte sind. Nun wird auch er Teil der Stadtgeschichte.

 

Luftbilder: M. Sander

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