Nachrichten

Böser neuer Landkreis?

Drei Monate ist der neue Landkreis Rostock gerade alt. Mindestens viermal sah sich das Doberaner Rathaus veranlasst, auf ihn zu schimpfen: Der Landkreis lässt das Moorbad abreißen, er verhindert die Rettung der Jugendherberge, zwingt die Stadt, eine Fabrik-Ruine zu kaufen und jüngst will der Landkreis die Stadt auch noch zum Bau einer Überflughilfe für Fledermäuse zwingen. Nicht zu vergessen ist die Behinderung der Perlenketten-Sanierung in Heiligendamm – auch einem Scheiben aus Güstrow geschuldet. Was ist los in der Kreishauptstadt – will man dort den einstigen Platzhirsch in die Schranken weisen? Fast scheint es so aber schaut man genauer hin, sind alle Probleme hausgemacht:

Das Moorbad drohte auf die Landesstraße zu stürzen, für die der Landkreis verantwortlich ist. Weil die Stadt keine Einigung mit dem Moorbad-Investor erzielen konnte, griff der Landkreis zum letzten ihm möglichen Mittel und riss den einsturzgefährdeten Teil ab. Bei der Jugendherberge plante das Bauamt sehr engagiert aber leider ohne Rechtsgrundlage, denn die Fristen für die Baugenehmigung und Nutzung waren längst verstrichen. Güstrow stoppte den Eifer der enttäuschten Bauamtsmitarbeiter. Zu Recht: Erst muss ein neuer Bauantrag gestellt werden, wofür aber einige rechtliche Grundlagen geschaffen und Hürden überwunden werden müssen. Das ist Aufgabe der Stadt, die nun mit gleichem Eifer von vorn anfangen muss. Auch bei den Ruinen am Walkmüller Holz wollte man in Güstrow nicht mehr, als der Stadt ein langes Enteignungsverfahren ersparen: Sie soll die Ruinen kaufen, um sie selbst abreißen zu können, nachdem alle anderen Versuche, den Eigentümer zu bewegen gescheitert waren.

Punkto Perlenkette verwies der Vize-Landrat als Grundlage seiner Entscheidung sofort auf eine Empfehlung aus dem Doberaner Rathaus. Dort wollte man wegen vermeintlich geänderter Grundlagen die Baugenehmigungen nicht mehr verlängert sehen und überzeugte den Landkreis von seiner Variante, der dann die Baugenehmigungen entzog.

Auch im aktuellen Fall der Überflughilfe für Fledermäuse an der Randstraße am Thünenhof kann das Rathaus nicht auf Güstrow schimpfen. Man hatte schlichtweg an den rechtlichen Fakten vorbei die Randstraße als Gemeindestraße angesehen und darum falsch geplant und gebaut. Mindestens 65.000 Euro würde dieses Versäumnis der Stadt kosten aber der Landkreis reicht dem Rathaus längst die Hand und bietet an, die Randstraße zur Landesstraße zu machen und selbst die geforderten Voraussetzungen zu schaffen. Die Hand muss aber angenommen und es muss fair miteinander umgegangen werden. Das fällt einigen Leuten in der ehemaligen Kreisstadt noch schwer aber alles ist erlernbar.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.