Aus dem Norden

Fehmarn – Ausgucken statt Abhören

Auf unserer Reise hatten wir in Kühlungsborn schon den Grenzbeobachtungsturm kennen gelernt. Auch militärische Ziele verfolgte der Aufklärungsturm der Bundeswehr in Klausdorf auf der Insel Fehmarn. Von hier aus konnten die Streitkräfte des Ostblocks aufgeklärt werden. Der Turm war der erste von fünf an der innerdeutschen Grenze (darum Turm A) und wurde im Volksmund „Spökerkieker“ genannt. Er gehörte zum Fernmelderegiment 71. Mit 75 Metern Höhe ist er weithin sichtbar und die Turmspitze liegt 105,50 m ü.NN.

600 Kilometer weit reichte die Leistung des Fernmeldesektorenturm A. Damit konnte man Truppenbewegungen der Streitkräfte des Warschauer Pakts beobachten und im Falle eines Angriffs auf die NATO rechtzeitig reagieren. Angriffsszenarien gingen sogar davon aus, dass ein Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes wenn, dann von der DDR aus über das dünn besiedelte und nicht so stark befestigte Schleswig-Holstein stattfinden würden. Die NVA, Sowjetarmee und die Verbündeten im Warschauer Pakt wären also von oben in die BRD eingefallen und hätten Schleswig-Holstein relativ schnell überrollt und dann vor Lübeck, Hamburg, Cuxhaven und Bremen gestanden und damit die Bundesrepublik vom Seeweg abgeschnitten. Allerdings ging das errechnete Szenario auch davon aus, dass die alte und teils anfällige bis defekte Technik der Armeen dazu geführt hätte, dass dem Ostblock der Atem ausgegangen wäre, bevor die NATO ihre Streitkräfte mobilisiert und dann ihrerseits die DDR überrannt hätte.

Der zwischen 1965 und 1968 errichtete Turm wurde erst weit nach Ende des Kalten Krieges im Jahre 2004 außer Dienst gestellt. Heute sind in Turm A nicht mehr Marine und BND, sondern die Ostsee-Erlebniswelten des Meereszentrums Fehmarn untergebracht und der Turm heißt nun „Ostsee-Aussichtsturm oder neu-nicht-deutsch „Ocean-Tower“.

Die an eine Ajax-Flasche erinnernde Konstruktion ist eine Erkundung wert und in 85 Metern Höhe auf einem kargen Eiland mitten in der Ostsee ist Weitsicht garantiert.

Weitere Informationen: http://www.meereszentrum.de/

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