Freifläche Kühlungsborner Straße (Hotel und Pension Mellendorf, Villa „Scherpeltz“, „Hotel Stadt Hamburg Scherpeltz“, Schwesternheim Haus „Tabea“, „FAK Fachschule für angewandte Kunst“)

Hotel und Pension Mellendorf, Villa „Scherpeltz“, „Hotel Stadt Hamburg Scherpeltz“, Schwesternheim Haus „Tabea“, „FAK Fachschule für angewandte Kunst

Standort:
Kühlungsborner Str. 15
54°08’21.3″N 11°50’19.6″E

Bauzeiten: 1887
Abriss: 02/2007

Villa „Scherpeltz“ bezeichnet eine nicht mehr vorhandene Vereinigung mehrerer Gebäude. 1887 entstanden nach Freigabe von Bauflächen durch den neuen Seebad-Eigentümer Baron Otto von Kahlden am damaligen Bollhäger Weg (Kühlungsborner Straße) mehrere Hotel garni für weniger wohlhabende Gäste.

(Quelle: Archiv Beckmann)

Von Nord nach Süd (links nach rechts) waren das die Pension „Mellendorf“ (Vorgängerbau der Residenz von Flotow – hier nicht im Bild), die Pension „Dunker’s“ oder Danker‘s (rechter Flügel der FAK, rechts im Bild) und das Haus „Tabea“ (links im Bild), das auf Fotos von Beckmann um 1890 auch diesen Namen trägt.

Zwischen diesen beiden entstand ein weiteres Gebäude, das dem Haus „Tabea“ sehr ähnlich sah. Über das Gebäude ist nicht viel bekannt. Scherpeltz übernahm es offenbar und baute zwischen ihm und Haus „Tabea“ ein neues Haus zur Verbindung beider.

Nun gab es einen repräsentativen Mittelteil mit sechs Achsen, die voll mit Fenstern und Türen ausgefüllt waren. Das Erdgeschoss sprang mit einer geschlossenen Veranda hervor und bildete die Grundlage für einen Balkon im ersten und zweiten Stock. Der Giebel war mit einer Spitze bekrönt und hatte ein Rundfenster.

(Quelle: Archiv Beckmann)

Der linke Teil – Haus „Tabea“ hatte ebenfalls einen sechsachsigen Mittelteil, aber zwei einachsige Seitenrisalite. Ursprünglich waren hier im Obergeschoss Rundbogen-Fensterpaare eingebaut. Es gab keine Türen zur Straßenseite, weil der Eingang des Gebäudes nach Norden zeigte und über einen Vorbau realisiert wurde.

Das Erdgeschoss und der erste Stock hatten zwischen den Risaliten Balkone. Das Haus hatte ein kleines Mezzaningeschoss unter dem Walmdach. Die Giebel waren mit Spitzen bekrönt und das Sprengwerk zur Schau gestellt.

(Quelle: Archiv Beckmann)

Das rechte Haus war fast identisch und unterschied sich nur durch andere Fenster in den Risaliten und ein höheres Mezzanin bei gleicher Gebäudehöhe. Auch die Giebelneigungen waren hier steiler als bei Haus „Tabea“.

Ganz offensichtlich ist die Ähnlichkeit der beiden Häuser also keinen früheren Plänen zu einer Verbindung geschuldet. Wiederholungen bei Kubaturen und Fassaden findet man auch in der Lessingstraße, wo gerade diese Hausform dominiert, weil sie praktisch war. Der Schriftzug beim Haus „Tabea“ wurde durch „Villa Scherpeltz“ ersetzt und nach Norden durch „Pension F. (oder S.) Scherpeltz“ ergänzt.

(Quelle: Archiv Beckmann)

Noch vor 1930 wurde der Mittelteil wieder entfernt – wahrscheinlich zwischen 1912 und 1914 im Zusammenhang mit der Umfirmierung des Hauses „Tabea“ in „Hotel Stadt Hamburg“. Auf allen Bildern aus dieser Nutzungszeit ist der Verbindungsbau nicht mehr vorhanden.

(Quelle: Archiv Beckmann)

Was mit dem rechten Teil weiterhin passierte, ist unklar. Gesichert ist, dass die Nutzung als Pension 1939 endete. Gesichert ist auch, dass 1945 hier Flüchtlinge aus den Ostgebieten untergebracht wurden.

(Quelle: Archiv Beckmann)

Nachdem diese verteilt waren, wurde Haus „Tabea“ zum Wohnhaus und das rechte Haus 1953 der Fachschule für angewandte Kunst zugeordnet und baulich über einen Gang mit ihm verbunden.  

Die Fachschule zog 2002 zurück nach Wismar und die EntwicklungsCompagnie Heiligendamm erwarb die Gebäude (siehe: Fachschule für angewandte Kunst). Das Haus „Tabea“ wurde 2007 vom Land gegen Gebot verkauft und durch die EntwicklungsCompagnie Heiligendamm erworben. Vor dem G8-Gipfel wurden beide Gebäude abgerissen.

Von Südwesten 2004
Von Nordwesten 2004
Von Südwesten 2007
Von Nordwesten 2007
Abriss 2007
Von Nordwesten heute

 

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