Fürstenhof (Pension Peters, Hotel-Pension “Fürstenhof”, Altersheim, Jugendherberge)

Pension Peters, Hotel-Pension Fürstenhof, Altersheim, Jugendherberge

Standort:
Kühlungsborner Straße 20
54.139929256819016, 11.838800776768116

Bauzeit: 1887
Bauherr: Peters
Architekt: vermutlich Gotthilf Ludwig Möckel
Eigentümer: Peters (1887-1911), Mellendorf (1911-unbekannt), Volkseigentum (1948-1990), Bundesrepublik Deutschland (1990-2002), EntwicklungsCompagnie Heiligendamm GmbH & Co. KG (Jagdfeld) (seit 1997)
Nutzungen: Pension (1903-1925), Altersheim (1925-1945 und 1956-1997), Jugendherberge (1929-1942), Flüchtlingsunterkunft (1942-1945), Wohnungen (1945-1956), Leerstand (seit 1997)

 

Beschreibung

Zur Zeit von Peters (Quelle: Verlag Joh. Bitter, Doberan)

Der Fürstenhof wurde 1887 als „Pension Peters“ vom Hotelier Peters erbaut. Über der Eingangstür stand „1903“, womit das Eröffnungsjahr gemeint sein dürfte. Bis 1911 diente er als Pension. Es gab einen Speiseraum. 1911 musste Peters Insolvenz anmelden. Inzwischen hieß die Pension „Fürstenhof“.

Nach der Übernahme durch Mellendorf (Quelle: A. Beckmann)

Der benachbarte Pensionsbesitzer Mellendorf ersteigerte das Gebäude und wollte es als Altersheim führen. Dagegen gab es Widerstand im Ort, sodass Mellendorf den Fürstenhof als Pension weiterführte. 1925 gab er auf, da er sich nicht rentierte. Er beantragte erneut die Umwandlung in ein Altersheim, ansonsten würde er ihn abreißen. Er durfte die Umwandlung vornehmen. 1930 bekam das Altersheim eine Zentralheizung, nachdem der strenge Winter 1929 die Bewohner sehr zu schaffen machte.

Urheber unbekannt

Auf einer Ansichtskarte mit handschriftlichem Datum 14.11.39 steht in Schreibschrift „Jugendherberge Heiligendamm“ geschrieben. Über der Tür steht auf dem Bild aber deutlich erkennbar noch „Altersheim“. Aus dem Jahr 1929 ist aus der Kirchenchronik überliefert, dass es in der Jugendherberge Heiligendamm 724 Übernachtungen von 246 männlichen und 478 weiblichen Jugendlichen gab. Sie kamen aus Sachsen, dem Rheinland, Hamburg und Berlin. Es gab 24 Betten mit Strohsäcken und 40 Schlafdecken zum Verleih. Offensichtlich wurde also ein Teil des Fürstenhofes zu dieser Zeit als Jugendherberge betrieben.  

Unbekannter Zeitraum, vor 1945 (Quelle: A. Beckmann)

Nach dem 2. Weltkrieg löste man das Altersheim auf, um Wohnraum zu gewinnen. Schon 1956 machte man das rückgängig, weil die Wohnungen unpraktisch waren und ein Umbau zu aufwändig gewesen wäre. Das Haus wurde wieder zum Altersheim und als solches bis nach der Wiedervereinigung betrieben.

Draufblick (Quelle: A. Beckmann)

Das Gebäude betont eine Ecke, die es eigentlich nicht gab. Es war das letzte Haus auf der rechten Seite, gelegen an einer neu entstandenen Allee. An ihr entlang führten Fußwege nach Süden und vor dem Fürstenhof bog ein doppelter Weg nach Westen ab. Er bildete den Anfang einer Art Waldpark, der an der evangelischen Kirche vorbei zum Spiegelsee und zur Steilküste führte. Für diese Ecke sollte der Fürstenhof wohl das erste Haus sein und seine schmucklose Süd- und Westseite vielleicht in einer weiteren hohen Bebauung verschwinden.

Das hätte den Erweiterungsplänen von 1873 entsprochen. Es war scheinbar vorgesehen, die Bebauung der Ostseite des Bollhäger Weges mit großen Stadthäusern auch auf der Westseite fortzusetzen und die Achse nach Westen zu verlängern. Tatsächlich zeigen spätere Fotos eine befestigte Straße nach Westen, aber sie führte nur um das Haus herum zum Hof, an dem eine große Gartenfläche angeschlossen war. Die Bebauung der Westseite der Straße blieb weiterhin aus. Erst 1980 wurden nebenan zwei Plattenbauten errichtet und 2019 ein Wohnkomplex. Nach Norden hin wurde der Wald nie angetastet. Es gibt aber später genannt noch eine weitere Möglichkeit, warum man die L-Form wählte.

Ostseite und Nordseite

Der Fürstenhof wurde bis heute kaum verändert. Markant ragt ein oktogonal aus der Ecke heraustretender Turm mit großer Eingangsloggia hinter einem Korbbogen dem Betrachter entgegen. Im Obergeschoss des Turms befinden sich rechts und links Blendfenster und dazwischen ein eckiges Fenster. Das zweite Obergeschoss ist durch ein Fachwerk abgesetzt und mit bogenförmigen Öffnungen versehen. Als Dach dient ein sechsachsiges Zeltdach. Nach Norden hat das Haus acht Achsen. Die erste Achse vom Turm aus besteht nur aus rechteckigen Fenstern, die zweite und dritte Achse sind durch Bossierungen zu Paaren vereint. Im Souterrain und Hochparterre ist ein Erker mit zwei eckigen Seitenfenstern und einem dreigeteilten Spitzbogenfenster vorgebaut. Er dient dem ersten Stock als Balkon. Der erste und zweite Stock haben rechteckige Fensterpaare und obenauf thront eine fachwerkverzierte Gaube mit Fensterpaar und Walmdach.

Dieses Motiv wiederholt sich in der sechsten und siebten Achse. Dazwischen befinden sich zwei Achsen, die durch Pilaster voneinander getrennt sind, aber doch im zweiten Stock einen gemeinsamen Balkon haben. Die letzte Achse nach Osten hat nur zwei Stockwerke und ist einachsig. Das Dach ist mit einem umlaufenden Gesims aus Fachwerk betont und die risalitartig betonten Achsen mit den Gauben sind mit kreisförmigen Stuckaturen versehen. Im Souterrain reiht sich ein Fenster an das andere. Alle haben Rundbögen mit rundbogenförmigen Bekrönungen. An den reich bossierten Erkern werden die Achsen noch einmal mit Bossen betont.

Südseite und Ostseite

Die Ostfassade wiederholt das Motiv bis zur fünften Achse. Dann folgen drei weitere Achsen nur mit Fenstern – mit Bossierungen im Verhältnis 1:2 aufgeteilt – bevor wieder die Gaube-Erker-Kombination aufgenommen wird. Allerdings wiederholt sie sich nicht, sondern beginnt ganz neu. Hier folgen zwei nebeneinander gesetzte Erker über vier Achsen und ohne Seitenfenster. Im zweiten Stock befindet sich der von der Nordseite bekannte Balkon über eigentlich zwei Achsen, die hier aber mit zwei schmalen hohen Fenstern und einer kleineren Doppelflügeltür mit Korbbogen versehen sind. Die darüber liegende Gaube steht weit hervor und ist mit kunstvollem Ständerwerk betont. Sie hat kein Walm- sondern ein Satteldach.

Die Südseite unterteilt sich in zwei Teile. Die östliche Seite ist mit Risalit mit Statteldachgaube der dominierende Teil. Er hat zwei Achsen, die ab dem ersten Stock mit Fensterpaaren versehen sind. Die beiden neben dem Risalit liegenden Achsen haben jeweils eine Achse, aber nur die links ist mit Fenstern versehen. Die rechte hat Blendfenster. Im Hochparterre kommen drei jeweils dreiflügelige Rundbogenfenster mit dreigeteiltem Oberlicht zum Einsatz – im Erker wird ein kleines Blendfenster angedeutet. Das Souterrain hat nach hier Türen, die aber nachträglich eingebaut worden sein dürften.

Die restliche Südseite ist versetzt, da das Haus eine L-Form hat. Es hat fünf Achsen, links mit großen Fensterpaaren und rechts mit schmalen Fensterpaaren versehen. Dazwischen liegt eine Achse mit einzelnen Fenstern. Bis auf eine dezente Bossierung der Südwestecke gibt es hier keine Verzierungen. Das ist auch bei der Rückseite des nach Süden zeigenden Gebäudeteils der Fall. Hier gibt es im Souterrain und Hochparterre keine Fenster, sondern nur eine Tür an der rechten Seite. Im ersten und zweiten Stock kommen schmale Fenster zum Einsatz, die ein anderes Breitenmaß haben als die im anderen Gebäudeteil.

Links gibt es eine Achse, die auch im Hochparterre mit einem Fenster versehen ist, rechts drei gleichmäßig zentriert angeordnete Fenster über die beiden oberen Stockwerke. Das Treppenhaus liegt hinter einer im Winkel von 45 Grad aus dem Ost-West-Flügel abgeschrägte, aber nicht mit dem Nord-Süd-Flügel abschließende, sondern in ihn hineinreichende Wand, die im Hochparterre mit einem Rundbogen-Sprossenfenster versehen ist. Über die beiden oberen Geschosse erstreckt sich ein Rundbogenfenster, das den Eindruck macht, nachträglich verlängert worden zu sein. Es entspricht im Design nicht dem originalen Fenster. Auch die Tür im Souterrain wurde nachträglich eingebaut.

Westseite

Die Westseite des Ost-West-Teils war zweigeteilt, weil das Haus hier eine Etage weniger hatte und das Walmdach deshalb heruntergezogen. Der Teil mit dem heruntergezogenen Dach hatte zwei Achsen mit Paaren von kleinen Fenstern im ersten und im zweiten Stock. Der unter dem eigentlichen Walm liegende Teil hatte zwei Achsen mit Fensterpaaren in jedem Geschoss. Zu DDR-Zeiten wurden diese Wandöffnungen zu Türen umgebaut und ein Fahrstuhlschacht angebaut.

Westseite mit Blick in die Innenecke

Es wird vermutet, dass der Fürstenhof von Möckel entworfen wurde. Dafür spricht die Vielfalt an Formen. Putzflächen werden durch backsteinähnliche Bossierungen eingerahmt, die Fenster variieren nicht nur in der Form, sondern auch in der Größe. Fachwerk setzt das Dachgeschoss deutlich ab und es kommt gerade kein typisches funktionales Fachwerk zum Einsatz, sondern ein verzierendes mit diagonalem Gebälk und sogar Rundungen.

Die Stützen sind sichtbar und kunstvoll geschnitzt, die Gauben mal mit Walmdach und dann wieder mit Satteldach. An fast allen Stellen werden Risalite angedeutet, an einer ist er echt. An fast allen Stellen kommen zweiachsige Erker zum Einsatz, an einer Stelle sind zwei nebeneinander gesetzt. Mal sitzt der Balkon auf einer eher mittigen Achse, mal ganz außen. Selbst der Dachfirst hat verschiedene Höhen. Die Balkonbrüstungen sind reich verziert und aus Schmiedeeisen. Diese Vielfalt ist einmalig in Heiligendamm und wenn man sich die Villa „Winter“, das Gymnasium und Möckels Wohnhaus ansieht, drängt sich die Annahme geradezu auf, dass er der Baumeister war.

Was dieser Bau gekostet hat, ist eine interessante Frage. Wovon konnte Peters sich das leisten, aber das Haus letztlich nicht zum Erfolg führen? Auch, warum die Rückseite so auffallend schmucklos war, kann nur spekuliert werden. Die rechtwinklige Anordnung ermöglichte einen Hof, in dem auch ein größeres Gebäude stand. Dahinter befanden sich Gärten, die genau bis an den linken Teil des nach Westen geteilten Ost-West-Flügels heran reichten. Ließ man hier Platz für eine Erweiterung?

Die schmucklose Westseite des Nord-Süd-Flügels hatte eine Tür ganz außen. Das Waldmach war oberhalb der drei schmucklosen Fensterachsen noch einmal in einen Walm aufgeteilt. Man hätte das Dreieck abdecken können und hier einen weiteren Ost-West-Flügel anbauen können. Dabei hätte nicht einmal das Haus im Hof im Weg gestanden. Wollte man hier eine Erweiterung möglich sein lassen? Was wir heute auch nicht wissen: Kamen überhaupt Fürsten in den Fürstenhof und wenn ja, welche?

Zustand 2004

2002 erwarb die EntwicklungsCompagnie Heiligendamm GmbH & Co. KG das Haus und verfolgt die Idee, es zu einem Konferenzhotel mit 35 Zimmern zu machen und einen Konferenzsaal anzubauen, der multifunktional variierbar ist und auch Konferenzen im Freien ermöglicht. Da das Grand Hotel Räumlichkeiten dieses Ausmaßes nicht bieten kann, sollte dies eine Ergänzung sein, um Heiligendamm zum regelmäßigen Tagungsort zu machen.

Seitdem wird das Haus gesichert und über eine Klimaanlage erhalten. 2007 entstand hinter dem Haus ein Parkplatz, der seit 2012 auch vom Grand Hotel genutzt wird. In der Mediation von 2015 verpflichtete sich die ECH, diesen und andere innerörtliche Bereiche zuerst zu entwickeln, bevor außerhalb des Ortskerns etwas entwickelt wird.

 

Hinweis:
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