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Gedanken zur deutschen Einheit in unserer Region

Fast ein Vierteljahrhundert ist es schon wieder her, dass mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik unser Land wiedervereinigt wurde. Vieles wurde erreicht und die Einheit ist mit jedem Kapitel spürbarer geworden. Doch es gibt sie noch, die alten Denkweisen und Anschauungen, die Unheil anrichten und Leuten das Leben schwer machen. Es fängt beim falschen Selbstverständnis von Verwaltung und Behörden an: Bürger sind keine Bittsteller und Presse hat ein Recht auf Information und muss doch immer wieder erleben, dass auf mehrmalige Anfragen nur mit beharrlichem Schweigen reagiert wird oder mit falschen Informationen etwas vertuscht werden soll. Gerade auf dieser den Bürgern sehr nahen Ebene funktioniert in unserer Region der Rechtsstaat noch nicht richtig. Leute werden denunziert, wenn sie Fakten auf den Tisch legen und Verwaltungsmitarbeiter schieben Keile zwischen Interessengruppen, damit sie nicht erstarken. Selbst zwischen den Behörden leidet die Sacharbeit durch Schuldzuweisungen, besonders gern „von unten nach oben“. Auch vor öffentlichen Beleidigungen und übler Nachrede schrecken Personen in Amt und Ehrenamt nicht zurück. Selten geht es um die Sache und oft um Befindlichkeiten. Darum treten auch bei uns einige Städte und Dörfer seit Jahren auf der Stelle. In den Gemeinde- und Rathäusern sind Volksvertreter nur mit sich selbst, mit dem Bürgermeister oder mit unbeliebten Investoren beschäftigt oder sie betreiben Lobbyarbeit und lassen alles nur noch um diese persönlichen Befindlichkeiten drehen. Letztes war in der DDR nicht anders und es macht vor der nächsten Generation nicht Halt. Dennoch: Ganz in der Vergangenheit verhaftet ist unsere Region nicht. Die öffentliche Hand wird weit aufgehalten, vom WC über den Parkplatz bis hin zur Kurtaxe und Zweitwohnungssteuer wird Geld genommen und wenn man sich dagegen ansieht, was dieselbe Hand den zahlenden Gästen bietet, erscheint das alles kapitalistischer, als es in DDR-Lehrbüchern mit Bezug auf den „Klassenfeind“ nachzulesen war. Das Geld aus dem „Westen“ ist aber nach wie vor willkommen und Investoren werden reihenweise angelockt, damit sie die Städte und Dörfer schön machen oder Geld in die klammen Kassen spülen. Eine Besonderheit hier bei uns in der „Provinz“ ist aber, dass Investoren als Bittsteller gesehen werden und dass man ihnen Wunschzettel vorlegt, auf denen Aufgaben stehen, für die eigentlich die Gemeinden selbst verantwortlich sind und die private Investoren übernehmen sollen, sonst würde man ihr Vorhaben ablehnen. Das reicht bis hin zu detaillierten Gestaltungswünschen, die den Wünschenden gar nicht zustehen. Da zieht es dann die Investoren zurück in ihre Heimat oder gar weiter gen Osten, wo die neuen EU-Mitglieder schon warten. So ist die deutsche Einheit etwas, das auf Vollendung durch uns alle wartet.

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