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Grand-Hotel-Verkauf gescheitert. Wie konnte das passieren und wie geht es weiter?

Die letzte Frist ist am Montag um Mitternacht verstrichen, der Kaufpreis von 29,5 Mio. Euro nicht gezahlt, der Verkauf des Grand Hotels gescheitert. Zugleich läuft gegen sechs Beschuldigte ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts auf banden- und gewerbsmäßigen Betruges. Ist man auf Betrüger herein gefallen?

Das Wirtschafts-Ministerium erklärt: „Die Käufergruppe De & De Holding GmbH und Palladio AG hatte im Zusammenhang mit dem Kauf des Grand Hotel einen Finanzierungsnachweis eines Berliner Notars vorgelegt. Dieser Finanzierungsnachweis war ausschlaggebend dafür, dass der Insolvenzverwalter mit der Käufergruppe den Kaufvertrag über das Grand Hotel abgeschlossen hat.

Nach Abschluss des Kaufvertrages stellte sich heraus, dass die von dem Notar abgegebene Erklärung, dass der Kaufpreis zweckgebunden auf einem Notaranderkonto zur Verfügung steht, nicht der Wahrheit entsprach. Unmittelbar nach Bekanntwerden dieses Sachverhaltes hat das Wirtschaftsministerium deshalb im Juni Strafanzeige bei der Rostocker Staatsanwaltschaft gegen alle in Betracht kommenden Beteiligten rund um den Verkauf des Grand Hotels erstattet.

Die zum 1. Juli 2013 erste Rate des Kaufpreises in Höhe von 2,5 Millionen Euro ist nicht gezahlt worden“. Das Land sitzt selbst im Gläubigerausschuss und hat den Verkauf mitentschieden. Es verweist jedoch darauf, nur die eigenen Belange zu vertreten und sagt über den Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum: „Der Insolvenzverwalter ist der Steuermann“.

Dass der „Tomaten auf den Augen hatte“, glaubt das bekannte Internetportal GoMoPa, wobei Zumbaum sich nicht als Opfer aber als Prellbock der Enttäuschung und Wut vor Ort fühlt und es „schade findet, dass hier so emotional argumentiert wird“. Diese Einstellung mache es ihm nicht leichter, einen geeigneten Käufer zu finden und auch hier würde über die Person des geeigneten Investors nur emotional diskutiert.

Zumbaum weist darauf hin, dass „auch die erste Lösung keineswegs so schlecht aussah, wie man sie heute im Nachhinein darstellt“. Zumbaum: „Immerhin habe ich mehr als 1 Jahr in der ganzen Welt Interessenten gesucht, und man hat auch schon vor mir versucht, geeignete Investoren zu finden, alles vergeblich“.

Damit spricht er ein Problem an: Auch 1993 suchte man vergeblich und ein Interessent nach dem anderen sprang ab, bis nur Anno August Jagdfeld mit seiner FUNDUS-Gruppe übrig blieb. Überzeugen konnte sein Resortkonzept, die Doberaner Herzen gewinnen jedoch kaum. Jagdfeld warnte im Vorfeld in Pressemitteilungen vor fehlenden Konzepten der Käufer. Gegenüber der Immobilienzeitung (IZ) äußerte er sich am 27.Juni schon vor dem Verkauf wie folgt „Grundsätzlich begrüße ich jeden Investor, der das Grand Hotel als Luxushotel erhält und nicht zerfleddert, indem er etwa Eigentumswohnungen oder eine Klinik daraus macht…“

Auf die Käufer angesprochen zeigte er sich überrascht: „Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum ist von einer der Gläubigerbanken massiv gedrängt worden, endlich zu verkaufen. Ich weiß, dass man viele schöne Adressen, die so ein Hotel betreiben können, mit der Maßgabe verschreckt hat, einen Weg für jedermann quer über das Hotelgelände zu akzeptieren.“ Am 11. Juli zeigte Jagdfeld Entsetzen und sagte „Mich wundert das nicht. Man hätte wissen müssen, mit wem man es zu tun hat“. Zumbaum bestreitet die „Aussortierung“ nicht, verweist aber auf den B-Plan Nr. 25, in dem ein Stichweg eingezeichnet und damit zu berücksichtigen sei. So füllten in den letzten Wochen Beschuldigungen und geisterten Namen durch die Presse.

Zwei von ihnen sind Halloren-Großaktionär Morzinsky und Hohe-Düne-Investor Lökkevik, aber auch von weiteren ist die Rede. Wer auch immer am Ende das Rennen macht, soll nach dem Wunsch des Landes „mit einem überzeugenden Konzept das Hotel nachhaltig sichern“. Ein schneller Verkauf an den nächstbesten Interessenten ohne Konzept soll also nicht noch einmal stattfinden.

Hier sind sich alle einig, während weiterhin Unklarheit darüber herrscht, wie ein Hotel in diesem Umfeld mit Kreditbelastung rentabel betrieben werden kann und wer wie und wann und für welche Zielgruppen den Ortsteil Heiligendamm entwickeln soll. Die größte Baustelle jedoch ist die von Zumbaum angemahnte Sachlichkeit.

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