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Heiligendamm: Mediationen, bis es passt?

„Dass wir miteinander reden können, macht uns zu Menschen“ sagte der Philosoph Karl Jaspers. Immer wenn es um Heiligendamm und ganz speziell Investor Anno August Jagdfeld geht, dann können die Verantwortlichen nicht miteinander reden. Jede Sitzung dazu gipfelt in Diskussionen und jede noch so kleine Meldung, die im weitesten Sinne mit Jagdfeld zu tun hat, landet in der Zeitung. Alle reden über, aber kaum jemand mit ihm. Nun soll ein Mensch her, der das möglich machen soll: Franz-Joachim Hofer. Er ist einer der Geschäftsführer der Hanseatischen Anwaltskammer Hamburg und wurde von der IHK als Mediator vorgeschlagen, um alle an einen Tisch zu bringen, die Heiligendamm gestalten. So ganz sind diese davon nicht überzeugt: Das Grand Hotel sieht sich nicht an einem Streit beteiligt, die Median-Klinik erkennt keinen richtungsweisenden Schritt für das Seeheilbad und die ECH sieht keinen Sinn darin, dass die Stadt eine Mediation will, solange sie blockiert. Grand Hotel und Median-Klinik würden Zeitungsberichten zu Folge trotzdem an der Mediation teilnehmen. Von Jagdfeld weiß man das nicht und eigentlich ist es egal, wie er sich entscheidet: Die Stadt will einen Stichweg über ECH-Grundstück, er will das nicht. Die Stadt will aus den Verträgen aussteigen, er bekennt sich zu den Vereinbarungen. Wie soll ein Kompromiss zwischen „Stichweg“ und „kein Stichweg“ aussehen? Alles was zu diesen Themen gesagt werden konnte, wurde lang und breit, zeitraubend und teuer diskutiert: Seit 1997 erstellt die Stadt die B-Pläne, beteiligt alle relevanten Institutionen und die Bürger daran und bereits 2004 saßen alle Verantwortlichen an einem Tisch und arbeiteten zusammen mit Experten, Bürgern und Verbänden unter Moderation an Kompromissen. Die Kosten für dieses Kolloquium musste die ECH bezahlen, gebracht hat es ihr nichts: In den folgenden 10 Jahren sorgte jede Verpachtung, Widmung oder Übertragung erneut für Diskussionen und Medienrummel, aus der Waldumwandlung zum Hotelpark und dem Negativattest für die Übertragung der Villen an die Sanierungsträger wurden monatelange Politika. Der Versuch, mit der Versagung der Verlängerung der Baugenehmigungen von Jagdfeld Zugeständnisse zu erzwingen, scheiterte vor Gericht. Nachdem der damalige IHK-Chef offen über die Drohkulisse gegen Jagdfeld sprach, wird der beim jüngsten Vorschlag aus diesem Hause vorsichtig sein. Wie viele Mediationen will man machen, bis es passt? Lehnt er ab, ist er der Böse, stimmt er zu, kann er angesichts der Rathaus-Wunschliste nur verlieren. Nur: Was hat er zu verlieren? Wilhelm Busch wusste: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.“ Noch mehr als Jagdfeld können nur wir verlieren, denn jede neue Blockade und jedes weitere Jahr Stillstand kostet uns unser Heiligendamm!

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