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Heiligendamm: Villen-Abriss für Stichweg-Bau?

Seit einem Jahr gehört das Grand Hotel Heiligendamm einer Gesellschaft des Hannoveraner Wirtschaftsprüfers Paul Morzynski. Aus diesem Anlass lud er zu einem Pressegespräch in kleinem Rahmen ein und zog Bilanz. Demnach hatte das Hotel einen guten Start mitten in der Hochsaison und schrieb nach 5 Monaten ein Plus von 600.000 Euro. Dem Voreigentümer sei dies auf Grund der kostenintensiven Sanierung und damit verbundenen hohen Schulden nicht möglich gewesen. Ohne diese Belastung ließe sich das Grand Hotel gewinnbringend führen, aber es sei kein Haus zum reich werden: Allein der Pflegeaufwand sei siebenstellig, was Gewinne zwingend nötig macht. Im Moment beschäftigt das Hotel 220 Menschen und sucht nach guten Fachkräften aus der Region. Das Hotel hat über eine Mio. Euro in die Aufwertung der Gästebereiche investiert und will bis zum Jahresende weitere 130.000 Euro investieren. Für das kommende Jahr ist eine Erweiterung des SPA-Bereiches mit Thermalbad und Außensaunen geplant, genauere Pläne gäbe es noch nicht. Hindernisse könnten die Denkmalpflege und der Streit um das Auslassungsvermerk im Grundbuch sein. Das Berliner Unternehmen De&De Holding hatte das Grand Hotel im letzten Jahr zusammen mit der Palladio AG kaufen wollen und den Kaufpreis nicht entrichtet, sodass zwischen De&De und dem Insolvenzverwalter gerichtlich gestritten wird. Die Burg, Orangerie und das Kinderhaus gehören noch nicht endgültig dem Hotel. Insgesamt soll die SPA-Erweiterung 7-8 Mio. Euro kosten. Nach Investitionen in die Infrastruktur Heiligendamms gefragt kann sich Morzynski neue Angebote für die Hotelgäste direkt am Strand oder auch Investitionen in eine bessere Eignung der Seebrücke für Kreuzfahrer vorstellen. In der zweiten Reihe sollen in der Orangerie ein „Italiener“ an- und die bestehende Sushi-Bar umgesiedelt werden. Weitere Investitionen in den Ortsteil – wie vom Vorgänger immer wieder getätigt – stellte Morzynski nicht in Aussicht, begrüßte aber die Bemühungen der Stadt, selbst zu investieren. Hoteldirektor Tim Hansen hob lobend die durch die Stadt erfolgende und dem Hotel nützliche Pflege des Strandes hervor. Auf Nachfrage nach der Nutzung z.B. der Strandversorgung durch die Hotelgäste verwies er auf das eigene Angebot des Hotels. Eine Öffnung des Hotelgrundstücks schließt er nach dem gescheiterten Experiment aus, jeder sei aber in den Bars und Restaurants willkommen. Morzynski kann sich vorstellen, den Waldweg vom Bahnhof zu verlängern und für diesen Stichweg Teile der Perlenkette abzureißen. Der weitere Verfall wäre tödlich und ein sichtbarer Fortschritt „eine gute Sache“. Die Euphorie sei geblieben, er habe es nicht bereut, aber „Wenn Windräder vor der Küste kommen, werfe ich hin .“

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