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Kino weiter in der Warteschleife

Ein neuer Interessent für das Bad Doberaner Kamp-Theater hat sich den Stadtvertretern vorgestellt. Nach einigen Lösungsansätzen fielen diese wieder in die alte Diskussion zurück: Soll die Stadt das Kino retten?

Wie die OSTSEE-ZEITUNG am 13.04.2012 berichtet, wurde in der Kino-Angelegenheit der Sozialausschuss aktiv und lud den Interessenten für das Kino – Torsten Tapken – für ein Forum ein. Eigentlich wäre das Sache des Wirtschafts- und Tourismusausschusses aber im Sozialausschuss sitzen mehrere Lokalpolitiker, die seit Monaten (auf teilweise recht verschiedenen Wegen) die Kino-Rettung versuchen.

Torsten Taapken ist Kultur- und Medienwissenschaftler, hat beim Hinstorff-Verlag, dem Rostocker Volkstheater und einem Kulturmagazin gearbeitet und besitzt die „Galerie für Filmkunst“ in Münster. Sein Konzept für das Kamp-Theater: Eine Genossenschaft soll gegründet werden, die das Gebäude kauft und die Stadt sich an der Genossenschaft beteiligt. Der Saal soll nicht nur als Kino, sondern auch für Theater, Kongresse, Lesungen und Vorträge genutzt werden. Taapken möchte verschiedene sehr spezielle Zielgruppen ansprechen, was er durch „Programmkino“ realisieren will. Denkbar für ihn ist z.B. Seniorenkino unter dem Motto „Kaffee, Kuchen, Kino“ mit alten Streifen aus der DDR. Auch Literaturverfilmungen, eine Zusammenarbeit mit dem Gymnasium oder Voraufführungen des „Polizeiruf“ in Zusammenarbeit mit dem NDR hält er für denkbar. Selbst ein Nachspielort für das Filmfest in Schwerin hält er für möglich und weiß auch, dass die Interessen der Touristen und Einheimischen zu beachten sind. Statt ständig neuester Streifen setzt er auf Klasse.

Taapken rechnet dabei vor, dass 250 Plätze für ein Kino allein zu viel sind: 12.000 Besucher hatte das Kino pro Jahr im Durchschnitt. Das sind gerade einmal 230 pro Woche – das Kino kann aber pro Vorstellung (also mehrmals am Tag) je 250 Personen aufnehmen. Während die Technik für den Interessenten als „solide“ gilt, fehlt aber auch ihm die Digitalisierung. Der Saal an sich jedoch ist veraltet und müsste umgebaut werden.

Die Ausschussmitglieder waren grundsätzlich nicht abgeneigt, suchten aber nach alter Manier zuerst die Probleme: Das Haus gehört dem Bad Doberaner Hugo Rauchstädt, der laut Bürgermeister Thorsten Semrau das Kino erhalten will. CDU-Ortschef Rolf Kuchenbuch stellte klar, dass man herausfinden muss, ob er das Haus denn auch verkaufen würde. Arnold Scholz (Die Linke) wollte hingegen gleich die Satzung der Genossenschaft sehen, die zu gründen wäre und Harry Klink stellte die Frage, was das alles kostet.

Nach diesen Sachfragen entbrannte erneut ein Streit über die Frage, ob sich die Stadt für das Kino engagieren darf oder ob das Kino ein Wirtschaftsbetrieb ist, der allein klar kommen muss. Ausschussvorsitzender Frank Pieplow beendete diese Diskussion mit der Feststellung, dass die Stadtvertretung einen Grundsatzbeschluss braucht, wenn sie sich engagieren will. Statt diesen gleich als Beschlussvorlage für die Stadtvertretersitzung zu formulieren, ging man erst einmal ohne Ergebnis auseinander. So hängt das Kino weiter in der Warteschleife, weil sich die Stadtvertreter nicht einheitlich für oder gegen die Hilfe durch die Stadt aussprechen wollen.

 

Zum vollständigen Artikel in der Ostsee-Zeitung:
http://epaper.ostsee-zeitung.de/dob/2012-04-13/oz.html

 

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