Kurz vor dem Abgrund: Ehm-Welk-Haus wird doch saniert

Ehm-Welk-Haus bis Frühjahr geschlossen – danach folgt Sanierung und Eröffnung mit neuen Angeboten und Öffnungszeiten

Fast schien es, als sei das kulturelle Erbe des bekannten Doberaner Schriftstellers Ehm Welk nicht mehr zu retten. Das einstige Wohnhaus des nach Bad Doberan übergesiedelten Dichters gehört seit seinem Tod der Stadt und seine Auflage, dass es der Jugend zu Gute kommen muss, machte manche Ideen zu einer neuen Nutzung schwierig. Die aber hätte es gebraucht, um das Kulturgut auf wirtschaftlichen Boden zu stellen, schließlich ist das Haus ein halbes Jahrhundert alt und müsste dringend saniert werden.

 

Nach Streit drohte das Aus

Bei einer Summe nahe an der halben Million Euro konnte die Stadt das Erbe nicht aus dem Haushalt sanieren und das sahen die Stadtvertreter angesichts der vielen Vereine, die sich dann benachteiligt fühlen, auch nicht ein. Mit einer neuen Nutzung, von der jeder Bürger etwas hat, ließe sich die hohe Sanierungssumme auch rechtfertigen, so das Kalkül. Doch da hatten die Lokalpolitiker ihre Rechnung ohne den Wirt gemacht und das ist in diesem Fall der Freundeskreis Ehm Welk, der nicht nur so heißt, sondern deren Mitglieder Welk überwiegend auch persönlich kannten. Diesen Menschen geht es nicht um Wels Haus, sondern um Welks kulturelles Erbe.

 

Freundeskreis hielt Haus über Wasser

Nachdem alle Ideen gescheitert waren – darunter auch ein Literaturhaus und ein Jugendtreff – wollte die Stadt das Ehm-Welk-Haus schließen. Der Freundeskreis sprang in die Bresche und somit konnte das Haus zwar geöffnet bleiben, aber damit war nur Zeit gewonnen. Was einmal zu ist, bleibt zu und genau das konnte der Freundeskreis verhindern. Das Haus sanieren und es ohne Hilfe der Stadt betreiben, kann er aber nicht.

 

Sanierung Dank LEADER doch möglich

Also bemühten sich die Verantwortlichen um Geld, denn das fehlte an erster Stelle. In Frage kam das LEADER-Programm zur Förderung der ländlichen Region. Normalerweise fördert das EU-Programm eher kleine Projekte und so stand das Ehm-Welk-Haus erst einmal auf einem Nachrückerplatz. Wohl durch das Abspringen einiger Antragsteller rückte das Literaturhaus nach oben und bekam 360.000 Euro aus dem europäischen Fördertopf. Insgesamt werden 459.000 Euro investiert. Die Baugenehmigungen liegen vor, im Frühjahr 2019 soll die Sanierung beginnen. Dabei wird der Zugang zum Haus dann auch über eine Rampe an der Gartenseite barrierefrei.

 

Mehr Angebote, öfters offen

Geplant ist ein Forum für Kinder- und Jugendarbeit, das regelmäßig Bildungsangebote macht. Dazu gehören Sprachkurse, Lesewettbewerbe und Schreibwerkstätten. Außerdem soll es wie gehabt Lesungen, Vorträge, Diskussionen, Exkursionen und Ausstellungen geben. Organisator für all das ist der Freundeskreis. Deren Mitglied Ulla Golombek mahnt die Stadt, sich nicht nur darauf zu verlassen. Nur mit einem richtigen Betreiberkonzept könne man sich auf individuelle Projekte einlassen, aktiv bestimmte Besuchergruppen ansprechen und mit Menschen ins Gespräch kommen. Dazu braucht es aber das Personal der Stadt und nicht ausschließlich den Verein.

Außerdem soll das Haus wieder an möglichst vielen Tagen Schulklassen, Vereinen und Bewohnern zur Verfügung stehen. Bisher hatte das Ehm-Welk-Haus nur an zwei Tagen für je drei Stunden geöffnet – mehr war mit 5.400 Euro Zuschuss im Monat bisher nicht drin.

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