Planung einer Eliteschule (Adolf-Hitler-Schule)

Standort:
Kleiner Wohld
zwischen 54°08’39.4″N 11°49’26.3″E und 54°08’39.8″N 11°49’01.7″E

Nachdem Bad Doberan 1933 als eine der ersten deutschen Städte Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft verlieh, umgarnten seine lokalen Anhänger um Gauleiter Friedrich Hildebrandt den Führer weiter. Sie benannten die Straße nach Heiligendamm nach ihn und 1935 kam Adolf Hitler tatsächlich persönlich an die Ostsee.

Adolf Hitler auf der Seebrücke Heiligendamm
Adolf Hitler und Hermann Göring mit Familie in Heiligendamm (Quelle: Bundesarchiv)

Joseph Goebbels schrieb im Juli in sein Tagebuch: „Gefaulenzt. Palaver mit dem Führer“ Adolf Hitler selbst wurde den Aufzeichnungen seines Ministers zufolge begeistert in dem Ort empfangen: „Die Leute sind rührend, die Frauen weinen vor Freude“.

Doberan-Heiligendamm_20er_Hitler-Goebbels
Quelle: Bundesarchiv)

1936 fand auf Wustrow ein Manöver statt, zu dem Adolf Hitler und sein italienischer Kollege Benito Mussolini als Besucher angekündigt waren. Im Vorfeld wurde der Fachwerkbahnhof in Heiligendamm durch einen größeren postklassizistischen Bahnhof ersetzt. Alle überflüssigen Schornsteine im Ort wurden entfernt und das Bad in ein KdF-Bad umgewandelt.

Die Bemühungen hatten Erfolg: Hitler suchte unter zehn deutschen Gauen auch Mecklenburg aus, um eine Eliteschule zu gründen. Per Verfügung vom 15.01.1937 verfügte er den Bau einer solchen Eliteschule in Heiligendamm. Kurz danach wurde die für den Bau vorgesehene 12 Hektar große Fläche zwischen dem Liegnitzsteg und den Bahnschienen erschlossen. Baugruben wurden ausgehoben, Baustraßen und Bauhütten errichtet. Eine Bauhütte befand sich auf der Anhöhe am heutigen Strandzugang „Kinderstrand“ unmittelbar vor dem Bach.

Am 25.09.1937 erreichen Hitler und Mussolini mit Gefolge mit der Bahn den Bahnhof in Kröpelin, wo sie in Limousinen (Mercedes, Horch) stiegen und nach Alt Garz (heute: Rerik) auf die Halbinsel Wustrow fuhren. Die beiden Führer besuchten dann auch Bad Doberan und Heiligendamm.

 

Grundsteinlegung für die AHS Heiligendamm (Archiv Rochow / Verlag Niederdeutscher Beobachter)

Auf den Tag ein Jahr nach dem Beschluss Hitlers zum Bau der Eliteschule in Heiligendamm erfolgte am 15.01.1938 die feierliche Grundsteinlegung im Kleinen Wohld. Kurz danach begann Deutschland den 2. Weltkrieg und 1939 wurde das Bad für Heereszwecke beschlagnahmt. Die Aushübe wurden vollendet, aber es blieb bei den Baugruben.

Anmerkung: Entgegen vorheriger aus einigen Büchern übernommenen Angaben handelte es sich bin Heiligendamm nicht um eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt (NPEA/NAPOLA), sondern um eine Eliteschule. 

Das Seebad wurde 1941 an die Reichsmarine verkauft und in eine Reichskadettenschule umgewandelt. Das hatte nichts mit der geplanten Eliteschule zu tun. Die Reichskadetten waren keine Nachwuchsführungskräfte, sondern ganz im Gegenteil junge Leute, die wegen Defizite in der Bildung nicht zur Marineschule in Mürwik zugelassen wurden und darum in Heiligendamm einen Grundlehrgang bekamen. Bestanden sie ihn, durften sie sich in Mürwik bewerben. Fielen sie durch, mussten sie an die Front.

Bombenkrater vor der Aufforstung, Überflug Sowjet-Armee 1953 (Quelle: GAIA-MV)

Im April 1942 gab es eines von mehreren Bombardements auf Rostock. Auf dem Rückzug vor den deutschen Jagdflugzeugen warf ein britischer Bomber am 26. Juli seine Last in den Kleinen Wohld und traf dabei das still sein 150. Jubiläum begehende Seebad. Ein toter Soldat und eine verletzte Frau, sowie ein verwüsteter Wald und zerborstene Fensterscheiben wurden gemeldet. Die über 30 Bombenkrater konzentrieren sich auffällig auf die Baugruben.

Fläche heute (Quelle: GAIA-MV)

Unter Leitung von Helmut Mattke wurde im Frühjahr 1954 die verwilderte und zerklüftete Baugrube der Eliteschule aufgeforstet. Der Granitblock von der Grundsteinlegung wurde von Steinmetzmeister Franz Pabel zu sich nach Bad Doberan geholt.

Cache im Grundstein der Adolf-Hitler-Schule.

Der umgebende gemauerte Grundstein blieb liegen. (Einem Zeitzeugen zu Folge soll sich auf ihm später ein Obelisk mit dem Roten Stern befunden haben). Der Stein liegt heute noch, statt einer Zeitkapsel befindet sich in ihm aber eine Tupperware-Dose mit Block und Stift für Geocacher.

Im Zuge der Aufforstung wurde der Wanderweg verlegt (heute: Europäischer Ostseeküstenradwanderweg E9). An der Küstenkante wurden Sanddorn und Heckenrosen gepflanzt, dahinter Erlen, Eschen, Weiden und einige Roteichen und in der Baugrube Stieleichen. Im Sumpfgebiet wurden Erlen gepflanzt und bis zur Mollitrasse hin Pappeln.

Visualisierung von Nordwest (Quelle: Archiv Rochow / Verlag Niederdeutscher Beobachter)
Visualisierung Feierhalle Visualisierung von Nordwest (Quelle: Archiv Rochow / Verlag Niederdeutscher Beobachter)
Visualisierung Draufsicht von Südwest Visualisierung von Nordwest (Quelle: Archiv Rochow / Verlag Niederdeutscher Beobachter)
Standort der Bauhütte heute
Baugruben heute
Grundstein heute

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.