Villa “Augusta” (Villa von Witzleben, Kindergarten)

Alte Namen: Villa von Witzleben, Kindergarten

Standort:
Gartenstraße 1
54°08’22.0″N 11°50’48.8″E

Bauzeit: 1867
Architekt: Kayser & Großheim

 

Beschreibung:

Die Villa “Augusta” wurde ein Jahr nach dem Verkauf des Seebades durch Großherzog Friedrich Franz II. an Baron Otto von Kahlden entworfen. Die damals renommierten Architekten Kayser & Großheim aus Berlin waren dieselben, die auch die Erweiterung des Seebades planten und später den Anbau an der Villa “Perle” entwarfen.

Villa für 1-2 Familien, Heiligendamm. (Aus: Architektonisches Skizzenbuch, H. 127/4, 1874.), Kayser & von Großheim

Der Name „Villa Augusta“ ist durch den Hoffotografen Beckmann überliefert. Gleich drei Bilder stammen laut der Deutschen Fotothek von 1867 und zeigen die vollendete Villa und das Haus dahinter. Insofern könnte das in anderen Quellen genannte Baujahr 1887 ein Lesefehler sein.

Das Haus wird mit der Familie von Witzleben in Verbindung gebracht. Friedrich Hartmann von Witzleben war 1834-1850 Kammerherr der Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach. Er fertigte viele Porträts von Personen des preußischen Herrscherhauses und starb 1873, könnte also dieses Haus gebaut und nach Augusta benannt haben. Aber sie kann auch selbst in diesem Haus gewohnt haben. Sie heiratete 1829 den Prinzen Wilhelm von Preußen, den Bruder der Prinzessin Alexandrine, seit 1822 Großherzogin von Mecklenburg.

Es gibt also eine Verbindung von Witzleben zu Augusta und eine von Augusta zum mecklenburgischen Herrscherhaus und die Villa wurde offenbar vor dem Verkauf des Bades errichtet und nicht mit verkauft. Also befand sie sich in Privatbesitz. Mehr Informationen stehen nicht zur Verfügung.

(Quelle: A. Beckmann)

Der Eingang der Villa zeigt nach Norden. Ein dreiachsiger Mittelrisalit mit vorgesetzter Eingangsloggia bildet den Mittelpunkt. Die Beletage liegt im Hochparterre und ist über eine geschwungene Treppe mit aufwändig verzierten Handläufen zu erreichen. Vor der Treppe befand sich ein runder Brunnen. Das große Grundstück war mit einem reich verzierten Zaun umgeben. Rechts und links der Mittelachse gibt es eine Fensterachse mit rechteckigen Doppelfügelfenstern im Hochparterre und kleineren Fensterpaaren im Mezzanin und Souterrain.  

Die Loggia wird durch Säulen getragen, die auf einer hüfthohen Brüstung stehen. Die Seiten waren mit je zwei Sprossenfenstern verschlossen. Die vorderen Achsen waren ohne Fenster. Den eigentlichen Eingang bildete eine hohe Tür mit je einem hohen schmalen Fenster an den Seiten. Im Obergeschoss befindet sich ein Balkon auf der Loggia. Die Fenster im Risalit haben Bögen, die in der Beletage sind umrahmt, bekrönt und mit Pilastern versehen. Die Vertikale wurde mit Bossierungen betont, die Horizontale mit Gesimsen zwischen Souterrain und Beletage und einem Zahngesims unter dem weit vorstehenden Dach.

Der ganze Risalit wurde durch eine eindrucksvolle Balustrade bekrönt, auf der sechs kunstvolle Spitzen saßen Auch die Ecken der Balkone waren damit bekrönt. Die Westseite wiederholte das Motiv der Vorderseite mit einer Achse und einem Erker mit aufgesetztem Balkon. Die Ostseite sah der Westseite sehr ähnlich, aber es gibt hier keine linke Seite.

(Quelle: A. Beckmann)

Im Mezzanin befand sich in der Länge des Risalits ein überstehender Erker, der aber nicht mit dem Dach abschloss, sondern ein eigenes Dach hatte. Unter ihm befand sich wohl eine Art Veranda. Dieses vorgesetzte Konstrukt stieß an der Mittelachse an einen weiteren Erker, der ebenfalls nicht zum Boden reichte und zwei Stockwerke hatte. Dadurch reichte er über den Rest des Hauses hinaus. Oben hatte er eine bogenförmige Blendfensterverzierung. Angebaut war dieser Erker an einen hohen quadratischen und jeweils zweiachsigen und mit Fenstern geschlossenen Turm mit Stange. Das war ein beliebtes Motiv dieser Zeit.

Die linke Seite neben dem Turm hatte zwei verschieden tiefe Achsen, von der die erste die schmalen Fenster des rechten Teils kopierte und verdoppelte, während der vorstehende westliche Teil die „fehlende“ linke Achse der Ostseite wiedergab.

Durch dieses Spiel mit Risaliten und Erkern und dem von der Schauseite hinter dem erhabenen Gebäude zurück gesetzten Turm ergibt sich eine große Spannung.

Dieses Haus war einzigartig und untypisch für den sonst so auf Symmetrie und Gliederung bedachten Stilmix in Heiligendamm.

Aber es gibt diesen Stil in der Dammchaussee und der Goethestraße noch einmal. Wahrscheinlich zu DDR-Zeiten hat man den Turm und den daran gebauten Erker auf Dachhöhe gekürzt.

Eine Postkarte vom 01.07.1933 von Joseph Schmidt ist auf dem Briefpapier der Villa „Augusta“ geschrieben. Wie das Haus genutzt wurde, ist nicht überliefert.

Zuletzt waren im Mezzanin Wohnungen und im Erdgeschoss ein Kindergarten eingerichtet. Die Immobilie gehörte nicht zu den 1995 von der TLG im Paket angebotenen Immobilien. Die EntwicklungsCompagnie Heiligendamm (ECH) erwarb sie aber zur selben Zeit.

Im Masterplan war hier die Idee eines Gourmetrestaurants aufgenommen worden. Aktuell gibt es keine Planungen für das Gebäude. Es wurde noch einmal gesichert, um unbefugtes Eintreten zu vermeiden.

Auf demselben Grundstück befindet sich ein weiteres kleines Gebäude, das in Verbindung mit diesem Haus steht und als „Gästehaus der Familie von Witzleben“ bezeichnet wird.

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