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Pressereaktionen auf Grand Hotel Insolvenz in Heiligendamm

Vorab: Die Insolvenz des Grand Hotels Heiligendamm fiel genau in die Zeit meines Umzuges und ich erfuhr davon erst spät. Der erste Akt mit dem neuen Internetzugang ist es darum, die Fakten zusammenzutragen. Eventuelle Analysen erfolgen später – ich brauche selbst erst Informationen.

Hier der Artikel der Ostsee-Zeitung vom 29.02.2012:

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Luxushotel Heiligendamm pleite: Land bangt um Steuermillionen
Investor Jagdfeld meldet Insolvenz an. Sein Immobilienfonds häuft 30 Millionen Euro
Schulden an. Für das Hotel bürgt Mecklenburg-Vorpommern mit vier Millionen.

Von Andreas Meyer
und Jörg Köpke

Heiligendamm – Fünf Jahre nach dem G8-Gipfel in Heiligendamm sieht das Luxushotel am Ostseestrand einer ungewissen Zukunft entgegen. Das Grand Hotel, lange Zeit Vorzeigeprojekt der Tourismusbranche im Nordosten und 2007 Treffpunkt der acht wichtigsten Staatschefs der Welt, ist pleite.

Der Eigentümer der Nobelherberge, die Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co. KG mit Sitz in Düren, hat beim Amtsgericht Aachen Insolvenz angemeldet. Der Betrieb im Fünf-Sterne-Plus-Hotel, das 2003 eröffnet wurde, soll vorerst weitergehen. Die Löhne der rund 300 Angestellten seien für mindestens drei Monate sicher, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter des Hotels, der Dürener Anwalt Jörg Zumbaum. Diese Insolvenz könnte die Steuerzahler in MV hart treffen: Laut Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) hat das Land das Hotel seit 1997 mit rund 51 Millionen Euro gefördert. Das entspricht etwa einem Viertel der Gesamtinvestition von 200 Millionen Euro. Die eine Hälfte floss in die Immobilie, die andere
Hälfte in die Schaffung von mindestens 300 Arbeitsplätzen. Sollten in den nächsten Monaten Jobs wegfallen, wäre auch ein Teil der Landesförderung verloren. Nach OZ-Informationen kann das Land maximal fünf Millionen Euro zurückverlangen. Zudem bürgt das Land mit
vier Millionen Euro für die Hotel-Gesellschaft. „Diese Bürgschaft wird jetzt fällig – und über dieses Geld müssen wir reden“, so Glawe. Die Bürgschaft sei durch einen Eintrag ins Grundbuch abgesichert. „Eine Gefahr, dass der Steuerzahler zur Kasse gebeten wird, besteht nicht“, beteuerte ein Hotel-Sprecher. Die Opposition zeigte sich skeptisch. Linken-Fraktionschef Helmut Holter verlangte Aufklärung von der Landesregierung. Sie solle prüfen, ob Fördermittel zurückverlangt werden könnten. Hinter derBetreibergesellschaft stehen Banken und 1900 Anleger aus ganz Deutschland. Sie werden wohl auf einen Großteil ihres angelegten Geldes verzichten müssen.

Selbst wenn sich ein neuer Investor finden sollte, will Insolvenzverwalter Zumbaum einen „Schuldenschnitt“ nicht ausschließen. Hotel-Geschäftsführerund Investor Anno August Jagdfeld begründete die Insolvenz mit Forderungen der Banken. Der Immobilienfonds habe rund 30 Millionen Euro Schulden. Jagdfeld räumte ein, dass eine Kapitalerhöhung gescheitert sei und das Hotel die fälligen Zinsen nicht mehr aufbringen könne. Zudem gab er der Gemeinde eine Teilschuld an der Pleite. Auch die schlechte Auslastung im Winter sei schuld an der Krise. „Im Sommer
verdienen wir Geld, im Winter machen wir Verluste.“ Derzeit sei das Hotel nur zu zwölf Prozent belegt.

Jürgen Seidel, Vorsitzender des Landestourismusverbandes, bedauerte die Insolvenz: „Wir glauben an den Standort Heiligendamm. Jetzt muss schnell jemand her, der die Visionen für Deutschlands ältestes Seebad aufnimmt, damit sich die Investitionen der öffentlichen Hand lohnen.“
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Jagdfeld gibt dem Wetter Schuld
Heiligendamm-Investor: Miese Auslastung
im Winter riss das Grand Hotel in die Pleite.

Von Axel Meyer
Heiligendamm – Dunkle Wolken fegen über das Grand Hotel Heiligendamm. Es regnet. Der Parkplatz ist verwaist. Auch die Hotelzimmer in
der strahlend weißen Anlage sind kaum belegt. Schuld an der derzeit schlechten Auslastung von lediglich zwölf Prozent sei unter anderem das Wetter, klagt Anno August Jagdfeld, Chef der Jagdfeldgruppe, die das Anwesen betreibt. Folge der miesen Bettenbelegung über Jahre: Das Hotel ist pleite.

Der 65-jährige Jagdfeld sitzt im sogenannten Musikzimmer des Kurhauses und versucht, die Gründe für die Zahlungsunfähigkeit zu erklären. Das Winterwetter halte die Gäste fern. Und das negative Image durch bundesweite Schlagzeilen wie „Klassenkampf am Ostseestrand“. Und die Gemeinde Heiligendamm, die einen öffentlichen Weg durch den Komplex fordert. „Das vertreibt die Gäste“, schimpft Jagdfeld und spricht von „Schikane“. Denn die Gäste – die mit viel Geld in der Tasche anreisen – wollen ihre Ruhe haben. Viele Gründe zählt Jagdfeld vor Mikrofonen und laufenden Kameras auf. Viele Schuldige. Nur einer gibt sich völlig frei von Schuld am finanziellen Kollaps. Er selbst. Im Gegenteil. Er sei damals der einzige Bieter gewesen, der 1996 den historischen Anlagenkomplex erwerben wollte. Fünf Jahre lang hätten Bund, Land, Stadt Bad Doberanund Treuhand vergeblich versucht, einen Investor für die 1793 eröffnete Anlage zu finden. Bis Jagdfeld kam.

„Ein anderer hatte sich nicht gefunden“, sagt er. Die Bürgermeister und die Wirtschaftsminister hätten gewechselt. Nur er nicht. Seit 16 Jahren. „Ich bin die einzige Konstante“, sagt Jagdfeld. Das mit der „Konstante“ scheint ihm sehr wichtig zu sein. Er wiederholt es dreimal im Verlauf der wegen der Insolvenz gestern einberufenen Pressekonferenz. Dabei hatte die von Jagdfeld geführte Fundus-Gruppe, die auch das legendäre Adlon-Hotel in Berlin besitzt, große Pläne in Heiligendamm. Der Immobilienmogul scharte private Anleger und Banken um sich. Für damals geschätzte 15 Millionen Mark kauften die Investoren insgesamt 26 Immobilien in Heiligendamm und Umgebung von der Treuhand.

Die klassizistischen Gebäude sollten rasch restauriert, die Villen der sogenannten Perlenkette zu Suiten umgebaut werden. Ein Luxushotel sollte entstehen und rund 150 neue Villen für reiche Städter. Umgesetzt wurden längst nicht alle Vorhaben. Das Hotel eröffnete zwar 2003, aber die meisten alten Strandvillen sind noch nicht mal saniert. Immer wieder gab es Querelen zwischen Jagdfeld und Geldgebern. Die Hypovereinsbank forderte einen 15-Millionen-Euro-Kredit zurück. Vor zwei Jahren gab die Kempinski AG das Management der berühmten Anlage auf.

Weltbekannt wurde das Grand Hotel als Tagungsort des G8-Gipfels im Jahr 2007. Der erhoffte Gästeschub blieb jedoch aus. Die aufs Jahr gerechnete Belegung stieg zwar um acht Prozent auf fast 52 Prozent. Aber nur im G8-Jahr. Derzeit liegt sie bei 44 Prozent. Viel zu wenig. „60 Prozent müssten wir schaffen“, so Jagdfeld. Aber wie? Die Akzeptanz der Gäste müsse vor allem im Winter erhöht werden, sagt der aus Aachen angereiste Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum. Das Problem: Heiligendamm sei nicht „en vogue“, nicht so in Mode wie etwa Sylt. Das müsse verbessert werden. Am Wetter allein könne es ja nicht liegen, betont Zumbaum. Jagdfeld steuert sogleich einige Ideen bei: Einen größeren Spa-Bereich und einen Kinderspielplatz solle man bauen. Wenn man das Geld dafür hat.

200 Millionen Euro wurden investiert

Die Investorengruppe Fundus (Düren) von Anno August Jagdfeld erwarb 1996 den Hauptteil der Immobilien der „Weißen Stadt am Meer“. Das im
Jahr 1793 gegründete Ostseebad ist das älteste deutsche Seebad. Die ECH-Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm, eine Tochter der Fundus-Gruppe, entwickelte das Hotel und stellte es 2003 fertig. Als Betreiber stieg damals das Unternehmen Kempinski Hotels & Resorts ein. Kempinski zog sich jedoch Anfang 2009 aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Management zurück. Seither betreibt die Jagdfeld-Gruppe mit Geschäftsführer Anno August Jagdfeld das Hotel. 200 Millionen Euro wurden in den Komplex investiert. Das Hotel besteht aus mehreren Gebäuden im klassizistischen Stil und historischen Villen. Es gilt als Renommierobjekt der Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern und verfügt über 222 Zimmer, davon sind 78 Suiten.

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„Die Nachricht hat mich kalt erwischt“
Ob die Pleite des Hotels selbst verschuldet ist oder nicht, darüber streiten
sich die Geister. Einig sind sich alle, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben müssen.

Von Klaus Walter
Heiligendamm – Kaum einer, der nicht zuerst an die rund 300 Mitarbeiter im Grand Hotel gedacht hätte: Dennoch sind die Reaktionen auf die Nachricht von der Pleite der Luxusherberge unterschiedlich. Schock und Wut, Mitgefühl und Hoffnung halten sich die Waage. Bad Doberans Stadtvertretervorsteher Guido Lex glaubt, dass mit derZahlungsunfähigkeit die„offenbar ruinöse fixe Idee von der Abschottung Heiligendamms die selbstverschuldete Absage erfahren hat“.Lex erwartet nun eine Neuausrichtung „unter Zurückdrängung des Jagdfeldschen Einflusses, und damit eine Öffnung des Ortes“. Ähnlich äußert sich Doberans FDP-Fraktionschef Harry Klink. „Es ist nicht das erste Mal,dass der Initiator eines Fonds seine Anleger im Regen stehen lässt,und die Mitarbeiter einer Firma und ihre Familien in den Ruin treibt“, sagt er. Auch Klink glaubt,dass die Insolvenz selbst verschuldet ist. „Ein lebendiges Heiligendamm wäre Anziehungspunkt für viele. Ein eingezäunter Kasernenhof ist es nicht.“ Die SPD-Fraktionschefin im Doberaner Rathaus, Birgit Mersjann, ist „einfach nur schockiert“. „Die Nachricht hat mich kalt erwischt“, gesteht sie.
„Aber das wichtigste ist jetzt, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben.“ In der Kreisverwaltung in Güstrow macht man sich Sorgen. „Wichtig ist, dass die aktuelle Debatte den Ruf des Hotels nicht beschädigt und die Gäste auch in Zukunft den Standort annehmen“, sagt der stellvertretende Landrat, Wolfgang Kraatz. Auch Doberans designierter Bürgermeister, Thorsten Semrau, ist besorgt. „Viele Menschen aus der Stadt und der Region arbeiten im Hotel. Der Betrieb muss weiter gehen, damit die Beschäftigten ihrAuskommen haben“, hofft er. Amtsinhaber Hartmut Polzin ist  vorsichtig optimistisch. „Das ist keine gute Nachricht“, sagt er. „Doch ich hoffe für die Mitarbeiter, dass es jemanden gibt, der das Haus weiterführt. Aber das Hotel ist mehrfach ausgezeichnet worden, es wird diese Krise überstehen.“

 

Mitarbeiter lächeln und schweigen
300 Mitarbeiter im Grand Hotel bangen um ihre Jobs, dürfen aber nicht reden.

Heiligendamm – Sie lassen sich nichts anmerken an diesem „schwarzen Dienstag“: Gegen 9 Uhr hatte die Geschäftsführung des Grand Hotels gestern Morgen einen Großteil der gut 300 Angestellten zusammengetrommelt – um ihnen die Nachricht von der Insolvenz zu überbringen. Doch
wer danach Unruhe und Bestürzung erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt: Die Servicekräfte machten ihre Arbeit ruhig und professionell. So, als sei rein gar nichts gewesen. Das könnte auch an dem „Maulkorb“ liegen, den die Geschäftsleitung verhängt hat. „Wir dürfen nichts zu dem Thema sagen. Auch nicht zu unserer Sicht“, sagt ein dunkel gekleideter Sicherheitsmann am Eingang zum Hotelgelände. Wie die Stimmung in der Belegschaft ist, soll nicht nach außen dringen. Als gegen 12 Uhr Radio- und Fernsehsender, Nachrichtenagenturen und Zeitungen zur Pressekonferenz anrücken, lächeln alle Mitarbeiter brav, wünschen zuvorkommend einen „Schönen Tag“. Wie es in ihnen aussieht, blickt nicht durch. Einzig auf dem Mitarbeiter-Parkplatz etwas abseits der Luxusherberge reden die Angestellten offen über ihre Sorgen. Aus einem Kleinwagen steigen zwei junge Mädchen. Ihren Namen und ihre Aufgabe wollen sie nicht verraten. Nur so viel sagen sie zur Insolvenz: „Natürlich haben wir Angst. Bis Mai sollen die Gehälter sicher sein. Aber was ist danach?“ Und die zweite meint: „Hoffentlich findet sich schnell eine Lösung.“ am

Jagdfeld hofft auf weitere Investitionen
„Dem Hotel fehlen Spa-Bereich und Restaurants“

Heiligendamm – Hotelgeschäftsführer Anno August Jagdfeld glaubt, dass mit „saisonverlängernden Maßnahmen“ die Schieflage des Grand Hotels wieder gerade gerückt werden kann und mehr Gäste nach Heiligendamm kommen. „Wir haben viele Kinder im Hotel, und es stört, wenn sie gleichzeitig in demselben Schwimmbad sind, in dem Erwachsene Ruhe suchen“, sagte Jagdfeld. Er denke an eine deutliche Vergrößerung des Spa- Bereiches, an einen Kinderspielplatz und an zwei bis drei weitere Restaurants, um die Erlebniswelt im Hotelgelände auszubauen. Jagdfeld: „Das brauchen wir gerade im Winter.“ Möglich werden solle dies durch einen „Schuldenschnitt“ und dadurch, dass Anleger „auf Forderungen verzichten und das Geld wieder reinvestieren“ – oder dadurch, dass „Forderungen in Eigenkapital umgewandelt“ würden. kw
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Ostsee-Zeitung vom 01.03.2012:

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Gespenstische Ruhe in der Luxus-Herberge
Wie logiert es sich im insolventen Grand Hotel Heiligendamm?
Eine OZ-Reporterin hat gestern Nacht zum Test eingecheckt.

Von Kerstin Schröder
Heiligendamm – Vor wenigen Stunden hat der Chef die Pleite verkündet. Doch von gedrückter Stimmung ist bei den Mitarbeitern des Grand Hotels Heiligendamm nichts zu spüren. Zuvorkommend und freundlich begrüßen sie jeden neuen Gast. Der bekommt die luxuriöse Abgeschiedenheit, mit der das Fünf-Sterne-Haus offensiv wirbt, sofort zu spüren. Empfangshalle und Flure wirken verlassen. In vielen Zimmern ist es still. Zurzeit sehnen sich nur wenige nach der exklusiven Ruhe hinterm Zaun.

Die hat ihren Preis. Für 170 Euro gibt es ein Zimmer mit Aussicht in den Park. Legt man noch 40 Euro drauf, ist der Meerblick inklusive – genau wie das Frühstück, morgens eine Zeitung an der Tür und die Benutzung des Wellnessbereichs. Einen besonderen Abendservice gibt es auch – samt Bett aufschlagen und Gardine zuziehen. Und was denkt das Personal über die Insolvenz des Hotels? Ein Service-Mitarbeiter meint: „Schlechte Nachrichten sind immer die lautesten“. Angst um seinen Job habe er nicht. „Die Politik kann es sich nicht leisten, 300 Arbeitsplätze zu verlieren.“ Außerdem seien doch Millionen in die Hotelanlage geflossen. „Vieles hängt von unserem Betrieb ab, zum Beispiel beziehen wir etliche Produkte aus der Region“, erzählt er.

Überrascht von der Pleite-Nachricht ist sein Kollege: „Der Hotelbetrieb schreibt doch schwarze Zahlen, was drückt sind die alten Kredite“, erzählt er junge Mann. Ändern könnten die Mitarbeiter an der Situation eh nichts und auch nichts beisteuern: „Ich habe keine Millionen.“ Aber es finde sich bestimmt jemand, der investiert. Oben im Zimmer ist es gespenstisch ruhig. Sogar das Rauschen von Wellen und Wind verstummt hinter den Fassaden der Weißen Stadt am Meer. Dass die Urlauber nicht gänzlich in Einsamkeit versinken, dafür sorgen die Mahlzeiten. Zehn Gäste finden sich am Abend in der Nelson-Bar ein.

Empfehlung des Hauses: Fondue Chinoise mit mehreren Fisch- und Fleischsorten, Gemüse und diverse Saucen zum Dippen. Kostenpunkt: 55 Euro pro Person, mit Hummer 75 Euro. Am Tresen liegt Champagner auf Eis. Knallen lassen kann man die Korken für 89 Euro, gern auch für das Fünffache. Doch heute bleiben die Flaschen zu. Die Gäste greifen stattdessen zu Bier oder dem Cocktail des Monats – „Hot Ling“, warmer Kirschsaft mit Wodka. Die Gäste sind beinahe so leise wie das Personal. Sie tuscheln über das Wetter und das Essen, von der Hotel-Pleite kein Wort. Die Reihen lichten sich schnell. Gegen 23 Uhr spielt die Pianistin am schwarzen Flügel für nur noch einen Gast.

Auch am Morgen darauf, als sich ein grauer Nebelschleier um die weißen Häuser legt, ist im Frühstückssaal nur wenig Betrieb. Nur zu zehnt sitzen die hungrigen Frauen und Männer in barock anmutenden Stühlen. Die erinnern an längst vergangene Zeiten, als sich nur wenige einen Ostseeurlaub leisten konnten. Dass für die Exklusivität des Grand Hotels heute auch nur wenige bezahlen, sieht man den vielen leeren Tischen im
Restaurant an. Doch gespart wird am Buffet deshalb nicht. Die Auswahl ist exquisit – mit einer Auswahl selbst gemachter Konfitüre, frischem Holzofen-Bauernbrot und eingelegten Fischvariationen. Ein Gast hat sich die Ostsee-Zeitung mitgebracht und liest auf Seite eins: „Luxushotel Heiligendamm pleite.“ Gesprochen wird darüber nicht. Im Frühstückssaal ist es still wie überall. Draußen vor der Tür sagt eine Frau dann doch doch was: „Diese Ruhe ist so schön.“
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Ostsee-Zeitung vom 01.03.2012:

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Hotel zum Schnäppchenpreis?
Gerüchte über Kaufpreis von 40 Millionen Euro erzürnen Anlegerschützer.

Heiligendamm – Die Pleite des Grand Hotels Heiligendamm könnte zum Glücksfall für Schnäppchenjäger werden. Wie gestern aus dem Umfeld der Fundus-Gruppe bekannt wurde, wäre ein Verkauf für 40 Millionen Euro denkbar – ein Bruchteil der Summe, die der Hotelbau kostete. Dies wäre die Schmerzgrenze für den Insolvenzverwalter, der vorrangig die Forderungen von Banken und Lieferanten erfüllen muss, hieß es. Das Hotel steht bei drei Kreditinstituten, zu denen auch die Rostocker Ospa zählt, mit 30 Millionen Euro in der Kreide. Bei einem Kaufpreis von 40 Millionen bliebe zudem genug Geld für nötige Investitionen in saisonverlängernde Angebote übrig. Fundus-Sprecher Christian Plöger will sich nicht dazu äußern,
sagt aber: „Es geht jetzt darum, einen Käufer zu finden.“ Kandidaten gebe es in der Finanz-Branche. Vor allem Private-Equity-Firmen hätten trotz Bankenkrise noch genug Geld in der Kasse. Fundus-Chef Anno August Jagdfeld bleibt aber auf jeden Fall im Ostseeheilbad präsent – als Eigentümer der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH). Die Firma ist für den Aufbau des Areals rund um das Hotel zuständig, die Insolvenz der Fondsgesellschaft und der GmbH für den Hotelbetrieb betrifft sie nicht. „Ein Verkauf für 40 Millionen wäre erschreckend“, sagt Kerstin Kondert vom Aktionsbund AktiverAnlegerschutz in Berlin. Fundus investierte 220 Millionen Euro in das Hotel. 134 Millionen steuerten die 1850 Fonds-Anleger bei, der Rest stammt aus Fördermitteln (51 Millionen) und Krediten. Die Anleger verzichteten bereits bei einer Rettungsaktion im vergangenen Jahr per Kapitalschnitt auf 90 Prozent ihres Geldes. Die Chance, den Rest wiederzubekommen, sei gering, meint Fonds-Expertin Kondert: „Das klappt nur, wenn ein namhafter Hotelbetreiber einsteigt.“ Die Aussichten für die 300 Angestellten sind selbst im schlimmsten Fall – falls das Fünf-Sterne-Hotel doch noch dichtmachen müsste – nicht unbedingt schlecht. Restaurant- und Hotelfachkräfte werden im Nordosten händeringend gesucht. 593 freie Stellen für Gastronomieberufe sind allein bei der Arbeitsagentur in Rostock gemeldet. „Allerdings will nicht jeder Koch unbedingt vom Nobelhotel in eine Eckkneipe oder Kantine wechseln“, sagt Christiane Walter von der Gewerkschaft NGG. gkw
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Das Ende aller Träume? Politik drängt Jagdfeld zum Rückzug
Die Insolvenz der Luxusherberge könnte auch für die Entwicklungs-Compagnie teuer werden. Sie ist am Hotel beteiligt. Kommunal- und Landespolitik sind in tiefer Sorge.

Von Andreas Meyer
Heiligendamm – Formal betrachtet ist von der Insolvenz „nur“ die Luxusherberge betroffen. Doch die Pleite des Grand Hotels in Heiligendamm könnte zum endgültigen Stolpersteinfür die Entwicklung des gesamten Ortes werden – für die Sanierungder Villeninder „Perlenkette“ etwa. Die gehören zwar nicht der Hotel-Gesellschaft, sondern der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH). Doch beide Gesellschaften hängen zusammen. „Es liegt nicht fern, dass die Insolvenz des Hotels Auswirkungen auf die ECH haben wird“, sagt bereits Stadtvertretervorsteher Guido Lex (Bürgerbund). Aus seiner Sicht sei es „vollkommen unverständlich, dass manche Stadtvertreter selbst jetzt noch glauben,dass die Compagnie die, Perlenkette’ sanieren wird.“ Der parteilose Stadtvertreter Jochen Arenz wird noch deutlicher – und fordert, dass sich der Investor aus Heiligendamm zurückzieht: „Der Steuermann, der das Schiff gegen die Klippen gesteuert hat, muss endlich von Bord gehen.“ Doch daran denkt der gar nicht: „Keiner versteht Heiligendamm so gut wie ich“, hatte Jagdfeld am Tag der Insolvenz gesagt. Jagdfeld ist sowohl Investor und Geschäftsführer des Grand Hotels als auch Chef der ECH. Er hatte bereits bei der Pressekonferenz am Montag eingeräumt, dass die ECH mit sieben Prozent am Hotel beteiligt ist. Dieses Geld könnte nun zumindest teilweise weg sein. „Ja, auch die Entwicklungs-Compagnie ist als Anteilseigner von
der Insolvenz betroffen“, bestätigt Jagdfeld- Sprecher Christian Plöger. „Zudem hat die ECH das Hotel mit Darlehen unterstützt und auf Rechnungen verzichtet. Aber jetzt sind wir Gläubiger wie viele andere auch.“ Plöger beteuert, dass die Hotel-Pleite keinen Einfluss auf die anderen Vorhaben haben wird. Seit Jahren streiten sich beispielsweise die Entwicklungs-Compagnie und die Stadtpolitik um die „Perlenkette“.  Die Volksvertreter wettern, dass bisher noch nicht eine Villa in der ersten Reihe komplett saniert ist – und dass die historischen Bauten zusehends verfallen. „Wir machen bei den Villen weiter wie geplant.Die Hotel-Insolvenz hat keinen Einfluss darauf.“DieArbeiten an derVilla„Perle“ seien in vollem Gang, die Planungen für den Umbau der Villen „Greif“ und „Möwe“ würden noch 2012 beginnen. „Seit der Eröffnung des Hotels gab es immer wieder Diskussionen in der Politik. Wir haben erst seit März 2010 Baurecht für die Villen“, so Plöger. Auch Jagdfeld selbst weist die Schuld weit von sich. Als er vor 16 Jahren große Teil der „weißen Stadt am Meer“von der Bundesregierung kaufte, sei verlangt worden, erst das Hotel und später die Villen zu sanieren. „Und dann, das war die Aussage der Politik,kommen wir Ihnen großzügig entgegen“, so Jagdfeld und wetterte: „Und was war? Ja, Pustekuchen! Das war kein großes Entgegenkommen.“ Das Wirtschaftsministerium in Schwerin hält dagegen: „Auch Herr Jagdfeld ist an Förderrichtlinien gebunden“, kontert Sprecher Gerd Lange. „Die setzen etwa voraus, dass eine Finanzierung für die Vorhaben nachgewiesen wird, die untersetzt ist.“ Ins Detail will Lange nicht gehen. Bürgermeister Hartmut Polzin bleibt angesichts der Insolvenz gelassen: „Die ECH ist eine eigenständige Gesellschaft. Sie hat die Entwicklung weiter in ihrer Hand.“ Zudem gebe es eine Reihe von Verträgen mit Bad Doberan. „Wie belastbar diese Verträge sind, wird sich jetzt zeigen.“ Die Landesregierung will darauf nicht vertrauen. „Wir sorgen uns um den ganzen Standort“, ließ Wirt schaftsminister Harry Glawe (CDU) über seinen Sprecher Lange ausrichten.Glawe hat den Insolvenzverwalter des Hotels, den Aachener Anwalt Jörg Zumbaum, zum Gespräch gebeten. „Wir werden die Insolvenz begleiten, bei der Investorensuche helfen“, verspricht das Ministerium Zu groß ist die Angst, dass der ganze Traum platzen könnte. [/important]

Leserbriefe in der Ostsee-Zeitung vom 01.032.2012:

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Heiligendamm – wer ist der nächste Sündenbock?

Zu „Luxushotel Heiligendamm pleite…“ (OZ, 29.2.): Nun ist also das Wetter an der Reihe. Der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern brummt bis an die Auslastungsgrenzen – und in Heiligendamm ist Totentanz. Die Stadt Bad Doberan hat dem Investor alles recht gemacht – öffentliche Wege wurden entwidmet und für die Öffentlichkeit gesperrt, für die Perlenkette der Denkmalschutz aufgehoben, damit man Villa Perle abreißen kann, Wald und Alexandrinen-Cottage privatisiert – die Liste ließe sich fortsetzen. Bizarre parteiübergreifende Allianzen verhinderten, dass die „Spinner“ von Bürgerbund, FDP und Grünen etc. Einfluss auf die Entscheidungsprozesse bekamen. Also, an der Kommune kann es nicht gelegen haben. Auch die SPD-Landesregierung unter Harald Ringstorff und Otto Ebnet (Zur Villa Perle: „Otto ebnet Heiligendamm ein“) haben das Projekt voll und ganz unterstützt. Mehr geht nicht! Ich bin gespannt, wer als nächster Sündenbock für den Totentanz herhalten muss. Axel Thiessenhusen, Rostock

Kein Magnet zum Geldausgeben
Zum selben Thema: Kenner der Branche haben schon 2000 gesagt, hier wird erst abkassiert und dann geht’s in die Insolvenz. 50 Millionen Fördergelder für damals 90 Arbeitsplätze. Unlängst noch mal 4,2 Millionen Bürgschaft vom Land. Die Anlage mit ihrem Ensemble ist prächtig. Aber Wassertemperaturen um 19/20 Grad und im Umfeld immer noch Ruinen – sicher kein Magnet für Reiche zum Geldausgeben. Und auch die 10 000 erwarteten Amerikaner nach dem G8-Gipfel blieben aus. Gern gesehen waren Landespolitiker.Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass es nach §12 a der Landesverfassung von MV keinen abgezäunten Strand geben durfte? K. Boden, per E-Mail

Was haben die Leute gegen Heiligendamm?

(03.03.2012) Zu Luxushotel Heiligendamm pleite…“ (OZ, 29.2.): Viele Gäste schätzen die Ruhe in Heiligendamm und mögen nicht den Rummel von Kühlungsborn oder Warnemünde, dessen Neptunhotel genauso teuer wie Heiligendamm ist und sogar noch einen Neubau erhalten soll. Was haben die Menschen in Meck-Pomm gegen Heiligendamm? Birgit Schöneweiß, Potsdam

Weitere Leserbriefe bis 05.03.2012 (mehr dann erst einmal nicht):

 Da trifft es doch wieder die „ARMSTEN

der Armen ,na so was.Vielleicht sollten ,die jetzt wohl total verarmten Anleger,sich bei unserer „Mutti“ melden und um Beistand bitten (Sonderrettungsschirm ) für verarmte (schwarzgeld?)Anleger. Klappt bestimmt.

schreibt Stefan Füßel aus Gerdshagen

Sonderübernachtungsangebote über Discounter …..

Sicher gibt es viele Gründe, die zur Pleite des Grand Hotels Heiligendamm geführt haben. Aber wenn die gut betuchten Gäste >eben die gewünschten< im Winter oder aber in den Nebensaisonzeiten nicht gekommen sind, liegt das auch an der Vermarktung und widersprüchlichen Geschäftsprinzipien.Welcher „Gutbetuchte“, der einen ungestörten Ostseeaufenthalt unter seinesgleichen sucht, checkt in einem Hotel ein, welches man auch als Sonderangebot bei einem Discounter buchen kann? Oder aber welcher „Gutbetuchte“, der einen ungestörten Ostseeaufenthalt unter seinesgleichen sucht, promeniert gerne auf dem Hotelgelände, welches aufgrund eines Filmcastings fest in der Hand von wartenden Komparsen ist, welche zeitaufwendig auf ihre Kostümanproben warten (und dieses mit Thermoskannen, Rucksäcken pp.)?

Einerseits agiert die Hotelleitung gegen „neugierige Gaffer“ und gibt denen eine Teilschuld an der Buchungsmisere, andererseits werden „Gutbetuchte“ und „Normalos“ als gemeinsame Gäste begrüsst. Das konnte nicht gut gehen. Übrigens: volles Verständndis für die Komparsen mit Thermoskannen, wegen der Kaffeepreise bei bis zu vierstündiger Wartezeit.

schreibt Detlef Mühlberg aus Rostock
Das Wetter war’s!

Nun ist also das Wetter an der Reihe. Der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern brummt bis an die Auslastungsgrenzen und in Heiligendamm ist Totentanz. Die Stadt Bad Doberan hat dem Investor alles recht gemacht – öffentliche Wege wurden entwidmet und für die Öffentlichkeit gesperrt, für die Perlenkette der Denkmalschutz aufgehoben, damit man Villa Perle abreißen kann, Wald und Alexandrinen-Cottage privatisiert – die Liste ließe sich fortsetzen.

Bizarre parteiübergreifende Allianzen verhinderten, dass die »Spinner« von Bürgerbund, FDP und Grünen etc. Einfluss auf die Entscheidungsprozesse bekamen. Also an der Kommune kann es nicht gelegen haben. Auch die SPD-Landesregierung unter Harald Ringsdorf und Otto Ebnet (Zur Villa Perle: »Otto ebnet Heiligendamm ein«) haben das Projekt voll und ganz unterstützt. Mehr geht nicht! Ich bin gespannt, wer als nächster Sündenbock für den Totentanz herhalten muss.

schreibt Axel Thiessenhusen aus Rostock

Mehr Schein als sein in Heiligendamm!

Früher als dieses Juwel noch allen Bürgern offen stand, pulsierte das Leben in und um Heiligendamm, heute ist es ein abgeschottetes für wenige „Elitäre“zugängliches totes Dorf! Und Herr Anno August Herr von Jagdfeld hat mit Sicherheit nicht einen einzigen Cent von den angeblichen 200 Millionen“investierten“Euros aus seiner Tasche bezahlt!Ein Hoch auf die Fördergelder! Gewarnt wurde ja schon immer vor diesem Parasiten, nur solange solche kriminellen „Investoren“vom Staat gefördert und hofiert werden, wird sich nie was ändern!

schreibt Jörn Jonischkies aus Rostock

Besser ein Käufer als kein Käufer!

Ein Schloss im Eigentum einer Gemeinde ist heute nicht immer nur ein Glücksfall.Einerseits kann die Gemeinde das Objekt aus finanziellen Gründen selber nicht bewirtschaften, andererseits sucht man händeringend nach Käufern, die über ein Nutzungskonzept verfügen.

Immobilienverkäufe in Groß Lüsewitz haben in den letzten Jahren gezeigt, dass bei falschen Versprechen immer die Einwohner die Verlierer sind, denn sie müssen die Ruinen ertragen (Schafstall, Bahnhof, Trockenwerk und Speicher).

Die Gemeinde sollte sich endlich betriebswirtschaftlich entscheiden und dem Käufer Herrn Oelschläger die Möglichkeit geben, sein Konzept zu verwirklichen – sonst haben die Groß Lüsewitzer bald noch eine verfallende Immobilie mehr.

schreibt Bernd Sturzrehm aus Groß Lüsewitz

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Man merkt: Es sind immer dieselben Namen, die quer durch alle Medien ihre Thesen verbreiten aber es sind auch Menschen dabei, denen man keine Verbindungen (weder für noch gegen) nachweisen kann und die einfach nur mitdenken und ihre Gedanken äußern. Man merkt aber auch, wie fest die Klischees sind und wie viele falsche Informationen einfach als wahr hingenommen und auf Grund dessen sich merkwürdige Meinungen gebildet werden.

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